GaLaBau-Betriebe helfen, die Abwasserkosten zu senken

Wem gehört das Regenwasser?

Niederschlagsabflüsse werden zunehmend zum Kostenfaktor. Jahr für Jahr muss in fast jeder Stadt und Gemeinde das Ableiten von Regenwasser extra bezahlt werden. Früher war der Anschluss der Regenwasserleitung an den Kanal der Kommune vorgeschrieben und gebührenfrei. Heute gilt das Gegenteil: Regenwasser soll auf den Grundstücken bewirtschaftet werden.

Falls Regenwasser nicht auf dem Grundstück bewirtschaftet werden kann, muss pro Quadratmeter entwässerter Fläche Jahr für Jahr eine separate Gebühr bezahlt werden. Nicht die Kommunen haben sich das ausgedacht – die Oberverwaltungsgerichte der Bundesländer erzwingen die Änderung der örtlichen Abwasserpolitik. Aus Gerechtigkeitsgründen muss für Regenwasserableitung nun verursachergerecht bezahlt werden. Und seit 1. März 2010 fordert zusätzlich das Wasserhaushaltsgesetz für ganz Deutschland einheitlich, dass Regenwasser bei neuen Bauvorhaben nicht mehr mit Schmutzwasser vermischt werden darf. Empfohlen wird die Bewirtschaftung möglichst dezentral auf den einzelnen Grundstücken.

 

Neubau und Bestand

So gibt es künftig zwei Gruppen von Haus- und Grundbesitzern. Die einen, die neu bauen wollen und per Baugenehmigung erfahren, dass sie nur bauen dürfen, wenn sie Regenwasser zurückhalten, nutzen oder versickern. Falls dies aus Gründen der Bodenbeschaffenheit nicht vollständig oder überhaupt nicht gelingt, dürfen sie trotzdem bauen, gehören dann aber zur nachfolgend beschriebenen zweiten Gruppe. Die anderen, deren Entwässerung Bestandsschutz genießt, d. h. die von dem neuen Wasserhaushaltsgesetz zwar nicht betroffen sind, die aber gemäß örtlicher Satzung für das Ableiten von Regenwasser in den öffentlichen Kanal nun eine zusätzliche Gebühr zu zahlen haben. Wer dies akzeptiert, muss nichts weiter unternehmen. Alle anderen sind gut beraten, nach geeigneten Möglichkeiten zu suchen, das Niederschlagswasser dem natürlichen Kreislauf zur Verfügung zu stellen bzw. es alternativ oder zusätzlich zu nutzen.

 

 

Regenwasser – ein vielfältiger Rohstoff

Die wesentlichen Methoden zur ökologisch sinnvollen Bewirtschaftung von Regenwasser sind Verdunstung, Nutzung und Versickerung. Darüber hinaus ist immer von Vorteil, Wasser sichtbar und erlebbar in die Gestaltung von Freiflächen einzubeziehen. Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. empfiehlt die Planung und Realisierung geeigneter Systeme des modernen Regenwassermanagements zur ökonomischen und ökologischen Gestaltung von Freianlagen. Wie sehen diese im Einzelnen aus?

 

Versickerung auf der Fläche

Die Flächenversickerung ist die bautechnisch einfachste Form der Regenwasserversickerung. Das Regenwasser kann direkt von befestigten Flächen, Dächern oder aus dem Überlauf einer Zisterne auf die vorhandenen Freiflächen geleitet werden, wo es dann versickert. Der Pflege- und Kontrollaufwand ist nicht aufwändig und gut durchzuführen.

 

Muldenversickerung

Eine Versickermulde ist eine begrünte Geländevertiefung, die in der Regel unmittelbar der versiegelten Fläche zugeordnet ist. Die Muldenversickerung wird zur Regenwasserbewirtschaftung häufig genutzt. Das Wasser wird ähnlich wie bei der Flächenversickerung auf natürliche Weise gereinigt und gelangt in guter Qualität in den Untergrund. Besonders für anfallendes Regenwasser von Dachflächen oder auch Hof- und Platzflächen bietet sich die Muldenversickerung an. Darüber hinaus sind Mulden auch für die Entwässerung von Fuß- und Radwegen oder wenig genutzten Straßen und Wegen von Wohn- und Gewerbebereichen geeignet.

Versickermulden lassen sich außerdem gut in den Grünbereich integrieren und können vielseitig mit wechselfeuchten Gräsern, Bäumen oder Sträuchern bepflanzt werden.

 

Unter die Erde – die Rigole

Eine Rigolenversickerung als unterirdische Lösung bietet sich an, wenn nicht genügend Platz für eine Versickermulde zur Verfügung steht. Die Versickerrigole besteht aus einem mit Kies oder Schotter gefüllten Graben, über dessen Wand und Sohle das eingeleitete Wasser versickert. Der Zufluss kann ober- oder unterirdisch erfolgen. Die Grabenbreite wird in Abhängigkeit von der Versickerungskapazität und der Tiefe der Rigole festgelegt.

 

Besondere Bodenverhältnisse – Schachtversickerung

Besonders vorteilhaft sind Versickerschächte bei schwer durchlässigen Deckschichten aber gut durchlässigem Untergrund. Bei der Schachtversickerung wird das Regenwasser einem Schacht zugeführt, dessen Wände und Boden durchlässig sind. Hier kann das Regenwasser gespeichert werden und langsam in den Untergrund versickern.

 

Vielfach unterschätzt – die Dachbegrünung

Begrünte Dächer werden in ihrer Bedeutung für Natur und Landschaft häufig unterschätzt, obwohl sie einen wirksamen Beitrag zum Regenwassermanagement leisten – das haben gezielte Untersuchungen in den letzten Jahren gezeigt. Dachbegrünungen erfüllen drei wichtige Funktionen der Regenwasserbewirtschaftung: Sie kompensieren erstens die Flächenversiegelung, reinigen zweitens das Regenwasser und halten drittens Niederschläge ganz oder teilweise zurück.

 

Bei einer Intensivbegrünung mit entsprechender Aufbaudicke kann nahezu die gesamte anfallende Niederschlagswassermenge zurückgehalten werden. Dieses Wasser wird durch die Vegetation genutzt und verdunstet. Das verbleibende, von den Gründächern abfließende Wasser kann anschließend zum Beispiel in Mulden- oder Rigolenversickerungen aufgenommen werden.

 

Kombinationen mit Dachbegrünung

Die Kombination eines Gründachs mit einer Zisterne zur Verwertung des Restabflusses führt automatisch zu einer Entlastung der Kanalisation und außerdem zur Verminderung von Grundwasserentnahmen, da ein Teil des benötigten Trinkwassers durch Zisternenwasser ersetzt wird. Fließt darüber hinaus noch der Überlauf der Zisterne in einen auf dem Grundstück eingerichteten Gartenteich oder in ein Feuchtbiotop mit Versickerung, dann ist auch der wasserwirtschaftliche Nutzen perfekt; ganz abgesehen von den gestalterischen Möglichkeiten einer derartigen Planung.

 

Vielerorts möglich und sinnvoll: Entsiegelung

Durch die Entfernung vorhandener Oberflächenbefestigungen auf Grundstücken mit bestehender Bebauung wird zum einen der Boden für die Aufnahme von Wasser freigelegt und zum zweiten oberflächiger Wasserabfluss verhindert. Viele Flächen, die befahren oder begangen werden, müssen nicht mit Asphalt oder Beton versiegelt bleiben, sondern können mit wasserdurchlässigen Materialien versehen werden. Besonders Stellplätze, Hinterhöfe, private und öffentliche Plätze in Stadterneuerungsgebieten kommen für eine Entsiegelung in Frage. Des Weiteren bestehen auch im Bereich von Stichstraßen und Wegen erhebliche Entsiegelungspotentiale.

 

Sickerfähige Beläge

Es gibt viele Arten befestigter Flächen, die wasserdurchlässig sind – Schotterrasen, Kies-Splitt-Decken, Holzroste/Holzpflaster, Rasengittersteine, Rasenfugenpflaster, Porenpflaster oder Splittfugenpflaster. Geeignete, durchlässige Materialien zur Befestigung von Oberflächen sind ausgesprochen vielseitig. Für die Auswahl sind neben ästhetischen Aspekten die Kosten der Herstellung, der Aufwand zur Pflege und Unterhaltung, die Intensität der Nutzung sowie der ökologische Wert entscheidend. Wasserdurchlässig befestigte Flächen können ganz individuell geplant und durchgeführt werden.

 

Mit den vorgenannten Maßnahmen können Haus- und Grundbesitzer Regenwasser als Rohstoff für die Natur und, durch Zisternentechnik, als Rohstoff für die Haustechnik einsetzen. Wegen der zu beachtenden technischen Regeln und gesetzlichen Anforderungen ist es ratsam, einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb zu Rate zu ziehen. Das Engagement der Bauherrschaft wird belohnt durch Gebühreneinsparung bei der Niederschlagsgebühr, mit Zisternentechnik zusätzlich bei der Trinkwassergebühr. Darüber hinaus entstehen Vorteile bei der Entlastung der Abwassersysteme und bei der Belebung des kleinräumigen natürlichen Wasserkreislaufes.

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