Oberflächennahe Entwässerung in Hürth-Berrenrath

30 Prozent Kostenersparnis und hohe Sicherheit bei Starkregen

Die Nutzung von Regenwasser hat erheblich an Bedeutung gewonnen. Ökologische und ökonomische Aspekte können sich dabei verbinden, denn heute ist es nicht mehr obligat, Niederschlagswasser über unter­irdische Kanalsysteme abzuleiten. In einem Neubaugebiet in Hürth-Ber­ren­rath wurde beispielhaft das Konzept einer oberflächennahen Entwässerung mithilfe der ACO Linienentwässerung verwirklicht.

Drei Jahre nach Ende der Bauzeit legt Dipl.-Ing. (FH) Michael Müller im folgenden Beitrag eine Nachbetrachtung der Regenwasserbewirtschaftung in Hürth-Berrenrath vor, die auch die klimatischen Veränderungen der jüngsten Vergangenheit und den bisherigen Nutzen für die Wohnsiedlung aufzeigt.

Ausgangslage: Bodensenkung in Hürth-Berrenrath

Wenn zu große öffentliche Flächen versiegelt sind, zum Beispiel für die Verkehrsführung, kann es regional zu drastischen Absenkungen des Grundwasserspiegels kommen. In Bergbaugebieten wie dem rheinischen Braunkohlerevier kommt die so genannte Sümpfung hinzu: Um Braunkohle im Tagebau fördern zu können, muss das Grundwasser bis unter das Niveau des tiefsten Kohlenflözes abgesenkt werden, was bis zu 450 m betragen kann. Gebiete im Umkreis von 50 km sind von den Trichtern der Grundwasserabsenkung betroffen. Im Fall Hürth-Berrenrath musste man eine andere für die Region typische Folge des Bergbaus bei der Planung berücksichtigen. Der Grundwasserspiegel in dem Neubaugebiet lag nur knapp unter der Oberfläche. Die Ursache: Der Hürther Stadtteil wurde von 1952 bis 1959 unter der Federführung der Braunkohleindustrie auf den ehemaligen Tagebau Aldenrather Feld umgesiedelt. Im Laufe der Zeit hat sich der Boden über den ehemaligen Braunkohlegruben stark gesenkt, das Grundwasser blieb jedoch auf gleicher Höhe und passte sich relativ zum Bodenniveau an. Die Folge: In Hürth-Berrenrath hätte eine normale Regenwasserkanalisation bei starken oder lang anhaltenden Regenereignissen zwangsläufig zu Hochwasser und überlaufenden Kellern geführt.

Umweltfreundliche Lösung: Oberflächennahe Entwässerung

Der Schwerpunkt des Entwässerungskonzepts in Hürth-Berrenrath lag in einer ökologisch verträglichen und zugleich kostengünstigen Regenwasserbewirtschaftung, bei der Niederschläge in dem von erheblichen Grundwasserproblemen betroffenen Neubaugebiet möglichst effizient in ein Versickerungsbecken abzuleiten sind. „Die Entwässerung in dem ehemals als Braunkohle-Abbaugebiet genutzten Wohngebiet erfolgt im Trennverfahren“, erklärt Frank Jansen, zuständiger Bauleiter der Frauenrath Bauunternehmen GmbH, Heinsberg. „Trotz eines Grundwasserspiegels von nur 1,50 m Tiefe konnte auf eine Planungsvariante mit Kanalrohren verzichtet werden. Kostenersparnis durch die oberflächennahe Entwässerung mit offenen Rinnensystemen: ca. 30 Prozent.“ Zwischen 2004 und 2006 wurden 2200 lfd. Meter Standardrinnensysteme von Hersteller Aco in den Nennweiten 100 bis 400 verlegt. Sie bestehen aus Polymerbeton, einem äußerst robusten, zudem frostbeständigen und medienresistenten Werkstoff. Durch ihr geringes Eigengewicht ermöglichen die Rinnen eine besonders hohe Verlegeleistung. Einen weiteren Verarbeitungsvorteil bietet das schraubenlose Arretierungssystem, mit dem sich die Rinnen zeitsparend montieren und die Abdeckungen verkehrssicher verriegeln lassen. Der Bauleiter ist auch heute – weit nach der Gewährleistungsfrist des Herstellers – von den Vorteilen der oberflächennahen Entwässerung überzeugt: „Auch fünf Jahre nach Baubeginn sind die Rinnen in Berrenrath absolut dicht“, so Jansen. „Positiv wirkt sich auch die Hydraulik und die damit verbundene Selbstreinigung aus: Die Rinnensysteme sind noch heute nahezu frei von Ablagerungen.“

Für die gesamte Oberflächenentwässerung inklusive Dachflächen entstand in dem Berrenrather Neubaugebiet ein umweltfreundliches Konzept, das auch Retentionsräume beinhaltet, in denen das Niederschlagswasser entlang von Wohnwegen zwischengespeichert wird. Die oberflächennahe Ableitung erforderte eine entsprechende Modellierung des Geländes, die man in der Planung der Verkehrsflächen und der Frei- und Grünflächen konsequent umsetzte: In der Bauphase wurden die Querschnitte der Straßen und Wege so ausgelegt, dass das Wasser auch bei Starkregenereignissen über die Rinnensysteme abfließt, ohne die angrenzenden Grundstücke zu überfluten. In allen Nebenerschließungsstraßen, einem Teilstück der Haupterschließungsstraße und den Fußwegen wurden offene Kastenrinnen eingebaut. Über ein hinreichendes Längsgefälle der einzelnen Straßenabschnitte wurde gewährleistet, dass in den Rinnen gesammeltes Niederschlagswasser in den nahe gelegenen Otto-Maigler-See ablaufen kann. Bei den Rinnensträngen wurden die 400er Nennweiten mit 300er, 200er und 100er Rinnen kombiniert.

Als Zwischenbilanz lässt sich festhalten: Schon heute hat sich das Konzept der oberflächennahen Entwässerung bewährt. Während andere Stadtteile Hürths unter den Folgen von Starkregenereignissen litten, ließ sich die neu erschlossene Siedlung in Berrenrath sicher entwässern. „In der Planungs- und Umsetzungsphase konnten sich alle Baubeteiligten auf die technischen Services des Herstellers verlassen“, berichtet Frank Jansen. “Die Anwendungstechnik von Aco Tiefbau hat uns in vielfältiger Weise unterstützt: von der hydraulischen Leistungsberechnung über Verlegepläne bis hin zur persönlichen Ansprache auf der Baustelle. Es gab auch eine Vor-Ort-Schulung, in der individuell auf die Verarbeitung von Rinnenelementen eingegangen wurde, zum Beispiel bei anspruchsvollen Ecklösungen“, so der Bauleiter.

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