Erfolge sind kein Grund nachzulassen
Bei der Absturzprävention am Bau hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Viele Unternehmen investieren konsequent in sichere Arbeitsplätze, technische Schutzmaßnahmen sind selbstverständlicher geworden und das Bewusstsein für Absturzgefahren ist gewachsen. Das ist ein Erfolg jahrzehntelanger gemeinsamer Präventionsarbeit und vor allem des täglichen Engagements in den Betrieben und auf den Baustellen.
Dennoch dürfen wir uns mit dem Erreichten nicht zufriedengeben, denn Abstürze gehören nach wie vor zu den häufigsten Ursachen tödlicher Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft. Hinzu kommen zahlreiche Unfälle, die zwar nicht tödlich enden, für die Betroffenen aber schwere und mitunter lebenslange Folgen haben. Wir müssen unseren Blick deshalb auf alle Bereiche, in denen Absturzgefahren lauern können, richten. Und dieser Blick weist nicht nur nach oben.
Wer an Absturzgefahren denkt, hat häufig zunächst den Hochbau vor Augen: Dächer, Gerüste, Geschosskanten oder Öffnungen in der Höhe. Der Tiefbau und insbesondere der Spezialtiefbau stehen dagegen weniger im Fokus. Dabei gehören Baugruben, Gräben und Schächte, wechselnde Arbeitsebenen, Zugänge oder Arbeiten auf großen Bohr- und Rammgeräten ebenso zum Gefährdungsbild. Daraus ergeben sich ganz eigene Anforderungen an die Absturzprävention. Nicht jede Baustelle braucht dieselbe Lösung. Überall aber gilt derselbe Grundsatz: Absturzgefahren möglichst vermeiden und technische, kollektiv wirkende Schutzmaßnahmen von Anfang an berücksichtigen.
Dieses „von Anfang an“ ist entscheidend. Wirksame Absturzprävention beginnt nämlich nicht erst an der Absturzkante, sondern lange davor: bei der Planung, der Ausschreibung und der Arbeitsvorbereitung. Hier entscheidet sich zum Beispiel, ob und wie geeignete Standplätze, sichere Zugänge und Arbeitsverfahren geschaffen und gestaltet werden. Die bauausführenden Unternehmen können diese Aufgabe jedoch nicht allein bewältigen. Absturzprävention ist eine Gemeinschaftsaufgabe, an der auch Bauherren, Planerinnen und Planer, Hersteller und Vermieter von Maschinen und Arbeitsmitteln, Führungskräfte und die Beschäftigten am Bau selbst beteiligt sind.
Wenn alle Beteiligten ihren Teil der Verantwortung übernehmen und ihre Erfahrungen und ihr Wissen einbringen, können wir auf dem Erreichten aufbauen und die Absturzprävention in der Bauwirtschaft gemeinsam weiter voranbringen.
Björn Kass
Präventionsleiter der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)
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