Langfristige Versorgung gesichert

Drei neue Brunnen für Trinkwasserversorgung

Die langanhaltende PFAS-Belastung des Grundwassers wird vielerorts zunehmend zu einem Problem. Um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern, beauftragten die Stadtwerke Rastatt GmbH die Abt Wasser- und Umwelttechnik GmbH mit dem Bau neuer Tiefbrunnen im sensiblen Gewinnungsgebiet Rastatter Ried.

Bis zu 615 Kubikmeter genehmigter Wasserentnahme pro Stunde sichern zukünftig die Trinkwasserversorgung für rund 50.000 Menschen
© Stadtwerke Rastatt, Oliver Hurst

Bis zu 615 Kubikmeter genehmigter Wasserentnahme pro Stunde sichern zukünftig die Trinkwasserversorgung für rund 50.000 Menschen
© Stadtwerke Rastatt, Oliver Hurst
Insgesamt wurden drei Großbohrungen ausgeführt – zwei mit rund 60 Metern Tiefe und 1,8 Metern Endbohrdurchmesser sowie eine weitere mit etwa 34 Metern Tiefe. Die jahrzehntelange Brunnen- und Rohrleitungsbauerfahrung des Mindelheimer Unternehmens erwies sich dabei als entscheidender Faktor für die erfolgreiche Bauausführung. Sie ermöglichte höchste Präzision unter anspruchsvollen geologischen Bedingungen und gewährleistete die Unversehrtheit des Grundwassers.

Der Neubau von drei leistungsstarken Tiefbrunnen durch Abt Wasser- und Umwelttechnik im Rastatter Ried sichert nun nachhaltig die Trinkwasserversorgung in Rastatt. „Die Kombination aus Tiefe, Bohrdurchmesser und Standortbedingungen war technisch außergewöhnlich – aber genau das ist unsere Stärke“, erklärt Alexander Abt, Prokurist der Abt Wasser- und Umwelttechnik GmbH.

Einwandfreie Trinkwasserversorgung für über 50.000 Menschen

Die Bohrtätigkeit erfolgte in drei Rohrtouren mit abgestuften Durchmessern: 2200, 2000 und 1800 Millimeter
© Wald + Corbe, Daniel Lorenz

Die Bohrtätigkeit erfolgte in drei Rohrtouren mit abgestuften Durchmessern: 2200, 2000 und 1800 Millimeter
© Wald + Corbe, Daniel Lorenz
Die Stadtwerke Rastatt standen vor der Aufgabe, ihre Trinkwasserversorgung zuverlässig gegen zukünftige Belastungen abzusichern. Aufgrund der bereits seit Jahren bekannten Gefährdung durch PFAS im regionalen Grundwasser und im Einzugsgebiet der Wassergewinnungsanlagen am Wasserwerk Ottersdorf haben die Stadtwerke Rastatt bereits seit 2022 ein in vier Bauabschnitte unterteiltes Projekt zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität auf den Weg gebracht. Das wurde zuletzt auch wegen der ab 2026 geltenden Vorgaben der Trinkwasserverordnung notwendig. Neben der bereits erfolgten Erweiterung der Aufbereitungstechnik um eine Aktivkohlefilteranlage im Wasserwerk und dem Bau einer neuen Zubringerleitung von den neuen Brunnenstandorten zum Wasserwerk Ottersdorf wurde der Neubau dreier zusätzlicher Tiefbrunnen beschlossen. Die im Zuge des Neubaus erforderlichen Brunnenbohrarbeiten wurden von der Firma Abt ausgeführt. Das etwas mehr als 6,5 Millionen Euro Baukosten umfassende Gesamtprojekt wurde im Juli 2025 dem Bestimmungszweck übergeben. Das Gewinnungsgebiet Rastatter Ried, Teil eines sensiblen Wasser- und Naturschutzraums, stellte dabei höchste Anforderungen an Planung und Ausführung. Der Mindelheimer Brunnenbauspezialist führte die Bohrungen gemäß den Planungen der Lindschulte Ingenieurgesellschaft und der Dinkelmeyer + Herrmann GmbH durch, welche in Zusammenarbeit die Gesamtkoordination des Projektes übernahmen. Insgesamt entstanden drei neue Brunnen – zwei mit rund 60 Metern Tiefe und einem Bohrenddurchmesser von 1,8 Metern sowie ein weiterer mit etwa 34 Metern Tiefe –, die mittels einer neuen Zubringerleitung an das Wasserwerk Ottersdorf angeschlossen sind. Die Kombination aus Tiefe und Durchmesser machte das Projekt in Deutschland nahezu einzigartig. Die Dimensionen der Bohrungen waren außergewöhnlich. In Verbindung mit den ökologischen Rahmenbedingungen im Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet war das Projekt eine planerische und technische Herausforderung, denn nur wenige Unternehmen haben auch das erforderliche Know-how, solche Großbrunnen zu realisieren.

Erprobtes Trockenbohrverfahren

Eine der Umweltauflagen war, dass nach Fertigstellung der Baustelle eine vollständige Rekultivierung erfolgen musste
© Stadtwerke Rastatt, Oliver Hurst

Eine der Umweltauflagen war, dass nach Fertigstellung der Baustelle eine vollständige Rekultivierung erfolgen musste
© Stadtwerke Rastatt, Oliver Hurst
Das bei dem Projekt eingesetzte Trockenbohrverfahren (Greiferbohrung) ermöglichte selbst in den stark kieshaltigen Schichten des Oberrheingrabens ein kontrolliertes Arbeiten. Bei eben dieser Technik werden spezielle Bohrrohre durch ein oszillierendes Verfahren abschnittsweise in den Boden eingebracht und das Erdreich zeitgleich mit einem mechanischen Greifer entfernt. Das Verfahren erlaubt zudem eine präzise Steuerung der Bohrtiefe und -stabilität, ist unabhängig von Spülmitteln oder Wasserdrücken und eignet sich daher besonders für Arbeiten in sensiblen Wasserschutzgebieten. „Gerade die wechselhafte Lithologie des Oberrheingrabens mit stark variierenden Kiesen, Sanden sowie tonigen und organischen Lagen machte das Trockenbohrverfahren für uns als Auftraggeber zur idealen Wahl“, so Tobias Meisch, Leiter Rohrnetze und Produktion bei den Stadtwerken Rastatt. Es ermöglicht eine flexible Anpassung des Bohrwerkzeugs an die unterschiedlichen geologischen Schichten, während die eingebrachte Verrohrung die z.T. locker gelagerten Kiese am Nachfallen hindert­.

Modernste Bohrtechnik und umweltsichere Bauweise

Die Bohrungen wurden mit einer Kombination aus verschiedenen Werkzeugen und Geräten durchgeführt, darunter auch speziell angepasste Ausrüstungen etablierter Maschinenhersteller. Ein 60 Tonnen-Seilbagger in Verbindung mit einer hydraulisch angetriebenen Verrohrungsmaschine brachte die großformatigen Stahlrohre abschnittsweise in den Untergrund ein. Der Einsatz individuell angepasster Greifer sowie Bohrwerkzeuge unterschiedlicher Durchmesser ermöglichte Bohrtiefen von rund 60 Metern. Die Brunnenbohrung wurde mit Hilfe von drei Rohrtouren in den nachfolgenden Durchmessern niedergebracht: 2200 Millimeter, 2000 Millimeter sowie 1800 Millimeter bis zur Endteufe. Das Teleskopieren der Bohrung ermöglichte eine schichtengerechte Anpassung an die geologischen Anforderungen bei maximaler Effizienz in der Ausführung. Die eingesetzten Geräte und Werkstoffe erfüllten die Qualitätsanforderungen des DVGW-Arbeitsblatts W 120, welches eben diese gegenüber den zertifizierten Unternehmen festlegt. Die Abt Wasser- und Umwelttechnik GmbH zeichnet sich durch die Qualifikation in sämtlichen Unterkategorien aus – einschließlich Neubau, Sanierung und Rückbau von Brunnen in allen Durchmessern und Tiefen sowie sämtliche Regenerierungsverfahren, des Horizontalfilterbrunnenbau und Geothermie nach W 120‑2 – und prädestinierte sich dadurch optimal für dieses Projekt. Neben der Umsetzung des Brunnenbaus realisierte das Unternehmen auch die Fertigung, Lieferung und Montage der Brunnenabschlussbauwerke in Fertigteilbauweise und koordinierte die erforderliche temporäre Wasseraufbereitung des geförderten Wassers zur Brunnenentwicklung, Klarspülung sowie für die Durchführung der Pumpversuche. Das geförderte Wasser wurde in den sensiblen Mühlwerlgraben eingeleitet. Vor der Einleitung erfolgte die aufwendige Aufbereitung zur Entfernung von Eisen und Mangan im geförderten Wasser, um das Ökosystem im Mühlwerlgraben nicht zu beeinträchtigen. Auf der Baustelle kamen zudem ausschließlich biologisch abbaubare Hydrauliköle sowie spezielle Dichtungssysteme zum Einsatz, um weitere Umweltrisiken zu minimieren. Alle temporär genutzten Flächen wurden nach Bauabschluss wieder zurückgebaut und wiederhergestellt.

Reserven für die Zukunft

Die V4A-Wickeldrahtfilterrohre wurden durch einen 60 Tonnen-Seilbagger abschnittsweise in das Bohrloch eingebaut
© Lindschulte Ingenieurgesellschaft mbH, Daniel Lorenz

Die V4A-Wickeldrahtfilterrohre wurden durch einen 60 Tonnen-Seilbagger abschnittsweise in das Bohrloch eingebaut
© Lindschulte Ingenieurgesellschaft mbH, Daniel Lorenz
Die Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken Rastatt, den Ingenieuren von Lindschulte Ingenieurgesellschaft und Dinkelmeyer + Herrmann als verantwortliche Planungsunternehmen sowie der Firma Abt war von Beginn an auf Transparenz und Nachhaltigkeit ausgelegt. Ziel war es, nicht nur zusätzliche Förderkapazität zu schaffen, sondern die gesamte Wasserversorgung für die Zukunft abzusichern. „Die neuen Brunnen sind ein zentraler Baustein der Stadtwerke Rastatt, um die Trinkwasserversorgung der Stadt langfristig auf stabile Füße zu stellen“, erklärt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt GmbH. Die Ergebnisse haben darüber hinaus gezeigt, dass eine enge Abstimmung zwischen Planung, Behörden und Ausführung entscheidend für die Qualität und Nachhaltigkeit solcher Projekte ist. Nach Abschluss der Arbeiten wurden Abschlussbauwerke in Fertigteilbauweise installiert und umfangreiche Pumpversuche durchgeführt, die die hohe Leistungsfähigkeit der Brunnen bestätigten. Die geförderten Mengen von bis zu 983 Kubikmetern pro Stunde (Brunnen D, E und F) liegen deutlich über den Planwerten. Das Projekt Rastatt ist ein Beispiel dafür, wie einzigartiges technisches Know-how, ökologische Verantwortung und die Erfordernisse des Bauherrn zusammenwirken können. Es demonstriert, dass auch in komplexen geologischen und regulatorischen Rahmenbedingungen nachhaltige und leistungsfähige Brunnen errichtet werden können. Die drei neuen Brunnen im Rastatter Ried stehen sinnbildlich für eine moderne, verantwortungsbewusste Wasserwirtschaft, die mit bis zu 615 Kubikmetern genehmigter Entnahmemenge pro Stunde die zukünftige Versorgung sicherstellen und somit auch in Trockenzeiten und bei steigendem Verbrauch zusätzliche Reserven zur Verfügung stellen. Mit dem Brunnenprojekt in Rastatt markiert der Brunnenspezialist einen weiteren Meilenstein und erbringt den Beweis seiner Kompetenz im Bereich Trinkwasserversorgung und Umwelttechnik. „Die Erfahrungen aus Rastatt fließen bereits in weitere kommunale Projekte ein – auch hier mit dem Ziel, sauberes Trinkwasser für zukünftige Generationen zu sichern“, erläutert Abt.

 

Abt Wasser- und Umwelttechnik GmbH
www.abt-wut.de

Die PFAS-Belastung (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) von Böden und Grundwasser in Mittelbaden ist seit 2012 bekannt und gilt inzwischen als einer der flächenmäßig größten Umweltskandale Deutschlands. Im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden sind 1.105 Hektar von insgesamt 10.162 Hektar Ackerland mit PFAS belastet – das entspricht rund 1.500 Fußballfeldern. PFAS stellen damit eine erhebliche Bedrohung für landwirtschaftliche Nutzflächen sowie für Grund- und Trinkwasser dar. Nach einer Schätzung des Technologiezentrums Wasser (TZW) vom August 2024 sind in Mittelbaden etwa 490 Millionen Kubikmeter Grundwasser sowie eine Grundwasserfläche von 127 Quadratkilometern mit PFAS belastet. Bereits 2013 mussten in Rastatt aufgrund der PFAS-Belastung zwei von drei Wasserwerken geschlossen werden. Die Trinkwasserversorgung erfolgte bis 2018 ausschließlich über das Wasserwerk Ottersdorf, ergänzt durch eine Notwasserleitung in die Nachbargemeinde Muggensturm. Im Jahr 2018 wurde das Wasserwerk Rauental wieder in Betrieb genommen. Dort entfernen Aktivkohleanlagen PFAS aus dem Brunnenwasser; zusätzliche Messstellen überwachen die weitere Ausbreitung der Schadstoffe. Ende 2024 wurden im Wasserschutzgebiet Ottersdorf drei neue Brunnen fertiggestellt. Zudem nahm im Juli 2024 am Wasserwerk Otters­dorf eine neue Aktivkohleanlage den Betrieb auf. Aktuell wird die Rastatter Bevölkerung über die Wasserwerke Ottersdorf und Rauental zuverlässig mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt.

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