Sicherheit unter allen Umständen

Drei Szenarien – drei Sicherheitslösungen im Schalungsbau

Zu den häufigsten Arbeitsunfällen zählen nach wie vor (Ab-)Stürze. Wie solche Unfälle, neben planungstechnischer und organisatorischer Maßnahmen, verhindert werden können, zeigen diese drei Beispiele aus der Schalungswelt.

Bauarbeiter sind in ihrer täglichen Arbeit einem hohen Unfallrisiko ausgesetzt. Um Gefahrensituationen bestmöglich zu vermeiden und Baustellen zu einem sicheren Arbeitsort zu machen, müssen geeignete Maßnahmen nach dem STOP-Prinzip getroffen werden: Substitution (d.h. Gefahrenquellen vermeiden oder beseitigen, beispielsweise, indem ermüdetes Material gegen neues, besseres ausgewechselt wird), technische Lösungen, organisatorische Maßnahmen sowie personen- und verhaltensbezogene Sicherheitsmaßnahmen.

Oberste Priorität hat laut Arbeitsschutzgesetz (§4) die Substitution. Ist diese nicht möglich, sind technische Maßnahmen, v.a. der Einsatz von Schutzeinrichtungen, zu implementieren, um den Arbeitsplatz sicher zu machen. So sorgen auch die drei folgenden Lösungen für mehr Absturzsicherheit auf der Baustelle.

Rundherum abgesichert

Um (Ab-)Stürze zu vermeiden, empfehlen sich moderne Seitenschutzsysteme, die dem Ablauf auf der Baustelle gut folgen können. Ideal sind Systeme, die sowohl zur Baustellenabgrenzung als auch bei der Schalung und auch am Rohbau als Seitenschutzsystem eingesetzt werden können. Der Nachweis des Herstellers durch Berechnungen bzw. Versuche garantiert, dass sämtliche Einsatzfälle den Vorschriften entsprechen. Flexible und geprüfte Anschlussteile stellen sicher, dass der gedachte Einsatz auch in der Praxis funktioniert. Ergonomische Aspekte, bspw. das Lösen des Geländestehers mit dem Fuß, kommen der Baustellenmannschaft entgegen und beschleunigen den Arbeitsvorgang.

Grundsätzlich sind bei der Verwendung von Seitenschutzbauteilen an der Schalung im Besonderen die Unterkonstruktionen mit zu betrachten, denn die zu kalkulierenden Seitenschutzkräfte müssen auch in der darunterliegenden Konstruktion berücksichtigt werden.

Eine „one fits all“-Konstruktion gibt es nicht – was aber nah herankommt, ist das Seitenschutzsystem XP, eine Absturzsicherung für Seitenschutzaufgaben bei Schalungs- und Rohbauarbeiten (z.B. Trep­pen­läu­fe und Ge­bäu­de­kan­ten). Mit nur einem Geländesteher können alle Arten des Seitenschutzes bis 1,20 m abgedeckt werden: Gitter, Holz, Gerüstrohre oder Vollbeplankung, alles ist möglich. Bei Bedarf kann durch einen speziell entwickelten, zusätzlichen Steher das System sogar auf eine Gitterhöhe von 1,80 m aufgestockt werden. Die Abstände müssen dabei nicht verringert werden, was bis zu 20 Prozent an Stehern einspart.

Was der Gurtstraffer im Auto, ist der FreeFalcon

auf der Baustelle

Sicherheitssysteme sowie Arbeitsbühnen gehören technisch gesehen zu den wichtigsten und geläufigsten Präventionsmaßnahmen gegen Arbeitsunfälle bei Schalungsarbeiten. Im Zuge des Bauablaufs entstehen dennoch immer wieder Lücken. So gab es noch bis vor kurzem etwa im Deckenschalungsbereich oftmals buchstäblich eine Sicherheitslücke, etwa bei Arbeiten auf der zu schalenden Decke oder an Montage-bedingt offenen Kanten.

Die mobile Absturzsicherung FreeFalcon schließt diese Lücke. Das Prinzip: Der Mitarbeiter sichert sich an einem Zugseil mit Höhensicherungsgerät, das an einem mobilen Ankermast mit drehbarem Schwenkarm angebracht ist. Sobald die zulässige Nutzlast überschritten wird, löst das Sicherheitssystemventil der Hydraulik aus: Der Schwenkarm wird eingefahren und zieht damit den Anschlagpunkt zu sich heran. Gleichzeitig fährt eine Arretierung ein, so dass sich der Schwenkarm nicht mehr drehen kann. Durch die daraus resultierende Schwerpunktverlagerung kann das Gerät nicht (um)kippen.

Dies erklärt auch das relativ geringe Gewicht der Vorrichtung von 450 kg. Dank seines variablen Schwenkarms sowie einem Arbeitsradius von bis zu 7 m bietet der FreeFalcon genügend Bewegungsfreiheit. Umsetzen lässt sich die Vorrichtung ganz einfach per Hubwagen (oder Kran). D.h. es ist auch keine Verankerung nötig, so dass Planung, Montage und Kosten entfallen und nicht in die Bauwerksstatik eingegriffen wird.

Positive Kundenreaktion

Erhältlich ist die systemunabhängige, mobile Absturzsicherung über Doka, deren Mitarbeiter das Gerät auch selbst nutzen, etwa bei der Schalungsvormontage eines Tunnelschalwagens auf der Baustelle S-Bahnanbindung Gateway Gardens in Frankfurt/Main. Doch auch viele Kunden der Schalungstechniker sichern ihre Mitarbeiter mittlerweile mit dem FreeFalcon, wie etwa die Berthold Kuhnle Bauunternehmung GmbH & Co. KG.

Für Junior-Chef Moritz Kuhnle sprechen drei Gründe für die Anschaffung: „Erstens deutlich mehr Sicherheit für unsere Mitarbeiter und Nachunternehmer. Von den Sicherheits- und Gesundheitskoordinatoren erhalten wir hierzu regelmäßig positives Feedback auf den Baustellen. Zweitens sind wir mit dem FreeFalcon nicht an Kranzeiten gebunden, da wir ihn per Hubwagen auf der Deckenschalung bzw. der Betondecke versetzen können. Und drittens aufgrund der einfachen Bedienung. Unsere Mitarbeiter waren bei der ersten Schulung durch Doka überrascht, wie gut sich das Gerät bewegen und bedienen lässt. Sie fühlen sich nicht eingeschränkt, da sie durch den Anschlag am Rücken kein Hindernis vor dem Körper haben und das Seil sich sehr gut mit ihrer Bewegung auf- und abrollt.

Man muss ehrlicherweise sagen, dass das Gerät noch nicht von jedem unserer Mitarbeiter und Nachunternehmer positiv angenommen wird, daher liegt es an uns, die Vorteile des FreeFalcon durch Schulungen und Praxisanwendungen klar zu machen. Aktuell nutzen wir den FreeFalcon, wenn wir Decken einschalen oder Fertigteildecken versetzen, also Spannbeton-Hohldecken und TT-Decken. In Zukunft möchten wir ihn auch beim Ein- und Aushängen unserer Doka-Faltbühnen verwenden. Wir sind uns sicher, dass sich im Laufe der Zeit noch mehr Einsatzgebiete ergeben.“

Übrigens gibt es auch eine Ausführung für die Anwendung bei Elementdecken. So sichert der FreeFalcon PCC beim Verlegen von Elementdecken den Arbeiter an der Absturzkante. Aus technischen Gründen ist diese Variante etwas schwerer (595 kg). Sowohl der FreeFalcon als auch der FreeFalcon PCC sind DEKRA-zertifiziert und entsprechen der DIN-Norm (FreeFalcon: EN 795:2012 Typ E, FreeFalcon PCC: EN 795:2012 Typ B).

Sondergefertigter Schutzschild, der selbst extreme

Neigungen mitgeht

Nun gibt es aber auch Bauwerke mit einer so ausgefallenen Geometrie, dass dafür Einzellösungen entwickelt werden müssen. Ein solcher Fall ist der Omniturm in Frankfurt/Main. Der fast geradlinige Glasturm bringt Bewegung in die Skyline der Stadt, denn etwa in der Mitte macht der Turm eine Art „Hüftschwung“. Für diese spiralförmige Achsenverschiebung entwickelte Doka einen speziellen, neuartigen Schutzschild, der sich vorwärts, rückwärts und seitwärts um mehr als 20° neigen lässt.

Die Sicherheitsanforderungen auf dieser Baustelle mitten in der belebten Innenstadt waren enorm. Sowohl Passanten und Autofahrer, die jeden Tag zu tausenden die Baustelle passierten, als auch die Baustellenmannschaft mussten vor herabfallenden Gegenständen bzw. gegen Abstürze und selbst extreme Witterungsverhältnisse geschützt werden. Der Einsatz eines „normalen“, sprich senkrechten Schutzschilds war in diesem Fall aufgrund des verschobenen Bereichs nicht möglich. Also tüftelten die Ingenieure von Doka an einem Novum: einem Schutzschild, das nicht nur senkrecht hydraulisch klettern kann, sondern sich in den versetzten Ebenen – ohne Umbauten – entweder nach vorne oder nach hinten und gleichzeitig sogar zur Seite neigen lässt.

Das Gebäude macht an den zueinander verschobenen Ebenen einen Sprung von je bis zu 1,35 m. In der größten Verschiebung liegt der so genannte Residential-Bereich um insgesamt mehr als 5 m zur Grundlinie versetzt. Das Schutzschild wurde deshalb beim Einsatz am Rohbau je nach Ausrichtung in alle Richtungen um bis zu 21° geneigt. Über Lamellen ließ sich eine Parallelverschiebung in beide Seiten vornehmen und variabel in der Höhe verstellen. Für den Oberpolier Michael Bellon der bauausführenden Firma Lupp „eine große Hilfe – eine sehr große Hilfe sogar.“

Arbeitsschutz rechnet sich

In der Gesamtbetrachtung sind technische Lösungen natürlich nur einer von vielen Ansatzpunkten, um die Sicherheit auf Baustellen zu maximieren. Egal wie – Sicherheit kostet Geld, denn jede Sicherheitsmaßnahme ist immer mit einer Investition in Ressourcen verbunden. Keine Sicherheit kostet aber sehr viel mehr, im schlimmsten Fall das Leben eines Arbeiters. Doch Arbeitsschutz rechnet sich auch wirtschaftlich: Laut einer internationalen Studie bringt jeder investierte Euro zur Vermeidung von Unfällen im Durchschnitt mehr als das Doppelte der investierten Summe an wirtschaftlichem Erfolgssteigerungspotenzial. Der „Return on Prevention“ beträgt demnach bei 1 EUR Investition im Schnitt 2,20 EUR. War die Installation von Sicherheitssystemen bisher oft mit einer Hemmschwelle verbunden, da durch die Montage zusätzlicher Aufwand entsteht, so sollte spätestens nach dieser Rechnung klar sein: Arbeitsschutz ist vor allem eine menschliche, aber auch eine betriebswirtschaftliche Verantwortung.

Doka GmbH

www.doka.de

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