Der Faktor Mensch

Kooperation und Engineering als Schlüsselgrößen des Bauens

Mit der Digitalisierung des Bauens verbindet sich prominent der Begriff der Kollaboration. Die damit beschriebene fach- und gewerkeübergreifende Form der Zusammenarbeit wird der wesentliche Erfolgsfaktor für die Zukunft des Bauens sein.

Dieser Wandel im Rollenverständnis der verschiedenen Bauakteure ist für Peri allerdings kein Neuland. Schon der Firmengründer, Artur Schwörer, hat Ende der 60er Jahre das ursprüngliche Unternehmensziel als „Rationalisierung des Betonbaus“ beschrieben. Konkret sollte die Peri Produkttechnik die Rohbauarbeiten rund um den Ortbetonbau einfacher, schneller und sicherer machen. Diese Zielsetzungen haben sich in ihrer Aktualität als zukunftsweisend erwiesen. Denn durch diese Ausrichtung hat Peri ebenfalls frühzeitig erkannt, dass die angestrebte Rationalisierung im Betonbau, neben einer innovativen Schalungs- und Gerüsttechnik, ganz entscheidend vom Angebot der planungs- und ausführungsbegleitenden Dienstleistungen abhängig ist. Diese Vorteile einer kooperativen, partnerschaftlichen Form von Bau- und Projektarbeit hat Peri sukzessive zum Mittelpunkt und Motor seines Kundenverständnisses und Leistungsangebotes gemacht hat.

Wertschöpfungsdefizite in der Bauwirtschaft

Die (noch) anhaltende Hochkonjunktur hat nur scheinbar überdeckt, wie tiefgreifend die deutsche Bauwirtschaft sich seit Mitte der 90er Jahre verändern musste. So hat sich im diesem Zeitraum die Bruttowertschöpfung des Bausektors im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft nahezu halbiert; das gleiche gilt für die Zahl der im Bauhauptgewerbe Beschäftigten (1), und die führende Marktgröße ist nicht mehr der Neubau, sondern der Bestandsbau.

Gleichzeitig kämpft ein Großteil der Branche weiterhin mit den Problemen einer zu geringen Wertschöpfung, die weitgehend bedingt wird von einem niedrigen Standardisierungsgrad innerhalb der Bauabläufe. Das Zusammenwirken dieser Faktoren zwang viele Bauunternehmen, ihren Leistungsumfang erheblich zu reduzieren. In der Folge wurden nicht nur die eigenen Bestände von Baumaschinen und Baugeräten verkleinert oder komplett aufgelöst, sondern auch die damit verbundenen Gewerke an spezielle Fachbetriebe oder Nachunternehmer ausgelagert.

Diese Marktverschiebungen führten dazu, dass die Hersteller von Schalungs- und Gerüstsystemen sich nicht nur mit dem Angebot unterschiedlicher Investitionsmodelle wie Kauf oder Miete auseinandersetzen mussten, sondern sich zunehmend mit der „neuen“ Rolle des Ingenieurdienstleisters konfrontiert sahen.

Der (Unikat-)Bau ist hochgradig prozessabhängig

So kann im Stahlbeton-Hochbau allein der Schalungsprozess bis zu 30 % der Gesamtrohbaukosten ausmachen. Und in der Kostenstruktur der eingesetzten Schalungs- und Gerüstsysteme haben die Lohnkosten häufig einen Anteil von bis zu 85 % (2). Zudem belegen Studien im Umfeld des Lean Construction Management, dass nur ca. 20 - 25 % der Arbeitszeit des Baupersonals auf den Baustellen produktiv im Sinne der Wertschöpfung genutzt wird und bis zu 80 % mit Such-,
Warte- und Organisationstätigkeiten verbraucht werden. Beide Zahlen verdeutlichen, wo die tatsächlichen Wertschöpfungs- und Produktivitätspotenziale liegen, und warum transparente, schlanke Bauabläufe meist der tatsächliche Wirtschaftlichkeitsfaktor Nr. 1 sind.

Vor allem bei Ortbetonbauten zeigt sich regelmäßig, wie wichtig für Bauunternehmen das reibungslose Zusammenwirken der beteiligten Gewerke ist. Das gilt besonders für die Betonierarbeiten mit ihrer komplexen Ablauffolge Einschalen, Bewehren, Betoneinbau, Nachverdichten, Aushärten und Ausschalen. In dieser Phase bildet die eingesetzte Schalungs- und Gerüsttechnik eine eng verzahnte Einheit, die wesentlich über den wirtschaftlichen Erfolg eines Bauprojektes mitentscheidet.

Für das Unternehmen Peri selbst sind diese bautechnischen Zusammenhänge mehr als vertraut, weshalb schon früh und massiv in den Aufbau und Betrieb einer hochqualifizierten Engineering- und Servicemannschaft investiert wurde. Heute arbeiten über 2.000 Ingenieure und Fachberater weltweit in der Konzeption, Planung und Abwicklung, um die Kunden über alle Projektphasen hinweg im Schalungs- und Gerüstbau bestmöglich unterstützen zu können. Dies bedeutet, dass bei Peri – zusammen mit den Fachberatern aus dem Direktvertrieb – mehr als jeder Fünfte der ca. 9.500 Mitarbeiter mit seinem geräte- und bautechnischen Wissen dem Kunden in der Abwicklung seiner Schalungs- und Gerüstprojekte zur Seite steht.

Abstimmungs- und Anwendungsvorteile einer modularen Schalungs- und Gerüsttechnik

Im Vergleich zu Baustoffen oder Bauelementen hat die Schalungs- und Gerüsttechnik einen eindeutigen Werkzeugcharakter. Beide Systeme haben in ihrer Kombination wesentlich zu dem bautechnischen Fortschritt beigetragen – ob in der Konstruktion, in der Kubatur oder in der Errichtungszeit von modernen Bauwerken. Dort ist die Schalung quasi ein Produktionsmittel für den Ortbetonbau. Und die Gerüsttechnik hat entweder als Traggerüst eine unterstützende und lastabtragende Funktion, oder sie ist eine Zugangstechnik für Gebäude und andere Bauwerke, die für die Höhenarbeit alle nötigen Transport-, Lager- und Arbeitsflächen bzw. Schutzeinrichtungen bereitstellt.

An diesen speziellen Werkzeugcharakter der Schalungs- und Gerüsttechnik schließen die Ingenieursdienstleistungen von Peri unmittelbar an, in dem sie für den Kunden sowohl die richtige Auswahl und Verwendung sicherstellen als auch den wirtschaftlichsten Mengeneinsatz. Das Potenzial dieser Anwendungsoptimierung hängt unmittelbar vom Konzept der jeweiligen Produkt- bzw. Systemtechnik ab. Ähnlich wie im modernen Maschinen- und Anlagenbau geht es heute in der Schalungs- und Gerüsttechnik nicht mehr darum, variierende Kundenanforderungen mit teuren Einzel-  oder Sonderlösungen zu erfüllen. Im Gegenteil: Der Schwerpunkt liegt auch in der Baugerätetechnik zunehmend auf modularen Produkt- und Systembaukästen, die auf einer eng begrenzten Zahl von Standardbauteilen basieren bei einem gleichzeitig großen Anwendungsspektrum.

Dieses Modularisierungskonzept aus standardisierten Kernbauteilen, Schnittstellen und Verbindungsmitteln überzeugt durch seine Flexibilität und Wandlungsfähigkeit, da auch weiter- oder neuentwickelte Module jederzeit integriert werden können. Trotz dieser Erweiterung im Funktionsumfang und in den Einsatzgebieten ist die Peri Schalungs- und Gerüsttechnik in der Menge ihrer Systembauteile bemerkenswert kompakt. Beispiele hierfür sind Innovationen wie die Rahmenschalung Maximo, die Verbundschalung Duo oder die beiden Baukastensysteme Variokit und Peri Up.

Durch die vielfache Verwendung gleicher Systembauteile erhöht sich deren Materialauslastung, was zu reduzierten Investitions- und Montagekosten führt. Aus der hohen Gleichteilquote ergeben sich auch für die Planung und Logistik zusätzliche Kostenvorteile: Planzeichnungen und Ausschreibungsunterlagen können schneller erstellt werden, weniger Lager- und Transportflächen sind nötig, die Kosten für Wartung, Reparatur und Ersatz lassen sich ebenso senken wie der Organisationsaufwand für das Ein- und Auslagern des Materials. Ein besonders wichtiger Synergieeffekt ergibt sich mit Blick auf die Arbeitssicherheit in der Höhenarbeit. Mit der aktuellen TRBS 2121-1 ist der Peri Up Gerüstbaukasten zum Benchmark für die gesamte Branche geworden. Vorteile, die sich auch in der neuesten Entwicklung der Arbeitsbühnen für Schalungen wiederfinden – wie zum Beispiel die beiden modularen, komplett am Boden vormontierbaren Bühnensysteme MXK und MXP.

Engineering als „Bester Dienst am Kunden“

Während die Zielvorgaben des Bauherrn bindend sind, haben die bauausführenden Unternehmen weitgehend Entscheidungsfreiheit über den Weg dorthin. Daraus erklärt sich der zentrale Stellenwert der Ausführungsplanung im Zusammenspiel mit der Arbeitsvorbereitung und Baustellenorganisation. Hier entscheidet sich maßgeblich der wirtschaftliche Erfolg eines Projektes, das heißt, wie gut die Ziele der Arbeits- und Betriebssicherheit, der Rentabilität und der Bauqualität erreicht werden. Umso wichtiger ist der richtige Einsatz von Personal, Betriebsmitteln und Kompetenzen in Menge, Qualität und Zeit. In der Zusammenschau der genannten Faktoren wird sichtbar, wie wichtig für den Schalungs- und Gerüstbau die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Bauunternehmen oder Handwerksbetrieb bereits heute ist. Sie wird deshalb von den Peri Kunden auch immer mehr als eigener, unternehmerischer Wettbewerbsvorteil wahrgenommen.

In diesem Zusammenhang spricht Peri immer wieder vom „Besten Dienst am Kunden“. Dieser Satz besagt, dass die Zusammenarbeit mit dem Kunden am besten als gegenseitige Qualitätspartnerschaft funktioniert. So lassen sich aus der Erfahrung von Peri am zielgenauesten Projektlösungen entwickeln, die der Kunde innerhalb der Kompetenzen, Kapazitäten und Betriebsabläufe seines Unternehmens dann erfolgreich ein- und umsetzen kann. Dieses Vorgehen ist unabhängig von der Betriebsgröße des Kunden, die vom Baukonzern über den Mittelstand bis hin zum Kleinbetrieb reicht. Weitere Synergieeffekte ergeben sich aus den Kooperationen, die von Peri seit mehreren Jahren zwischen Bauunternehmen und Gerüstbaubetrieben initiiert werden. Auch diese Qualitätspartnerschaften bestätigen immer wieder, wie sehr im hochkomplexen Baugeschehen die intensive persönliche Zusammenarbeit für alle Beteiligten zum zentralen Erfolgsfaktor geworden ist.

Digitale Tools für den Know-how-Transfer

Ein immer noch zu wenig in den Blickpunkt gerückter Aspekt der Bauabwicklung ist der Informationsfluss bzw. die Informationsverarbeitung als Grundlage für die Planung, Ausführung und Steuerung aller Lagervorgänge, Materialbewegungen und Arbeitstätigkeiten innerhalb eines Bauprojektes. Peri bietet hier Bauunternehmen und Gerüstbaubetrieben unterschiedliche digitale Werkzeuge an – vom Online-Portal myPeri über CAD-Programme für 2D- und 3D-Planungen bis hin zu webbasierten Konfiguratoren. Parallel dazu unternimmt Peri große Anstrengungen, um seine Kunden frühzeitig für die Zukunft des Bauens zu wappnen, denn Themen wie BIM, die Robotik oder das additive Bauen mit dem 3D-Betondrucker werden die Bauwirtschaft nachhaltig verändern.

Hierfür schafft BIM als objektorientierte, parametrische Methode dafür die notwendige synchronisierte Datenbasis. Das bedeutet: Jedes Bauteil oder Ausrüstungselement bildet ein Objekt mit bestimmten geometrischen und alphanummerischen Eigenschaften, das in dynamischer Beziehung zu angrenzenden Bauelementen steht. Ziel ist eine einheitliche Kommunikation und Transparenz im Planungs- und Bauprozess, da alle Beteiligten an einem, immer aktuellen Modell arbeiten und somit Informationsverluste vermieden werden können. Alle beteiligten Personen müssen hinter der gemeinschaftlichen, kollabora-tiven Arbeitsweise stehen, die Dokumentations- und Kommunikationstechnologie beherrschen und die Prozesse und Standards kennen. Peri verfolgt hier mit einer fast 10-jährigen BIM-Expertise den Anspruch, bei der Konzeption, Entwicklung und Umsetzung dieser Methodik sein Know-how so einzusetzen, dass dem Kunden ein echter, nachhaltiger Mehrwert entsteht.

Zukunftsaussichten beim digitalen Qualitäts-

management im Ortbetonbau

Das Thema der Qualitätssicherung hat sich bisher meist auf die Zustandserfassung von erstellten Betonbauten beschränkt – etwa auf das Korrosionsmonitoring oder um die Schädigung von chloridbelasteten Bauteilen frühzeitig feststellen zu können. Oder die Prüfung von Betonbauteilen mit dem niederfrequenten Ultraschall-Echo-Verfahren, um Hohlstellen, Verdichtungsmängel oder Ablösungen im Betongefüge identifizieren zu können. Die aktuell laufende Peri Neuentwicklung „InSite Construction“ wird in Zukunft auch das digitale Qualitätsmanagement des eigentlichen Betoniervorgangs ermöglichen, da bisherige Verfahren nur Teilvorgänge erfasst haben oder sehr zeitaufwändig sind – Stichworte: Probewürfel, Darr-Versuch etc.

„InSite Construction“ ist eine cloudbasierte QMLösung, die über Sensoren folgende Betoneigen-schaften in Echtzeit messen kann:

den Wasserzementwert des Frischbetons

den Betondruck auf die Schalung in Abhängigkeit zur Betoniergeschwindigkeit

die Verdichtung und Homogenität des Betons in der Schalung

und die Temperaturentwicklung in Abhängigkeit zur Betonfestigkeit

Die Mess-Daten werden online per mobiler Sendeeinheiten (Nodes) über ein Gateway (Verbindungsstation) an ein Webportal übermittelt und ausgewertet und können in Windows- bzw. BIM-Anwendungen inte-griert werden.

Peri GmbH

www.peri.de


Quellen:

(1) Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V.
(2) Prozessbasierte Entscheidungsmodelle für die
Auswahl projektspezifischer Schalungssysteme
(Gerhard Girmscheid / Max Kerstin)

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