Brückenneubau in Rekordzeit

Spezialharz MC-DUR LF 680 der MC-Bauchemie zur Abdichtung

Die Überschwemmungen an Ahr und Erft haben die Verkehrsinfrastruktur im erheblichen Maße zerstört. Im Zuge der Wiederaufbauarbeiten wurden zwei Brücken innerhalb von wenigen Monaten in Rekordzeit errichtet.

Das Bild, das die von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Regionen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen abgaben, war erschütternd. Die Folgen waren auch noch Monate später zu sehen, auch wenn große Hilfe geleistet wurde und Tausende Freiwillige und viele Hilfsorganisationen im Dauereinsatz waren, um das Chaos zu beseitigen. Insbesondere dem Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur kam eine wichtige Bedeutung und Priorität zu. So sollten auch zwei Brücken, zum einen auf der Landesstraße 181 bei Lommersum zum anderen über den Ahrbach an der Landesstraße 167 zwischen Blankenheim und Ahrdorf, neu gebaut werden. Der Landesbetrieb Straßen NRW beauftragte die Bauunternehmung Gebr. Echterhoff Mitte August 2021 mit dem Wiederaufbau dieser zwei Brückenbauwerke, da die Standsicherheit infolge der Überflutungen nicht mehr gewährleistet werden konnte und eine Instandsetzung nicht mehr möglich war.

 

Alte Brücken in Weilerswist und Blankenheim nicht zu retten

Die Lommersumer Brücke überquert die Erft und verbindet die Ortsteile Lommersum und Derkum der Stadt Weilerswist. Die Zentren der Ortsteile liegen bei intakter Brücke 1,1 Kilometer auseinander. Da die Brücke durch das große Hochwasser der Erft so stark zerstört worden war, musste sie bis auf weiteres gesperrt werden. Durch die Sperrung entstand ein Umweg von elf Kilometern, um von einem in den anderen Ortsteil zu gelangen. Den Verantwortlichen war daher wichtig, die Brücke schnellstmöglich zu eröffnen.

Die Radwegbrücke über den Ahrbach war durch das Hochwasser des Ahrbaches, bei dem der Pegel über sechs Meter höher als normal gewesen ist, komplett weggerissen worden. Die alte Brücke gehörte zum Ahrtalradweg und war für die Region auch touristisch sehr wichtig. Daher setzten die Verantwortlichen sich das anspruchsvolle Ziel, die neue Brücke noch vor Weihnachten zu eröffnen.

 

Eröffnung der neuen Brücken vier Monate nach Planungsbeginn

Die Planungs- und Genehmigungsarbeiten für beide Brückenneubauwerke begannen Mitte August 2021. Die neuen Brücken konnten in Rekordzeit bereits im Dezember 2021 fertiggestellt und zur Nutzung frei gegeben werden. Möglich gemacht hat diese extrem kurze Planungs- und Ausführungszeit das Echterhoff Expressbrücken-System, bei dem vollvorgespannte Betonfertigteile im Fertigteilwerk vorproduziert und vor Ort wie Bausteine zusammengesetzt werden. Die Vorfertigung der Expressbrücke dauerte rund acht Wochen und der Rückbau der alten Brücken sowie die Errichtung der neuen Brücken ebenfalls rund acht Wochen. So betrug die reine Bauzeit für die Brücken etwa zwei Monate statt der sonst für Baustellen dieser Art üblichen sieben bis acht Monate.

 

Brückenabdichtung auch bei winterlichen Bedingungen mit dem Spezialharz MC-DUR LF 680

Echterhoff beauftragte die Firma Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG – ZN Sonderbau West mit den Abdichtungs- und Guss-asphaltarbeiten, die die Ausführung dieser Arbeiten im Dezember 2021 unter zumeist widrigen Witterungsverhältnissen wie Temperaturen unter acht Grad sowie hoher Luft- und Bauteilfeuchtigkeit umsetzen mussten. Gemäß den Vorgaben der Bundesanstalt für Straßenwesen, die für derartige Arbeiten eine Abdichtung mit Epoxidharzen oder PMMA-Abdichtungssystemen vorschreibt, hätte eine Ausführung nicht umgesetzt werden können, da sowohl Epoxidharze als auch PMMA bei derartigen Witterungsbedingungen nicht verarbeitet werden können bzw. unerwünschte Nebenreaktionen zeigen. Um die gewünschten Fertigstellungstermine dennoch halten zu können, wurde in Abstimmung mit dem Auftraggeber, der Bundesanstalt für Straßenwesen und der MC-Bauchemie das Spezialharz MC-DUR LF 680 ausgewählt. MC-DUR LF 680 kann bei bis zu zwei Grad und vor allem auch bei hoher Luftfeuchte sowie Bauteilfeuchte als Grundierung, Kratzspachtelung und Versiegelung verwendet werden. Das rot-transparente Spezialharz ist zudem hochtemperaturbeständig und härtet sehr schnell aus, sodass Brücken sicher und schnell komplett an einem Tag abgedichtet werden können. MC-DUR LF 680 weist bei 20 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent eine Überarbeitungszeit von einer Stunde auf, bei zwei Grad beträgt letztere circa zweieinhalb Stunden. Dies ermöglicht auch in den Herbst- und Wintermonaten eine sehr schnelle Applikation der Abdichtungsbahnen, die einmalig in diesem Segment ist; und das ohne eine minderfeste und haftungsstörende Carbamatschicht zu bilden, wie sie zum Beispiel bei Epoxidharzen auftreten kann.

MC-DUR LF 680 wird wie ein konventionelles Epoxidharz exakt nach den Vorgaben der ZTV-ING verarbeitet, ohne auf die Dosierung von Katalysatoren achten noch auf andere Hilfsmittel zurückgreifen zu müssen. Das Spezialharz lässt sich mit nahezu allen bekannten Bitumenbahnen anwenden und hat seine Verträglichkeit und Wirksamkeit zum einen in Tests durch die Kiwa GmbH als auch in vielen Projekten und auf mehreren 10.000 Quadratmetern sowie bei den Brückenneubauten in Weilerswist und Blankenheim eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

 

Große Zeitersparnis durch Brückenabdichtung an einem Tag

Die Abdichtungsarbeiten an der neuen Lommersumer Brücke in Weilerswist erfolgten am 8. Dezember 2021 von 9:45 Uhr bis 17:00 Uhr. Beim Start der Arbeiten lag die Lufttemperatur bei fünf Grad, die Bauteiltemperatur bei vier Grad, Luftfeuchte bei 94 Prozent sowie die Taupunkttemperatur lag bei circa vier Grad. Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen auf acht Grad an und die Luftfeuchte fiel auf 74 Prozent. Die komplette Abdichtung der rund 300 Quadratmeter großen, bereits kugelgestrahlten sowie gereinigten Fläche – d. h. die Grundierung, Versiegelung sowie das Aufbrennen der Schweißbahnen – konnte trotz dieser widrigen Witterungsverhältnisse bis 17 Uhr desselben Tages erfolgreich umgesetzt werden. Ähnlich ging es auf der neuen Radwegbrücke über den Ahrbach in Blankenheim zu. Hier wurde eine Fläche von rund 60 Quadratmetern am 15. Dezember 2021 von 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr abgedichtet, zuvor musste hier jedoch eine entsprechende Untergrundvorbereitung gemäß dem Stand der Technik erfolgen. Bei der Radwegbrücke über den Ahrbach lagen beim Start der Arbeiten die Luft- und Bauteiltemperatur bei sechs Grad, die Luftfeuchte bei 98 Prozent sowie die Taupunkttemperatur bei etwa fünf Grad. Zudem war die Brückentafel infolge von mehreren Regenschauern sehr nass und musste zunächst oberflächlich getrocknet werden. Die komplette Abdichtung erfolgte dennoch bis zum Nachmittag – eine Brückenabdichtung unter schwierigsten Bedingungen, die Dank der Expertise sowie der effektiven und schnellen Bearbeitung der Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG – ZN Sonderbau West in Rekordzeit umgesetzt werden konnte. Ein großer Vorteil war, dass Kemna zum einen sämtliche Arbeitsschritte von der Untergrundvorbereitung bis zur Verlegung des Gussasphaltes aus einer Hand anbieten konnte und zum anderen bereits viele Projekte mit MC-DUR LF 680 erfolgreich realisiert hat.

 

Baustellendokumentation durch die BASt

Die TL/TP-BEL-EP lassen als „Brückenharz“ nur Produkte auf Epoxidharzbasis zu. Die wären bei den oben skizzierten Temperaturen nicht einsetzbar gewesen – MC-DUR LF 680 schon, das Spezialharz ist aber aktuell noch nicht BASt gelistet. Ziel der MC-Bauchemie ist es daher, die der bestehenden Regelwerke zu ergänzen, damit die entsprechende Listung vorgenommen werden und das bis dato aufwändige Prozedere der Zulassung im Einzelfall zukünftig entfallen kann. Um das zu erreichen, ist u. a. auch eine Erfahrungssammlung und Begleitung von Referenzbaustellen durch die BASt erforderlich. Daher wurden die Bauvorhaben in Weilerswist und Blankenheim umfangreich und detailliert dokumentiert und die Informationen der BASt zur Verfügung gestellt.

Mit dem Echterhoff Expressbrücken-System konnten die Brückenneubauwerke unter Einhaltung des sehr anspruchsvollen Zeitplans errichtet und mit Hilfe des Spezialharzes MC-DUR LF 680 der MC die Abdichtungs- und anschließenden Asphaltierungsarbeiten bei widrigen Witterungsbedingungen schnell und ohne lange Wartezeiten ausgeführt werden, sodass die beiden Brücken noch im Dezember 2021 für den Verkehr frei gegeben werden konnten. Die schnelle Umsetzung der Brückenersatzbauwerke spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld, und hilft zudem auch den CO2-Ausstoß durch nicht mehr nötige Umfahrungen zu reduzieren.

MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG

www.mc-bauchemie.de

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