Kolosse auf Reisen

Elektronik reduziert Kosten von Baumaschinentransporten

Ein Bagger für den Straßenbau in Berlin, ein Radlader für eine Großbaustelle in Stuttgart – wo auch immer in Deutschland ein Baufahrzeug im Einsatz ist, geliefert wurde es in vielen Fällen von Zeppelin. Für die Logistik der Zeppelin Baumaschinen GmbH (ZBM) und der MVS Zeppelin GmbH & Co. KG (MVZ) eine gewaltige Herausforderung, denn jeder Transport ist einmalig.

Nicht selten müssen die teils sehr hohen oder überbreiten Maschinen über besondere Routen mit Begleiteskorte transportiert werden. „Dafür sind spezialisierte Logistikdienstleister notwendig“, erklärt Andreas Rudnik, Logistics Manager bei der ZBM. Die Transportbeauftragung erfolgt deshalb meist individuell je nach Auftrag. Um den Vergabeprozess in den 40 Vertriebs- und Servicestandorten der ZBM
sowie in den 100 Mietstationen der MVZ zu vereinheitlichen und die Kosteneffizienz zu erhöhen, setzt Zeppelin seit Mitte 2008 auf die internetbasierte Logistikplattform
Transporeon.

Bis zu 50 Transporte wickeln die beiden Tochterunternehmen des Zeppelin Konzerns inzwischen täglich über das Logistikportal per  Frachtausschreibung ab. Transportiert werden Neu-, Gebraucht- und Mietmaschinen wie Bagger, Dozer, Lader und Muldenkipper ebenso wie Verdichtungs- und Straßenbaumaschinen. Aber auch Gabel- und Teleskopstapler, Personenarbeitsbühnen, Raumsysteme, Baugeräte sowie Produkte der Baustellenverkehrssicherung gehören zum Transportumfang der beiden Firmen. Als Vertriebs-, Service- und Mietorganisation von Caterpillar Baumaschinen und Hyster Gabelstaplern verkaufen, betreuen und vermieten die ZBM und die MVZ die Maschinen in ganz Deutschland.

 

Spezialtransporteure für

Spezialtransporte

Und manches, was später auf der Baustelle ein gewohnter Anblick ist, erweist sich auf der Straße als wahrer Koloss: Ein mittlerer Muldenkipper zum Beispiel kommt auf eine Transportbreite von über 4,4 Metern und eine Höhe von fast 4,5 Metern, ein größerer Kettenbagger kann über 90 Tonnen auf die Waage bringen. Normale LKW-Transporte sind damit unmöglich. „Die Abmessungen und das Gewicht der Maschinen spielen bei der Transportplanung eine wichtige Rolle. Um zu verhindern, dass ein Fahrzeug nicht mehr unter einer Autobahnbrücke durchpasst, muss der Spediteur die Routenplanung vorab mit den Verkehrsbehörden festlegen“, so Rudnik. Diese Transporte dürfen meistens nur mit Polizeibegleitung durchgeführt werden.

Die Vergabe dieser Spezialtransporte wie auch der herkömmlichen Frachten obliegt bei Zeppelin den einzelnen Niederlassungen. Jede der rund 100 Mietstationen und der 40 Vertriebs- und Servicestandorte vergibt eigenständig Aufträge an Spediteure, vor Einführung der Logistikplattform meist per Telefon. „In der Regel wurden bei der Transportanfrage drei bis vier Spediteure aus der Region kontaktiert, die man bereits kannte, und die Angebote verglichen“, beschreibt der Logistics Manager das Vorgehen. „Manchmal hatte aber auch nur ein Spediteur überhaupt die Kapazitäten, um die Fracht zu übernehmen.“ Insgesamt etwa 1.200 verschiedene Logistikdienstleister fuhren allein 2007 für Zeppelin. Durch die dezentrale Frachtvergabe ergab sich für Zeppelin weder eine echte Preistransparenz, noch die Möglichkeit für die Spediteure, auf das komplette Transportpotential von Zeppelin zuzugreifen. Somit bestanden kaum Möglichkeiten, um Leerkilometer einzusparen. Auch die Qualität der Transporteure ließ sich nicht ohne weiteres bewerten.

 

Mehr Vergleichsmöglichkeiten

Um diese logistischen Prozesse transparenter zu gestalten und gleichzeitig die Frachtkosten in der Maschinenlogistik zu reduzieren, entschied sich Zeppelin dafür, die Frachtanfrage und -vergabe durch ein elektronisches System zu vereinheitlichen. Die Wahl fiel dabei auf die Logistikplattform der Firma Transporeon. Die Transportbeauftragungs-Lösung der Plattform ermöglicht die Transportanfrage und die Auftragsvergabe an einen geschlossenen Spediteursstamm. In dem System können Frachtraten für individuelle Transportbedarfe angefragt werden. Die Spediteure bekommen dabei über die Logistikplattform alle relevanten Auftragsdaten übermittelt. Zugriff auf diese Daten erhalten allerdings nur Spediteure, die vom Verlader dazu berechtigt wurden. So ist sichergestellt, dass ausschließlich von Zeppelin freigegebene Frachtführer zum Einsatz kommen.

Interessierte Spediteure aus dem Frachtführerstamm können direkt online ihr Angebot abgeben. Wer schließlich den Zuschlag erhält, bekommt ebenfalls online die genauen Auftragsinformationen zugesandt, den übrigen Transporteuren wird automatisch abgesagt. Übermittlungsfehler, wie etwa Missverständnisse am Telefon, werden so verhindert. Die notwendige Flexibilität in der Baumaschinenlogistik bleibt so erhalten, während die Standardisierung in der Frachtvergabe eine spürbare Erleichterung für alle Beteiligten bringt.

In zwei Ausbaustufen wurde bis September 2008 die Logistik der ZBM und der MVZ auf die neue Lösung umgestellt. Über 500 Mitarbeiter in den Niederlassungen mussten dafür im Umgang mit dem System geschult werden, gleichzeitig galt es mehr als 6.000 Datenblätter zu den Produkten von Zeppelin in das System zu integrieren.

Für die einfachere Beauftragung von Spediteuren, mit denen bereits feste Preisvereinbarungen bestehen, setzt Zeppelin ebenfalls auf die Transportbeauftragung durch die elektronische Plattform, wie Rudnik berichtet: „Wir setzen in der Regel für Nahverkehrstransporte die direkte, automatische Beauftragung ein. Wohingegen Fahrten, denen eine Mindestentfernung von 100 Kilometern zu Grunde liegt, auf Basis der zuvor tagesaktuell eingeholten Angebote vergeben werden. Hierbei steht den einzelnen Niederlassungen frei, auch kürzere Transporte tagesaktuell auszuschreiben.“ Die Eingabe der Auftragsdaten erfolgt derzeit noch manuell über hinterlegte Auftragsvorlagen, allerdings ist hier bereits geplant, eine Schnittstelle zu den internen Systemen von Zeppelin herzustellen, um die Daten direkt austauschen zu können.

 

Leerkilometerreduktion senkt Kosten

Inzwischen hat sich bei Zeppelin ein einheitlicher Frachtführerpool mit etwa 300 Speditionen etabliert, der ausschließlich Experten für Spezialtransporte umfasst. Und das Unternehmen ist auch weiterhin offen für Bewerbungen qualifizierter Logistikdienstleister. Jeder dieser Transporteure hat Einsicht auf die deutschlandweit eingestellten Frachtaufträge, wodurch sich gerade bei längeren Strecken die Möglichkeit ergibt, Aufträge zu kombinieren und Rückladungs- und Dreiecksfahrten zu bilden. Damit muss der Spediteur Frachtraum oder Ladefläche für die Heimfahrt nicht ungenutzt leer lassen, was seinen Kostenaufwand und in der Folge auch die gesamten Transportkosten deutlich reduziert.

„Auswertungen im Rahmen einer Diplomarbeit in unserem Haus haben ergeben, dass die Einsparungen bei den Frachtraten im Fernverkehr 10 und 20 Prozent erreichen können“, so der Logistics Manager der ZBM. „In der Administration – also Auftrag ausschreiben, Angebote einholen, Auftragsdaten übermitteln und so weiter – konnte der Aufwand um etwa 20 Prozent reduziert werden.“ Über das Reporting-Modul der Transporeon-Plattform untersucht das Unternehmen zurzeit, wie sich die Logistik noch weiter optimieren lässt.     

 

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

Auch im internationalen Rahmen wird die Logistikplattform im Zeppelin-Konzern mittlerweile eingesetzt, so startet im Sommer diesen Jahres das Tochterunternehmen Phoenix Zeppelin in Tschechien mit dem Einsatz des Portals. Daneben wird zurzeit die Einsatzmöglichkeit bei Zeppelin Österreich geprüft.

Nach dem Wegfall des Kabotageverbots wäre es, laut Rudnik, sogar bedingt denkbar für einige Transporte ausländische Spediteure einzusetzen. „Allerdings bestehen für diese Spezialtransporte hohe Anforderungen an den Transportunternehmer was Genehmigungen, Zertifizierungen und auch Erfahrungen anbelangt. Diese muss jeder von uns beauftragte Transporteur erfüllen.“ Bis zu 100 Tonnen Stahl mit überdimensionalen Abmessungen sind eben keine alltägliche Fracht. 


Weitere Informationen im Internet:
[www.zeppelin.de],
[www.transporeon.de]

... dafür sind spezialisierte Logistikdienstleister notwendig!

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