VOLVO CE

„Die Messlatte für Kundenzufriedenheit, Sicherheit und Qualität liegt bei Volvo sehr hoch“

Interview mit Timo Zenner, Entwicklungsleiter Mobilbagger für Volvo CE in Konz

tHIS: Worauf legt Volvo CE bei der Entwicklung

die Schwerpunkte?

Timo Zenner: Das Gesamtpaket muss stimmen. Dazu zählen technische Aspekte wie Kraftstoffeffizienz, hohe Leistung, ausgeklügelte Maschinensteuerungen, aber ganz besonders auch die Fahrer-Maschine-Schnittstelle, etwa Ergonomie, Bedienung, Sicherheit etc. Durch die zentrale Lage des deutschen Entwicklungsstandortes Konz im Herzen von Europa sind wir außerdem in der Lage, unsere Kunden schnell zu erreichen, um deren Anforderungen und Erwartungen an die nächste Maschinengeneration in Erfahrung zu bringen. Hierbei ist uns unsere sehr gute Vernetzung mit unseren Händlern von großem Nutzen. Diese arrangieren in ganz Europa Treffen mit Kunden, die dann gezielt befragt werden  – und zwar ganz speziell durch Mitarbeiter aus der Entwicklung.

tHIS: Worum geht es bei solchen Treffen?

Timo Zenner: Zum Beispiel darum: Kann mit der Maschine  so gearbeitet werden, wie es sich der Kunde wünscht? Wie ist die Standfähigkeit? Wie empfindet er die Größe, Stauraum oder Komfort in der Kabine? Ist die Anordnung der Schalter in der Konsole sinnvoll? Wie ist die Sicht aus der Kabine? Kann die Maschine sicher gewartet werden? Passen die neuesten Anbauwerkzeuge? Lässt sich die Maschine flexibel auf meine Anwendung anpassen? Erfüllen wir auch die Ansprüche des Fahrers von morgen? – um nur einige zu nennen.

Basierend auf diesen Kundenanforderungen, der Berücksichtigung der aktuellen Abgas und – Sicherheitsgesetze bzw. Richtlinien, Ergebnissen aus laufenden Forschungsprojekten und den Ideen der Ingenieure entstehen dann die neuen Produktlösungen für die nächste Maschinengeneration. Bei uns steht in der Produktentwicklung der Kunde wirklich im Vordergrund.

tHIS: Wie fließen die Anregungen und Anforderungen

in den Arbeitsprozeß ein?

Timo Zenner: Aus diesen Anforderungen entwickeln wir eine Maschine, die schon vor der ersten Zeichnung oder gar Schweißnaht auf Herz und Nieren untersucht wird – ‘Virtuelles Testen‘ ist hier das Schlagwort. Simulationen wie z.B. die Klimafestigkeit der Maschine so wie Lebensdauer etwa von Rahmen und Stahlbaugruppen wie auch das Untersuchen von Servicesituationen in der virtuellen Welt sind hier die Werkzeuge. Sie ermöglichen es, den ersten Prototyp so zubauen, das er schon sehr dicht an die spätere Serienlösung heranreicht.

tHIS: Was bedeutet „sehr dicht“?

Timo Zenner: Kommt es zur realen Anwendung, reichen die gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse aus diesen Simulationen natürlich nicht für das endgültige Produkt aus. Deshalb wird bereits vor der ersten Bauteilentwicklung die Praxiserprobung der gesamten Maschine und deren Funktionen intensiv betrachtet und geplant.

Als nächster Schritt wird ein Prototyp unter Serienmontagebedingungen im Entwicklungszentrum für Mobilbagger in Konz montiert und steht dann zum Test bereit. Hier tritt der Kunde als Referenzfahrer wieder in den Mittelpunkt und hat bei der Entwicklung der Maschine das letzte Wort. Dies wird in der für die Entwicklung wichtigsten Veranstaltungen, dem Kundenreferenztest, abgefragt. Hierbei werden die neuentwickelten Prototypen sowohl gegen die laufende Serie als auch gegen Mitbewerber getestet, um den extrem hohen Ansprüchen als einer der führenden Baumaschinenhersteller gerecht zu werden. Jeder Schalter, jede Funktion, jedes Feature wird von den Referenzfahrern, die aus ganz Europa anreisen und somit unseren Hauptmarkt widerspiegeln, bewertet. Gemeinsam werden Verbesserungen erarbeitet, die dann direkt in die Entwicklung einfließen. Alle Referenzfahrer können auf jahrelange Erfahrung und Marktkenntnis zurückblicken, was ihnen ermöglicht, uns dieses wichtige Feedback zu geben. Dies ist für Volvo ein unverzichtbarer Schlüssel, um eine Maschine zu entwickeln bzw. zu bauen, auf der sich der Fahrer später bei seiner täglichen Arbeit wohl fühlt und mit der er alle anfallenden Aufgaben problemlos bewältigen kann.

tHIS: Danach geht die Maschine in Produktion?

Timo Zenner: Nein, natürlich nicht. Um auch den härtesten Anforderungen gerecht zu werden, sind Tests wie in einer Klimakammer, bei denen die Maschinen unter extremsten Temperaturen und Bedingungen auf ihre Funktion untersucht werden, unverzichtbar. Ein weiterer Baustein ist hier einspezieller Zuverlässigkeitstest in verschiedenen Steinbrüchen. Die verschiedenen Lastprofile, die hierbei gefahren werden, sind nur einige der Torturen, die z.B. ein Volvo Mobilbagger aushalten muss, bevor er einem Kunden verkauft werden darf. Alle diese Tests werden in extremen Bereichen durchgeführt, um auch den härtesten Ansprüchen an die Umgebung oder den Belastungen standhalten zu können und somit wirklich jeden Kunden zufrieden zu stellen. Unsere interne Messlatte liegt hierbei sehr hoch, um den Volvo-Ansprüchen an Kundenzufriedenheit, Qualität und Sicherheit gerecht zu werden.

tHIS: Was machen Sie, wenn Kunden eine bestimmte Anforderung an die Maschine haben oder eine besondere Funktion benötigten, die es in dem umfangreichen Optionsprogramm von Volvo nicht gibt?

Timo Zenner: In diesem Fall gibt es im deutschen Entwicklungszentrum in Konz eine eigene Sonderkonstruktionsabteilung. Diese erfüllt verschiedenste Kundenwünsche, die vom Standardprogramm abweichen, und baut Sondermaschinen für nahezu jede Anwendung. Als aktuelles Beispiel kann die Anhängerlösung für bis zu 8-to-Anhänger genannt werden, die nun auch mit TÜV-Zulassung für den Betrieb auf öffentlichen Straßen erworben werden kann.

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