Dämpfer für die Bauunternehmen

Nur die wenigsten konnten in 2009 ein Wachstum vorlegen

2009 war kein gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft, weder für die Industrie noch für den Bau. Den Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 4,7 %, der schärfste der Nachkriegszeit, hat zwar vor allem der Exportrückgang in der Industrie verschuldet, aber die Baubranche gab auch nach: der Baugewerbliche Umsatz sank nämlich gegenüber 2008 um 4 %. Im Boomjahr 2008, vor der Krise, war er noch um 6,1 % gewachsen. Für 2010 ist keine große Besserung in Sicht: der Branchenumsatz dürfte abermals sinken.

Ein Blick auf die Liste der 21 größten deutschen Baufirmen zeigt, dass bei der überwiegenden Mehrheit der Gesellschaften die Bauleistung nachgab. Die vier führenden Konzerne Hochtief, Bilfinger Berger, Strabag und Züblin legten geschlossen den Rückwärtsgang ein. Die Reihenfolge blieb unverändert. Von den Top Ten konnten nur Max Bögl und Eurovia, die Straßenbautochter des Franzosen Vinci, mit einem Plus aufwarten. Auf den hinteren Rängen legten Johann Bunte (+36 %) und Wayss & Freytag (+19 %), die Infrastrukturtochter der niederländischen Royal BAM, stark zu.  Besonders markant sank die Leistung unter den Top Ten bei Züblin (-14,4 %), Goldbeck (-17,9 %) und Bauer (-16,3 %). Goldbeck, der als Erbauer von Industrie- und Logistikhallen vom Rückgang im Wirtschaftsbau voll erwischt wurde, wird die Einbuße von 2009 allerdings wegstecken können. Denn in den Vorjahren hatte das Bielefelder Unternehmen außerordentlich stark zugelegt: zwischen 2006 und 2008 war die Leistung um glatte 74 % auf 1,32 Mrd. Euro sprunghaft gestiegen. Beim Spezialtiefbauspezialist Bauer hat letztes Jahr besonders das Maschinenbausegment gelitten, das in 2008 noch stark gewachsen war. Im Gegensatz zu manchem Vorjahr konnten diesmal die mittelständischen Unternehmen nicht stärker wachsen als die Großen.

 

Hochtief unangefochten

Der Essener Baukonzern Hochtief führt mit einer Bauleistung von über 20,6 Mrd. Euro die Liste an. Als einziger spielt er in der internationalen Topliga, vergleichbar mit Vinci, Bouygues, Skanska, usw. Er ist doppelt so groß wie Bilfinger Berger (10,4 Mrd. Euro). Danach folgen weit abgeschlagen die beiden Töchter der Strabag SE in Wien, die Kölner Strabag AG (4,1 Mrd. Euro) und die Stuttgarter Züblin (2,5 Mrd. Euro). Züblin ist übrigens die Nummer Eins im Inlandsbau. Max Bögl hat letztes Jahr wieder Bauer überrundet. Weitere Leistungsmilliardäre sind Kaefer Isoliertechnik (1,2 Mrd. Euro) und Goldbeck (1,05 Mrd. Euro). Insgesamt überschreiten 8 Gesellschaften die Milliardenschwelle. Auf den weiteren Rängen erreichen 7 Unternehmen eine Leistung von über 500 Mio. Besonders stark sank die Leistung von Heberger Bau um 43 % auf 217 Mio. Euro. Die beiden größten deutschen Fertighaus-Firmen Weber Haus und Bien-Zenker rangieren auf den hinteren Plätzen; im laufenden Jahr dürften sie von der Belebung im Wohnungsbau profitieren. Dass Hochtief zur Zeit der Drucklegung dieser Zeitschrift vor einer Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS stand, muss hier unberücksichtigt bleiben.

 

Fast keine roten Zahlen   

Der Rückgang der Bauleistung ist nicht unbedingt mit sinkender Rentabilität gleichzusetzen. Viele Firmen verzichten bewusst auf die Hereinnahme von nicht kostendeckenden Aufträgen. Manche planen gar, ganze Baubereiche wegen zu niedriger Rentabilität aufzugeben. Bei den führenden Konzernen stieg in den meisten Fällen in 2009 das Ergebnis vor Steuern. Die Nummer Eins Hochtief legte um 21 % auf 601 Mio. Euro zu. Strabag gewann gar 45 % auf 94 Mio. Euro, die Konzernschwester Züblin 19 % auf 51 Mio. Euro. Der Rückgang von 25 % bei Bilfinger Berger ist eher künstlich. Er beruht auf einem Sondereffekt. Der Verkauf der französischen Tochter Razel hatte das Ergebnis in 2008 aufgebläht. Bauer konnte einen Verlust verhindern, das Vorsteuerergebnis sank dennoch deutlich um 59 % auf 59,5 Mio. Euro. Wir wollen hier nicht die Ergebnisse der sechs führenden Bauunternehmen detailliert vorstellen, denn dies haben wir bereits in Bilanzen I (Heft 7-8) und Bilanzen Teil II (Heft 9) getan. Von den 21 auf der Liste aufgeführten Unternehmen gaben nur 8 ein Ergebnis bekannt. Lediglich Bien-Zenker meldete einen Verlust.

 

Kein Anspruch auf Vollständigkeit 

Unser Klassement erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einige Firmen wie Kampa Haus und Wiemer & Trachte nehmen nicht mehr teil, weil sie in Konkurs gingen. In früheren Jahren waren Holzmann, Walter Bau und andere aus denselben Gründen ausgeschieden. Die Liste schrumpft eindeutig. Unternehmen wie Zech-Bau in Bremen haben sich geweigert mitzumachen. MBN liefert diesmal keine Zahlen. Einige kleinere Firmen im Bereich von 100-150 Mio. Euro Bauleistung geben auch keine Zahlen heraus. Andererseits konnten wir BAM Deutschland und Wayss & Freytag hereinnehmen. Baresel erscheint auch nicht mehr, seit die Firma von der Mutter Köster voll konsolidiert wird. Trotz der vorhandenen Lücken ist die Liste dennoch die präziseste, die es aktuell über die deutsche Baubranche gibt. Manche Unternehmensleiter möchten gern erfahren, was die Konkurrenten für Zahlen vorlegen, sie weigern sich aber eigene Informationen preiszugeben. Das ist nicht sehr fair. „Reuige“ Firmenchefs können sich vertrauensvoll an den Autor wenden: marcel-j-m.linden@arcor.de. Die Aufnahme in die Tabelle ist selbstverständlich nicht mit Kosten verbunden. In den Nachbarländern, wo die meisten Baufirmen publizitätspflichtige Aktiengesellschaften sind, ist es einfacher an die Zahlen heranzukommen. Hierzulande geht es ohne „Telefonmassage“ nicht.

 

Sehr unterschiedliche

Auslandsanteile

Seit über 10 Jahren haben sich die Großen der Branche dem daniederliegenden Binnenmarkt dadurch entzogen, dass sie verstärkt ins Ausland gingen. Mittelständische Baufirmen konnten nur in Ausnahmefällen folgen, zum Beispiel auf den aufstrebenden polnischen Markt. Hochtief ist mit einem Auslandsanteil an der Leistung von 88,9 % der internationalste Baukonzern der Welt. In den USA und Ostasien ist er die Nummer Eins. Allein die Marktkapitalisierung der dynamischen australischen Tochter Leighton ist so hoch wie diejenige der Mutter. Bei Bilfinger Berger beträgt der Auslandsanteil 68 %. Er wird sinken, wenn es der Mannheimer Gruppe wie geplant gelingt ihre australischen Aktivitäten an die Börse zu bringen. Das Projekt musste wegen der schlechten internationalen Börsenlage einstweilen abgeblasen werden. Bilfinger Berger, der mit den Industriedienstleistungen gutes Geld verdient, will den niedrig rentierenden Bau um zwei Drittel zusammenstreichen: die Leistung des Baugeschäfts soll von 6 auf 2 Mrd. Euro zurückgehen, vier Milliarden weniger! Hochtief droht wegen seiner guten internationalen Verdrahtung Ungemach: der spanische Großaktionär, die Baufirma ACS, die bereits 29,9 % der Anteile besitzt, hat eine Übernahme angekündigt, die Hochtief als feindlichen Angriff abwehren will. Ausgang ungewiss. ACS ist kleiner als Hochtief und allzu sehr auf Spanien konzentriert. Mit der Übernahme des deutschen Primus könnte er schlagartig in die erste Liga aufsteigen.  Ebenfalls stark im Ausland engagiert sind Kaefer Isoliertechnik (Anteil an der Leistung 71 %) und Bauer (71,5 %), der weltweit im Spezialtiefbau agiert und Spezialtiefbaumaschinen anbietet. Unter den Top Ten haben Züblin (28,4 %) und Max Bögl (30 %) eine moderate Auslandspräsenz. Quasi abwesend von den Auslandsmärkten sind Köster (3 %) und Xaver Riebel (1,3 %). Heberger Bau und Bien-Zenker hingegen erwirtschaften fast ein Drittel im Ausland.

 

Kein starker Belegschaftsabbau

Die großen Baugruppen haben auf die schlechte Lage generell nicht mit einem starken Abbau der Mitarbeiterzahl reagiert. Bei Hochtief (+2,6 %) stieg sie gar an. Bei Bilfinger Berger sank sie leicht um 0,5 %. Strabag vermeldet einen Rückgang um 2,1 %. Einzig Züblin kürzte die Belegschaft stark um 23 %. Bei Max Bögl nahm sie um 11 % zu. Trotz der Turbulenzen hat Bauer die Zahl der Arbeitsplätze um 2,2 % erhöht. Wie im verarbeitenden Gewerbe heißt auch hier die Devise, die qualifizierten Mitarbeiter zu halten.

Marcel Linden,

Bonn

Hier ist die Devise, die qualifizierten Mitarbeiter unbedingt zu halten!

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