Win-Win bei der Brückensanierung
Auftraggeber und Auftragnehmer profitieren von effizienter GerüstlösungBei der Vergabe des Hängegerüsts für Korrosionsschutzarbeiten war Terminsicherheit gefragt. Das Rennen machte Xervon mit der innovativen Plattformlösung FlexDeck auf Basis des FlexBeam.
An der 670 Meter langen Talbrücke Wilkau-Haßlau war für die Erneuerung des Korrosionsschutzes ein Hängegerüst über die gesamte Länge notwendig. Die Herausforderung: der enge Zeitplan. Die Lösung: die modulare Plattformlösung FlexDeck
© XERVON
Zum Erhalt der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland gehören Brückenbau und Brückensanierung zu den wichtigen Herausforderungen der kommenden Jahre. Das Bundesministerium für Verkehr will in einem ersten 10-Jahres-Zyklus 4.000 Brücken instandsetzen und modernisieren. 4.000 weitere sollen folgen. Ein aktuelles Beispiel ist die 670 Meter lange Talbrücke Wilkau-Haßlau, die als Bestandteil der A72 das Tal der Zwickauer Mulde überspannt. Hier muss der Korrosionsschutz an den trapezförmigen Stahltrögen unterhalb des Brückenüberbaus dringend erneuert werden. Wichtige Voraussetzung: ein Hängegerüst über die gesamte Länge der Brücke. Laut dem externen Ingenieurbüro Krüger wurde dabei schnell klar, dass die Kosten der notwendigen Arbeits- und Schutzgerüstkonstruktionen die eigentlichen Kosten der Korrosionsschutzarbeiten übersteigen. Hinzu kam das sehr enge Zeitfenster für die Korrosionsschutzmaßnahmen. Terminsicherheit bei der Gerüstmontage war bei der Vergabe deshalb ein wesentlicher Faktor. Wir sprachen mit Inhaber Michael B. Krüger:
THIS: Herr Krüger, Sie haben den Auftraggeber bereits vor der Ausgabe mit Planungsleistungen unterstützt?
Krüger: Genau. Korrosionsschutzarbeiten sind vom Wetter abhängig – für die Gerüstbauarbeiten gab es also nur ein sehr enges Zeitfenster. Der Auftraggeber hat sich deshalb dazu entschieden, vor der Ausschreibung bereits eine Lösung inklusive geprüfter Statik erstellen zu lassen.
THIS: Ist das der Regelfall?
Krüger: Leider nein. Dem Gerüstbau wird oftmals noch zu wenig Beachtung geschenkt. Obwohl sich das für Baustellen richtig lohnen kann, da Gerüste nicht nur für Sicherheit beim Arbeiten in der Höhe sorgen, sondern – mit der richtigen Lösung – auch erheblich zur Baustelleneffizienz beitragen können. So langsam können wir aber ein Umdenken erkennen.
THIS: Wie sind Sie bei dem Projekt vorgegangen?
Krüger: Konventionell werden Hängegerüste oftmals mit 450 Millimeter hohen Gitterträgern durchgeführt. Das war daher die Grundlage bei der Ausschreibung. Wobei das Hängegerüst nur ein Teil der Ausschreibung war.
THIS: Was gehörte noch zur Aufgabenstellung?
Krüger: Die Brücke führt in bis zu 40 Metern Höhe über einen Fluss, zwei Straßen, eine Eisenbahnstrecke sowie bewohntes Gebiet. Abgesehen von einer Einhausung des Hängegerüsts als Schutz für die Umwelt vor Rostpartikeln und Strahlgut wurden unter anderem auch Baustellenzugänge vom Boden und von der Brücke aus benötigt – inklusive Zugangsschutz. Außerdem Schutzdachkonstruktionen über der Bundesstraße. So war es möglich, die Gerüstbauarbeiten bei laufendem Verkehr durchzuführen.
THIS: Letztlich wurde der Auftrag an das Gerüstbauunternehmen Xervon vergeben. Was hat an deren Angebot überzeugt?
Krüger: Die Spezialisten von Xervon bieten nicht nur ein breites Leistungsspektrum, was hier aufgrund der vielfältigen Aufgaben gefragt war. Sondern sie haben aufgrund des engen Zeitfensters auch eine innovative Lösung auf Basis der modularen Plattformlösung FlexDeck entwickelt. Basis ist der hochtragfähige FlexBeam.
THIS: Was war an der Lösung so besonders?
Krüger: Da gibt es viele Faktoren. Da wäre zum der Faktor Sicherheit – der Gerüstbau erfolgt schließlich in über 40 Metern Höhe. Die Gerüstbauer konnten mit FlexDeck im sogenannten Freivorbau-Verfahren montieren. Also aus der gesicherten Lage. Die Lösung überzeugt aber auch aus statischer Sicht.
THIS: Inwiefern?
Krüger: Abgesehen von der hohen Tragfähigkeit werden die Lasten beim FlexBeam ideal in die Trägerachse eingeleitet. Die Bauteile werden also statisch ideal ausgelastet. Der FlexBeam hat außerdem ein genau definiertes Loch-Raster. Dadurch können Montageungenauigkeiten ausgeschlossen werden. Dies erhöht die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen.
THIS: Sie sprachen das enge Zeitfenster ja bereits an.
Krüger: Stimmt. Hier bietet FlexDeck mehrere Vorteile. Etwa die Bolzenverbindung im Gegensatz zu Kupplungen bei Gitterträgern. Ein wesentlicher Aspekt war außerdem die hohe Tragfähigkeit des FlexBeam. Diese erlaubt materialsparende Konstruktionen. Außerdem sind deutlich weniger Trägerelemente nötig. Dadurch lässt sich bei der Montage insgesamt viel Zeit einsparen. Hier gab es aber eine Besonderheit. Für die Aufhängungen sollten keine neuen Löcher gebohrt, sondern bestehende Löcher in der Brücke verwendet werden. Diese sind jedoch in Längsrichtung in einem definierten Abstand angebracht. Die klassische Lösung bei FlexDeck allein mit Querträgern war also nicht möglich. Um den Versatz auszugleichen, hat Xervon dann die Aufhängung in den Achsen der Brücke mit Längsträgern realisiert und die Querträger einfach darauf aufgesetzt.
THIS: Das geht so einfach?
Krüger: Ja, mit dem Kreuzverbinder für den FlexBeam. Übrigens auch ein Serienbauteil.
THIS: Warum ist das wichtig?
Krüger: Weil dadurch keine projektspezifischen Stahlkonstruktionen notwendig sind, die Zeit kosten würden und außerdem nur für dieses Projekt zum Einsatz kommen. Xervon hat bereits einen umfassenden Materialbestand, ergänzend können Serienteile bei Layher kurzfristig abgerufen werden. Projekte lassen sich nach dem Finalisieren der Planung also schnell beginnen.
THIS: Wie verhalten sich die Anschaffungskosten?
Krüger: Der FlexBeam liegt hier sicherlich etwas höher als ein konventioneller Gitterträger. Durch die schnellere Montage lassen sich die Kosten aber schnell amortisieren – und Folgebaustellen sind durch die schnellere Montage dann deutlich rentabler.
THIS: Das Projekt war also ein Erfolg?
Krüger: Absolut. Das Hängegerüst ließ sich trotz des sehr engen Zeitfensters termingerecht realisieren. Der Auftraggeber blieb im Zeitplan und hatte trotzdem eine optimal auf die Gegebenheiten angepasste Gerüstlösung. Und Xervon konnte rentabel arbeiten. Eine Win-Win-Situation für Auftraggeber und Auftragnehmer.
THIS: Sehen Sie den FlexBeam vornehmlich bei Großprojekten wie der Muldebrücke?
Krüger: Überhaupt nicht, der FlexBeam lässt sich auch bei kleinen oder mittleren Projekten wirtschaftlich einsetzen. Mein Rat: einfach mal ausprobieren.
THIS: Noch eine Frage zum Schluss. Warum haben Sie sich für eine Spezialisierung im Bereich Gerüstbau entschieden?
Krüger: Ganz einfach. Gerüste sind ja in der Regel die ungeliebten „Baubehelfe“, die nur Geld kosten. Wenn man jedoch einmal kurz darüber nachdenkt, wo überall Gerüste benötigt werden – etwa bei Neubau, Sanierung, Bauwerksunterhalt, Denkmalschutz und der Industrie – kann man vielleicht erahnen, welche große Einsatzvielfalt sich dahinter verbirgt und wie unheimlich spannend und interessant diese Projekte sind. Auch unabhängig von der Größe.
Wilhelm Layher GmbH & Co KG
www.layher.com
Leicht und flexibel: Aluminium-Träger FlexBeam
© Layher
Für großflächige, hochtragfähige, hängende Brückenunterkonstruktionen, Flächengerüste oder Anwendungsfälle mit geringer Bauhöhe ist der FlexBeam eine flexible und zugleich sichere Lösung. Der hochtragfähige Aluminium-Träger besitzt bei niedriger Bauhöhe gleichzeitig eine hohe Biegetragfähigkeit. Das Ergebnis sind größere Stütz- und Abhängeraster, was nicht nur die Sicherheit bei der Montage erhöht, sondern auch ein effizientes Arbeiten auf der Gerüstlage ermöglicht. Gerüstböden lassen sich direkt einhängen. Der Anbau von Seitenschutzkonstruktionen aus dem AllroundGerüst ist ebenfalls problemlos möglich.
Mehr zum Aluminium-Träger FlexBeam von Layher in einem kurzen Video-Clip auf YouTube unter: yt-flexbeam-de.layher.tv
Spezialisiert auf Gerüstlösungen: Das Ingenieurbüro Dipl.-Ing.(FH) Michael B. Krüger, Gerüste – Schalungen – Traggerüste, Leipzig, hat über 25 Jahre Erfahrung beim Planen, Berechnen und Konstruieren von Lösungen für Arbeitsgerüste, Schutzgerüste, Traggerüste und Lösungen im Schalungsbau.
