Starkregen und Rückstauschutz

Vorausschauend geplant – nachhaltig sicher

Zwar sind die Sommer in Deutschland in den letzten 100 Jahren trockener geworden, jedoch stieg die jährliche Niederschlagsmenge um zehn Prozent. Das führt vermehrt zu Starkregen-Ereignissen – Vorsorge tut Not.

Nimmt die Anzahl extremer Wetterereignisse in Deutschland zu oder wirken sie aufgrund der medialen Berichterstattung präsenter? Die Sommer in Deutschland sind seit dem Jahr 1881 tatsächlich trockener geworden, jedoch ist die jährliche Niederschlagsmenge in derselben Zeit nicht gesunken, sondern um zehn Prozent gestiegen. Was bedeutet, dass die übrigen Jahreszeiten deutlich regenreicher wurden. Der Frühling und besonders der Winter sind mit über 25 Prozent mehr Niederschlagshöhe deutlich nasser geworden. Infolge einer Konzentration der Regenmenge auf einen bestimmten Zeitraum steigt somit die durchschnittliche Menge an Niederschlag pro Regenereignis, so die Angaben des Umweltbundesamtes aus „Trends der Niederschlagshöhe“. [1]

Die Zunahme bei den versiegelten Oberflächen in Gebäudenähe trägt ihr Übriges dazu bei. Regen trifft auf Straßen, Grundflächen und Dächer. Im Falle der Dächer wird der Regen entsprechend abgeleitet und entweder dem Grundstück oder der öffentlichen Kanalisation zugeführt. Kann die Kanalisation nicht mehr Wasser aufnehmen und folgt weiterer Niederschlag, können gefährliche Situationen entstehen. Öffentliche Kanalnetze sind zwar ausgelegt, solche Szenarien zu verhindern, ausgeschlossen werden können sie nicht. Die Dimensionierung der Kanäle erfolgt unter Abwägung funktionaler und wirtschaftlicher Aspekte, sodass nicht jedes noch so starke Regenereignis aufgenommen werden kann.

Rückstauebene – Das Maß aller Dinge

Zuerst etwas Theorie: Die „Rückstauebene“ ist der höchstmögliche zulässige Stand des Abwassers an allen Stellen einer Straße. Sie hilft zu beurteilen, welche Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen. Örtliche Behörden legen diese Ebene in der Abwassersatzung fest und muss bei der Planung von Gebäuden berücksichtig werden. Als grober Richtwert kann die Straßenoberkante genommen werden. Bis zu jener Linie müssen sich Eigentümer oder Fachplaner, mittels geeigneter Maßnahmen gegen Rückstau sichern. Bei Nichtbeachtung besteht die Gefahr, bei einem rückstaubedingten Schaden auf diesem sitzen zu bleiben. Auch für viele Versicherungen ist ein vom Eigentümer selbst durchgeführter Schutz gegen Rückstau bis zur Rückstauebene Vorrausetzung.

Ohne Rückstauschutz kann Wasser aus der Kanalisation über Duschen, Toiletten oder Waschbecken unterhalb der Ebene in Gebäude drücken. Konkret: der Keller läuft voll. Ursache dafür ist das Gefälle von der Rückstauebene.

Solch eine Gefahr betrifft nicht nur private Eigentümer. Jeder mit einem Anschluss an die öffentliche Kanalisation sollte sich mit Rückstauschutz auseinandersetzen. Bei gewerblichen Anwendungen wie beispielsweise Tankstellen, Waschplätzen etc., die mit Leichtflüssigkeitsabscheidern Abwässer reinigen, müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen geprüft werden. Im Rückstaufall muss ein Austreten der abgeschiedenen Leichtflüssigkeit über den Zulauf oder den Deckel des Abscheiders verhindert werden. Sie kontaminieren das umliegende Erdreich, das im Nachgang des Rückstauereignisses kostenintensiv abgetragen, aufgefüllt und entsorgt werden muss. Auch normativ wird dieser Umstand berücksichtigt. In der Norm „Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten“ DIN 1999-100 wird beschrieben, wie der Austritt verhindert werden muss. [3]

Eine Vielzahl einfacher und sicherer Möglichkeiten

Welcher Rückstauschutz nötig ist, zeigt sich vor Ort. Wichtig ist die Lage: Liegt ein Objekt auf einem Hügel oberhalb der Rückstauebene, kann es bereits ausreichend sein. Befindet sich das Objekt in einem Tal oder überflutungsgefährdeten Bereich, braucht es Maßnahmen.

Eine Maßnahme ist die Verwendung einer Pumpe. Sie findet Einsatz bei Sanitäreinrichtungen, die sich unterhalb der Ebene zur öffentlichen Kanalisation befinden. Zudem ist das Einleiten über ein Gefälle zum Kanal nicht möglich. Die Hebeanlage übernimmt hierbei die Funktion des Ausgleichs eines fehlenden Gefälles. Die Rohrführung kann dort angebracht werden, wo der höchste Punkt der Rohrschlaufe über der Rückstauebene liegt. So wird verhindert, dass das Abwasser zurück in Pumpenanlage fließt. Das Erheben der Rohrführung über die Rückstauebene wird Rückstauschleife genannt und kann immer in Kombination mit einer Pumpe verwendet werden. Sie stellt eine sichere Lösung der Rückstausicherung dar.

Der große Nutzen für Bewohner und Gewerbetreibende liegt darin, dass Betrieb und Nutzung der angeschlossenen Sanitäreinrichtungen während eines Starkregenereignisses gewährleistet sind. Alternativ kann eine Rückstauklappe nach der europäischen Norm „Rückstauverschlüsse für Gebäude“ zwischen dem Gebäude und dem öffentlichen Kanalnetz eingesetzt werden [3]. Gleichzeitig müssen die Anforderungen der europäischen Norm zu „Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden“ (EN 12056-4:2001-01) eingehalten werden. Das kann kostengünstig geschehen, indem ein Stück Rohr entnommen und die Rückstauklappe eingesetzt wird. Die Klappen unterliegen einer regelmäßigen Wartung und Funktionskontrolle. Eine Nutzung der vorgeschalteten Einrichtung im Rückstaufall ist nicht möglich.

Auch gewerblich genutzte Abscheideranlagen können mit einer Rückstauschleife ausgerüstet werden, wenn eine Pumpstation dem Abscheider nachgeschaltet wird. Es gibt konkrete Situationen, die in der DIN 1999-100 beschrieben sind und eine Pumpstation nach einem Leichtflüssigkeitsabscheider zwingend erfordern. Der Fall tritt ein, wenn eine ablaufseitige Überhöhung der Abscheideanlage nicht ausreichend hergestellt werden kann. Zudem wird eine sichere Unterbrechung des Zuflusses nicht gewährleistet.

Bei Fettabscheidern sind die Anforderungen klar definiert: Sobald der Ruhewasserspiegel des Fettabscheiders unterhalb der Rückstauebene liegt, muss eine Pumpstation dem Abscheider nachgeschaltet werden. [4] Dies gilt sowohl für frei aufgestellte als auch erdverbaute Abscheider und betrifft den überwiegenden Fall der Anwendungen. Neben der klaren Formulierung in der Norm, fordern zusätzlich die Kommunen in ihrer Entwässerungssatzung die Verwendung von Pumpstationen. Die notwendige Pumpstation kann entweder in einem separaten Schacht positioniert sein oder mit dem Abscheider in einem Behälter kombiniert werden.

Die neue Generation der Abscheideranlagen

Eine Kombination aus Funktionalität und Sicherheit stellt eine neue Klasse der Kompaktanlagen im Bereich der Abscheider für Fette und Leichtflüssigkeiten dar. Die Ingenieure von ACO Tiefbau setzten den Fokus dabei auf eine intelligente Systemlösung, die den Bedürfnissen des Marktes und der Umwelt angepasst sind.

Die neue normgerechte Generation auf engstem Raum bietet zusätzlichen Nutzen für Bauunternehmer, Betreiber und Planer. Innerhalb der Anlage befinden sich Abscheider und Pumpstation in getrennten Kammern. Die Sicherheit gegenüber Rückstau wird mittels Pumpe und Rückstauschleife gewährleistet, während Flüssigkeiten im Abscheidebereich getrennt werden. Mit der kompakten Bauweise wird Bauraum optimal genutzt, Aushub und Verrohrung verringert.

Besonders in Zeiten der zunehmenden Urbanisierung und Versiegelung gewinnt der unterirdische Bauraum immer mehr an Bedeutung. Statt der marktüblichen Ausführung stellen die ACO Kompaktanlagen eine Kombination der Funktionen Abscheider, Schlammfang, Probenahmestelle, Pumpstation und Rückstauschutz in einem als logische Entwicklung der Abscheider dar. Es werden nur ein Behälter und ein Aufbau benötigt – vorher waren es vier. Somit muss lediglich die Zulaufleitung zur Kompaktanlage und der Druckleitungsabgang der Pumpstation angeschlossen werden. Risikostellen, welche durch eine Zwischenverrohrung der Einzelkomponenten bedingt sind, entfallen gänzlich. Folglich ist die Ausführungssicherheit höher, jedoch Zeit sowie Kosten bei Planung und Bauausführung entschieden geringer.

Die Power der Werkstoffe

Im Bereich der erdeingebauten Fettabscheider und Pumpstationen gibt es die bewehrte Kompaktanlage Lipulift-C aus Stahlbeton. Bei diesem Konzept stehen Kompaktheit, Sicherheit und individuelle Anpassbarkeit im Fokus. Der neue Lipulift-P nutzt die Stärken des Werkstoffes PE (Polyethylen) geschickt aus, sodass eine leichte und flexible Kompaktanlage für Fette auf der Baustelle zur Verfügung steht. Besonderer Fokus liegt hier auf der Wirtschaftlichkeit und dem einfachen Einbau.

Abscheider werden digital

Weiterentwickelt wird das Konzept der Kompaktanlage auch für den Bereich der Leichtflüssigkeiten. Der neue ACO Oleolift-C besitzt, über die bereits genannten Vorteile der Fettabscheider-Kompaktanlage hinaus, ein revolutionäres Verschlusssystem. Auf einen Schwimmer als Abschlussvorrichtung wird vollständig verzichtet. Insofern entfällt das mögliche Blockieren dessen bei einem Starkregenereignis. Gleichzeitig garantiert eine robuste Sensorsteuerung die Betriebssicherheit der Anlage.

Das bietet folgende Vorteile:

Alles in einem: Abscheider, Schlammfang, Probenahmestelle, Pumpstation und Rückstauschutz

Schneller, platzsparender, einfacher und günstiger Einbau ohne Zwischenverrohrung

Höchste Ausführungssicherheit

Normlösung auf engstem Raum

Für Fette und Leichtflüssigkeiten

Fazit

Die Auswertung der Wetterdaten der letzten hundert Jahre sprechen von einem eindeutigen Trend: Die Niederschlagsverteilung über die Jahreszeiten verschiebt sich und insgesamt steigt die Niederschlagsmenge in Deutschland. Es existieren einfache und sichere Lösungen um sich und sein Eigentum bei Rückstau zu schützen. Der erste Schritt ist der wichtigste: sich mit Rückstau zu beschäftigen und sich der möglichen Gefahren, aber auch der Lösungen, bewusst zu werden.

 

ACO Tiefbau Vertrieb GmbH

www.aco-tiefbau.de

Quellenangaben

 

[1] Umweltbundesamt www.umweltbundesamt.de/daten/klima/ trends-der-niederschlagshoehe

[2] DIN EN 13564-1:2002-10, Absatz 6

[3] DIN 1999-100:2016-12, Absatz 11.7

[4] DIN EN 1825-2:2002-5, Absatz 7.3

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