Koblenz und die BUGA

Neue Verkehrswegeplanung

Eine Stadt verändert ihr Gesicht. Im Rahmen der Bundesgartenschau nutzte Koblenz die Möglichkeit, nicht nur das BUGA-Gelände selbst, sondern auch große Teile der Innenstadt neu zu gestalten.

Auf diesem Wege entstanden etliche Bereiche, die auch nach dem großen Event das Stadtbild positiv prägen werden. Einen roten Faden bilden dabei die Pflastersteine und Betonsteinprodukte von Kann. Das Bendorfer Unternehmen war bereits zu Beginn der Planungsmaßnahmen als BUGA-Partner ins Boot geholt worden.

 

Für BUGA und Bürger

Mit dem Zuschlag zur Bundesgartenschau eröffneten sich für Koblenz vollkommen neue Perspektiven zur Stadtgestaltung. Zum ersten Mal galt es, ein Gartenschaugelände in einen gewachsenen innerstädtischen Bereich zu integrieren. Wurden bisher ähnliche Veranstaltungen auf weiträumige Areale außerhalb der Stadt verlegt, nutzte man in Koblenz bewusst die Chance, die Ausstellungsfläche und architektonische Sehenswürdigkeiten miteinander zu verbinden. Landschaftsarchitekt Stephan Lenzen, zusammen mit dem Koblenzer Architekten Alexander von Canal mit den Planungsarbeiten für die BUGA betraut, legte deshalb Wert auf eine Neugestaltung eines Großteils der Straßen und Plätze rund um das BUGA-Gelände. Viele Bereiche, wie beispielsweise die Rheinpromenade waren deutlich in die Jahre gekommen und wiesen schadhafte Straßenbeläge auf. Andere Areale waren, trotz bester Lage, vollkommen aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden. Das galt auch für den Schlossgarten zwischen dem Kurfürstlichen Schloss und dem Rheinufer. Durch die Nutzung des Schlosses als Bundesbehörde war er jahrzehntelang für Besucher nicht zugänglich und damit dem Vergessen preisgegeben. Hier ist es durch die Planungen zur BUGA gelungen, ein verstecktes „Juwel“ wieder sichtbar zu machen.

Bürgernahe Stadtplanung

In erster Linie galt es, die Koblenzer Innenstadt auch für Fußgänger wieder attraktiv zu gestalten. Stand im Vorfeld der Planungen noch der Autofahrer im Mittelpunkt des Verkehrskonzeptes und prägten zahlreiche Parkplätze das Stadtbild, sollte mit der Neukonzeption die historische Bausubstanz wieder in den Fokus rücken. Zudem mussten verbindende Achsen zwischen den drei Kernbereichen der BUGA geschaffen werden. Nicht zuletzt sollte auch für den Koblenzer Bürger seine Stadt wieder an Attraktivität gewinnen.

 

Freiräume schaffen

Was vor zehn Jahren mit der Neugestaltung des Koblenzer Bahnhofsvorplatzes begann, sollte in den Planungen rund um die BUGA den krönenden Abschluss finden. Im Visier der Planer stand vor allem die Neugestaltung der innerstädtischen Plätze und die Anpassung der Verkehrsachsen. Dabei besann man sich auf die historische Straßenführung vor allem im Bereich des Schlosses und der Neustadt. Diesen Bereich dominieren breite Boulevards, die das Kurfürstliche Schloss mit der Innenstadt verbinden. Bereits zur Gründung der Residenz zu repräsentativen Zwecken angelegt, sollte die Weiträumigkeit der Straßenführung jetzt auch wieder für den Fußgänger erlebbar sein. Es entstanden deshalb breite Fußgängerwege, die im zentralen Platz an der Schlossstraße münden und damit eine direkte Verbindung zur Fußgängerzone schaffen.

Besonders deutlich wird die Wirkung des Freiraums mit Blickrichtung auf das Schloss. Um den gesamten Bereich des Schlossvorplatzes als Grünanlage nutzen zu können, verlegte man den dort befindlichen Parkplatz als Tiefgarage unter die Erde. Damit wurde der gesamte Platz optisch „entrümpelt“. Der Blick des Betrachters erfasst jetzt ungestört die gesamte Schlossanlage. Durch die Schaffung der Grünanlage und die Integration eines Spielplatzes sowie einer Skater-Plaza rückt dieser Bereich für die Bürger als nutz- und erlebbares Areal wieder in das Bewusstsein zurück. Unterstützt wird das Konzept zudem durch die Öffnung des Schlosses als Durchgang zu den Außenanlagen am Rhein. Hier wurde mit der Öffnung der alten Befestigungsmauer und der Stufenanlage am Rheinufer ein vollkommen neuer Freizeitbereich konzipiert, der nicht nur zum Verweilen einlädt, sondern auch die architektonische Betrachtung aus neuer Perspektive ermöglicht.

 

Aufenthaltsqualität steigern

Bereits vor Beginn der Planungsarbeiten zur Erneuerung der Koblenzer Innenstadt war an vielen Orten bereits das Potenzial zu erkennen. Alter Baumbestand säumte breite Alleen und rahmte Plätze ein. Da auch diese Bereiche in erster Linie als Stellflächen für Kraftfahrzeuge dienten, sollten sie wieder in einen ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Im Bereich Clemensplatz/ Reichenspergerplatz entstand beispielsweise eine zusammenhängende Grünanlage, durch die der Fußgänger jetzt bis nahezu ans Rheinufer gelangt. Der Fahrbereich wurde an den Rand des Platzes verlegt. Durch den jetzt weiträumigeren fußläufigen Bereich ist der Platz bei Boulespielern sehr beliebt. So ist der neu entstandene Park während der wärmeren Jahreszeit stets belebt. Darüber hinaus bildet dieser Bereich jetzt eine zweite, grüne Zugangsachse zur Rheinpromenade.

 

Zusammenhängendes Grün

Die Rheinpromenade bildet die Hauptachse für Fußgänger. Als Verbindungsweg zwischen den beiden BUGA-Bereichen am Schloss und dem Deutschen Eck kommt ihr in der Stadtgestaltung eine tragende Rolle zu. Ursprünglich teilweise als Durchgangsstraße konzipiert, wurde auch hier der Individualverkehr eingeschränkt und stattdessen ein Konzept für Fußgänger, Radfahrer und den städtischen Busverkehr erarbeitet. Der Raum, den früher die Parkplätze einnahmen, steht jetzt für den neu gestalteten Promenadenweg zur Verfügung. Der obere Teil bleibt in erster Linie den Radfahrern vorbehalten, hier verläuft der Fernradweg durch das Rheintal. Um auch Zugangsmöglichkeiten für den öffentlichen Personennahverkehr zu schaffen, wurde der Fahrbereich entsprechend belastbar ausgelegt. Belassen wurde der alte Baumbestand im mittleren Teil der Promenade. Hier können Spaziergänger nicht nur im Sommer auf schattigen Wegen flanieren, hier befinden sich auch die Wartemöglichkeiten für die Schiffsanleger.

Ein weiteres Anliegen der Stadtplaner war es, die ursprüngliche Zweiteilung des Rheinufers in den schon immer als Flaniermeile angelegten Teil im Bereich des Kurfürstlichen Schlosses und den zunächst dem Güterumschlag vorbehaltenen Bereich am Deutschen Eck zu verdeutlichen. Letzterer Abschnitt beginnt nach der ebenfalls als Durchgangsachse neu gestalteten Stresemannstraße und ist gekennzeichnet durch die hier konzentrierte Gastronomie. Historische Bauwerke wie das alte Pegelhaus und der Brückenkopf weisen auf die industrielle Vergangenheit hin.

 

Barrierefreies einheitliches Konzept

Besonders wichtig bei der Neugestaltung der Innenstadtbereiche war den Koblenzer Stadtvätern ein durchgängiges Konzept, das durch den konsequenten Einsatz der Pflastersysteme und Betonprodukte von Kann realisiert wurde. Als roter Faden dient dabei eine einheitliche Farbgestaltung auf den Gehwegen in Nordic grauer Pflasterung und atlasrot sowie polargrau an den Bushaltestellen. So ergibt sich eine gestalterische Einheit, die das Konzept der Weiträumigkeit unterstützt. Auch räumlich voneinander getrennte Bereiche erscheinen so als zusammengehörig. Natürlich spielt auch die Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. Ihr wurde an den Straßenübergängen mit Blindenleitsteinen und abgesenkten Bordsteinen Rechnung getragen. Im Bereich der Rheinpromenade schaffen Rampen einen bequemen Zugang für Rollstuhlfahrer.

 

Eine Stadt im Wandel

Den Planern ist es in Koblenz gelungen, durch ein neues Verkehrskonzept die historischen Strukturen wieder sichtbar zu machen. Neu belebte Achsen schaffen eine Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Rheinufer. Im Mittelpunkt der Überlegungen stand die Wiedereinbeziehung des Fußgängers und die Schaffung einer neuen Aufenthaltsqualität in Bereichen, die dem Bürger früher in dieser Form nicht zugänglich waren. In jedem Fall wird Koblenz von dieser Erneuerung auch weit über die BUGA hinaus profitieren.

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