Der Schlüssel zur modernen Baustelle

Mit digitalen Lösungen Baustellen optimieren

Beim Wettbewerb „Deutscher Baupreis 2022“ trat die Lindner Group in der hart umkämpften Kategorie „Digitalisierung“ an, und konnte die Jury überzeugen. Martin Weber, Managing Director der Lindner Group, erläutert das Gewinner-Konzept. 

Gemeinsam mit der Esatus AG entwickelte die Lindner Group die inGo App. Sie funktioniert als digitaler Baustellenschlüssel.
© Lindner Group

Gemeinsam mit der Esatus AG entwickelte die Lindner Group die inGo App. Sie funktioniert als digitaler Baustellenschlüssel.
© Lindner Group
Zunächst eine kleine Vorstellungsrunde, wer wir sind und was wir tun: Die Lindner Group ist ein familiengeführtes Bauunternehmen aus dem niederbayerischen Arnstorf. Als Komplettanbieter für den Innenausbau, aber auch Gebäudehüllen und Isoliertechnik sind wir in verschiedensten Projekten auf der ganzen Welt zu finden, um genauer zu sein auf ca. 2.500 Baustellen täglich, weltweit; mit der Stärke, Wissen und Einsatzfreude von gut 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

7.500 Mitarbeiter auf 2.500 Baustellen – weltweit

Unser Vorteil: wir sind sowohl Produzent als auch Dienstleister, begleiten und verantworten Projekte über alle Leistungsphasen hinweg. Unser Anspruch lautet „Bauen mit neuen Lösungen“ und so ist unser Ziel, für jedes Projekt die optimale Lösung anzubieten. Dabei greifen wir nicht nur auf ein Team von Ingenieuren und Fachleuten aus verschiedenen Baudisziplinen zurück, sondern entwickeln auch eigene digitale Lösungen. In der Digitalisierung sehen wir einen wirkungsvollen Hebel, um Baustellen sicherer, schneller und komfortabler abzuwickeln. Da wir in allen Projektphasen selbst involviert sind, kennen wir die Probleme, die oftmals veralteten Strukturen und Abläufe – und davon gibt es einige….noch!

Denn gerade in unserer Branche gibt es einige Prozesse bei der Abwicklung von Baustellen, die mit Hilfe von digitalen Tools verbessert und alltägliche Probleme gelöst werden können. Die „Zettelwirtschaft“ am Projekttisch ist nur eine davon. Oft beginnt es schon viel früher, z. B. am Zugang auf die Baustelle.

Die App ermöglicht eine papier- und kontaktlose Prüfung der auf der Baustelle tätigen Personen.
© Lindner Group
Die App ermöglicht eine papier- und kontaktlose Prüfung der auf der Baustelle tätigen Personen.
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inGo – der digitale Baustellenschlüssel

Die Dokumentation von Anwesenheiten der auf der Baustelle tätigen Personen ist sehr aufwendig und zudem sehr „papierlastig“, Standards für Baustellenausweise gibt es nicht. Will man sich als Bauherr bzw. Auftraggeber zudem gegen Lohndumping, Schwarzarbeit oder Beitragshaftungen absichern, wächst der Papierberg weiter. Unzählige Kopien von Dokumenten und Nachweisen sind die üblichen Maßnahmen. Doch diese müssen zusätzlich dem Datenschutz entsprechen und abgestimmt werden. Alles also sehr zeit- und kostenintensiv.

Diese Problematik erkennend, entwickelten wir gemeinsam mit der esatus AG die inGo App. Die App ist wie ein digitaler Baustellenschlüssel zu verstehen und ermöglicht eine papier- und kontaktlose Prüfung der auf der Baustelle tätigen Personen. Erforderliche Dokumente, wie beispielsweise der Ausweis oder eine Arbeitserlaubnis, werden als digitale Credentials via Blockchain Technologie verschlüsselt an das Smartphone gesendet und ein individueller QR-Code erstellt. Die Überprüfung erfolgt in Sekundenschnelle nur noch per simplen Scan. Somit wird nicht nur das Papierchaos reduziert, sondern auch der zeitliche Aufwand. Es herrscht durchgehend volle Transparenz über die Weitergabe der eigenen Daten. Der Baustellenzutritt wird standardisiert, digital und schnell. Die Nutzer- und Dokumentenpflege und auch die Übersicht der freigegebenen Personen erfolgt in einer übersichtlichen webbasierten Oberfläche. Hier können Baustellenzugänge verwaltet und auch Gastzugänge erstellt werden. Mit inGo sind neben den beschriebenen Themen weitere Anforderungen realisierbar, wie Zugangsberechtigung für Sicherheitsbereiche, Logistik, Lager etc. oder auch Alarmierungs-/Informationssysteme via Push Notification auf Baustellen. Auf ersten Baustellen der Lindner Group ist inGo bereits erfolgreich im Einsatz.

LinSafe: smarte Gefährdungsbeurteilung auf Baustellen

Der gesamte Arbeitsschutz-Prozess wurde mit der appbasierten Software LinSafe digitalisiert.
© Lindner Group

Der gesamte Arbeitsschutz-Prozess wurde mit der appbasierten Software LinSafe digitalisiert.
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In LinSafe hat jedes Gewerk vordefinierte Bausteine, welche dann vom Nutzer entweder übernommen oder mit baustellenspezifischen Belangen ergänzt werden können.
© Lindner Group
In LinSafe hat jedes Gewerk vordefinierte Bausteine, welche dann vom Nutzer entweder übernommen oder mit baustellenspezifischen Belangen ergänzt werden können.
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Neben Zugangsberechtigung und Dokumentenverwaltung spielt auch die Gefährdungsbeurteilung auf der Baustelle eine große Rolle, denn Arbeits- und Gesundheitsschutz müssen höchste Priorität haben. Im Bereich der Projekt-abwicklung birgt die Umsetzung aller rechtlichen und kundenspezifischen Vorgaben, gerade in der Zusammenarbeit mit Partnerfirmen, immer wieder große Herausforderungen. Die geforderte Gefährdungsbeurteilung und die verpflichtende Einweisung vor Ort sind davon eine der Wesentlichsten.

In Zusammenarbeit mit der Fachabteilung Arbeitsschutz und unseren Bau- und Projektleitern wurde von unserem Digitalteam der gesamte Prozess mit einer eigenen Software praxisorientiert digitalisiert. Die appbasierte Software LinSafe ermöglicht die Generierung aller notwendigen Nachweisdokumente. Diese können im Bedarfsfall auch ausgedruckt, auf der Baustelle ausgehängt bzw. übergeben werden, wie z. B. das Erste-Hilfe Plakat mit allen wichtigen Kontaktdaten.

Aber auch die Partnerfirmen, der Sicherheit- und Gesundheitsschutzkoordinator, der Bauherr oder die Berufsgenossenschaft können direkt über LinSafe eingebunden werden. Die BG Bau war maßgeblich bei der Entwicklung involviert, da deren „Bausteine“ (Sicherheitshinweise für gesundes und sicheres Arbeiten) die Grundlage für das Programm bilden.

So hat auch in LinSafe jedes Gewerk vordefinierte Bausteine, welche dann vom Nutzer entweder übernommen oder mit baustellenspezifischen Belangen ergänzt werden können. Diese generieren nun ganz einfach über LinSafe die geforderten Gefährdungsbeurteilungen und Betriebsanweisungen, unterweisen die Verantwortlichen der Partnerfirmen und stellen diese Nachweise allen digital zur Verfügung.

Planungswerkzeug für Baustellenoptimierung dank agilem, digitalen Lean Construction Management

Lindner entwickelte auch eine digitale Plattform zur Unterstützung für das agile Lean Construction Management.
© Lindner Group

Lindner entwickelte auch eine digitale Plattform zur Unterstützung für das agile Lean Construction Management.
© Lindner Group
Ein weiteres Produkt, mit welchem Lindner die Jury überzeugen konnte, ist eine digitale Plattform zur Unterstützung für das agile Lean Construction Management. „Weg von starrer Projektplanung hin zu einer dynamischen, einfach zu bedienenden zentralen Umgebung, welche den lebendigen Alltag in Bauvorhaben leicht verständlich abbildet. Ziel ist es, für sämtliche Projektbeteiligte maximale Transparenz zu schaffen um damit die Kollaboration zu verbessern, effizienter zu gestalten und um schneller auf Veränderung reagieren zu können. Projekte und deren Status sind leicht verständlich visualisiert, pflegbar und über ein Dashboard zu jedem Zeitpunkt in Echtzeit auswertbar“, so die Anforderung des Projektteams an das neue Planungswerkzeug.

Konzeptionelle Basis der neuartigen Plattform ist das bewährte Last Planner System, nach aktuellen Erkenntnissen die effizienteste Lean Construction Methode. Hierbei werden die Tätigkeiten aller Gewerke in eindeutig definierten Arbeitspaketen aufgeschlüsselt und auf einem großen Touchscreen von allen beteiligten Bauleitern gemeinsam zu „Gewerkezügen“ zusammengefügt.

Diese Gewerkezüge werden anschließend per Drag-and-Drop mit präzise definierten Bereichen im Gebäude, sogenannten Taktbereichen grafisch verknüpft, woraus schlussendlich ein digitaler, kollaborativer und integral geplanter Gesamttermin- und Ressourcenplan entsteht. Dieser bildet die operative Grundlage für die täglich stattfindende Regelkommunikation, in der alle Bauleiter ihre selbst gesetzten Ziele überprüfen und miteinander auf der Plattform abstimmen.

Dank der vollständigen Digitalisierung des kompletten Prozesses können in Dashboards wertvolle KPI‘s in Echtzeit grafisch und leicht verständlich angezeigt werden. Diese helfen dem Team ihre Prozesse kontinuierlich zu verbessern sowie aufziehende Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig wirksame Abhilfemaßnahmen einzuleiten.

Es freut uns besonders, dass wir gleich für drei verschiedene Tools mit der Sonderkategorie „Digitalisierung“ des deutschen Baupreises ausgezeichnet wurden. Auch in weiteren Kategorien bzw. bei den Sonderpreisen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Nachhaltigkeit sowie Nachwuchs- und Mitarbeiterentwicklung waren wir unter den Finalisten. Das zeigt wie umfassend wir denken und Lösungen anbieten, nicht nur für unsere Baustellen, sondern für die gesamte Baubranche, für unsere Mitarbeiter, für Mensch und Umwelt. Denn wir wollen ein wichtiger Akteur sein, um unsere Branche voran zu bringen sowie nachhaltiger und effizienter zu gestalten.


www.lindner-group.com

Martin Weber, Managing Director der Lindner Group

© Lindner Group

Martin Weber, Managing Director der Lindner Group
© Lindner Group

Lindner Group

Die Lindner Group ist Europas führender Komplettanbieter in den Bereichen Innenausbau, Fassaden und Isoliertechnik. Das Familienunternehmen verfügt über mehr als 55 Jahre Erfahrung im „Bauen mit neuen Lösungen“, der Entwicklung und Ausführung von individuellen und fortschrittlichen Projektlösungen, die Mehr.Wert bieten. Mit weltweit ca. 7.500 Mitarbeitern betreibt Lindner vom bayerischen Arnstorf aus Produktionsstätten und Tochtergesellschaften in mehr als 25 Ländern.

Martin Weber,
Managing Director Lindner Group

Nach der Ausbildung sammelte Martin Weber mehrjährige Berufserfahrung auf großen Baustellen der Lindner Group weltweit. Bis heute bringt er das dort erlernte Wissen und die Erfahrungen über die vielen Herausforderungen des Planens, Bauens und Betreibens von Gebäuden in alle Bereiche des Unternehmens ein. Seine Leidenschaft gilt schon immer der kontinuierlichen Optimierung, Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen in den verschiedenen Geschäftsfeldern der Unternehmensgruppe. So ist Martin Weber als Managing Director verantwortlich für verschiedene operative Geschäftsbereiche und insbesondere strategische Abteilungen wie Lean Management, Forschung & Entwicklung, Marketing, Data
Science, Softwareentwicklung und Data Center.

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