Dränbetone für nachhaltiges Bauen

Herstellung von Tragschichten im Straßenbau sowie im Galabau

Die Verwendung für wasserdurchlässige Deckschichten hat in Deutschland in den vergangenen Jahre zugenommen, insbesondere mit dem Ziel eines besseren Grundwasserschutzes durch eine Verringerung des Oberflächenabflusses.

Dränbetone sind Betone, die mit einem definierten erhöhten Hohlraumgehalt hergestellt werden und somit wasserdurchlässig sind. Der Hohlraumgehalt entsteht durch die Verwendung einer Gesteinskörnung mit eng begrenzter Korngröße (haufwerksporige Gesteinskörnung). Da die Körner einen eng abgestuften Bereich aufweisen, lassen sie sich nicht vollständig dicht packen. Die Gesteinskörner berühren sich nur punktförmig und sind nach der Vermischung mit Wasser und Zement allein an ihren Kontaktstellen miteinander verbunden. Dieses Hohlraumgefüge bleibt nach der Erhärtung erhalten: Aufgrund seiner Wasserdurchlässigkeit kann der Beton zur gezielten Abführung von Niederschlagswasser genutzt werden. Durch eine Beimischung unterschiedlicher Pigmente während des Herstellungsprozesses können farbige Dränbetonflächen unter gestalterischen Aspekten realisiert werden. Eine differenzierte Gestaltung und Anordnung von zusätzlichen Informationen wie Fahrbahnmarkierungen oder Piktogrammen ist so möglich.

Dränbeton ist ein formstabiler Baustoff und ausgesprochen vielseitig. So können Dränbetontragschichten unter Pflaster-, Dränasphalt- und Dränbetondecken oder auch unter Plattenbelägen verwendet werden. Diese Anwendungsbereiche sind im Merkblatt für Dränbetontragschichten (M DBT) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. (FGSV) geregelt.

 

Merkblatt

Der Einsatz des Baustoffs für Verkehrsflächen ist im Merkblatt für Versickerungsfähige Verkehrsflächen (M VV) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V. beschrieben. Das Merkblatt legt Anforderungen an die Wasserdurchlässigkeit und an den Infiltrationsbeiwert fest. Diese betragen:

Wasserdurchlässigkeit kf ≥ 5 x 10-5 m/s

Infiltrationsbeiwert ki ≥ 3 x 10-5 m/s

Dränbetondeckschichten erreichen diese Werte mit einem von außen zugänglichen Hohlraumgehalt von ≥ 15 Vol.-%.  Aus den Regelungen des Merkblatts lassen sich folgende wesentliche Anwendungsgebiete für Dränbetondeckschichten ableiten:

Straßen und Wege in Wohngebieten

Hof-, Park- und Abstellflächen

Rad- und Gehwege

Abstellflächen für Pkw-Verkehr-Garten- und Landschaftsbau.

In den genannten Anwendungsfeldern bietet Dränbeton enormes Potenzial, der zunehmenden Flächenversiegelung entgegenzuwirken und einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas zu leisten.

 

Moderne Radwege

Im April 2021 wurde in Deutschland vom Bundeskabinett der Nationale Radverkehrsplan 3.0 beschlossen. In ihm wird die Strategie der Bundesregierung zur Förderung des Radverkehrs in Deutschland dargelegt. Eines dieser Ziele ist mit „Fahrrad & Infrastruktur“ überschrieben. Kernaussage ist die angestrebte Realisierung eines lückenlosen Radverkehrssystems bis zum Jahr 2030 in Deutschland. Der Radverkehr soll von 112 Millionen Kilometer im Jahr 2017 auf 224 Millionen Kilometer verdoppelt werden.

Das Leitziel eines lückenlosen Radverkehrsnetzes in Städten und im ländlichen Raum bedingt einen extensiven Ausbau von Radwegen. Dieser Ausbau führt zu einer zusätzlichen Flächeninanspruchnahme. Die Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke ist seit dem Jahr 2000 rückläufig. Derzeit beträgt der tägliche Anstieg etwa 52 Hektar. Das politische Ziel der Bundesregierung beläuft sich für 2030 auf „weniger als 30 Hektar“. Laut Umweltbundesamt sind circa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland versiegelt ist. Die Versiegelung beeinträchtigt wichtige Bodenfunktionen: Wasserdurchlässigkeit und Bodenfruchtbarkeit gehen verloren.

Die Umsetzung dieser gegensätzlichen Ziele sowohl des Ausbaus des Radwegenetzes als auch dem Entgegenwirken der Bodenversiegelung, ist durch den Einsatz wasserdurchlässiger Baustoffe, wie zum Beispiel Dränbeton, und entsprechender Konstruktionen erreichbar.

Radwege stellen an die einzusetzenden Baustoffe eine Reihe von Anforderungen:

-gute Griffigkeit

-geringer Rollwiderstand

-schwache Sprühfahnenbildung bei Regen

-schnell trocknende Oberflächen

-ausgeprägte Dränagewirkung

-gute Einfärb- und Markierbarkeit.

Diese Anforderungen werden durch die Eigenschaften der Dränbetonfamilie Pervia der Cemex Deutschland AG erfüllt. Pervia Classic ist für den Einsatz als Tragschicht gemäß dem Merkblatt Dränbetontragschichten (M DBT) geeignet. Pervia Top wurde für die Verwendung als wasserdurchlässige Deckschicht entsprechend den Festlegungen des Merkblatts Versickerungsfähige Verkehrsflächen (M VV) entwickelt

 

Parkflächen mit Dränbeton

Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Dränbeton unter Langzeitbedingungen findet sich im Zementwerk Rüdersdorf der Cemex Deutschland AG. Dort wurde 2016 der Mitarbeiterparkplatz vollständig erneuert. Bei der Herstellung der Fahrspuren kam ein Straßenbeton der Festigkeitsklasse C 30/37 mit den Expositionsklassen XC4 XD3 XS3 XF4 XA3 XM3 unter Einsatz eines Luftporenbildners zur Anwendung. Die Parkflächen wurden aus dem Dränbeton Pervia Top mit folgenden Eigenschaften hergestellt:

Größtkorn: 8 Millimeter

Einbaukonsistenz: C1

Mittlere Druckfestigkeit: 44 MPa

Hohlraumgehalt: 19,0 Vol.-%

Dränbetondicke: 25 Zentimeter

Zur Verdichtung des wasserdurchlässigen Betons diente ein Oberflächen-Rüttler. Von zwei Arbeitsfugen abgesehen wurde der gesamte Parkplatzbereich fugenlos ausgeführt. Seit November 2016 ist der erneuerte Parkplatz in Betrieb und wird intensiv genutzt. Eine kontinuierliche Überwachung seit Baubeginn hat keinerlei mechanische Oberflächenschäden oder Frost-Tau-Schäden festgestellt.

Zusammenfassend lassen sich eine Reihe technischer und ökologischer Vorteile bei der Verwendung von Dränbeton herausstellen:

Regenwasser kann an Ort und Stelle versickern.

Die Flächenversiegelung wird verringert.

Durch die Versickerung und Aufnahme des Regenwassers werden die Auswirkungen von Starkregenereignissen abgemindert. 

Es erfolgt ein Auffüllen des lokalen Grundwassersspiegels.

Dränbeton weist eine wasserspeichernde Funktion auf. Dadurch wird der Wirkung des Heat Island Effects in Städten entgegengewirkt.

Im Winter entfällt das Abstreuen mit Salz.

Der Einsatz von Dränbeton trägt zu einem schonenden Umgang mit Grund und Boden bei. Die Begrenzung der Bodenversiegelung ist aus ökologischer Sicht wichtig und ermöglicht eine Verbesserung des Mikroklimas im Bereich der jeweiligen Areale.

Cemex Deutschland AG

www.cemex.de

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2020-10

Schonender Umgang mit Regenwasser

Dränbetone von Cemex für wasserdurchlässige Verkehrsflächen

In Deutschland sind fast 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt. Als versiegelt bezeichnet man alle Flächen, die betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt sind...

mehr
Ausgabe 2016-09

Dränbeton im Straßenbau

Ein Wasserfilm kann gar nicht erst auf der Fahrbahnoberfläche entstehen, denn die Niederschläge versickern durch eine Dränbetondeckschicht bzw. ein Dränbetonpflaster. Befindet sich darunter noch...

mehr
Ausgabe 2021-11-12

Gegen Starkregen gewappnet

Entwicklung und Herstellung von wasserdurchlässigen Pflasterziegeln

Im Allgemeinen werden Gittersteine aus Keramik oder Beton für versickerungsfähige Verkehrsflächen verwendet oder die Wasserdurchlässigkeit wird durch ein geeignetes Verlegemuster erreicht. Massive...

mehr
Ausgabe 2016-07

DBV-Merkblatt „Beton und Betonstahl“ aktualisiert

Das Merkblatt „Beton und Betonstahl“ wurde redaktionell und inhaltlich aktualisiert und ein weitestgehender Abgleich mit der Nachrechnungsrichtlinie für Straßenbrücken und dem...

mehr

DBV-Merkblatt „Selbstverdichtender Beton (SVB)“ redaktionell überarbeitet

Praxisgerechte Hinweise zur Verwendung und Qualitätssicherung von SVB

Selbstverdichtender Beton (SVB) ist ein Baustoff, der ab etwa 1990 in Japan entwickelt wurde und dann in Europa zunehmende Bedeutung erlangte. Es handelt sich hierbei um einen „Beton, der unter...

mehr