Modellprojekt zur Unternehmensnachfolge

Nachfolger:innen selbst entwickeln

Fast 57% der Führungskräfte in Deutschland sind über 50 Jahre alt, und nur ein Drittel der über 56-jährigen Unternehmensführer:innen haben für die Nachfolge bereits eine klare Perspektive.

Verteilung der Führungskräfte in Deutschland nach Altersgruppen (Stand 2018)
© Statista 2022

Verteilung der Führungskräfte in Deutschland nach Altersgruppen (Stand 2018)
© Statista 2022

In den Jahren 2016 bis 2018 planten circa 620.000 KMU (kleine oder mittlere Unternehmen) mit über 4 Millionen Arbeitnehmern die Übergabe oder den Verkauf des Unternehmens. Über 95% der Betriebe im GaLaBau und Bauhauptgewerbe sind solche kleinen und mittleren Unternehmen, in denen mehr als 90% der Beschäftigten arbeiten. Fast 57% der Führungskräfte in Deutschland sind dabei über 50 Jahre alt und nur ein Drittel der über 56-jährigen Unternehmensführer:innen haben für die Nachfolge bereits eine klare Perspektive.

Kritische Ausgangslage

Diese Ausgangslage macht die Dringlichkeit deutlich, mit der Lösungen für die erfolgreiche Nachfolge gefunden werden müssen. Auch gesamtwirtschaftlich ist dies von Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die Bauwirtschaft inkl. GaLaBau mit einem Anteil von deutlich über 5% einen erheblichen Anteil an der Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik Deutschland ausmacht. Doch angesichts Fachkräftemangel und Hochkonjunktur stellt sich die Lösung der Aufgabe als äußerst schwierig dar. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert daher 30 Modellprojekte über alle Branchen, die mit innovativen Ideen dabei helfen sollen, das Problem zu lösen. Eines davon wurde an der Hochschule Osnabrück, Lehr- und Forschungsbereich Betriebswirtschaft im Bauwesen, eingerichtet und durch den Baugewerbeverband Niedersachsen und den Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau unterstützt.

Unternehmer:innen und Nachfolger:innen zusammenbringen

Prozess: „Jetzt gehe ich ins Management“ am Beispiel des Studiengangs Baubetriebswirtschaft dual an der Hochschule Osnabrück
© Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L, Betriebswirtschaft im Bauwesen

Prozess: „Jetzt gehe ich ins Management“ am Beispiel des Studiengangs Baubetriebswirtschaft dual an der Hochschule Osnabrück
© Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L, Betriebswirtschaft im Bauwesen

Bei dem Projekt „Jetzt geh‘ ich ins Management“ geht es darum, potenzielle Nachfolger:innen und Unternehmer:innen von Bauunternehmen zusammenzubringen und in die Übergabephase zu begleiten. Zunächst soll dabei das Interesse der Studierenden an einer möglichen Unternehmensnachfolge geweckt werden. Durch ein dann folgendes Matchingverfahren werden mögliche Unternehmensnachfolger:innen mit entsprechenden Unternehmer:innen zusammengebracht. Integriert in das Vorhaben ist die Einrichtung einer Anbahnungsphase zur Nachfolge parallel mit dem Abschluss des Studiums und die Vermittlung spezieller Fortbildungs- und Beratungsangebote, die auf die Tätigkeit in der Unternehmensführung vorbereiten.

Vorurteile abbauen

Zielsetzung des Projekts ist es im Besonderen, Hürden und Vorurteile bei den Studierenden abzubauen und Informationsdefizite zu beseitigen. Voruntersuchungen zeigen, dass grundsätzliches Interesse beider Seiten vorhanden ist, jedoch Informationen fehlen, Schulungsbedarf besteht, Praxis- und Führungserfahrung aufgebaut werden und die „Chemie“ stimmen muss.


© Elnur_/Clipdealer

© Elnur_/Clipdealer

Bei den Studierenden ist eine Unternehmensnachfolge als möglicher Karriereweg oft unbekannt oder wird gar nicht erst in Betracht gezogen, weil nicht bekannt ist, dass Betriebe Nachfolger suchen.
Die jungen Fachkräfte sind sich auch oft nicht sicher, ob sie zu einer Übernahme in der Lage wären und ziehen eine Nachfolge deshalb nicht in Erwägung, weil Unterstützungsangebote und Informationen fehlen. Häufig wird eine Nachfolge auch aus finanzieller Sicht für unmöglich gehalten.

Hoher Informationsbedarf

Entscheidend ist insofern die Kommunikation, denn der Informationsbedarf ist sehr hoch und die Kanäle sind vielfältig. Die meisten der befragten Studierenden geben an, dass Informationsveranstaltungen gewünscht sind, da persönlicher Austausch und Beratung wichtig sind. Auch den Unternehmerinnen und Unternehmern ist der persönliche und vor allem vertrauliche Kontakt wichtig.

Ergänzend dazu muss eine regelmäßige Präsenz und Ansprache der Kammern, Innungen, Hochschulen, Meister- und Technikerschulen sowie bei regionalen Verbandstagungen etc. sichergestellt werden. An all diesen Aspekten wird im Modellprojekt „Jetzt geh ich ins Management“ gearbeitet.

Erste Erfolge sichtbar

Bereits die ersten Projektmonate haben Erfolg gezeigt, sodass inzwischen mehrere Studierende und Betriebe in einem ersten Matching, im Herbst letzten Jahres zusammengeführt werden konnten. Aktuell finden die verschiedensten Kooperations- und Schnittstellengespräche, sowie ein intensiver Austausch mit Studierenden und Betrieben sowie Verbänden, Kammern, Wirtschaftsförderern, Banken und Beratern statt. Weitere Partner und vor allem Unternehmerinnen und Unternehmer, die vor der Nachfolge stehen, sind herzlich willkommen.

Hochschule Osnabrück

www.hs-osnabrueck.de

Literaturhinweise

LEIFELS, Dr. Arne (2016): Alterung treibt Nachfolgerbedarf im Mittelstand: 620.000 Übergaben bis 2018. KfW Research, Fokus Volkswirtschaft

Statista.de (2020): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/182538/umfrage/verteilung-der-geschaeftsfuehrer-nach-altersgruppen/, Abruf: 04.09.2021

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (2018), Bauwirtschaft im Zahlenbild, 2019

Kay, R.; Suprinovic, O.; Schlömer-Laufen, N.; Rauch, A. (2018): Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2018 bis 2022, IfM Bonn: Daten und Fakten Nr. 18, Bonn

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