Aufwertendes Konzept

Sanierungsmaßnahmen im Neuburger Stadtteil Schwalbanger

Insgesamt werden vier Gebäude im Rahmen eines integrierten Handlungskonzeptes eine umfassende Modernisierung bekommen und damit der Wohnstandort eine Aufwertung erfahren. Dass dabei die Wohnqualität für die meist langjährigen Mieter steigt – einer der Schwerpunkte bei der Planung – der auch bei der Philosophie der Genossenschaft ganz oben steht.

Konzept und Zielsetzung

Energetisches Ziel, das es zu erreichen gilt: die Unterschreitung des Neubaustandards um 30%. Eine exakt koordinierte Umsetzung und eine solide Finanzierung waren vor Beginn der Aktivitäten die Aufgabe für den Bauherrn. Im ersten Abschnitt wurde das 1969 erbaute Objekt Richard-Wagner-Straße 77 mit 21 Wohnungen umfassend modernisiert. „In einem Zeitraum von etwa acht Monaten konnten wir im bewohnten Zustand alle Maßnahmen zur Zufriedenheit unserer Mieter bewerkstelligen“, so Stefan Hardt, verantwortlich bei der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen eG für die Vorplanung und Umsetzung,

Maßnahmen (siehe Tabelle).


Umsetzung des Konzeptes

Auf mehreren Säulen stellte man die Finanzierung der erforderlichen Maßnahmen. Eigene Rückstellungen und Modernisierungsdarlehen aus den Städtebauförderungsprogrammen von Bund, Freistaat Bayern und der Stadt Neuburg konnten nach Antragstellung freigegeben werden und ermöglichten einen raschen Start in die Umsetzungsphase. Die Gewerke übergreifende Sanierung begann, sie konnte somit in einem Zeitraum von knapp acht Monaten realisiert werden.

 

Wärmedämm-Verbundsystem

Innerhalb des gesamten Maßnahmebündels kommt der Gebäudehülle in Form eines Wärmedämm-Verbundsystems (WDVS) besondere Bedeutung zu. Reibungsloses Arbeiten bedingt im Vorfeld dieses Gewerkes mehrerer Voraussetzungen: Klare, mit den „angrenzenden“ Arbeiten abgestimmte Terminierung, ein leistungsfähiger und flexibler Handwerksbetrieb und eine funktionierende Materiallogistik des Systemlieferanten. Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft entschied sich für die Partner BVA Bergmüller als ortsansässigen Handwerksbetrieb und für Baumit als Systemlieferanten. Zunächst war die Eignung des Mauerwerks als Träger des Systems zu analysieren. Dies konnte nach dem Rückbau der Plattenverkleidung nach den geltenden TRGS-519-Richtlinien erfolgen. Dann durchgeführte Messungen und Proben am darunterliegenden Ziegelmauerwerk ergaben Haftzugwerte über den geforderten 0,08 N/mm² für die Verklebung von zugelassenen EPS-Dämmplatten. Dies war ein entscheidendes Kriterium, konnte man in diesem Fall doch auf eine zusätzliche Verdübelung des Systems verzichten. Ein in diesem Fall nahezu planebenes Mauerwerk mit den mindestens wie vor beschriebenen entsprechenden Eigenschaften kann bei der von Bergmüller angewandten maschinellen Verklebung ohne zusätzliche konstruktive Verdübelung gedämmt werden. Eine Art der maschinellen Verklebung ist das wulstförmige Auftragen des Klebemörtels auf den Untergrund im Abstand von etwa zehn Zentimetern, bekannt unter der Bezeichnung „Mäanderverfahren“. Technisch mögliche Alternative: der Kleber wirdnach dem Auftragen auf die Dämmplatte zu einer vollflächigen Klebefläche aufgekämmt und dann, wie auch im vor beschriebenen Verfahren, die Platte eingeschwommen. In den Nischenbereichen der ursprünglichen Balkone jedoch waren durch Unebenheiten im Mauerwerk umfangreiche Ausgleichsputzarbeiten notwendig geworden. Diese, teils mehrere Zentimeter betragende Niveaudifferenzen glich der Verarbeiter durch ein- bis dreilagiges Aufputzen mit einem mineralischem Leichtmörtel „Luftporen-Leichtputz LL 66 plus“ aus. Die oberste Lage wurde nach dem ersten Ansteifen leicht aufgeraut, um eine optimale Verklebung der Fassaden-dämmplatten zu erzielen. Die bayerische Landesbauordnung sieht bei Gebäuden dieser Art die Einstufung des WDVS in Baustoffklasse B 1 (schwer entflammbar) vor, sofern keine nutzungsabhängigen Sonderregelungen erweiterte Auflagen verlangen. Diese Baustoffklasse wird durch die Verwendung des Dämmstoffes EPS – in diesem Fall 140 mm Stärke – und dem zusätzlichen Einbau von Brandschutzriegeln aus Mineralwolle möglich. Über jedem zweiten Stockwerk verlegte das Team der Firma Bergmüller einen umlaufenden, 20 cm hohen Brandriegel in Dämmstoffstärke. Diese Art der Verlegung ist in vielen Fällen eine wirtschaftliche Alternative zum Brandschott über jedem Fenstersturz. In der neu aufgelegten „Technischen Systeminfo 6“ des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme e. V. findet man schnell und übersichtlich die einschlägigen Angaben zum Brandschutz bei WDVS. Weiter enthalten darin sind viele Anwendungsbeispiele für gebäudebezogene Sonderlösungen im Bestandsbau.

Bei der Verwendung der geprüften Systemkomponenten ist die Auswahl der geeigneten Anputzleisten ein wichtiger Bestandteil der Gesamtmaßnahme. Aufgrund des unterschiedlichen Ausdehnungsverhaltens der Bauteile an den Schnittstellen zum WDVS fällt dieser Leiste eine besondere Bedeutung zu. Klare und eindeutige Auswahlkriterien von Baumit erleichterten die richtige Anwendung. So kam hier die schlagregendichte „Baumit Anputzleiste Ideal“ zum Einsatz, die durch ihre entkoppelnde Eigenschaft die Bewegungen entsprechend kompensiert. Sowohl die Verklebung als auch die Armierung wurden mit bewährten mineralischen Produkten ausgeführt. Vor dem Auftragen der Endbeschichtungen haben Architekt, Bauherr und die Stadt Neuburg ein integriertes Farbkonzept für das Objekt abgestimmt. Eine vornehme, zurückhaltend gestaltete Fassadenoberfläche sollte mit den etwas hervorgehobenen Balkonverkleidungen harmonieren. Eine Herausforderung, der sich das planende Büro Herle + Herrle aus Neuburg gerne stellte. Drei Konzepte wurden dort entwickelt und gemeinsam wurde zur leicht in Richtung Gold gehenden Balkonkonstruktion der Farbton History 3125 aus der Baumit-Farbkollektion ausgewählt. Um das Bauteil Treppenhaus klar zu definieren, wählten die Verantwortlichen einen dunkler abgestuften Ton aus derselben Farbreihe.

„Habe Fertig!“

Zufrieden mit dem Verlauf der umfangreichen Aktivitäten steht Stefan Hardt nun vor dem mehrstöckigen Gebäude und blickt auf das neue Gesicht. Viel Arbeit liegt hinter ihm und er weiß, dass er und seine Partner wieder gefordert sind, denn die Bautrupps sind bereits angerückt und nehmen den direkt daneben liegenden Wohnblock in Angriff. Sein großer Vorteil: Er und die Beteilig-ten können die gewonnenen Erfahrungen direkt umsetzen.

Günter Wittmann,

Objektberater, Baumit GmbH,

Bad Hindelang

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