Auswärts hui, im Inland pfui?

U-Bahn-Pfusch verdüstert das Image der Bauwirtschaft

Die Pfuschvorwürfe beim U-Bahn-Bau in Köln und Düsseldorf haben dem Ruf der deutschen Bauwirtschaft immens geschadet. Nicht nur die in Köln direkt beteiligten Unternehmen Bilfinger Berger, Wayss & Freytag und Züblin erlitten einen Reputationsverlust, die Branche insgesamt steht schlecht da.

In der Öffentlichkeit verfestigt sich der Eindruck, dass die Baufirmen und die kommunalen Bauherren zu Lasten der betroffenen Bevölkerung die Baumaßnahmen allzu leichtfertig durchführen bzw. kontrollieren.

Die Konzerne und Stadtverwaltungen sind im Interesse der Sache aufgefordert, das durchsichtige Schwarze-Peter-Spiel aufzugeben und umfassend, allgemeinverständlich und aufrichtig zu informieren. Sie haben eine Bringschuld. Die bisherige Kommunikation war ein Desaster. Und es könnte noch schlimmer kommen. Bekanntlich sind der Klau von Stahlbewehrungen und die Fälschung von Bauprotokollen, die aktuell so hitzig diskutiert werden, nur ein Nebenkriegsschauplatz. Mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009, bei dem zwei Menschen umkamen, haben sie nichts zu tun. Die Frage, wie es zur Katastrophe kommen konnte, lässt sich noch nicht beantworten. Die Gutachter können bislang nicht zur verschütteten Baustelle am Waidmarkt vordringen. Herbert Bodner, der Vorstandsvorsitzende von Bilfinger Berger, hebt hervor, dass die „Ursachenforschung noch Monate, wenn nicht Jahre dauern wird“. Die Arbeitsgemeinschaft, so versichert er, „hat größtes Interesse an einer schnellstmöglichen Aufklärung und tut alles, um die Untersuchungen voranzubringen“. Falls sich herausstellen sollte, dass die Arbeitsgemeinschaft den Schaden verursacht hat, dann wäre der Ansehensverlust der engagierten Firmen komplett. Bis dahin sind die Beteiligten verpflichtet, einen nüchternen Dialog mit der Bevölkerung zu führen und jeden Verdacht der Verschleierung zu vermeiden.


Die Beteiligten haben eine Bringschuld

Herr Bodner, der auch Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie ist, hat eingeräumt, dass das Fehlverhalten von einigen Mitarbeitern seines Unternehmens zu einem „Reputationsverlust“ geführt hat. Allerdings sei bei den Kunden des Konzerns kein „Vertrauensverlust“ eingetreten. „Von Kunden kommt mir mehr Zuspruch als Kritik entgegen“, sagte er bei der Bilanz-Pressekonferenz in Mannheim. Die Kunden als Kenner des Baugeschäfts würden „fairer“ beurteilen. Der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel, der sich eigentlich auch am Bau auskennen müsste, hatte gemutmaßt, dass die suspendierten Mitarbeiter Teil eines Systems waren. Dazu Bodner: „Wer ein organisiertes kriminelles System unterstellt, wird nicht zur Aufklärung beitragen, sondern bedient Klischees“. Der neue sozial-demokratische Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters hat auch Öl ins Feuer gegossen, als er pauschal die Baufirmen für den Pfusch verantwortlich machte. Allerdings haben die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) eigene Fehler bei der Kontrolle des U-Bahn-Baus eingeräumt. An einer turbulenten Informationsversammlung im Kölner Gürzenich, wo viele Anwohner der Baustellen ihre Ängste vorbrachten, nahmen weder der OB noch der Bilfinger-Chef teil. Eine verpasste Chance. Köln ist besonders gefordert, da die Stadt eine alte Klüngel-Tradition hat.

International angesehen

Kenner des weltweiten Baumarkts wissen, dass die großen deutschen Bauunternehmen international einen sehr guten Ruf haben. Hochtief, Bilfinger Berger und Züblin sind exzellente Tunnelbauer. In Australien, Skandinavien, in der Schweiz und Südostasien werden sie sehr geschätzt. Der Vorsitzende der deutschen Spezialtiefbauunternehmen im Hauptverband der Bauindustrie, Michael Knöfel, geschäftsführender Gesellschafter von Brückner Grundbau GmbH, sagte dass, „weltweit deutsche Unternehmen bei nahezu allen wichtigen Tunnelbauvorhaben beteiligt sind. Ein für Deutschland wichtiger wirtschaftlicher Erfolg, der sich auf den hohen deutschen Standards, der Leistungsfähigkeit und der Qualität der deutschen Tiefbauindustrie und nicht zuletzt auf der Qualifikation deutscher Bauingenieure und Facharbeiter gründet“. Die deutsche Bevölkerung könne sich darauf verlassen: „Leib und Leben der Bundesbürger sind- anders als in einem Teil der Medien dargestellt- keineswegs gefährdet“. Knöfel machte diese Feststellung in einer Presseerklärung des Hauptverbands. Unseres Wissens wurde darüber in keiner großen Zeitung berichtet. Die Ignoranz ist weit verbreitet. Repräsentative Umfragen des Allensbacher Instituts haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass die deutsche Bevölkerung das hohe technische Niveau der Baubranche und die Reputation des Sektors unterschätzt. Das darf man nicht mit einem Schulterzucken abtun. Das schlechte Image der Branche hemmt zum Beispiel auch die Rekrutierung von jungen Bauingenieuren. Der Kölner Vorfall macht die ganze Maläse offenbar. Mehr denn je ist es notwendig, der breiten Öffentlichkeit die Modernität, Effizienz und Zuverlässigkeit des Bausektors zu vermitteln. Falls es Pfusch gibt, dann gilt völlige Aufklärung.

Marcel Linden,

Bonn

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