Gewässerschutz im Bodenseekreis
Schlüsselfertige Fertigteile für Retentionsbodenfilter an KläranlageIn Oberteuringen wurde ein Retentionsbodenfilter zur Reinigung von Mischwasser in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Wasserqualität der Rotach verbessern. Die erforderlichen Stahlbetonfertigteile lieferte Hans Rinninger schlüsselfertig.
Starkregenereignisse und zunehmende Anforderungen an den Gewässerschutz stellen Kommunen und Betreiber von Kläranlagen vor neue Herausforderungen. Insbesondere Mischwasserentlastungen aus Regenüberlaufbecken können in Spitzenlastsituationen erhebliche Mengen an Schmutzstoffen in Flüsse und Bäche eintragen. In den vergangenen Jahren haben sich deshalb Retentionsbodenfilter als wirkungsvolle Lösung etabliert. Sie speichern das entlastete Mischwasser zunächst zwischen, reinigen es durch die Passage einer speziell aufgebauten Filtersandschicht und geben es anschließend kontrolliert und gedrosselt an das Gewässer ab. So lassen sich sowohl hydraulische Belastungen als auch Stoffeinträge deutlich reduzieren und die Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie nationaler Gewässerschutzvorgaben nachhaltig erfüllen.
Ein aktuelles Beispiel für den Einsatz dieser Technologie ist die Kläranlage der Gemeinde Oberteuringen im Bodenseekreis. Dort wurde im Sommer 2026 ein Retentionsbodenfilter installiert, der die Wasserqualität der Rotach nachhaltig verbessern soll. Für die Anlage wurden mehrere technisch anspruchsvolle Stahlbetonfertigteile benötigt, die vom Betonwerk Hans Rinninger u. Sohn GmbH u. Co. KG aus Kißlegg im Allgäu individuell geplant, gefertigt und schlüsselfertig mit allen Installationen geliefert wurden.
Investition in den Gewässerschutz
Die Rotach ist ein etwa 40 Kilometer langer Zufluss des Bodensees in Oberschwaben. In Oberteuringen präsentiert sie sich als malerisches, naturnahes Fließgewässer, das ein beliebtes Naherholungsziel mit hoher ökologischer Qualität und einer artenreichen Fischfauna bildet. Mit dem Bau eines Retentionsbodenfilters (RBF) investiert die Gemeinde gezielt in ihren Gewässerschutz. M. Eng. Jonathan Konrad Burandt vom Ingenieurbüro Wasser-Müller aus Biberach schildert die Hintergründe: „Gewässerökologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Entlastungen aus dem bestehenden Regenüberlaufbecken (RÜB) die Wasserqualität der Rotach beeinträchtigen. Durch den neuen Retentionsbodenfilter wird das entlastete Mischwasser künftig zwischengespeichert, über eine Filtersandschicht gereinigt und anschließend gedrosselt in das Gewässer eingeleitet. Auf diese Weise lässt sich die in die Rotach eingeleitete Mischwassermenge um rund zwei Drittel reduzieren. Der Retentionsbodenfilter verfügt über eine Sohlfläche von rund 660 Quadratmeter und ein Speichervolumen von etwa 728 Kubikmeter. Für den zuverlässigen Betrieb der Anlage wurden mehrere technisch anspruchsvolle individuell geplante Stahlbetonfertigteile benötigt“, so Burandt.
Maßgeschneiderte Fertigteillösungen
Zum Lieferumfang des Betonwerks Rinninger gehörten, neben dem Stahlbetonkanal DN 500-700, ein Drosselbauwerk, ein Überlaufbauwerk, mehrere Verteilerschächte sowie ein Schieberbauwerk. Jedes dieser Bauwerke erfüllt innerhalb des Gesamtsystems eine klar definierte Aufgabe. „Das Drosselbauwerk übernimmt die kontrollierte Ableitung des gereinigten Mischwassers aus den Drainagen. Gleichzeitig dient es dem Monitoring der Ablaufmengen, bevor das Wasser gedrosselt in die Rotach eingeleitet wird. Das Überlaufbauwerk begrenzt über eine Überlaufschwelle den maximalen Einstau im Retentionsbodenfilter. Wird die Speicherkapazität bei außergewöhnlich hohen Niederschlagsereignissen überschritten, erfolgt über dieses Bauwerk eine gezielte Entlastung in die Rotach. Die Verteilerschächte sorgen für eine gleichmäßige Verteilung des zufließenden Mischwassers über die gesamte Filterfläche und schaffen damit die Voraussetzung für eine gleichmäßige hydraulische Belastung des Filters. Über das Schieberbauwerk wird der bestehende Entlastungskanal künftig entweder direkt zur Rotach oder – im Regelbetrieb – zum Retentionsbodenfilter geführt. Während der Bauphase blieb der bestehende Entlastungskanal funktionsfähig“ erläutert Burandt.
Anforderungen an Konstruktion und Einbau
Die einzelnen Bauwerke stellten hohe Anforderungen an Planung, Fertigung und Montage. So wurde das Drosselbauwerk als dreikammeriges Fertigteilbauwerk ausgeführt. Die mittlere Kammer bleibt dauerhaft trocken, da der Drosselabfluss über eine geschlossene Druckleitung abgeführt wird. In den beiden äußeren Kammern kann sich dagegen ein Wasserspiegel einstellen. Patrick König vom Bauunternehmen Otto Berenbold aus Wilhelmsdorf–Zussdorf zur Montage der Bauwerke: „Bereits das Unterteil des Drosselbauwerks brachte ein Gewicht von rund 40 Tonnen auf die Waage und erforderte eine präzise Logistik sowie einen exakt abgestimmten Einbau. Eine konstruktive Besonderheit stellte auch das Überlaufbauwerk dar. Es wurde aus drei separaten Fertigteilen gefertigt, die nicht übereinander, sondern nebeneinander versetzt eingebaut wurden. Erst auf der Baustelle wurden die Elemente über eine speziell verschraubte, dauerhaft dichte Verbindung zu einem Gesamtbauwerk zusammengefügt. Besonders anspruchsvoll gestaltete sich auch der Einbau des Schieberbauwerks. Dieses wurde in einen bestehenden DN 1000-Entlastungskanal integriert. Hierzu musste der Kanal auf einer Länge von rund 3,5 Metern geöffnet, das Fertigteil eingesetzt und anschließend wieder an den Bestand angeschlossen werden. Da der Kanal bei Niederschlagsereignissen weiterhin benötigt wird, konnten die Arbeiten ausschließlich während einer trockenen Wetterphase erfolgen. Eine sorgfältige Terminplanung sowie ein präzise abgestimmter Bauablauf waren daher entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung.“
Vorteile durch Fertigteilbauweise
Jonathan Konrad Burandt bemerkt abschließend: „Die werkseitige Herstellung der komplexen Stahlbetonbauwerke ermöglichte eine hohe Maßgenauigkeit und Qualität sowie kurze Montagezeiten auf der Baustelle. Gerade bei Eingriffen in bestehende Entwässerungssysteme trägt die Fertigteilbauweise dazu bei, Bauzeiten zu verkürzen und die Beeinträchtigungen des Anlagenbetriebs auf ein Minimum zu reduzieren.“
Mit der Fertigstellung des Retentionsbodenfilters verfügt die Gemeinde Oberteuringen künftig über eine leistungsfähige Anlage zur Behandlung von Mischwasserentlastungen. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Rotach und zeigt zugleich, welche Vorteile individuell geplante Betonfertigteile bei anspruchsvollen wasserwirtschaftlichen Infrastrukturmaßnahmen bieten.
Hans Rinninger u. Sohn GmbH u. Co. KG
www.rinninger.de
