„Die Digitalisierung ist der größte Treiber für Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz“

Messe digitalBAU 2022 vom 15. bis 17. Februar in Köln

Gespräch mit Dr. Reinhard Pfeiffer, Stellv. Vorsitzender der Geschäftsführung Messe München GmbH, über den Nutzen von Messen als Treiber für Fortschritt und als Drehscheibe für Ideen.

THIS: Hallo Herr Dr. Pfeiffer. Vor knapp zwei Jahren, im Februar 2020, lief ich begeistert über die von Ihnen in Köln veranstaltete erste digitalBAU. Welche Eindrücke haben Sie damals mitgenommen?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Wir alle hatten nach der überaus positiven Resonanz durch Besucher und Aussteller das gute Gefühl, den richtigen Nerv getroffen zu haben. Wir richten ja in München alle zwei Jahre die große BAU aus, die Weltleitmesse für Architektur, Materialen und Systeme, für Architekten und Planer. Mit diesem zweijährigen Zyklus waren die Besucher und die Aussteller stets hochzufrieden.

Aber die Segmente Digitalisierung, digitales Planen und Bauen wuchsen immer stärker, und wir bekamen aus diesen Bereichen Hinweise, dass bei der Geschwindigkeit der digitalen Entwicklungen dieser Rhythmus nicht mehr passt; die Innovationszyklen sind hier deutlich kürzer. Das brachte uns auf die Idee, in den Jahren, in denen eine BAU nicht stattfindet, diese Themen bzw. alle digitalen Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Bauens als eigene Messe aufzusetzen.

THIS: Ein Sprung ins kalte Wasser?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Es war ein gewisses Wagnis, vom Konzept, vom Standort. Aber wir hatten mit dem Bundesverband Bausoftware einen starken Partner an unserer Seite.

Die Community hat hier eine Plattform gefunden, um digitale Lösungen im Bauen zu diskutieren, mit Herstellern, die Lösungen anbieten, und Besuchern, die zielgerichtet nach diesen Lösungen fragen.

THIS: Und dann kam Corona …

Dr. Reinhard Pfeiffer: Ja, zwei Wochen später war Corona da, und die Messe hätte dann nicht mehr nicht stattfinden können.

THIS: Wird Corona die nächste digitalBAU negativ beeinflussen?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Ich denke nicht. Praktisch alle, die sich impfen lassen wollten, sind geimpft, und die vorbeugenden Maßnahmen vor Ort – Abstände, Hygieneregeln – haben wir sicher im Griff.

Darüber hinaus waren in den letzten Monaten die Menschen eingeschränkt. Wir spüren bei vielen die Freude, dass es wieder los geht, dass man sich wieder gefahrlos zu persönlichen Gesprächen und zum direkten Austausch treffen kann.

THIS: Ja, die meisten Treffen liefen in den letzten Monaten virtuell ab. War so betrachtet Corona auch ein Treiber für die Digitalisierung der Baubranche?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Durchaus. In den letzten anderthalb Jahren seit März 2020 hat sich vieles verändert, ist vieles passiert. Wir alle sind digital fitter geworden und haben digitale Abläufe und Verhaltensmuster verinnerlicht, die vor zwei Jahren so gar nicht vorstellbar gewesen wären.

Dann drängte sich im letzten Sommer die Frage auf, ob wir eigentlich noch verreisen müssen? Brauchen wir eigentlich noch Präsenzmessen? Brauchen wir Präsenzmeetings? All das wurde begleitet mit dem Aufkommen von digitalen Events. Das ging alles sehr schnell.

Aber schon im Herbst letzten Jahres zeichnete sich ab, dass man zwar digital mit seinen Geschäftsfreunden und Partnern in Kontakt bleiben kann und dass man auch das Alltagsgeschäft recht gut verwalten kann. Aber um Neues zu kreieren, Neukunden zu gewinnen, gemeinsam neue Gedanken und Ideen zu entwickeln, dafür braucht es Präsenz.

Das ist jetzt eine sehr gute Botschaft für uns Messeveranstalter. Eine IAA hat jetzt erfolgreich stattgefunden, eine Expo Real hat jetzt erfolgreich stattgefunden. Auch die Resonanz auf Ausstellerseite für die digitalBAU in Köln im Februar 2022 ist wirklich sehr gut.

THIS: Sie können international vergleichen – sehen Sie die Digitalisierung in der Baubranche auf einem guten Weg?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Definitiv. Und wir sehen dies bei unserer Baumaschinenmesse Bauma, bei der BAU, bei der Immobilienmesse Expo Real. Die digitalBAU ist ja Ausfluss dieser Entwicklung.

Wenn es etwas gibt, das noch bremst, dann ist es das Problem der Schnittstellen. Wie übermittelt man eine digitale Zeichnung so, dass der Handwerker sie umsetzen kann? Wie schaffen wir es, Standards zu kreieren, Schnittstellen effizient auszugestalten? Wir haben alle Tools, alle Möglichkeiten der Welt, doch oft wirken sie nebeneinander. Ideal wäre es, dass man wirklich zwischen allen Programmen, zwischen allen Modellen Daten austauschen kann, so dass im Prinzip jede kleine App, jedes große BIM-Programm ohne Abstriche miteinander kommunizieren kann.

Einheitliche Standards würden dem Thema nochmals einen ordentlichen Schub verleihen.

THIS: Wo sehen Sie den aktuellen Stand der Digitalisierung in der deutschen Bauwirtschaft?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Die großen Unternehmen sind schon sehr weit, arbeiten mit digitalen Modellen, optimieren die Planungen nicht nur auf den reinen Bauprozess, sondern auf den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Da werden Chips in Beton gegossen, die auch zwanzig Jahre später noch zuverlässig Auskunft darüber geben, was eigentlich verbaut wurde, so dass man es gut wiederverwenden kann. Nachhaltigkeit ist angesichts des fortschreitenden Klimawandels schon jetzt ein drängendes Thema, die zunehmende Rohstoffknappheit auch. Die Digitalisierung ist der größte Treiber für Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Kosteneffizienz.

THIS: Wie schätzen Sie die kleineren Bauunternehmen ein?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Naturgemäß wird nicht jeder Maurer, der eine Garage hochziehen soll, ein BIM-Modell entwickeln, das er dann an den Maler weitergibt. Aber ich kenne kein Unternehmen, das nicht auf die eine oder andere Art in die Digitalisierung eingestiegen ist. Auch dort kennt man Teams, auch dort erfolgt bei vielen die Arbeitszeiterfassung bereits per App, werden digitale Bautagebücher aufgesetzt, Smartphones zur Dokumentation herangezogen und immer öfter werden auch bei mittleren und kleineren Unternehmen Baumaschinen und Fahrzeuge per Flottenmanagement überwacht. Aber ja, es gibt immer noch viele Unternehmen, die auf eine noch bessere Lösung warten. Hier gibt es noch viel Potential.

THIS: Das Streben nach Perfektion als größtes Hindernis für eine gute Lösung?

Dr. Reinhard Pfeiffer: Eher andersherum. Der Freund der guten Lösung ist die Messe. Die findet immer zu einem festen Termin statt, und bis dahin muss die Neuentwicklung fertig sein. Egal ob sie perfekt ist oder nicht, weil man weiß, dass der Wettbewerber dann auch mit seinen neuen Produkten kommt.

Die digitalBAU ist eine Drehscheibe für Ideen und Lösungen. Natürlich ist man auch digital, wenn man nach einer Baustellenbesichtigung einen Mängelbericht statt per Fax per Email an den Dienstleister schickt. Dann wickelt man eben einen analogen Prozess digital ab. Die bessere Lösung wäre, mit dem Smartphone ein Foto vom Mangel zu machen, das mit einer kurzen Notiz ans digitale Modell anzuheften, und alle Beteiligten wissen sofort Bescheid.

Das ist der eigentliche Fortschritt, der eigentliche Nutzen, die eigentliche Kostenersparnis – solche Abläufe in neuen und besseren Prozessen und Lösungen abzuwickeln, die durch Digitalisierung möglich sind. Neue Ideen, neue Prozesse, neue Lösungen – darum geht es auf der digitalBAU.

THIS: Ich freue mich auch schon jetzt darauf, neue Ideen und neue Lösungen zu sehen.

Dr. Reinhard Pfeiffer: Das werden Sie, soviel kann ich schon versprechen. Wir verzeichnen bereits jetzt eine gute Buchungslage und werden ein sehr hochwertiges Rahmenprogramm bieten. Start-ups haben bei uns wie auch schon bei der letzten digitalBAU einen sehr hohen Stellenwert und können ihre Innovationen bereits seit April im Rahmen der „Innovation Challenge“ auf der digitalBAU-Website präsentieren. Die besten Teilnehmer pitchen dann live auf der Messe vor einer fachkundigen Jury.

Sie selbst sind ja auch mit eigenem Stand vertreten, vergeben den Deutschen Baupreis für besonders leistungsfähige Bauunternehmen, und zeichnen auch Ideen und Innovationen von Bauunternehmen und Start-ups aus. Auf der digitalBAU wird niemandem langweilig.

Messe München GmbH

www.digital-bau.de

www.bau-muenchen.de

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