„Wir bieten Planungssicherheit und Transparenz in allen Bauphasen“

Der nächste Schritt der digitalen Gerüstplanung

Roland Hassert, Leiter Anwendungstechnik Bau der Wilhelm Layher GmbH & Co KG, erläutert den Nutzen des Digitalisierungskonzepts von Layher für Gerüstbauer und Bauunternehmer.


THIS: Sie haben auf der Bauma 2019 Ihr Konzept SIM, Scaffolding Information Modeling, vorgestellt. Was verbirgt sich dahinter?

Roland Hassert: Wir planen bei Layher schon seit rund 20 Jahren in 3D und kennen daher die Vorteile der digitalen Gerüstplanung im Hinblick auf Kostentransparenz und vor allem Planungs- und Terminsicherheit. Im Zuge des Schlagwortes BIM nimmt die Bedeutung digitaler Prozesse auch im Gerüstbau zu. Mit Scaffolding Information Modeling – kurz SIM – haben wir für unsere Kunden einen intelligenten, auf 3D-Modellen basierenden Prozess entwickelt. Dieser umfasst alle wesentlichen Faktoren des Gerüstbaus: von der Planung über die Logistik bis hin zur Ausführung – also Montage, Abnahme, Nutzung, Umbau und Demontage.

THIS: Wo unterscheidet sich Ihr Ansatz von BIM?

Roland Hassert: Der Unterschied liegt darin, dass SIM sich im Wesentlichen mit den temporären Baubehelfen im BIM-Prozess beschäftigt. BIM bildet ja den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks ab, also Planen, Bauen und Betreiben. Die Gerüste kommen beispielsweise in der Bauphase temporär zum Einsatz.

SIM schafft nicht nur einen Zugang zu BIM, sondern erlaubt es grundsätzlich, temporäre Gerüstkonstruktionen effizienter zu planen, zu montieren und zu managen. Digitale Gerüstplanung kann aber auch unabhängig von einem BIM-Prozess zum Einsatz kommen.

THIS: Welche Rolle spielt das Thema Sicherheit?

Roland Hassert: Sicherheit für den Nutzer? Eine gewaltige. Entscheidende Aspekte – dreiteiliger Seitenschutz überall dort, wo gearbeitet wird, ausreichende Durchgangsbreiten, sichere Zugänge, Spaltlösungen – kann man anhand des Modells schnell und zuverlässig überprüfen. SIM bringt das Thema Sicherheit ein gutes Stück nach vorn.

THIS: Was war der Auslöser für die Entwicklung von SIM?

Roland Hassert: Unser Slogan, nein, unser Versprechen lautet „mehr möglich“. Unser Anspruch ist es deshalb, für Kunden kontinuierlich nach möglichen Verbesserungen und neuen Wegen zu suchen. Dazu analysieren wir die Anforderungen, mit denen sich unsere Kunden konfrontiert sehen, neue Aufgabenstellungen aus dem Markt wie die fortschreitende Digitalisierung. Und wir bieten Lösungen an.

Mit dem Prozess SIM und der integrierten Gerüstplanungssoftware ‚Layplan Suite‘ als leistungsfähiges Werkzeug sorgen wir dafür, dass unsere Kunden für die digitale Zukunft gut aufgestellt sind.

THIS: Sie sagen, „mehr möglich“ sei ein Versprechen. Können Sie das näher erläutern?

Roland Hassert: Gerne. Unser Ziel ist der Erfolg unserer Kunden. Um den Gerüstbau wirtschaftlicher und zugleich sicherer zu machen, entwickeln wir zum einen leistungsfähige Gerüstsysteme. ‚Mehr möglich‘ beinhaltet aber auch ein Mehr an Service mit umfangreichen Technischen Dokumentationen, der Unterstützung durch die Layher Anwendungsingenieure – von der Anwendungs- und Baustellenberatung bis hin zur Ausführungsplanung und Projektbegleitung – sowie einer Einweisung oder Aufbauhilfe durch praxiserfahrene Richtmeister auf der Baustelle.

Dies gilt auch für das Thema Digitalisierung. Wir beraten Kunden, ob Gerüstbauer oder Bauunternehmer, wie SIM in ihren Baustellenalltag integriert werden kann, und wie sich Projekte dadurch noch wirtschaftlicher und sicherer realisieren lassen.

THIS: Übernehmen Sie auch komplette Projekte?

Roland Hassert: Nein, definitiv nicht. Unser Layher-Partnerschaftsmodell ist klar danach ausgerichtet, dass der Gerüstbauer Projektnehmer und Layher der Lieferant für innovative Gerüstsysteme ist. Wir stellen her – aber nicht hin; das machen unsere Partner. Aber wenn ein Gerüstbauer oder Bauunternehmer Unterstützung braucht, sind wir für ihn da.

THIS: Auf welcher Software basiert SIM?

Roland Hassert: Wir haben schon vor Jahren die praxisorientierte Gerüstplanungssoftware ‚Layplan‘ entwickelt – als ein weiteres Serviceangebot für unsere Kunden. Diese wird – wie bei Layher gewohnt – ebenfalls kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der integrierten Layher-Softwarelösung ‚Layplan Suite‘ steht Kunden heute ein leistungsfähiges Werkzeug zur Verfügung, welches nicht nur den Einstieg in die digitale Gerüstplanung erleichtert, sondern auch für den ingenieurmäßigen Gerüstbau ausgelegt ist – je nach Erfahrung unserer Kunden.

THIS: Welche Bereiche deckt die Software ab?

Roland Hassert: Die ‚Layplan Suite‘ beinhaltet unter anderem ‚Layplan Classic‘, ‚Layplan CAD‘, den ‚Layplan Materialmanager‘ und ganz neu den ‚VR-Viewer‘. Ganz einfach gesagt können unsere Kunden damit Gerüste konfigurieren oder sogar in 3D planen und entsprechend visualisieren, ihre Logistik vereinfachen und ihre Montage unterstützen – also alle Faktoren des Gerüstbaus.

Für weitere Anforderungen wurden passende Partner und technische Lösungen eingehend geprüft und in den SIM-Prozess integriert – beispielsweise das Aufmaß von Gebäuden via 3D-Scan beziehungsweise Drohne oder den einfachen Datenaustausch von 3D-Gerüstmodellen zur Abstimmung und Kommunikation.

THIS: Was ist weiter geplant?

Roland Hassert: Ein ganz neues Feature ist die automatisierte Übernahme der vorhandenen 3D-Gerüstmodelldaten für statische Berechnungen im Rahmen von projektbezogenen Standsicherheitsnachweisen. Im Gegensatz zu sonst notwendigen Nachmodellierungen vermeidet dies Fehlerquellen und spart Zeit bei der Planung.

THIS: Welche Art von Fehlern werden vermieden?

Roland Hassert: Ein kurzes Beispiel: Ein möglicher Fehler kann sein, dass bei Nachmodellierungen die Riegelanschlüsse nach Zulassung falsch oder stark vereinfacht angenommen werden. Dies wird durch SIM vermieden.

THIS: Der Nutzen für den Gerüstbauer ist mir nun klar – was aber hat ein Bauunternehmer von SIM?

Roland Hassert: SIM schafft Planungssicherheit in Bezug auf Material, Personal, Termine sowie Kosten und damit Transparenz in allen Bauphasen. Ganz nach dem Motto „What you see is what you get“ können Bauunternehmen den sogenannten ‚digitalen Zwilling‘ eines Gesamtmodells – also Gebäude und Gerüstkonstruktion – vor Realisierung dank einer realitätsnahen Visualisierung eingehend prüfen, mit Sicherheitsfachkräften sowie anderen Gewerken abstimmen und gegebenfalls optimieren.

Angesichts enger Terminpläne ist erfahrungsgemäß aber vor allem die termingerechte Durchführung ein maßgeblicher Vorteil für Baustellen. Es gibt beim Gewerk Gerüstbau keine Verzögerungen aufgrund von fehlendem Material oder beispielsweise Kollisionen.

THIS: Oft fordert ja ein Bauunternehmer ein Gerüst für den Rohbau an;  wenn es schon mal steht, kommen die Handwerker, die vielleicht andere Anforderungen haben. Lässt sich das über SIM abbilden?

Roland Hassert: Die Abstimmung mit anderen Gewerken im Rahmen des SIM-Prozesses – beispielsweise mit VR-Brillen – ist wie bereits angesprochen ein ganz wichtiges Thema. Auf diese Weise können Gerüstkonstruktionen gemeinsam genau an die Anforderungen angepasst werden. Unnötige und zeitaufwendige Umbaumaßnahmen lassen sich dadurch vermeiden.

THIS: Wie können Sie Ihre Kunden bei der Einführung oder Umsetzung von SIM unterstützen?

Roland Hassert: Ein weiterer wichtiger Baustein von „mehr möglich“ ist unser Schulungs- und Seminarprogramm. Damit möchten wir unseren Kunden die Möglichkeit geben, sich und ihre Mitarbeiter schnell und einfach fundiert weiterzubilden.

Natürlich bieten wir auch Seminare für unsere integrierte Software-Lösung ‚Layplan Suite‘ an. Erfahrene Schulungsingenieure vermitteln Neueinsteigern wie fortgeschrittenen Anwendern je nach Erfahrungs- und Kenntnisstand theoretische und praktische Grundlagen.

Neu ist auch das Thema Webinare für die Fortbildung am eigenen Arbeitsplatz – ohne langen Anfahrtsweg. Gemeinsam mit uns als verlässlichem Partner und Spezialist im Gerüstbau ist für unsere Kunden der Schritt in eine digitale Zukunft ganz einfach.

THIS: Wie finden Bauunternehmen den richtigen Partner im Gerüstbau?

Roland Hassert: Layher hat ein bundesweites Netz an spezialisierten Gerüstbaukunden, die den SIM-Prozess bei sich im Unternehmen bereits implementiert haben – und die außerdem durch ihre Qualifizierung und oft langjährige Erfahrung für ein Mehr an Effizienz und Sicherheit auf Baustellen sorgen. Layher vermittelt gerne den passenden Kontakt.

Wilhelm Layher GmbH & Co KG

Weitere Informationen rund um den von Layher entwickelten Prozess Scaffolding Information Modeling finden Interessierte in einem kurzen Film, und in folgenden Beiträgen:


Scaffolding Information Modeling
Das Layher-Konzept für den Gerüstbau

Die Zukunft heißt SIM
Das Layher-Konzept für den Gerüstbau

SIM in der Praxis
Digitale Planung sorgte für Sicherheit und Wirtschaftlichkeit

Layplan Classic

Layplan CAD

Layplan Materialmanager

Layplan VR Viewer

Gerüste virtuell erleben – auch in der Layher App

Das Thema Visualisierung von Gerüsten wird auch in der Layher-App umgesetzt. Mit der Funktion ‚Mixed Reality‘ lassen sich Layher-Preislisten mit digitalen 3D-Gerüstmodellen ergänzen. Nutzer erhalten so zusätzliche Detailansichten und Detailinformationen. Darüber hinaus macht die Layher-App Technische Dokumentation, Kontaktdaten und Termine für Kunden auf der Baustelle zugänglich – auch offline.

app.layher.com

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