TILT, ROTATOR ODER TILTROTATOR GENAUER BETRACHTET

Festanbau oder Sandwich-Lösung?

Immer öfter entscheiden das optimale Arbeitsgerät und die bessere Lösung über den wirtschaftlichen Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Da gilt es auch bei der Neuanschaffung eines Tilts, Rotators oder Tiltrotators genau abzuwägen, welches Gerät für welche Anforderungen und Arbeitsschwerpunkte kurz- und langfristig den höchsten Nutzen bietet.

Schon 2008 hat die Holp GmbH den ersten schraubbaren Tiltrotator entwickelt. Sehr schnell erkannte das Unternehmen, dass diese Lösung nicht für jeden Bagger, für jeden Arbeitseinsatz und für jeden Anwender das Nonplusultra ist.

Geschäftsführer Günter Holp erläutert, welche Aspekte ins Kalkül gezogen werden sollten, um für den jeweiligen Betrieb und dessen Einsatzbereiche das Optimum an Leistung zu erreichen.

Tiltrotatoren

1. Aufwendige Installation

Die Installation ist aufwendig und somit kostenintensiv, da zum Teil in die Baggersteuerung eingegriffen werden muss. Dies ist besonders dann von Nachteil, wenn „ein in die Tage gekommener Bagger“ umgerüstet werden soll. Wird dieser Bagger „ausgemustert“, ist das investierte Geld für den Umbau weg!

2. Aufbau und Gewicht

Die Arbeitsgeschwindigkeit wird bedingt durch den hohen Aufbau und das Gewicht langsamer. Die Grabkurve wird größer und die Losbrechkräfte werden verringert. Das Arbeitsgefühl des Maschinisten zur Löffelschneide verändert sich erheblich. Beim Abziehen von unterschiedlichen Untergründen ist nicht mehr dasselbe Gefühl, da der Löffelzylinder bedingt durch die Aufbauhöhe plus Gewicht oft „schwammig“ wird. Zudem hat der Tiltrotator meist Zylinder, dadurch wird der Maschinist zu mehr Umsicht gezwungen.

3. Vergleich: Schwenk-Zylinder oder Schwenkantrieb

Tiltrotatoren mit Zylindern sind in der Anschaffung zwar günstiger, zwingen den Fahrer jedoch zu mehr Umsicht. Tiltrotatoren mit Schwenkantrieb sind besser, aber schwerer. Der Drehpunkt liegt höher und der Aufbau ist ebenfalls höher.

Um den Nachteilen, die ein Tiltrotator zwangsläufig mit sich bringt, entgegen zu wirken wurde die „Sandwich-Lösung“ entwickelt und propagiert.

4. Sandwich-Lösung

Diese hat aus Fahrersicht den größten Nachteil. Durch den Einsatz von zwei Schnellwechslern potenzieren sich Nachteile wie: zusätzliches Gewicht, Aufbau, größere Grabkurve, verringerte Losbrechkräfte sowie schwammig werdender Löffelzylinder. Es ist kein intuitives Arbeiten mehr möglich. Sprich, der Baggerfahrer kann nicht wie gewohnt – nämlich, wie mit seinem „verlängerten Arm“ – arbeiten. Er muss sich erst daran gewöhnen, dass er einen Tiltrotator an seinem Baggerstiel dran hat – auch dieses Umstellen macht langsamer. Damit man nicht auch noch Hydraulik-Schläuche montieren muss, sollte der Bagger zwingend mit einem vollhydraulischen Schnellwechsler ausgerüstet sein.

4.1. Aufwendige Logistik bei Sandwich-Lösung

Bis zu 3 Mann müssen sich gedanklich damit beschäftigen wann, wo, wie lange der Tiltrotator auf der Baustelle benötigt wird. Zudem muss der Transport vom Bauhof zur Baustelle organisiert werden.

Auf der Baustelle geht es dann darum, wo und wie man das Gerät abstellt, damit dieses erstens keinen Schaden nimmt, zweitens immer erreichbar ist und drittens nicht abhanden kommt wird. Das kostet alles erst mal Zeit und somit Geld.

Wird der Tiltrotator (Sandwich-Lösung) zum Einsatz benötigt, ist dieser oft nicht schnell genug greifbar und wird deshalb nicht eingesetzt. Somit bleibt der einzige Vorteil bei der Sandwich-Lösung: Wenig Verschleiß (da wenig im Einsatz), wobei man die Reparaturen durch Transportschäden und das Umsetzen bzw. Umfallen auf der Baustelle auch einkalkulieren muss.

Fazit

Die Sandwich-Lösung scheint im ersten Moment als ein guter Kompromiss, vor allem wenn man mehrere Bagger im Einsatz hat. Die Praxis zeigt aber, dass die Rechnung meist nicht aufgeht. Zum Beispiel hat die Holp GmbH über 90% aller gewünschten Rotator/Sandwich-Lösungen wieder in eine fest montierte Einheit umgebaut. Die fest montierte Rotator-Einheit am Baggerstiel bewährt sich in der Praxis nach den Erfahrungen von Holp am besten.

Vergleich: Tilt oder Rotation

Für beide benötigt man wegen der geringen Bauhöhe keine Sandwich-Lösung. Die Erfahrungen der Holp GmbH bestätigen, dass unterm Strich betrachtet „Rotation“ die wirtschaftlichere Lösung darstellt, wenn auch die Anschaffung eines Tilts zunächst günstiger erscheint.

Tiltbarer Schnellwechsler

Die Tiltfunktion ist schon seit Jahrzehnten im Markt eingeführt und für jeden Fahrer im Schlaf beherrschbar. Mit dem Schwenkmotor auf dem Schnellwechsler wird jeder Löffel beweglich. Der Nachteil vorstehender Hubzylinder und Hydraulik-Schläuche am Löffel entfallen. Bleibt nur noch der höhere Aufbau, den man dadurch bei jedem Löffel hat.

Drehbarer Schnellwechsler

Die Drehfunktion (Rotation) mit seinen Möglichkeiten ist für viele Maschinisten zunächst nicht vorstellbar. Der Aha-Effekt kommt meist erst beim Arbeiten. Es können Böschungen in jedem Winkel gezogen werden, allerdings sollte für eine saubere Böschung ein Tieflöffel mit Schneide oder Spatenzähnen eingesetzt werden. Die Bauhöhe ist im Vergleich zum Schwenkmotor geringer.

Die Drehfunktion kann für sämtliche Anbaugeräte genutzt werden. Somit hat man nicht nur die Amortisation über die Beweglichkeit mit dem Tieflöffel (die 10% — 50% mehr Leistung bringt), sondern kann alle Anbaugeräte in Zukunft starr kaufen, wobei sich Rotation fest am Bagger ein zweites und in manchen Fällen sogar drittes Mal bezahlt macht ! Voraussetzung dafür ist aber eine hydraulische Drehdurchführung. Die nicht nur die gesamt Ölmenge, sowie Leitungen des Baggers durchleiten kann sondern auch die Möglichkeit bieten sollte, Stromleitungen durchzuführen. Dies ist notwendig für manchen Schnellwechsler, Werkzeugerkennung, Lasersteuerung.

Auslastung vorhandener Geräte

Da vor allem in Deutschland auf unzähligen Bauhöfen ein Schwenklöffel vorhanden ist, erfüllt die Gerätekombination zum Beispiel mit dem Rotator RotoTop am Bagger – ohne Mehrkosten – die Funktionen eines Tiltrotators.

Fazit

Aus wirtschaftlichen Gründen empfiehlt es sich, mit der Anschaffung eines Rotators zu beginnen. Sollte es sich (je nach Aufgabenschwerpunkt) herausstellen, dass noch zusätzliches Bewegungspotenzial benötigt wird, besteht die Möglichkeit des Nachrüstens einer Tilteinheit.

Ist ein Rotator mit einer 5fach bis 7fach Drehdurchführung ausgestattet, bietet das den Vorteil, dass zum einen alle Bagger-Anbaugeräte angebaut und zum anderen diese Anbaugeräte starr - also ohne eigenen Drehantrieb - günstig angeschafft werden können. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Drehdurchführungen in der Lage sind, die volle Hydraulikleistung an das Anbaugerät durchzuleiten. Da zum Teil auch Strom für das Anbaugerät benötigt wird, sollte die Drehdurchführung auch dafür vorbereitet sein. Um die Losbrechkräfte des Baggers nicht wesentlich zu schmälern ist eine geringe Bauhöhe und ein geringes Eigengewicht ein wesentliches Kriterium für die Bewertung eines Rotators. Gleichzeitig sollten der Hydraulikmotor bzw. die Leitungen in einem gekapselten Gehäuse integriert sein, damit der Antrieb vor Beschädigung optimal geschützt ist und somit eine hohe Betriebssicherheit gewährleistet ist. Dadurch werden von vornherein teure Reparaturen vermieden.

Mit einem Rotator der neusten Generation können in der Praxis über so gut wie alle Einsatzfälle flexibel und höchst effizient bewerkstelligt werden. Da gilt es gut abzuwägen, ob und wie oft Sonderaufgaben bewerkstelligt werden müssen, bei denen ein Tiltrotator unbedingt erforderlich ist.

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