BILANZEN DER BAUWIRTSCHAFT TEIL 2

Problembaustellen machten Ärger

Die Bauunternehmen Strabag, Züblin und Bauer hatten 2011 eines gemeinsam: Problembaustellen machten tüchtig Ärger. Diese Unwägbarkeit wird man in diesem Sektor wohl nie ganz verhindern können.

Helfen können nur ein besseres Baustellencontrolling und im Ausland die Fähigkeit, sich anderen kulturellen Gegebenheiten anzupassen. Strabag machte Verluste mit einem Autobahnprojekt in Dänemark und Bauer hatte gar rund ein Dutzend fehl laufender Baustellen auf mehreren Kontinenten. Andererseits profitierten die drei Bauunternehmen vom gut laufenden Bauhauptgewerbe auf dem deutschen Heimatmarkt. In 2010 hatten vier strenge Wintermonate dafür gesorgt, dass der Umsatz des Bauhauptgewerbes um 0,3 % gefallen war. In 2011 hingegen führten bessere Witterungsverhältnisse und die gute  allgemeine Konjunktur zu einem Umsatzanstieg von sage und schreibe 12,5 %. Außerdem profitierte ein Straßenbauer wie Strabag noch von den auslaufenden Baukonjunkturprogrammen.

In Teil II der Bilanzen widmen wir uns außer den genannten drei Konzernen noch Max Bögl, der leider nur wenige Zahlen publiziert. In Teil I der Bilanzen hatten wir im vorigen Heft die Ergebnisse der beiden größten Unternehmen der Branche, Hochtief und Bilfinger, analysiert. Bilfinger ist heute mehrheitlich ein Ingenieur- und Serviceunternehmen, aber er wird sein Baugeschäft als Kernkompetenz behalten.

 

Strabag steigerte Ergebnis nochmals

Trotz der Bauchlandung in Dänemark, die Vorstand Dr. Thomas Birtel bei der Bilanz-Pressekonferenz sichtlich Kummer bereitete, gelang es der Kölner Strabag, der Tochter der Strabag SE in Wien, das Rekordergebnis von 2010 noch einmal zu „toppen“. Das Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) stieg um 4 % auf 124,5 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern legte um 6 % auf 117,4 Mio. zu und das Konzernergebnis nach Anteilen Dritter erreichte 95,7 Mio. (+1,4 %). Die Gruppenleistung stieg um 14,3 % auf 4,5 Mrd. Wegen der Probleme beim Bau der Autobahn M 51 in Dänemark und wegen Verlusten bei den Baustoffaktivitäten sank das Ebit des Segments Verkehrswegebau um 20 Mio. auf 45 Mio. Den Verlust in „zweistelliger Millionenhöhe“ in Dänemark nannte Birtel „schmerzhaft“. Dort sei ein Pauschalpreis vereinbart gewesen. Die Schwierigkeiten entstanden, „weil der Boden moorig war“. Strabag habe in „Dänemark die Unterschiede zum Stammgeschäft unterschätzt“; es habe personelle Konsequenzen gegeben. Dem Segment Beteiligungen Österreich gelang ein „Ergebnissprung“ des Ebit von 44 Mio. auf 66 Mio. Das Segment Übrige Bausparten, das das Hoch- und Ingenieurbaugeschäft abwickelt und die Projektentwicklung macht, erwirtschaftete ein Ebit von 14 Mio. (vorher 20 Mio.). Im Segment Servicebetriebe reduzierte sich der Verlust, von 10 Mio. auf 6 Mio. Mit dem Ergebnis der Baustoffaktivitäten ist Birtel „noch nicht zufrieden“, aber hier soll es in den nächsten Jahren Integrationsfortschritte geben. Die Eigenkapitalquote stieg von 42 % auf beachtliche 45 %. Als größter deutscher Straßenbauer mit einem Marktanteil von mehr als 5 % ist Strabag besonders an einer nachhaltigen Straßenbaupolitik der öffentlichen Hand gelegen. Der im März angekündigte Investitionsrahmenplan 2011-2015 für die Bundesverkehrsinfrastruktur enthält neu geplante ÖPP-Projekte im Autobahnbau, sogenannte A-Modelle (Verbreiterung von 4 auf 6 Fahrspuren), im Gesamtvolumen von 1,6 Mrd. Euro. „Dies ist besser als nichts, so Birtel, aber es reicht nicht aus“. Er möchte auch, dass die Diskussion über ÖPP für kommunale Straßen vorankommt. Im ersten Quartal ging die Leistung der Gruppe um 4,5 % auf 550 Mio. zurück, wobei zu berücksichtigen ist, dass vor einem Jahr der Bausektor boomte. Für das Gesamtjahr zeigte sich Birtel „verhalten optimistisch“ und sagte ein „ähnlich gutes Ergebnis wie in den vergangenen Jahren“ voraus.

 

Züblin verfehlte Ergebnisprognose

Dr. Alexander Tesche, Vorstand der Strabag-Schwester Züblin, hat eine Trefferquote von 50 % erzielt. Einerseits hatte er auf der Bilanz-Pressekonferenz vom Frühjahr 2011 eine Jahresleistung von 2,7 Mrd. Euro angekündigt, die exakt eingetroffen ist. Andererseits sagte er ein Ergebnis „auf Vorjahreshöhe“ voraus. Es wurde tatsächlich weniger: das Ebit sank um 8 % auf 80 Mio. und das Ergebnis vor Steuern gab um 7 % auf ebenfalls 80 Mio. nach. Der Konzerngewinn nach Anteilen Dritter stieg um 8 % auf 64,5 Mio., aber nur weil die Ertragssteuern sanken. Laut Tesche gab es Baustellenverluste in zweistelliger Millionenhöhe, die aber „nicht dramatisch“ waren. Er nannte die notleidenden Projekte nicht. Finanzchef Hans-Joachim Rühlig sagte, man habe Nachträge nicht aktiviert; er sprach von „temporären Verlusten“, die man in den nächsten Jahren noch aufholen könne. Es hätte auch sonstige Aufwendungen in Höhe von 30 Mio. gegeben. Man muss zugeben, dass das aktuelle Ergebnisniveau von Züblin für die Gruppe historisch hoch ist. Auf dem Weg zum Ziel einer Eigenkapitalquote von 25 % im Konzern und in der AG ist Züblin auch ein Stück weit vorangekommen: die Quote stieg im Konzern von 20 % auf 22 %, aber in der AG beträgt sie nur ungenügende 9 %. Das Stuttgarter Bauunternehmen wird also noch eine geraume Zeit brauchen, um den hohen Anforderungen von Herrn Haselsteiner, dem Großaktionär und Chef der Strabag SE in Wien zu genügen. Züblin informiert nicht optimal. Die Segmentberichterstattung beschränkt sich darauf, mitzuteilen, dass auf den Schlüsselfertigbau 67 % der Leistung entfallen, auf den Ingenieur- und Tunnelbau 26 % und die Werke 7 %. Die Segmentergebnisse werden im Gegensatz zur Kölner Strabag nicht publiziert. Dabei braucht sich Züblin gar nicht zu verstecken. Die Gruppe ist die Nummer Eins im Hoch- und Ingenieurbau in Deutschland. Züblin ist auch Generalunternehmer des Tiefbahnhofs Stuttgart 21, ein Auftrag von 300 Mio. Züblin ist wie kein anderes großes Bauunternehmen flächendeckend in Deutschland präsent. „Wir haben die Kapazitäten, für Großbaustellen 500 eigene Leute zu mobilisieren“, sagte Tesche. Im ersten Quartal stieg die Leistung um 7 % auf 625 Mio. an. Für das Gesamtjahr prognostizierte Tesche einen Anstieg der Leistung um 9 % auf fast 3 Mrd. Das Ergebnis soll auf Vorjahreshöhe liegen.

 

Katzenjammer bei Bauer

Für Bauer, den im Spezialtiefbau und in der Herstellung von Spezialtiefbaugeräten tätige Konzern aus Schrobenhausen, war 2011 abermals ein verlorenes Jahr. Zwar gab sich Professor Thomas Bauer auf der Bilanz-Pressekonferenz der AG „insgesamt mit 2011 zufrieden“. Die Gruppe sei mit „ihrer starken internationalen Präsenz und der langfristigen Ausrichtung von Produkten und Dienstleistungen“ in der Lage, „externe Störungen gut verkraften zu können“. Angesichts der vorgelegten Zahlen scheint dies eher Wunschdenken zu sein. Das Nachsteuerergebnis stieg nicht wie erhofft von 40 Mio. Euro in 2010 auf „gut 45 Mio.“, sondern sank noch mal auf 34 Mio. Das Konzernergebnis nach Anteilen Dritter erreichte nur noch 32 Mio. (-9 %). Das Ebit nahm um 7 % auf 82 Mio. ab. Die Dividende wurde von 0,60 Euro auf 0,50 Euro gesenkt. Die Konzernleistung hingegen nahm wie im Frühjahr 2011 angekündigt um 5 % auf 1,37 Mrd. zu. 2011 war für die Baudivision ein echtes Katastrophenjahr. Der Arabische Frühling unterbrach mehrere Baustellen auf dem Tahrirplatz in Kairo und in Libyen. Wichtige Projekte wurden unterbrochen in Katar, Abu Dhabi und Saudi-Arabien. Es gab Verzögerungen beim Metrobau in Hongkong und in Panama City, sowie in Malaysia. Außerdem belastete die Schuldenkrise in Südeuropa. Das Bausegment, das in 2010 noch besser gelaufen war als der Maschinenbau, musste diesmal zurückstecken: die Leistung gab um 5 % auf 582 Mio. nach und das Ebit verlor 39 % auf 18 Mio. Diesmal entpuppte sich der Spezialmaschinenbau als Retter: seine Leistung nahm um 14 % auf 661 Mio. zu und das Ebit stieg um 10 % auf 53 Mio. Am dynamischsten erwies sich die neue Division Resources (Brunnenbau): die Leistung stieg um 19 % auf 212 Mio. und das Ebit um 35 % auf 11 Mio. Resources blieb allerdings wegen Schwierigkeiten mit einer Brunnenbohrung in Jordanien hinter den Erwartungen zurück. Im ersten Quartal 2012 drehte sich die Tendenz wieder: bei einem Leistungsanstieg der Gruppe um 11 % auf 340 Mio. nahm das Bausegment um 26 % auf 157 Mio. zu und der Maschinenbau verlor 12 % auf 141 Mio. Das Ebit des Konzerns blieb mit einem Minus von 6 Mio. unverändert. Für das Gesamtjahr gab Prof. Bauer eine vorsichtige Prognose ab, wohl um weitere Gewinnwarnungen zu vermeiden. Die Leistung solle um 6 % auf 1,45 Mrd. steigen und das Nachsteuerergebnis bei 35 Mio. (Vorjahr 34 Mio.) verharren.

 

Max Bögl wächst weiter

Das nicht publizitätspflichtige Familienunternehmen aus der Oberpfalz hat in 2011 gemeinsam mit Strabag den höchsten Zuwachs der Gesamtleistung erzielt: sie stieg von 1,4 Mrd. Euro in 2010 (gerundete Zahlen) auf 1,6 Mrd. (+14,3 %). Das Ergebnis war voraussichtlich positiv. Als Hinweis kann gelten, dass laut Bundesanzeiger in 2010 die Tochter Max Bögl Bauunternehmung bei einer Leistung von 730 Mio. ein Ergebnis vor Steuern von 27 Mio. ausgewiesen hatte.

Baustellencontrolling und die Fähigkeit sich anzupassen helfen!

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