„Wir wollen zeigen, wie spannend unsere Branche ist“

Coreum – Forum für Technologie und Innovation

Interview mit Toni Kiesel, Geschäftsführer des europaweit

agierenden Baumaschinen-Händlers Kiesel GmbH und Gründer des Baumaschinen-Zentrums „Coreum“

THIS: Wir treffen uns hier im Coreum. Was ist die Idee hinter dem Coreum?

Toni Kiesel: Coreum ist eine Plattform – vor allem für die Branchen, in denen und mit denen wir tätig sind. Es ist eine Plattform für die Kunden in diesen einzelnen Branchen, vom Fahrer über den Techniker, vom Mechaniker bis zum Bau- oder Projektleiter, von der Werkstatt über den Einkauf bis hin zum Eigentümer.

THIS: Denen zeigen Sie dann hier Ihre Produkte?

Toni Kiesel: Es geht in erster Linie nicht um Kiesel-Produkte, selbst, wenn wir hier auch als Händler und Hersteller vertreten sind. Coreum ist weit mehr als nur eine Ausstellung. Es geht um die Abbildung von Prozessen, um Aus- und Weiterbildung, um die Darstellung von Zusammenhängen und vom Zusammenwirken verschiedenster Produkte und Verfahren.

Wir haben heute etwa die Firma Movax zu Gast. Movax ist Weltmarktführer bei Pfahlrammenanlagen und hält im Coreum seine Jahrestagung ab. Auf dieser Veranstaltung ist Kiesel nur ein Händler von vielen. Mitarbeiter und Händler aus 13 Ländern sind hier vertreten, zeigen ihre neuesten Produkte, nehmen an Schulungen teil, halten Besprechungen ab.

Man könnte zu dieser Gelegenheit wie sonst üblich einen Showroom einrichten oder das Produkt einfach ausstellen. Aber hier im Coreum geht deutlich mehr. Will man das Produkt praxisgerecht vorführen, benötigt man beispielsweise noch einen Bagger und ein Schnellwechsel-System. Schon ist man beim Zusammenspiel mehrerer Komponenten, bei der Darstellung eines Prozesses. So etwas könnte ich nur mit dem Produkt im Showroom nicht abbilden.

Hier im Coreum kann der Besucher das Produkt nicht nur anschauen, er kann es gleichzeitig auch testen. Ein Bauunternehmer kann hier seine Mitarbeiter am Produkt trainieren oder seine Beschäftigten im technischen Bereich aus- oder weiterbilden. Hier haben wir alles, was für eine praxisgerechte Produkt- oder Service-Vorführung benötigt wird. Von den Werkstätten über Besprechungs- und Schulungsräume bis zum Catering sind die Teilnehmer hier bestens versorgt.

THIS: Das Coreum – ein offenes Schulungs- und Ausbildungszentrum, bei dem Kiesel ein Gast von vielen ist?

Toni Kiesel: Ja genau. Auch wir nutzen das Coreum Ausbildungszentrum, auch für die Kiesel-Akademie. Das bedeutet: Wir bilden hier all unsere Mitarbeiter aus, angefangen bei über 100 Auszubildenden bis hin zu unseren Technikern, Fahrern, Vorführern, Verkäufern, Innendienstleuten. Das Coreum ist mittlerweile unsere zentrale Ausbildungsstätte für das Unternehmen. Die Räumlichkeiten müssen wir genauso anmieten wie andere Firmen oder Marken auch.

THIS: Wie viele Hersteller sind hier vertreten?

Toni Kiesel: Wenn Sie alle Maschinen-Marken, alle Hersteller von Anbaugeräten oder Zubehör zusammenzählen, sind hier etwa 30 Marken vertreten. Alle Marken, die hier mitmachen wollen, sollten den Kunden einen Mehrwert bieten, sollten das Coreum und die Markenwelt mit Leben füllen.

THIS: Wenn ich mich so umschaue, bekomme ich den Eindruck eines Themenparks.

Toni Kiesel: Das trifft es. Es gibt eigene Bereiche für den GaLa-Bau, für den Tiefbau, den Verkehrswegebau, für Abbruch oder Rückbau, für Gewinnung, für den Umschlag. Wir haben auch eine Arena, in der sich Baumaschinen ausprobieren und testen lassen. Sogar an ein angrenzendes Fahrerlager haben wir gedacht.

THIS: Werden weitere Themenfelder folgen?

Toni Kiesel: Wir haben jetzt mit dem Baubereich angefangen, der Bereich Recycling wird folgen. Dort geht es dann um biologische oder andere Abfälle, von Schrott, Holz, Glas, Kunststoff, Baumischabfälle etc., kurz, um alle Themen, die auf uns zukommen. Es gibt dafür keine besser geeignete Dauerausstellung und Weiterbildungsstätte.

THIS: Das große Gelände ist bereits gut gefüllt. Neue Themenfelder brauchen Platz – wo wollen Sie das alles unterbringen?

Toni Kiesel: Das wird kein Problem sein. Für den Recycling-Bereich werden wir die Fläche des Coreum noch einmal um 40.000 m² vergrößern. Wir sind noch lange nicht in der Verdichtung.

THIS: Gibt es hier für Maschinen Größenbeschränkungen? Könnte das Coreum etwa den Bereich Straßenbau abbilden?

Toni Kiesel: Wenn die richtigen Marken ins Coreum kommen, werden wir auch Straßenbau abbilden. Es wird jedenfalls nicht an der Fläche scheitern

THIS: Bietet das Coreum darüber hinaus bestimmte Veranstaltungskonzepte oder Themenschwerpunkte?

Toni Kiesel: Selbstverständlich. Themen, Themenwochen oder Themenwochenenden werden mit den Partnern abgestimmt. Fahrer sind eine für uns eine ganz wesentliche, sehr wichtige Gruppe. Wir werden beispielsweise Fahrertage einrichten, voraussichtlich vier Mal im Jahr. Dabei stehen klar die Fahrer im Vordergrund, nicht die Unternehmen.

Auch wird es Oldtimer-Tage geben; wir führen dann eine Ausstellung mit historischen Baumaschinen durch, die vermutlich zweimal im Jahr stattfinden wird. Es wird Schwerpunktwochen in Richtung GaLa-Bau, Abbruch oder Rückbau geben. Von vielen Verbänden werden hier bereits Seminare angeboten; der VDBUM ist beispielsweise regelmäßig hier vor Ort.

THIS: Sie sprachen den Ausbildungsaspekt schon an …

Toni Kiesel: Ja, weil es eben so ein wichtiges Thema ist. Ein großer Schwerpunkt im Coreum ist die Fahrerausbildung, die das ganze Jahr hindurch läuft. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Menschen und ihre Qualifikation der Schlüssel für die Zukunft sind. Wenn wir heute überhaupt einen Engpass haben, dann ist es der Fachkräftemangel.

Aber denken muss ich zuerst vom Menschen aus. Wie mache ich einen Menschen zur Fachkraft? Hier kann ich ihm einen Schlüssel in die Hand geben uns sagen: Fahr los, probiere aus. Wir haben hier die Maschinen, wir haben den Platz und die passenden Arbeitssituationen bzw. das passende Arbeitsumfeld, für welchen Bereich auch immer.

THIS: Gibt es dazu schon Resonanzen aus der Industrie?

Toni Kiesel: Aber sicher. Mit Verbänden und mit Kunden ist schon besprochen, das wir hier eine sehr intensive Fahrerschule aufbauen werden. Die Zertifizierung “Zum Bau“ liegt bereits vor, sodass wir den Baggerfahrer, Radladerfahrer, Abbruchbaggerfahrer etc. schon jetzt ausbilden können. Nächster Schritt wird der Dumperfahrer sein. Die Zertifizierung für Umschlagbaggerfahrer gibt es noch nicht. Das werden wir in Eigenregie zusammen mit den Verbänden auf die Beine stellen. Darüber hinaus geht es auch um Anbau-Anwendungstechnik. Der Fahrer braucht eine Einweisung, eine Zertifizierung, damit er in der Lage ist, so ein Gerät zu fahren.

THIS: Ist das vorgeschrieben?

Toni Kiesel: In anderen Branchen ist das normal: Wer auf die Straße will, braucht einen Führerschein. Bei Bau und Recycling ist dass noch weit weg. Nehmen wir unsere eigenen Sondermaschinen wie Multi Carrier oder Lift Star.  In Zukunft sollte jeder Maschinist, der auf so einer Maschine sitzt, mindestens einen dreitägigen Grundkurs gemacht haben. Wir erhöhen damit auf der einen Seite beim Fahrer das Verständnis für seine Maschine. Auf der anderen Seite bekommen wir weniger Reparaturen; das Verständnis für die Wartung und Pflege ist dann einfach besser entwickelt.

THIS: Bilden Sie dann auch die Service-Techniker aus?

Toni Kiesel: Aber sicher! Wo sollen die sonst herkommen? Es gibt nicht mehr genügend Servicetechniker für alle Anforderungen. Wir haben selbst zehn eigene Trainer für Technik, die Troubleshooter-Trainer sind. Wir haben ein fünfstufiges Pyramidenmodell für unseren After-Sales-Bereich, für unseren Service-Bereich. Die jungen Leute, angefangen von der Ausbildung bis hoch zum Produktspezialist oder -trainer, können selbst entscheiden, auf welcher Ebene, wo wollen sie sich selbst hin entwickeln.

THIS: Gibt es außer Kiesel andere Partner, die diese Ausbildungsstätte so intensiv nutzen?

Toni Kiesel: Gerade mit den Partnern haben wir das System entwickelt. Nehmen Sie zum Beispiel Bell. Die europäische Bell-Fahrerschule wird im Coreum angesiedelt sein, zusammen mit der technischen Ausbildung. Hier werden die ganzen Produkte vorgehalten, Fahrzeuge in den unterschiedlichen Größen. Wir haben eine 600-Meter-Teststrecke mit Gelände mit Neigungen. Man kann ausprobieren, was die Maschinen können, was alles geht, und was der Fahrer besser lassen sollte. Wir führen ihn bis an die Grenzen, so dass er automatisch sieht, wie weit er fahren kann, und wann das Fahrzeug zu kippen droht. Wir versuchen, so nah wie möglich an der Praxis zu schulen.

THIS: Wie weit wollen Sie das Konzept führen?

Toni Kiesel: Sehr weit. Meine Tochter bringt jetzt beispielsweise den gesamten Kindergarten mit. Sehen Sie dahinten den großen Sandkasten? Darin können die kleinen Kinder von Fachleuten betreut Bagger fahren lernen.

Das geht weiter mit den Schulen, Berufsschulen, Fachhochschulen, Universitäten usw. – das Coreum wird ein Forum für Technologie und Innovation. Auf der Bauma werden wir das Schülerprojekt „Think Big!“ unterstützen. Wir werden mit einem eigenen Stand und mit unseren Auszubildenden auf der Bauma vertreten sein, um junge Leute anzuwerben.

THIS: Damit sind Sie vielen anderen ein gutes Stück voraus.

Toni Kiesel: Wir wollen und können im Coreum zeigen, wie hochinteressant und spannend der Beruf des Maschinisten oder des Technikers ist. Denn bislang bleibt die Branche bei diesem  Thema höflich gesagt hinter ihren durchaus vorhandenen Möglichkeiten zurück. Sie ist deutlich spannender, bietet deutlich mehr und ist technisch deutlich weiter, als es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Coreum – die Baumaschinenwelt

www.coreum.de

COREUM – Hintergrund und Zielsetzung

Mit dem Bau des Coreums in Stockstadt am Rhein hat der Baumaschinenhändler und Systempartner Kiesel die größte Einzelinvestition seiner Firmengeschichte getätigt. Mit Hilfe eines einzigartigen neuen Konzepts entsteht hier ein Zentrum für Bau- und Umschlagmaschinen, ein Forum für Technologie und Innovation sowie eine Anlaufstelle für die Aus- und Weiterbildung für die Branche, welche in Europa seinesgleichen sucht. Das Konzept für das Coreum wurde in einem Best-Practice-Verfahren aus anderen Branchen wie der Auto-, Bau- und Einrichtungsindustrie entwickelt.

Die Coreum GmbH ist dabei eine ganz eigenständige Gesellschaft, die eine Plattform für alle Marken und Hersteller bietet, unabhängig davon, ob sie bisher mit Kiesel zusammengearbeitet haben. Die Gesellschaft wird sich vor allem mit den Tätigkeitsfeldern „Konferenz & Event“, „Ausstellung & Demo“ (Kundenzentrum) sowie Aus- und Weiterbildungszentrum für die Branchen befassen.

Coreum – Anlaufstelle für Aus- und Weiterbildung

In der Aus- und Weiterbildung steckt die Zukunft der Branche. Theorie und Praxis werden im Corum ganz eng miteinander verwoben. So bietet das Forum innerhalb des Coreum 5.500 qm Raum für Schulungen, Tagungen und Veranstaltungen – Indoor-Baggerplatz und Werkstattplätze inklusive. Ein 80.000 qm großer Outdoor-Bauma-Park mit Demobaustellen rundet das Ganze bereits ab.

Ein Bagger ist oft nur der Geräteträger, Geld verdienen Bauunternehmen mit optimierten Prozessen und den passenden Anbaugeräten. Die Prozesse können im Coreum dargestellt und eingeübt, die korrekte Handhabung der Anbaugeräte praxistauglich geschult werden.

Wie groß das Coreum in seiner ganzen Vielfalt ist, können diese Besucher während eines Rundgangs selbst entdecken. 2019 wird die Live-Fläche noch um einen 40.000 qm großen Recycling-Park erweitert; die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Coreum – Forum für Technologie und Innovation

Das Konzept des Coreum – eine Wortschöpfung, die sich aus „Core“ (Herz) und „Forum“ zusammensetzt – folgt einem einfachen Grundgedanken: Alles aus einer Hand. Dreißig Premium-Markenhersteller wie z.B. Hitachi, Bell, Fuchs, Kinshofer, Leica oder Oilquick sind dem Ruf des Initiators bereits gefolgt und präsentieren sich, ihre Produkte und Lösungen im Coreum. „Die Präsentationsflächen für die verschiedenen Marken sind toll“, begeistert sich ein Besucher. „Ich kann mir gut vorstellen, dass dies zu einer Art Dauermesse wird, wo ich mich immer dann informieren kann, wenn ich Bedarf habe.“

Erklärtes Ziel ist, die Faszination Baumaschinen zu leben und erlebbar machen. Denn trotz aller Digitalisierung wird noch kein Stein digital bewegt. Die Aufgaben sind real, müssen von echten Menschen und richtigen Maschinen umgesetzt werden. Genauso soll auch das Coreum sein: persönlich und greifbar. Ein Erlebnis, das durch einen Mix aus Beratung, Schulung, Event, Produkten, System- und Sonderlösungen entsteht. Und das alles komprimiert an einem Platz und in einer bislang nicht gekannten Vielfalt.

Coreum – Zahlen und Fakten

Lage: Stockstadt am Rhein, Flughafen Frankfurt 30 Minuten entfernt, Autobahn A5 / A67 10 Minuten entfernt;
Gesamtfläche: 200.000 m2
Forum: Ausstellung und Veranstaltungsräume
Bauma-Park: Maschinen-Ausstellung und Demobaustellen nach Branchen auf 120.000 m2 Gesamtfläche
Recycling-Park: Demo aus dem Recycling-Bereich (wird ab 2019 gebaut)
Räumlichkeiten im Forum: Ausstellung mit 1.360 m2
Galerie mit 490 m2
Restaurant mit 237 m2
Werkstätten:   175 / 75 / 85 m2
Tagungsräume: 2 Tagungsräume mit je 105 m2                        2 Seminarräume mit je 38 m2
1 Kreativraum mit 49 m2
2 Besprechungsräume mit 22 m2 und 34 m2
1 VIP-Raum mit 69 m2
 Partner als Teil der Markenwelten: u.a. Hitachi, Fuchs, Bell, Tobroco-Giant, KTEG, Ko-mats, Kinshofer Demarec, Rototilt, Leica, OilQuick, HGT, UAM, Movax, Rokla, Rädlinger, Unsinn, Loc-Matic, Kleenoil Panolin, Holp, Tuchel

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