BODENMECHANIK

Minimierte ­Baugrundrisiken

Verdeckte Altlasten oder eine mangelnde Tragfähigkeit des Baugrunds können zu teils erheblichen Bauverzögerungen und Folgekosten führen. Mit dem Fokus ­Risiko-Minimierung begleiteten Geotechniker von TÜV Süd Industrie Service die Bauplanung für einen vierstöckigen Kaufhauskomplex mit Tiefgarage.

Das Baugrundrisiko trägt immer der Bauherr – das gilt für öffentliche Gebäude ebenso wie für den Wohn- oder Gewerbebau. Doch schon so manches Großprojekt hat sich im Nachhinein als unwirtschaftlich oder gar als Fehlinvestition herausgestellt, weil im Vorfeld nicht alle Risiken ausreichend und umfassend genug analysiert wurden. Denn: Ist der Baugrund nicht genügend tragfähig, kann es nach der Baufertigstellung zu untergrundbedingten Gebäudeschäden kommen, wie etwa durch Setzungen oder Wasserschäden. Manifest werden die Schäden meist erst Jahre später. Gewährleistungsfristen sind dann abgelaufen. Zuverlässige Aussagen zum Zustand des Baugrunds sind daher sehr wichtig. Baugrundgutachten und Gründungsberatungen verschaffen Klarheit von Beginn an. Darüber hinaus liefern sie wichtige Daten für die gesetzlich erforderlichen Sicherheitsnachweise nach DIN EN 1990 und DIN EN 1997-1.

Umfassende Begleitung von Anfang an

Bei der Gründung eines vierstöckigen Kaufhauskomplexes haben Geotechnik-Experten von TÜV Süd einen Bauherrn umfassend begleitet – angefangen von der Baugrunderkundung über die Ermittlung der bodenmechanischen Kennwerte, die Erstellung des Baugrundmodells bis hin zur Gründungslösung und der Abnahme der Gründungssohlen. Aufgrund des Innenstadt-Standorts mit seiner hohen Bebauungsdichte galt es zunächst zu überprüfen, ob noch Reste einer möglichen vorangegangenen Bebauung im Untergrund vorhanden waren und wo sich etwaige Leitungen befanden. Zudem ergab eine Luftbildanalyse, dass wegen möglicher Kampfmittel im Untergrund zunächst eine zusätzliche Bodenuntersuchung vorgenommen werden musste. Mittels Georadar und Magnetik untersuchten die Experten den Boden auf metallische Objekte. Erst danach konnten die Bohrungen und Sondierungen an den so freigemessenen Ansatzpunkten beginnen.

Baugrundmodell und Gründungslösung

Die Geotechniker setzten dafür große Bohrgeräte und schwere Rammsonden ein. Im tieferen Untergrund wurden zusätzlich Penetrationstests vorgenommen. Auf diese Weise war gewährleistet, dass genügend Probenmaterial in hoher Qualität vorlag. Zudem wurden so die nötige Erkundungstiefe ohne Schwierigkeiten erreicht, und auch die baurelevanten Wasserstände ermittelt. Aus der Analyse der Sondierungen und Bodenproben sowie weiteren Ergebnissen aus Laborversuchen ermittelten die Experten anschließend die bodenmechanischen Kennwerte. Vor diesem Hintergrund konnten die Geotechniker ein Baugrundmodell erarbeiten, das zum einen optimal den Erfordernissen der einzelnen Bodenschichten angepasst und darüber hinaus auch noch kostengünstig war: ein System aus Flach- und Tiefgründung. So wurde für den Verbau der Baugrube teils eine Spundwand und teils eine überschnittene Pfahlwand gewählt. Letztere ist wasserdicht und eignet sich auch als Außenwand für Tiefgaragen und muss daher nicht rückgebaut werden.

Durch die weitere Begleitung des Bauvorhabens bis zur Abnahme konnte gewährleistet werden, dass die Bauausführung nicht nur der Planung entsprach, sondern auch termingerecht und damit insgesamt kostengünstig ausgeführt wurde.

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