Fuhrpark: Kosten senken

Mehr Effizienz durch ganzheitliches Management

Der Fuhrpark gilt als Kostentreiber und das dafür verantwortliche Management als wenig veränderungsfähig. Das Erstere trifft sehr oft zu, das Zweite eher nicht. Es sind oft eingefahrene Strukturen, die einen Flottenbetrieb unnötig teuer machen.

Nur 26,3 % der Fuhrparks in Bauunternehmen ermitteln die Total Cost of Ownership (TCO). Das sind sämtliche Kosten – von der Beschaffung der Fahrzeuge über deren Einsatz bis hin zur Wiedervermarktung. Wer diese Zahlen kennt, kann die Wirtschaftlichkeit bemessen, Benchmark-Vergleiche anstellen und Optimierungen einleiten. Was nicht ist, kann ja noch werden, sagt man, aber nur weitere 3,7 % haben ein Kosten-Monitoring in Planung. Dies ergab eine von Dataforce, der auf dem Automobilsektor führenden Marktforschungsgesellschaft, im Mai 2019 veröffentlichte Studie. Selbst von mittleren bis großen Flotten haben weniger als die Hälfte ihre Ausgaben im Blick.

Hohe Hebelwirkung durch hohe Wertschöpfung

Dass die Ergebnisse dem Durchschnitt aller Branchen entsprechen, ist nur ein schwacher Trost. „In Bauunternehmen haben Fahrzeuge und Maschinen einen besonders hohen Anteil an der Wertschöpfung. Die Hebelwirkung ist entsprechend“, so Majk Strika, Geschäftsführer von ARI Fleet Germany, einer auf gemischte Flotten spezialisierten Fuhrparkmanagement-Gesellschaft.

Dazu ein Rechenbeispiel: Nettoumsatz gleichbleibend 100 Mio. EUR, Betriebsergebnis 5 %, Fuhrparkkosten 3 %: Eine Reduzierung der Fuhrparkkosten von 10 % verbessert das Ergebnis um 300.000 EUR oder 6 %. Im deutschen Bauhauptgewerbe stiegen bzw. sanken die durchschnittlichen Jahresrenditen zwischen 2013 um rund 1,5 % bis 5,4 %. Die Fuhrparkmanager haben es also in der Hand, ob sie mit ihrem Ergebnisbeitrag die Rolle eines Wertschöpfungstreibers oder Ertragskillers übernehmen. Im Prinzip, denn sie scheitern oft an verkrusteten Strukturen.

Gemeinsame Verwaltung aller Fahrzeugarten

„In vielen Bauunternehmen werden die Fahrzeugarten getrennt und mehr oder weniger autark verwaltet. Das macht es einem zentralen Management und Controlling schwer, Einblick oder gar Einfluss zu nehmen“, weiß Experte Strika. Somit blieben die Möglichkeiten einer einheitlichen Lieferantenstrategie und Beschaffungsbündelung ungenutzt. Beispielweise böten Reifenhändler inzwischen eine breite Produktrange von gängigen Pkw- bis hin zu OTR- und EM- Reifen an. Oft werde aber an „liebgewonnenen, aber zugleich teuren“ Stammlieferanten festgehalten. Dieses Beispiel lasse sich auf nahezu alle Kostenbereiche übertragen.

„Die Abläufe werden transparenter und Synergien können wirkungsvoll genutzt werden. Lediglich bei den Auswertungen der Steuerungsparameter wird zwischen Pkw, Nfz und Geräten differenziert“, erläutert Frank Conrad, Leiter Fuhrparkmanagement der Porr Deutschland GmbH die Vorteile einer zentralen Organisation.

Kosten nicht verstecken

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fuhrparkmanagement tragen somit wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens bei.“ Michaela Kuban, Leiterin Fuhrpark der Spitzke SE, sagt: „Ein Management für alle Fahrzeugarten – daraus können sich auch Synergien und Einspareffekte durch einheitliche Prozesse etwa im Schadenmanagement, bei Bestellungen oder Reparaturen ergeben.“ Porr und Spitzke gehören zweifellos nicht zu den Unternehmen, bei denen sich Kosten vor den Controllern sozusagen „verstecken“ können.

Strika: „Ein TCO-orientiertes Kostenmanagement erfasst und analysiert alle fuhrparkbezogenen Aufwendungen lückenlos. Die strategische Entscheidung ist oftmals der schwierigste Teil, denn sie bedeutet Eingriffe in über Jahrzehnte gewachsene Kompetenzen. Die benötigten Arbeitsmittel ließen sich dagegen sehr schnell zur Verfügung stellen.

Eine Software mit Schnittstellen

Kernelement ist ein leistungsfähiges IT-Programm, das nicht nur Kosten addiert, sondern Querauswertungen und Analysen ermöglicht. Idealerweise können über Telematik auch Mobilitätsdaten eingespeist und vorausschauende Wartungsplanungen erfolgen. Das wiederum verbessert die Performance des Unternehmens, denn die Fahrzeugverfügbarkeit ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

„Make or buy?“ Bereits ab etwa 30 Fahrzeugen sei ein qualifiziertes internes Fuhrparkmanagement wünschenswert, erläutert Matthias Droste, Geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft für Kostenmanagement Expense Reduction Analysts (DACH). Ab 100 Kfz könne ein professionelles externes Fuhrparkmanagements ins Kalkül gezogen werden. Oft stellten hybride Modelle eine adäquate Lösung dar: ein Management in eigener Hand, unterstützt durch die Fremdvergabe einzelner Leistungen an Spezialisten.

TCO-orientiertes Flottenmanagement für komplette Wertschöpfungskette

Indem ein TCO-orientiertes Flottenmanagement die komplette Wertschöpfungskette abdeckt, kommen auch die Full-Service-Leasingverträge für Pkw und Transporter auf den Prüfstand. Die pauschale Rate für Finanzierung und Services ist komfortabel. Sie liegt aber oft deutlich über dem Marktniveau für vergleichbare Leistungen und erhöht sich am Ende durch die Abrechnung sogenannter Rückgabeschäden. Gebühren für Nutzungsänderungen verteuern zudem die notwendige Flexibilität. „Die Fahrleistungen in der Bauindustrie sind aufgrund der laufend wechselnden Baustellenörtlichkeiten im Vorfeld kaum greifbar und schwankend“, so Frank Conrad von Porr Deutschland.

Expertenrat: Trennung von Finanzierung und Services

Experten raten zu einer Trennung von Finanzierung und Fahrzeugservices. Wie für Nutzfahrzeuge könnten darlehensähnliche Vollamortisationsverträge abgeschlossen und sämtliche weiteren Fahrzeugservices auf dem freien Markt zu deutlich besseren Konditionen einkauft werden. Strika: „Die flexible Nutzung, die absolute Transparenz und Steuerbarkeit der Kosten und schließlich die Wiedervermarktung des Fahrtzeugs zu bestmöglichen Konditionen zugunsten des Nutzers macht ein solches Modell einem herkömmlichen Full-Service-Leasing deutlich überlegen.“

Ari Fleet Germany GmbH

www.arifleet.de

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