Verkehrssicherungs-Profis im Gespräch

„Mehr Sicherheit für Mensch und Natur“

Die THIS sprach mit Thomas Bainsky und Sebastian Kerkeling von Zeppelin Rental über die Herausforderungen für Verkehrssicherer sowie innovative Lösungen angesichts der sanierungsbedürftigen Infrastruktur in Deutschland.

Rund 16.000 Brücken in Deutschland sind sanierungsbedürftig: kommunale Bauwerke, Bahnbrücken sowie Überführungen auf Autobahnen. Als Gründe lassen sich die Zunahme des Verkehrs, Defizite aufgrund der Bauart oder des Materials sowie schlicht das hohe Alter nennen. Welche Ansätze die Branche der Verkehrssicherer für diese Herausforderung hat und an welchen innovativen Lösungen sie arbeitet, erklären Thomas Bainsky, Leiter Strategie und Transformation Baustellen- und Verkehrssicherung, und Sebastian Kerkeling, Leiter Kompetenz-Center Baustellen- und Verkehrssicherung in Dorsten, beide von der Zeppelin Rental GmbH.

THIS: Temporäre Verkehrsführungen dienen der Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen – Zeppelin Rental kümmert sich deutschlandweit um die Planung und Umsetzung von Verkehrssicherungsmaßnahmen. Welche Erfahrungen machen Sie im Rahmen von Brückensanierungen?

Thomas Bainsky, Leiter Strategie und Transformation Baustellen- und Verkehrssicherung, Zeppelin Rental Thomas Bainsky, Leiter Strategie und Transformation Baustellen- und Verkehrssicherung, Zeppelin Rental; © Christina Cybik / action press

Thomas Bainsky, Leiter Strategie und Transformation Baustellen- und Verkehrssicherung, Zeppelin Rental; © Christina Cybik / action press
Thomas Bainsky: Wir alle spüren, welche Auswirkungen der Sanierungsstau von Brücken auf die Volkswirtschaft hat. In Lüdenscheid beispielsweise hat die Sperrung der Talbrücke Rahmede ein Nadelöhr auf dem Weg nach Nordrhein-Westfalen entstehen lassen. Der Ausweichverkehr belastet das angrenzende Verkehrsnetz, weite Umwege sorgen für mehr Kosten und Emissionen. Auch auf kommunaler Ebene häufen sich solche Fälle. Als Unternehmen, das unter anderem in der Verkehrssicherung tätig ist, arbeiten wir daran, Verkehr datenbasiert intelligent zu steuern und so beispielsweise die Restnutzungszeit von Brücken zu verlängern.

THIS: Welche Lösungen bieten Sie an?

Sebastian Kerkeling: Wir können mit Hilfe von Sensoren und Kameras beispielsweise Fahrzeuggewicht und -größe oder Verkehrslast messen und diese Daten je nach örtlichen Gegebenheiten einsetzen. Konkret ermöglicht unser sogenanntes Weigh-in-Motion-System, Fahrzeuge, die ein definiertes Gewicht überschreiten, auf Brücken automatisiert auszuleiten.

Thomas Bainsky: Wird dieses System frühzeitig in die Planung von Sanierungsmaßnahmen einbezogen, kann es eine Brückenvollsperrung verhindern. Nachfragen erreichen uns inzwischen auch für Projekte auf Landesebene.    

THIS: Gibt es noch weitere Einsatzgebiete der digitalen Verkehrssteuerung?

Sebastian Kerkeling, Leiter Kompetenz-Center Baustellen- und Verkehrssicherung Dorsten, Zeppelin Rental GmbH Sebastian Kerkeling, Leiter Kompetenz-Center Baustellen- und Verkehrssicherung Dorsten, Zeppelin Rental; © Christina Cybik / action press

Sebastian Kerkeling, Leiter Kompetenz-Center Baustellen- und Verkehrssicherung Dorsten, Zeppelin Rental; © Christina Cybik / action press
Sebastian Kerkeling: Bei der Durchführung von Straßenbauarbeiten können nicht immer alle Fahrspuren erhalten bleiben. Bei unserer innovativen Wechselverkehrsführung steuern wir eine Wechselspur je nach Verkehrsaufkommen lastabhängig. Die Grundlage dieser flexiblen Verkehrsführung ist neu auch in der Richtlinie RSA 21 festgeschrieben. Entsprechend positiv entwickelt sich die Nachfrage in ganz Deutschland. 

THIS: Welche Vorteile haben intelligente Verkehrstelematik-Lösungen konkret?

Thomas Bainsky: Eine Konsortialstudie, an der wir mitgewirkt haben und die demnächst veröffentlicht wird, bestätigt den positiven Effekt einer Wechselverkehrsführung im Vergleich zu einer klassischen 2+1-Verkehrsführung. Die lastabhängige Steuerung sorgt für eine Verstetigung des Verkehrs, weniger Stau und damit geringere CO2-Emissionen.

Sebastian Kerkeling: Dazu kommt mehr Sicherheit für die Verkehrsteilnehmenden. Weniger Stau bedeutet auch weniger Unfälle, zum Beispiel im Bereich eines Stauendes.

THIS: Gibt es übergeordnete Ziele  der  gesamten  Verkehrs-sicherungsbranche, an denen gemeinsam gearbeitet wird?

Thomas Bainsky: Die Branche organisiert sich in Verbänden. Wir sind seit kurzem Mitglied im Bundesverband Verkehrssicherheitstechnik e.V. (BVST), um unsere Expertise im Bereich der datenbasierten Verkehrslenkung und neuen Technologien einzubringen.

Sebastian Kerkeling: Unser gemeinsames Ziel ist mehr Sicherheit auf allen Straßen zum Vorteil von Mensch und Natur.

THIS: Was sind Zukunftsthemen in der Verkehrssicherung?

Sebastian Kerkeling: Das autonome Fahren und die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und der temporären Verkehrstechnik wird uns in den kommenden Jahren sicherlich verstärkt beschäftigen.

Thomas Bainsky: Auch Themen wie BIM und digitale Zwillinge spielen eine Rolle.

THIS: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Wechselverkehrsführung von Zeppelin Rental reduziert Staus und garantiert mehr Effizienz. Je nach Verkehrsaufkommen kann die Wechselspur für die Fahrtrichtung, in der mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, freigegeben werden; © Matthias Merz / action press

Die Wechselverkehrsführung von Zeppelin Rental reduziert Staus und garantiert mehr Effizienz. Je nach Verkehrsaufkommen kann die Wechselspur für die Fahrtrichtung, in der mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, freigegeben werden; © Matthias Merz / action press

Weiterführende Informationen zu den Verkehrstelematik-Lösungen von Zeppelin Rental finden Sie hier

Zeppelin Rental GmbH

www.zeppelin-rental.de

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