Drei Fliegen mit einer Klappe

Kelsterbach setzt bei Flächenbefestigung auf multifunktionale Pflastersysteme

Die Stadt Kelsterbach in Hessen hat für die Erschließung eines Neubaugebietes eine Lösung gefunden, die sowohl die Anforderungen an die Technik, an die Optik und an den Umgang mit den Niederschlägen gleichermaßen gut erfüllt.

Es ist fast so etwas wie eine Ortschaft für sich, was da im Osten von Kelsterbach in den Neubaugebieten Länger Weg II und III seit einigen Jahren entsteht. Ein ruhiges Wohnviertel mit allen Wohnformen, mit viel Grün, für junge Familien und für Senioren. Auf dem insgesamt 28 Hektar großen Areal entstehen 350 Gebäude für mehr als 2.000 Menschen. Als die Planungen für den Endausbau der Straßen begannen, standen die Verantwortlichen der Stadt vor der Frage, welches Material sich am besten für die Befestigung des etwa 9.000 Quadratmeter umfassenden Straßenraumes eignet.

Dipl.-Ing. (FH) Claudius Herrmann von der Stadt Kelsterbach erklärt die Situation: „Aus optischen Gründen schied Asphalt für die Anliegerstraßen von vorne herein aus. Lediglich die Orchideenstraße, die als Sammelstraße dient, wurde im Fahrbahnbereich mit Asphalt ausgebaut. Die beidseitigen Gehwege jedoch ebenfalls in analoger Pflasterbauweise. Die restlichen Straßen im Wohngebiet werden als Mischverkehrsflächen genutzt. Um den gesamten Raum großzügig wirken zu lassen, suchte man einen optisch einheitlich wirkenden Belag für Fahrbahn, Gehwege und den ruhenden Verkehr. Pkw, Radfahrer und Fußgänger sollen sich hier sicher auf einer durchgängigen Pflasterfläche bewegen können. Belastet werden die Flächen durch den üblichen Anwohnerverkehr aber auch durch Müllfahrzeuge und schwerere Baufahrzeuge, die noch abschließende Arbeiten im Baugebiet zu erledigen haben. Deshalb spielte auch das Thema Belastungsfähigkeit eine wichtige Rolle.“

Combistabil bietet hohe Stabilität und attraktives Oberflächendesign

Für die Fahrbahnen fiel die Entscheidung auf das Pflastersystem Combistabil aus der Einstein-Pflasterfamilie, produziert von Beton Pfenning aus Lampertheim. Das System verfügt über eine spezielle Verbundtechnologie, die dazu führt, dass es im Falle einer Pressverlegung der Steine nur zu einer punktuellen, minimalen Berührung an den Steinunterkanten kommt. Anders als bei vielen anderen Verbundpflastern mit Abstandhalter- oder Verbundelementen, bleibt deshalb der Anteil der Fläche, an dem sich die Steine berühren, sehr gering.

Claudius Herrmann: „Dieses Pflaster ermöglicht eine Flächenbefestigung mit hoher Stabilität und attraktivem Oberflächendesign. Verantwortlich für die Belastbarkeit dieses Materials sind Verbundelemente an den Steinen, die dafür sorgen, dass die zur Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge beziehungsweise der Fugenraum stets eingehalten wird. Eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen ist somit gegeben. Um auf Nummer Sicher zu gehen, haben wir die Steine im Format 18 x 30 x 10 Zentimeter im Ellenbogenverband verlegt, was optisch auch gut wirkt und zusätzliche Stabilität liefert.“ Der Farbton wurde im Rahmen einer Anwohnerversammlung im September 2017 ausgewählt. Man entschied sich für „Muschelkalk“ – einer warmen bräunlich-anthrazit changierenden Oberfläche.

Versickerungsfähiger Pflasterbelag

für den ruhenden Verkehr

Für den ruhenden Verkehr suchte man einen Pflasterbelag, der optisch zum Material der Fahrbahnen passt und der ebenso den Anforderungen an die Belastbarkeit gerecht wird. Gleichzeitig war hier aber auch ein Belag gewünscht, der eine ortsnahe Versickerung der anfallenden Niederschläge ermöglicht. Für diesen Anwendungsfall haben sich die Planer für das Produkt Hydrostabil – ebenso aus dem Hause Beton Pfenning entschieden. Dieses Pflastersystem vereint die Eigenschaften des Combistabil-Systems in Punkto Belastbarkeit mit den Eigenschaften eines versickerungsfähigen Belages. Es verfügt einerseits über die Einstein-Verbundtechnologie, andererseits über Wasserspeicher-Kammern, die an den Kopfseiten der Steine angeordnet sind. Hier wird im Falle eines ergiebigen Regengusses das einlaufende Oberflächenwasser vorgespeichert und danach zügig an Ober- und Unterbau weitergeleitet.

Claudius Herrmann: „Mit diesem System haben wir die Parkflächen für die Pkw befestigt. Da es das gleiche Format wie die Steine auf den Fahrbahnen aufweist, fällt es auf den ersten Blick gar nicht auf, dass hier verschiedene Systeme eingebaut wurden. Lediglich die etwas aufgeweiteten Stellen an den Stirnseiten lassen die Speicherkammern erahnen.“

Verzicht auf Anschluss an Regenwasserkanal

Mit diesem Material konnten die gesamten Parkbuchten nicht nur ausreichend stabil, sondern auch optisch ansprechend und nach ökologischen Gesichtspunkten befestigt werden. Dank des versickerungsfähigen Pflasterbelages und eines ausgeklügelten Systems aus Rinnen und Rigolen, konnte im gesamten Baugebiet, das im Frühsommer 2019 fertig gestellt wurde, auf einen Anschluss an einen Regenwasserkanal verzichtet werden. „Mit den eingesetzten Materialien konnten wir glücklicherweise drei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, bemerkt Claudius Herrmann abschließend.

Einstein-Fugentechnik

www.einstein-pflaster.de

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