Projekt U5 Europaviertel

Herausforderungen und Zusammenarbeit einer reinen Porr-ARGE

Das neue Frankfurter Stadtquartier ‚Europaviertel‘ wird durch die Erweiterung der Stadtbahn-Linie U5 an das Nahverkehrsnetz angebunden. Eine spannende Aufgabe für eine ARGE aus verschiedenen Unternehmen der Porr-Gruppe. 

Auf dem ehemaligen Gelände des Frankfurter Güterbahnhofs entsteht ein neues Stadtquartier: das Europaviertel. Verkehrstechnisch angebunden wird das neue Viertel durch die Erweiterung der Stadtbahn-Linie U5. Mit der Verlängerung der Strecke über den Hauptbahnhof hinaus erhält das Europaviertel einen leistungsfähigen Anschluss an das städtische Nahverkehrsnetz. Dabei wird die bestehende Linie um vier Haltestellen erweitert. Rund 920 m der Strecke, das Stationsbauwerk Güterplatz sowie der Anschluss an das Bestandsbauwerk liegen unterirdisch.

Eine ARGE nur aus Porr-Töchtern

Die Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft mbH beauftragte 2016 die ARGE U5 Europaviertel mit dem Bau des 1.160 m langen Teilabschnitts der Stadtbahnlinie U5. Die ARGE besteht aus den Porr-Teams des Ingenieurbaus, Tunnelbaus und der Tochter Stump-Franki Spezialtiefbau. Der Spatenstich erfolgte im September 2017. Geplanter Abschluss des Projekts ist 2025.

Der neue U-Bahn-Halt „Güterplatz“ wird in offener Bauweise errichtet. Im Bereich der Europa-Allee wird die U-Bahntrasse über ein Rampenbauwerk aus den Tunnelbauwerken in geschlossener (Schildvortrieb) und offener Bauweise an die Oberfläche geführt. Das Bauwerk in geschlossener Bauweise umfasst die Herstellung von zwei Tunnelröhren mit einer Länge von 827 m und 842 m. Vor Ende jedes Schildvortriebs waren an den Anschlusswänden am Bestandsbauwerk am Platz der Republik Dichtkonstruktionen sowie Frostkörper herzustellen.

Vortriebsmethode unter der Skyline

Die schwierigen Bedingungen des innerstädtischen Vortriebs stellten alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Zum ersten Mal wurde in Frankfurt a. M. ein Tunnel im  maschinellen Vortrieb errichtet. Im September 2019 hatte die 580 t schwere Tunnelbohrmaschine (TBM) in der Südröhre begonnen, sich durch das Erdreich zu arbeiten. In der Vorwärtsbewegung der TBM hatte das Team des Tunnelbaus gleichzeitig 8.358 Tübbings für die stützenden Betonröhren montiert. Ende Mai 2021 erreichte die TBM ihre Endposition in der Nordröhre. Die letzten Meter bis zur Bestandswand am U-Bahntunnel am Platz der Republik werden im bergmännischen Baggervortrieb bewältigt.

Arbeiten unter Druck

Das Grundwasser steht etwa 3 bis 5 m unter Gelände an, so dass der Tunnel im Bereich des Anschlusses komplett im Grundwasser liegt. Damit die Arbeiten durchgeführt werden können, erfolgt der bergmännische Vortrieb im Überdruckverfahren und im Schutz des Eiskörpers. Die Bodenvereisung, ausgeführt durch die Stump-Franki Spezialtiefbau, ist eine moderne Bauweise, die den Eingriff in den Baugrund und die Umgebung deutlich reduziert. In der sensiblen, eng bebauten Innenstadtlage galt es bei den Tunnelbauarbeiten, die Bestandsgebäude und den oberirdischen Verkehr nicht zu gefährden. Im Zuge des Überdruckverfahrens muss sämtliches Personal und Arbeitsgerät aufwendig ein- und ausgeschleust werden, was die Arbeiten umso komplexer macht. Die Arbeiten laufen in 3 Schichten à 6 Stunden. Zusätzlich werden 1,5 Stunden zum Ein- und Ausschleusen in der Druckkammer benötigt, um den Körper schrittweise an den Druck zu ge- und entwöhnen.

Hand in Hand: Spezialtiefbauarbeiten bei laufendem Tunnelvortrieb

Während der konventionelle Tunnelvortrieb in der Südröhre ausgeführt und die Arbeiten hierfür in der Nordröhre vorbereitet wurden, schritten parallel über Tage auf dem Baufeld in der Europa-Allee die Spezialtiefbauarbeiten voran. Insgesamt wurden durch den Stump-Franki Spezialtiefbau 18 Brunnen für die Wasserhaltung zur Grundwasserentspannung und -überwachung mittels Drehbohranlage gebohrt. Um das Grundwasser innerhalb der Baugrube in allen Bereichen zu entspannen, wurden zusätzlich 92 Entspannungslanzen hergestellt.

Eine der tiefsten Baugruben der Stadt

Der neue U-Bahn-Halt „Güterplatz“ wird in offener Bauweise errichtet. Mit etwa 25 Metern Tiefe ist die Baugrube eine der tiefsten innerstädtischen Baugruben Frankfurts. Federführend für diesen Teil des Projekts ist der Ingenieurbau. Wichtige Meilensteine hat der Ingenieurbau im Projektverlauf schon erreicht. Hierzu zählt die Fertigstellung des Rohbaus für den Notausstieg am Platz der Republik. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn auch hier galt es, das Bestandsbauwerk aus den 1970ern mit dem neuen Bauwerk so zu verbinden, dass es gegen das anstehende Grundwasser sicher abgedichtet ist.

Gemeinsame Werte als Führungsprinzip

Die Koordination komplexer Bauaufgaben in einer ARGE ist eine Herausforderung. Auf der einen Seite sind die fachlichen Fragen, die bei einer Pionieraufgabe wie dem Projekt U5 Europaviertel anstehen, zeitnah zu lösen. Auf der anderen Seite gilt es, ein Umfeld für die motivierende Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachteams herzustellen. Der Blick über den Tellerrand und das Teilen von Informationen und Wissen aller Projektbeteiligten ist der wesentliche Schlüssel für den Erfolg. Werte einer gemeinsamen Unternehmenskultur wie Pioniergeist und Schulterschluss sind, nach Überzeugung der Verantwortlichen der ARGE, der notwendige „Kitt“.

Porr GmbH & Co. KGaA

www.porr.de

Stump-Franki Spezialtiefbau GmbH

www.stump-franki.de

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