Hybridbrücke setzt neue Maßstäbe

Erste integrale Holz-Beton-Verbundbrücke der bayerischen Staatsbauverwaltung

Das staatliche Bauamt Ingolstadt geht einen wegweisenden Schritt in der Infrastrukturplanung: Eine Geh- und Radwegbrücke als integrale Holz-Beton-Verbundkonstruktion entsteht im Zuge der verkehrlichen Neustrukturierung rund um die B 16 bei Manching.

Das Projekt verbindet aus Manching kommend die Geisenfelder Straße mit dem Flugplatz Ingolstadt-Manching, der Airbus Defence and Space sowie dem südlich gelegenen Naherholungsgebiet und schafft eine sichere, durchgängig geführte Verbindung für den nicht motorisierten Verkehr. Die Maßnahme ist integraler Bestandteil der Höhenfreimachung der B 16 und der damit verbundenen Neuordnung der Knotenpunkte.

 

Pilotprojekt für nachhaltige Bauweise

Die Brücke markiert einen bedeutenden Meilenstein innerhalb der bayerischen Staatsbauverwaltung. Als erste integrale Holz-Beton-Verbundbrücke in deren Baulast setzt sie bewusst auf neue konstruktive Lösungen und überführt nachhaltige Bauweisen in den öffentlichen Infrastrukturkontext. Die integrale Bauweise ohne Lager oder Fugen entspricht dem Ziel eines wartungsarmen, robusten und langlebigen Bauwerks. Mit einer Stützweite von rund 27 Metern und einer variierenden Konstruktionshöhe zwischen 0,91 Meter und 1,28 Meter entsteht ein Tragwerk, dessen Schlankheit das Potenzial der Holz-Beton-Verbundbauweise eindrucksvoll sichtbar macht. Der Überbau ist als einfeldriger, integraler Plattenbalken ausgebildet, dessen Tragwirkung wesentlich durch den kraftschlüssigen Verbund zwischen der Brettschichtholzkonstruktion und der Stahlbetonfahrbahnplatte geprägt wird.

Ingenieurtechnische Besonderheiten

Die Planung und Realisierung erforderten außergewöhnliche ingenieurtechnische Leistungen. Bereits die Entscheidung für ein integrales Holztragwerk ohne Lager oder Übergangskonstruktionen stellte eine besondere Herausforderung dar, da die Brücke vollständig auf mechanische Freiheitsgrade verzichtet und sämtliche Zwängungen aus Temperatur, Kriechen und Schwinden innerhalb des Systems aufnehmen muss.

Die Schubkraftübertragung zwischen Fahrbahnplatte und Holzträgern erfolgt über Kerven in den Holzträgern, über die der Schubfluss an der Holz-Beton-Grenzfläche übertragen wird. Exzentrische Lasteinleitungen erzeugen zusätzliche Zugkräfte, die durch Vollgewindeschrauben gesichert werden. Die biegesteife Einspannung der Holzträger in die Stahlbetonwiderlager erfolgt über eingeklebte Gewindestangen und formschlüssige Anschlussgeometrien.

 

Gestalterische Integration

Die Gestaltung folgt dem Grundsatz, Konstruktion, Materiallogik und räumliche Einbindung zu einer klaren architektonischen Haltung zu vereinen. Die charakteristische gestufte Ausbildung des Querschnitts ist nicht nur Ausdruck des konstruktiven Holzschutzes, sondern zugleich ein gestalterisches Mittel. Die leichte Überhöhung des Überbaus sowie die variierende Konstruktionshöhe folgen der statischen Beanspruchung und sind Teil der gestalterischen Komposition. Das warme Erscheinungsbild des Holztragwerks kontrastiert mit den präzise ausgebildeten Betonoberflächen und den schlanken Stahlbauteilen des Geländers. Durch die erhöhte Lage des Überbaus eröffnen sich dem Nutzer neue Blickbeziehungen über die B 16 hinweg bis zum Markt Manching und in Richtung des angrenzenden Flugplatzes.

 

Ökologische Bilanz

Die Materialwahl trägt maßgeblich zur Umweltbilanz bei. Durch den Einsatz regional verfügbarer Fichtenhölzer werden circa 37 Tonnen biogenes CO2 dauerhaft gebunden. Zudem werden weitere rund 35 Tonnen CO2 durch den Verzicht auf Stahlmengen – wie sie beispielsweise bei einem VFT-Träger erforderlich wären – eingespart. In Summe entspricht dies einer CO2-Reduktion von etwa 70 Tonnen, die unmittelbar aus der Materialwahl resultiert.

 

Zukunftsperspektive

Als Pilotprojekt leistet die Brücke einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des nachhaltigen Brückenbaus in der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur. Die begleitenden Prüfungen, Berechnungen und die notwendige Zustimmung im Einzelfall für den Schubverbund und den integralen Anschluss tragen dazu bei, Wissen aufzubauen, das langfristig zu neuen Standards in der Planung von Verbundbrücken führen kann. Die Brücke in Ingolstadt zeigt, wie sich ingenieurtechnische Vision und ökologische Verantwortung in einem Infrastrukturprojekt vereinen lassen – und wie Innovation im öffentlichen Bauwesen sichtbar, nachvollziehbar und zukunftsweisend werden kann.

 

Ingenieurbüro Miebach

www.ib-miebach.de

Beteiligte Holz-Beton-Hybridbrücke in Ingolstadt

Bauherr: Staatliches Bauamt Ingolstadt

Planung Brückenkonstruktion: Ingenieurbüro Miebach

Ausführung Generalunternehmer: Berger Bau SE, Passau

Holzbau: Schaffitzel Holzindustrie GmbH + Co. KG, Schwäbisch Hall

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