Neubau Synagoge Mainz

Besondere Schallösungen für außergewöhnliches Bauwerk

Der imposante vierstöckige Rohbau ist geschafft: Die neue Synagoge der Jüdischen Gemeinde Mainz feierte Ende vergangenen Jahres nach knapp sieben Monaten Bauzeit Richtfest. Die ausführende Bauunternehmung Karl Gemünden GmbH & Co.KG aus Ingelheim hat in enger Zusammenarbeit mit dem Schalungslieferanten Harsco Infrastructure (vormals Hünnebeck) die außergewöhnliche Geometrie des Bauwerks termingerecht hergestellt.

Die auffällige Silhouette der gemäß jüdischer Bautradition nach Osten ausgerichteten Synagoge ist aus fünf Buchstaben geformt. Der hebräische Begriff für Segnen – „Kiddusch“ – gebe dem Gebäude seine Form, erläuterte der Architekt Manuel Herz bei der Vorstellung seines Konzepts. Außergewöhnlichstes Bauteil des komplett aus Ortbeton hergestellten Bauwerks ist der 26 m hohe trichterförmige Lichteinlass, der später das Sonnenlicht in die Mitte des bis zu 400 Menschen fassenden Synagogenraums leiten wird. Doch auch die anderen Bauteile des verwinkelten Bauwerks mit seinen vielen verschiedenen Fluchten haben den Schalungskonstrukteuren und Rohbauern eine Menge Fachwissen und Know-how abverlangt. Die Bauunternehmung hatte von Beginn an Harsco Infrastructure mit ins Boot genommen und mit der Erarbeitung von Schalungslösungen für Teile der Wand- und Deckenschalung beauftragt – inklusive Bereitstellung von ergänzendem Schalungsmaterial zur Miete und intensiver Baustellenbetreuung durch Anwendungstechniker und Schalmeister. Ein anspruchsvolle Aufgabe, denn die Bauwerksgeometrie ist so außergewöhnlich, dass selbst die üblicherweise vom Schalungslieferanten eingesetzte Schalungsplanungssoftware keine befriedigenden Lösungen anbieten konnte.

 

Sonderlösungen für die Decken

So besteht beispielsweise die insgesamt 2.320 m² große Dachdecke aus 30 meist in zwei Achsen geneigten Einzeldecken von 25 m² bis 200 m² Größe. Für deren wirtschaftliche Herstellung sorgte ein von den Schalungsplanern entwickeltes Konzept, das verschiedene Systemlösungen miteinander kombinierte, um die schwierigen Deckengeometrien herzustellen. So hatte man mit der Holzträgerschalung Topflex ein flexibles Deckenschalsystem im Einsatz, um sich den wechselnden Abmessungen der Deckenaußenkanten anzupassen. Kombiniert wurde die Topflex-Schalung mit bauseitig hergestellten Holzbindern, die durch ihre Konstruktion die Anpassung an die in zwei Achsen verlaufende Neigung der Deckenflächen ermöglichte. Ein Beispiel hierfür ist die rund 130 m² große Schalung im Bauteil A (der trichterförmige Lichteinlass), die zur Herstellung der Decke am unteren Ende des schräg stehenden Trichters benötigt wurde: Diese Sonderschalung erforderte 73 bauseitig hergestellte Holzbinder, für die 178 Höhenquoten berechnet wurden!

Abgestützt wurden die Deckenschalungen mit Raumgerüsten aus dem Modulgerüstsystem Modex oder aber – um die firmeneigenen Ressourcen zu nutzen – mit Traggerüstkonstruktionen aus Rahmenstützen ID 15. Im Bauteil A, wo die Anforderungen an die Tragkonstruktionen für die Deckenschalung besonders hoch waren, verließ man sich allerdings ausschließlich auf die schnelle Montage und hohe Tragfähigkeit des Modex-Modulgerüstsystems. Ausgelegt als Raumgerüst sorgte es für eine sichere Lastableitung aller auftretenden Horizontal- und Vertikalkräfte und bestach dennoch mit schnellen Montagezeiten. Denn wegen ihrer hohen Steifigkeit kommen Modex-Gerüste meist mit weniger Bauteilen aus als andere Konstruktionen. Dafür sorgt das Grundprinzip des Gerüstklassikers, der sogenannte „Kraftknoten“: Im Raster von 50 cm sind so genannte Modex-Teller auf den Vertikalstielen angeordnet. Sie ermöglichen acht Anschlüsse in horizontaler und diagonaler Richtung, die höchsten Belastungen standhalten. Im Fall der Mainzer Synagoge summierte sich die abzutragende Stiellast auf bis zu 39 kN.

 

Schalungsklassiker

Zur Herstellung der 3.700 m² Außenwandflächen und rund 600 m² Innenwände wurde auf der Mainzer Baustelle die Großrahmenschalung Manto eingesetzt. Rund 70 Prozent der anfallenden Wandschalungsklassiker konnten mit den bei der Gemünden Bau im Bestand vorhandenen 2,70 cm hohen Tafeln des Wandschalungsklassikers erstellt werden. Den Rest mietete die Bauunternehmung bei Harsco Infrastructure zu - und zwar vorwiegend die 3,30 m hohe Großtafel, die den Baufortschritt noch einmal beschleunigte.

[www.harsco-i.de]

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