Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein Ingenieurstudium

Die Frauenquote bei Bauingenieurstudenten ist innerhalb von 15 Jahren von 18 % auf 26 % gestiegen. Insgesamt liegt der Frauenanteil im Bauhauptgewerbe bei 9 %. Gewerbliche Berufe sind für Frauen anscheinend weniger interessant.

Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein Bauingenieurstudium. Waren im Wintersemester 1994/1995 noch 18,2 % aller Bauingenieurstudenten weiblich, betrug der Frauenanteil im Wintersemester 2009/2010 schon 25,6 %. Tendenz steigend: Im ersten Fachsemester waren von den 11.070 Studenten 27,8 % Frauen.

Damit sind zwar immer noch weit mehr als die Hälfte der Studenten des Bauingenieurwesens männlich, die weiblichen Kollegen holen aber – wenn auch langsam – auf. Sie sind auch wesentlich ehrgeiziger als ihre männlichen Kommilitonen: Von den 3.070 Studentinnen im ersten Fachsemester streben 55 % einen universitären Abschluss an. Bei den männlichen Kollegen planen dies gerade einmal 42 %.

Es ist allerdings zu befürchten, dass eine nicht unerhebliche Zahl weiblicher Bauingenieure im Laufe des Berufslebens den Beruf wechselt, da dieser nicht familienfreundlich ist. Im Rahmen einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zum Image der Bauwirtschaft gaben lediglich 13 % der Befragten an, dass sie glauben, dass sich der Beruf des Bauingenieurs gut mit Privat- und Familienleben vereinbaren lässt. Und nur 5 % der Bevölkerung verbinden die Tätigkeit des Bauingenieurs mit einer geregelten Arbeitszeit und wenig Überstunden.

Leider ist es nicht möglich, die Frauenquote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bauingenieurberufen zu berechnen. Die Bundesagentur für Arbeit weist diese nicht getrennt, sondern nur zusammen mit den Architekten aus. Die Quote liegt zusammen bei 27 % (Stand Juni 2010). Die Quote dürfte für Bauingenieure niedriger ausfallen, da der Frauenanteil bei den Architekturstudenten bei 56,8 % liegt und somit mehr als doppelt so hoch wie bei den Bauingenieurstudenten. Allerdings muss man berücksichtigen, dass der überwiegende Anteil der Architekten nicht sozialversicherungspflichtig angestellt ist, sondern selbständig arbeitet und in der o. g. Quote nicht enthalten ist.

Im gesamten Wirtschaftszweig Bauhauptgewerbe beträgt der Frauenanteil bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Angestellte und Gewerbliche) 9,4 %. In bauhauptgewerblichen Berufen (Maurer, Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Gerüstbauer, Straßen- und Tiefbauer und Bauhilfsarbeiter) liegt die Quote hingegen nur bei 1,1 %.

Der Frauenanteil bei den gewerblichen Bauberufen wird auch in naher Zukunft so niedrig bleiben: Die Frauenquote bei den gewerblichen Auszubildenden im Baugewerbe war Ende 2010 mit 1,0 % sehr niedrig. Der Anteil in den kaufmännischen Ausbildungsberufen lag hingegen bei 65,6 % und bei den technischen Ausbildungsberufen (Bauzeichner etc.) bei 37,2 %. Im Durchschnitt errechnet sich für die Branche bei den Auszubildenden eine Frauenquote von 6,7 %.

Petra Kraus,

Berlin

E-Mail: petra.kraus@bauindustrie.de

Ein Kernproblem ist die Vereinbarkeit von Bauingenieur-Beruf und Familie!

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