Schacht-in-Schacht-Modernisierung

Eine Lösung für 100 Jahre

In Königsbrunn wurden fünf Abwasserschächte in nur sieben Arbeitstagen saniert. Die neu eingebauten Schächte aus Polypropylen sind widerstandsfähig und beständig gegenüber extremen Kanalatmosphären – perfekt geeignet sogar für das laugenbehaftete Abwasser der nahen Industrie.

In der Königsbrunner Wandalenstraße waren fünf Abwasserschächte in die Jahre gekommen. Bei deren Herstellung Anfang der 70er Jahre wurde üblicherweise Ort-Beton verwendet, der starken Qualitätsschwankungen unterliegt. Im Laufe der Zeit wurde das Material sukzessive ausgewaschen und durch das teilweise aggressive Abwasser angegriffen und abgetragen.


Eine besondere Herausforderung: Laugenhaltiges Abwasser

Vor allem die Oberfläche der Kanalsohlen wurde aufgrund des Angriffs von laugenhaltigem Abwasser (Industrie) sehr rau, was zu vermehrten Stauungen führte. Trotz mehrmaligem Sanieren der Kanalsohle mussten Mitarbeiter der Stadtwerke immer wieder ausrücken, um Verstopfungen in den Kanälen zu lösen. Unterm Strich konnte in der Wandalenstraße das Abwasser nicht mehr sicher ablaufen und im schlimmsten Fall in die Keller der Anschlussnehmer gelangen. Die fünf Schächte mussten dringend nachhaltig saniert werden.


Wenig Optionen: Schlechte Erfahrung vs. hohe Kosten

Dabei kamen drei Möglichkeiten in Betracht. Bei der ersten, dem sogenannten Vertikal-Liner-Verfahren, wird ein mit Harz getränktes Glasfasermaterial in den Kanalschacht eingebracht, aufgefaltet und mit heißem Wasser ausgehärtet. Damit hatten die Königsbrunner nach eigenen Angaben nicht die besten Erfahrungen gemacht. Möglichkeit zwei wäre ein kompletter Austausch der fünf Hauptkanalschächte gewesen. Diese Vorgehensweise hätte den maximalen Aufwand nach sich gezogen und zudem die Bauzeit und damit die Einschränkungen für die Anwohner erheblich verlängert.


Die Entscheidung: Schacht-in-Schacht

Die Verantwortlichen in den Königsbrunner Stadtwerken haben sich schließlich für die dritte Variante entschieden, eine Schacht-in-Schacht-Modernisierung mit Unterstützung des Unternehmens Rehau. Hierbei wird ein langlebiger, widerstandfähiger Kunststoffschacht aus Polypropylen der nächstkleineren Nennweite in den korrodierten Altschacht gesetzt, der als verlorene Schalung im Boden verbleibt.


Grundlage: Die Digitalisierung des Altschachts

Die Grundlage für eine erfolgreiche Modernisierung ist dabei die Digitalisierung des Altschachts. Mit einem hochauflösenden Lasersystem wird dessen Struktur vollständig gescannt und in eine 3D-Punktewolke überführt. In einem individuellen Schachtprotokoll werden schließlich alle relevanten Faktoren zusammengefasst. Dazu gehören zum Beispiel die Dimensionen der Bestandrohre, die Winkel von Zu- und Abläufen, das Leitungsgefälle, die Gelände- und Straßenneigung und natürlich der Schachtinnendurchmesser. Auf dieser Basis wurden schließlich die individuellen AWA-Schacht Kunststoffschächte durch Rehau angefertigt. Außerdem lässt sich bei diesem Vorgehen der allgemeine Zustand des Schachtes analysieren. Es werden dabei Fugen, Risse, Infiltrationen und herausragende Dichtungen, der Steigleiterzustand und das Mauerwerk erfasst.

Projektdauer: 7 Tage

Am 26. April 2022 begannen schließlich in der Königsbrunner Wandalenstraße die Sanierungsarbeiten. Die neuen Kunststoffschächte wurden in die bestehenden Altschächte herabgelassen, ausgerichtet und mit Absperrblasen fixiert. Beim Einbau zeigte sich, dass alles perfekt passte. Abschließend wurde der Ringraum zwischen dem alten und dem neuen Schacht mit Vergussmörtel verfüllt. Sieben Arbeitstage später, am 4. Mai 2022, war das Projekt abgeschlossen. Der Abwasserstrom musste immer nur stundenweise abgestellt werden, bis die robusten Kunststoffschächte eingearbeitet waren. Die Anwohner waren dem Baulärm nur für kurze Zeit ausgesetzt und konnten danach ihre Grundstücke wieder ohne Einschränkungen befahren.


Ergebnis: 100 Jahre Ruhe im Schacht

Die Stadtwerke Königsbrunn sind mit dem Verlauf der Sanierung mehr als zufrieden. Der Bodenbereich, der die alten Betonschächte umgibt, musste nicht bis unter den Schacht ausgehoben werden. Der neue AWA-Schacht ist selbsttragend und standsicher bis SLW 60. Die Lastentkoppelung zwischen dem neuen AWA-Schacht und dem Auflagebereich verhindert absinkende Schachtabdeckungen. Das Besondere an dem Projekt ist zudem, dass in der Wandalenstraße in Königsbrunn jetzt für vier Generation Ruhe herrschen wird – zumindest was die Schachtsanierung betrifft. Denn die robusten Schächte haben nach Angaben von Rehau eine Lebensdauer von 100 Jahren. Und das ganz ohne Belastung von Natur und Umwelt mit gefährlichen Stoffen!

Rehau Industries SE & Co. KG

www.rehau.com

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