BAUUNTERNEHMEN MIT GUTEN ERGEBNISSEN 2011

Nur wenige ­Firmen zeigten Verluste

Im letzten Jahr wirtschaftete die Baubranche sehr gut. Das hohe Wirtschaftswachstum und die gute Witterung waren Traumvorlagen. Dies belegt eindrucksvoll die Tabelle der 50 größten deutschen Bauunternehmen in 2011. Die übergroße Mehrheit der Firmen konnte die Bauleistung zum Teil zweistellig steigern.

Nur vier Unternehmen mussten einen Verlust vor Steuern ausweisen. Aber auch hier sollte man differenzieren. Hochtief, die Nummer Eins, rutschte nur wegen der australischen Tochter Leighton ins Minus. Eiffage Deutschland, Tochter der französischen Gruppe, schrieb eine rote Null. Und die zwei anderen Baugesellschaften, die rote Zahlen schrieben, Xaver Riebel und Matthäi, taten dies in 2010, als der Bau stagnierte und das Wetter hundsmiserabel war. Leider rückten diese Firmen die Ergebnisse von 2011 nicht heraus und im Bundesanzeiger finden sich erst die Zahlen von 2010.

Letztes Jahr waren die Rahmenbedingungen für die Bauunternehmen exzellent. Das Bruttoinlandsprodukt legte noch einmal um 3 % zu, nach 3,6 % in 2010. Diesmal konnte der Bau nicht nur voll mithalten, er übertraf das Wachstum in den anderen Wirtschaftszweigen um ein vielfaches. Nachdem der Umsatz des Bauhauptgewerbes in 2010 noch leicht um 0,3 % gesunken war, nahm er in 2011 um beeindruckende 12,5 % zu. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Das Wetter spielte auch mit: während in 2010 die Baustellen vier Monate lang stillgelegt waren, ruhte die Arbeit in 2011 witterungsbedingt nur ein paar Wochen. Am meisten profitierten vom Bauboom die kleineren und mittleren Unternehmen, die im Wohnungsbau tätig sind. Denn der Wohnungsbau war letztes Jahr die Wachstumslokomotive mit einem Umsatzanstieg von 17,7 %. Aber auch die größeren Firmen, die Industriegebäude, Zweckhallen oder Bahntrassen errichten, profitierten von einem Umsatzzuwachs von 13,9 % im Wirtschaftsbau. Der öffentliche Bau nahm nur um 5,8 % zu, allerdings profitierten die Straßenbauunternehmen wie Strabag und Eurovia von einem Anstieg des Straßenbauumsatzes um 10,8 %. Richtig unzufrieden konnte bei dem Verlauf niemand sein.

2012 verläuft gedämpfter

Im laufenden Jahr nimmt die Dynamik ab, ohne dass dem Bau unmittelbar eine Stagnation oder gar eine Rezession droht. Im ersten Halbjahr stieg der baugewerbliche Umsatz nur um 0,5 %, das liegt aber vor allem daran, dass in den ersten sechs Monaten von 2011 der Umsatz förmlich explodiert war. Da die Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2012 um 8,3 % gestiegen sind, ist wohl nicht daran zu zweifeln, dass die Prognose der Bauverbände von einem Bauwachstum von 4 % in diesem Jahr eintreffen wird. Meist läuft es sogar besser, als es die Verbände voraussagen. Bei den Auftragseingängen legten bis Juni besonders der Wohnungsbau (+12,1 %) und der öffentliche Bau (+11 %), der totgesagte, zu. Der Wirtschaftsbau (+4,5 %) bleibt auch rege. Die Krise der verschuldeten Euro-Staaten Südeuropas betrifft die deutsche Baubranche im Moment überhaupt nicht. Ob die deutsche Wirtschaftslage sich demnächst verschlechtert, diese Frage bleibt unbeantwortet. Fazit: auch in 2012 wird die übergroße Mehrheit der 50 größten Bauunternehmen gute Ergebnisse erwirtschaften, die Anstiege gegenüber Vorjahr werden wohl aber nicht mehr so steil sein wie von 2010 auf 2011.

Tabelle weist Lücken auf - Hilfe erwünscht

Die Tabelle der 50 großen deutschen Bauunternehmen können Sie nur hier lesen. Es gibt einfach keine andere. Bereits letztes Jahr hatten wir die Liste von 20 auf 50 Firmen ausgeweitet und versucht alle diejenigen einzubeziehen, die mit der Bauleistung über 100 Mio. Euro liegen. Da es keine Suchmaschine Bau gibt, kann es sein, dass noch einige Firmen auf unserem Radar nicht auftauchen. Wir haben daher die Bitte an die Unternehmen, uns mitzuteilen, ob sie oder andere Baugesellschaften auf der Liste fehlen. Den Autor erreichen Sie unter . Andere Lücke: einige Unternehmen geben auf ihrem oft wenig informativen Internetauftritt nur grobe, undatierte Zahlen für Leistung und Mitarbeiter an; zum Ergebnis vor Steuern und der Auslandsleistung sagen sie nichts. Bei dieser „Sündern“ kann man den Bundesanzeiger konsultieren, der allerdings wegen der Zeitverzögerung nur die Unternehmenszahlen von 2010 hergibt. Oft muss man sich durch ein Dickicht von 50 Firmenveröffentlichungen schlagen, bis man auf die Konzernzahlen trifft, die dann aber noch von den kommunizierten höheren Gruppenzahlen abweichen. Einige Kandidaten sind auch mithilfe des Unternehmensregisters nicht zu „knacken“. Diese Firmen investieren sowieso mehr in Public Relations an in Pressearbeit. Von vielen Unternehmen, zu denen wir in langen Jahren ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, bekommen wir die Angaben persönlich, weil sie wissen, wo und wann die Zahlen erscheinen. Bei den Firmen, deren Zahlen von 2010 wir aus dem Bundesanzeiger haben, muss man bedenken, dass 2010 für den Bausektor ein schlechtes Jahr gewesen war. Man darf sich also nicht wundern, wenn bei diesen Unternehmen Leistung und Gewinn oft zurückgingen, im Gegensatz zum allgemeinen Trend. Beim Ergebnis vor Steuern kann man den Vergleich mit 2010 im Heft 10/2011 von „Baumarkt + Bauwirtschaft“ heranziehen.

Top Ten praktisch unverändert

Unter den Top Ten hat sich nur auf den hintern Plätzen etwas bewegt. Hochtief bleibt die unangefochtene Nummer Eins. Die Leistung der Essener Gruppe in Höhe von 25,79 Mrd. Euro übertrifft dreimal diejenige von Bilfinger, der einige Bauaktivitäten ausgliederte. Hochtief gehört unverändert zur spanischen ACS. Neu ist, dass wegen des darniederliegenden spanischen Baumarkts, ACS offenbar in Schwierigkeiten steckt. Bilfinger als Service- und Baukonzern ist jetzt eher ein Dienstleistungsunternehmen, aber es bleibt dennoch eine Baufirma. Es folgen die beiden Töchter der österreichischen Strabag SE, die Strabag AG in Köln und Züblin in Stuttgart. Erst an zehnter Stelle gab es eine Veränderung: Zech Group schob sich vor Köster, der auf die 13. Stelle zurückfällt. Viele Unternehmen legten zweistellig zu. Einigen gelangen sehr hohe Zuwächse: Goldbeck nahm so z.B. um 18,2 % zu, Zech um 28,9 %, Johann Bunte um 27 %, Bremer um 42 %, Aug Prien um 30 %. Wie gesagt: das liegt auch daran, dass 2010 ein schwaches Jahr war.

Sprudelnde Gewinne

Im Ausland stark engagierte Baufirmen wie Hochtief und Bauer litten in 2011 unter gleich mehreren defizitären Baustellen, in Australien, Südostasien und Mittelamerika. Darauf haben wir im Falle des Spezialtiefbauunternehmens Bauer, den es ganz dicke traf, im zweiten Teil unserer Bilanzanalyse hingewiesen (Heft 7/2012 tHIS). Bauer gelang es auch nicht, wie angestrebt das Ergebnis vor Steuern zu steigern: es fiel sogar von 58 Mio. in 2010 auf 48 Mio. Mit seinem hohen Verlust zeigt Hochtief einmal mehr, wie abhängig er von der sich sehr eigenständig gebärdenden Tochter Leighton ist. Wenn der Inlandsbau floriert, dann, so möchte man meinen, profitieren vor allem die mittleren und kleineren, meist familiengeführten Bauunternehmen. In ihrer Region sind sie gut vernetzt. Unter den Großen ist nur noch Züblin als führendes deutsches Hochbauunternehmen in der Fläche stark präsent. Vier Firmen erzielten ein Ergebnis von über 100 Mio: Bilfinger, Strabag, Imtech (allerdings Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) und Goldbeck. Züblin und Kaefer Isoliertechnik lagen zwischen 50 und 100 Mio. Zwischen 20 und 50 Mio. rangierten fünf Firmen. Die Marge ist für Bauverhältnisse relativ hoch. Gemessen an der Relation Ergebnis vor Steuern zur Leistung erreichten fünf Unternehmen bereits 2010 eine Rendite von 5 % und mehr: Goldbeck 7,7 %, Finger Haus 7,4 %, Aug. Prien 7,2 %, Depenbrock 7,1 % und Spitzke 5 %. Es ist zu vermuten, dass diese Firmen im besseren Jahr 2011 noch höhere Margen erzielten. Unter den führenden Gruppen lag Bilfinger in 2011 mit einer Rendite von 3,9 % an der Spitze. Dem Fertighausbauer Bien Zenker, der in 2010 noch einen Verlust vor Steuern von 3,2 Mio. hatte einstecken müssen, gelang die Rückkehr in den grünen Bereich mit einem Gewinn von 1,8 Mio. Die anderen Fertighausfirmen hatten in den letzten Jahren gar keine roten Zahlen geschrieben.

Auslandsbau nicht nur Konzern-Spielwiese

Auch wenn die großen Baugruppen stärker im Ausland präsent sind, so sind auch viele Mittelständler grenzüberschreitend tätig. Hochtief bleibt die internationalste Baugruppe der ganzen Welt mit einem Auslandsanteil von 92 %. Bauer folgt mit 73 % und Kaefer Isoliertechnik mit 70 %. Auch Bilfinger erreicht 60 %. Strabag macht fast die Hälfte der Leistung im Ausland, Züblin ein Drittel und Max Bögl 30 %. Wayss & Freytag und Heitkamp arbeiten zur Hälfte außerhalb Deutschlands. Auch Unternehmen mit einer Leistung von 100 bis 200 Mio. sind signifikant im Ausland engagiert. Allerdings ist etwa die Hälfte der 50 Firmen der Tabelle sehr wenig oder gar nicht außerhalb Deutschlands tätig oder sie machen keine Angaben.

Personalstärke gehalten

Bei der Knappheit an Ingenieuren, Polieren und qualifizierten Bauarbeitern auf dem leergefegten deutschen Arbeitsmarkt und der guten Baukonjunktur hatten die Bauunternehmen gar keinen Anlass, Personal zu entlassen. Von der Mitte der neunziger Jahre bis zur Mitte der ersten Dekade sank die Zahl der Baubeschäftigten von 1,4 Mio. auf nur noch 700.000, aber in letzter Zeit ist sie wieder gestiegen. Und in 2009, dem Jahr der Baurezession, verzichteten die Bauunternehmen auf Personalreduzierungen. So hatten sie genug Personal zur Verfügung, um den überwältigenden Bauaufschwung in 2011 überhaupt zu verkraften. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass bei manchen Firmen die Mitarbeiterzahl zunahm: um 5.000 bei Hochtief, 1.400 bei Strabag, 1.500 bei Züblin, 800 bei Kaefer und 500 bei GoldbeckMöglicherweise werden die Einstellungen im laufenden Jahr weitergehen.

Autor: ‚
Marcel Linden, Bonn
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