Rücken entlasten, Arbeitsfähigkeit sichern

Wie Exoskelette den Baualltag verändern können

Körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten gehören auf Baustellen zum Alltag. Gerade hier lassen sich viele Abläufe nicht vollständig mechanisieren, wodurch täglich hohe Belastungen für den gesamten Bewegungsapparat entstehen. Genau an dieser Stelle setzen Exoskelette an.

Mit dem BionicBack hat hTRIUS ein passives Exoskelett entwickelt, das Beschäftigte insbesondere bei häufigem Bücken, Heben und in statischen Arbeitshaltungen unterstützt. Ziel ist nicht, menschliche Arbeit zu ersetzen, sondern körperliche Belastung im Arbeitsalltag spürbar zu reduzieren und damit Gesundheit, Leistungsfähigkeit und langfristige Einsatzfähigkeit zu erhalten.

Dass dieses Thema in der Bauwirtschaft an Bedeutung gewinnt, zeigt auch die öffentliche Anerkennung: hTRIUS wurde beim Deutschen Baupreis 2026 in der Sonderkategorie „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz“ mit dem 1. Platz ausgezeichnet. Der Preis würdigt den Beitrag des Unternehmens zu mehr Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Bauwirtschaft.

Körperliche Entlastung dort, wo Maschinen an Grenzen stoßen

Die Realität auf Baustellen ist eindeutig: Maschinen übernehmen viel, aber nicht alles. Gerade bei Pflasterarbeiten, Anschlüssen, Randbereichen oder beengten Situationen bleibt Handarbeit unverzichtbar. Damit verbunden sind wiederkehrende Hebe- und Beugebewegungen, langes Arbeiten in vorgebeugter Haltung und hohe muskuläre Beanspruchung über den gesamten Arbeitstag.

Ein Praxisbeispiel kommt von der Schweiger Straßenbau GmbH, die das BionicBack bereits im Arbeitsalltag einsetzt. Die Erfahrungen aus dem Baustellenbetrieb zeigen, worauf es in der Praxis ankommt: Das System muss unterstützen, ohne zu stören. Es muss sich schnell anlegen lassen, alltagstauglich sein und Bewegungen auf der Baustelle mitmachen.

Philipp Schweiger beschreibt den Nutzen aus Unternehmenssicht klar: „Um diese Lasten aus dem Rückenbereich herauszunehmen und Langzeitschäden vorzubeugen, sagen wir: Wir wollen da auf jeden Fall etwas für unsere Mitarbeiter tun.“

Gerade im Straßenbau ist diese Perspektive entscheidend. Denn die Belastung ist nicht nur punktuell hoch, sondern summiert sich über Jahre. Rückenschmerzen, Erschöpfung und verschleißbedingte Beschwerden sind in vielen Betrieben bekannt. Prävention muss deshalb dort ansetzen, wo die Belastung tatsächlich entsteht: mitten im Arbeitsprozess.

Mehr Energie am Ende des Tages

Die Wirkung eines Exoskeletts zeigt sich nicht nur in Messwerten oder ergonomischen Bewertungen, sondern vor allem in der täglichen Nutzung. Aus den Rückmeldungen der Anwender wird deutlich, dass die körperliche Entlastung im Tagesverlauf wahrnehmbar ist.

So schildert ein Mitarbeitender bei Schweiger die Erfahrung mit dem BionicBack so: „Man ist nicht ganz so körperlich fertig. Man hat noch ein bisschen mehr Energie, weil man über den ganzen Arbeitstag verteilt immer ein bisschen Erleichterung hat.“

Genau dieser Punkt ist für den Bau besonders relevant. Es geht nicht allein darum, einzelne Hebevorgänge angenehmer zu machen. Entscheidend ist die Summe der Bewegungen über Stunden hinweg. Wenn muskuläre Ermüdung später einsetzt und der Rücken entlastet wird, profitieren Beschäftigte nicht nur während der Arbeit, sondern auch darüber hinaus. Der Unterschied zeigt sich oft erst am Feierabend: in mehr Energie, geringerer Erschöpfung und einer besseren Regenerationsfähigkeit.

Arbeitsschutz als Wettbewerbsfaktor

Für Bauunternehmen ist Gesundheitsprävention längst nicht mehr nur ein Randthema. Wer Mitarbeitende langfristig halten will, muss körperliche Belastungen ernst nehmen. In Zeiten von Fachkräftemangel, alternden Belegschaften und wachsendem Effizienzdruck wird ergonomische Unterstützung zunehmend zu einem strategischen Faktor.

Exoskelette können hier ein sinnvoller Baustein sein, wenn sie praxisgerecht ausgewählt und eingeführt werden. Genau diesen Ansatz greift auch die BG Bau auf: Sie unterstützt Unternehmen beim Einsatz von rücken- und schulterunterstützenden Exoskeletten mit einer Arbeitsschutzprämie. Gefördert werden ein zweiwöchiger Praxistest am Arbeitsplatz sowie die Einweisung in die Handhabung; laut BG Bau werden dafür bis zu 50 Prozent der Kosten übernommen.

Das ist ein wichtiges Signal für die Branche. Denn es unterstreicht, dass Exoskelette nicht als Zukunftsvision betrachtet werden, sondern als konkrete Maßnahme innerhalb eines modernen Arbeitsschutzes.

Entscheidend ist die Praxistauglichkeit

Ob ein Exoskelett auf der Baustelle akzeptiert wird, entscheidet sich im Einsatz. Gewicht, Bewegungsfreiheit, An- und Ablegen, Sitzen in Maschinen oder Fahrzeugen sowie die Alltagstauglichkeit im Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten sind dabei zentrale Faktoren.

Gerade deshalb ist der Einsatz in realen Baustellenprozessen so wichtig. Bei Schweiger zeigte sich, dass ein Exoskelett nicht nur dann überzeugen muss, wenn reine Handarbeit gefragt ist, sondern auch im Wechsel zwischen manueller Tätigkeit und Maschinenbedienung. Wenn Beschäftigte in Bagger, Lkw oder Radlader steigen müssen, darf das System nicht zum Hindernis werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Exoskelette sind dann sinnvoll, wenn sie sich in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen und von den Mitarbeitenden als Unterstützung wahrgenommen werden, nicht als zusätzliche Belastung.

Ein realistischer Beitrag zu gesünderen Baustellen

Exoskelette werden den Bau nicht automatisieren. Sie lösen auch nicht jede ergonomische Herausforderung. Aber sie können dort wirksam entlasten, wo klassische Maßnahmen an Grenzen stoßen und wo körperliche Beanspruchung ein fester Bestandteil der Tätigkeit bleibt.

Der Einsatz des BionicBack Exoskeletts im Bau zeigt, dass technologische Innovation dann relevant wird, wenn sie alltagstauglich ist und im Betrieb echten Nutzen stiftet. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Baupreis 2026 und die Förderfähigkeit über die BG Bau unterstreichen, dass dieses Thema in der Branche angekommen ist.

Für Bauunternehmen, die Gesundheitsschutz, Produktivität und Mitarbeiterbindung zusammen denken, sind Exoskelette damit kein Nischenthema mehr, sondern ein ernstzunehmender Bestandteil zukunftsfähiger Arbeitsgestaltung.

hTRIUS GmbH

www.htrius.com

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