Effiziente Aufstockung
Transformation eines BestandsgebäudesDurch den Rückbau der alten Dachkonstruktion und die Errichtung eines neuen Dachgeschosses für moderne Büros entstand bei einem Gewerbebau dringend benötigte zusätzliche Nutzfläche, die zeigt, wie architektonischer Anspruch, funktionale Qualität und nachhaltiges Bauen harmonieren können.
Die neue Etage wurde in Holzrahmenbauweise realisiert. Aufgrund der Einordnung des Gebäudes in die Gebäudeklasse 5 waren
für die Außenwandbekleidung nicht brennbare Baustoffe vorgeschrieben
© James Hardie Europe GmbH
Die Aufstockung im Bestand gewinnt auch im Gewerbebau zunehmend an Bedeutung. Statt Flächen neu zu versiegeln, rückt der Ausbau zusätzlicher Flächen im Dachgeschoss bestehender Baukörper als ressourcenschonende und wirtschaftlich sinnvolle Alternative immer mehr in den Fokus von Planern und Ausführenden. Vorhandene Gebäudestrukturen können so einfach weitergenutzt und gleichzeitig an aktuelle Anforderungen angepasst werden. Das Beispiel eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes in Euskirchen zeigt, wie durch den Rückbau und die Neuerrichtung eines Dachgeschosses auf bestehender Struktur zusätzliche Nutzflächen geschaffen und gleichzeitig funktionale sowie bauphysikalische Defizite des Bestands nachhaltig behoben werden können.
Die Aufstockung des Dachgeschosses auf dem bestehenden Verwaltungsgebäude des Interpares-Mobau Zentrallagers ist ein gelungenes Beispiel für die konstruktive und funktionale Weiterentwicklung von Bestandsimmobilien im gewerblichen Kontext. Das in zwei Bauabschnitten realisierte, viergeschossige Gebäude aus den 1980er-Jahren war ursprünglich als durchgängig genutzter Verwaltungsstandort konzipiert. Mehr als 200 Mitarbeitende arbeiteten hier. Im Zuge struktureller Veränderungen und der Verlagerung des Headquarters wurde das Gebäude ab Mitte der 1990er-Jahre jedoch nur noch teilweise von unterschiedlichen gewerblichen Mietern genutzt. Das Dachgeschoss blieb über nahezu drei Jahrzehnte ungenutzt.
Seit rund sechs Jahren nutzt eine große Steuerberatungsgesellschaft das erste und zweite Obergeschoss des Gebäudes. Im Zuge einer geplanten Expansion sollte nunmehr auch das bislang ungenutzte Dachgeschoss in die Mietfläche einbezogen werden. „Wir haben die alten Büros gemeinsam begutachtet“, berichtet Marcel Schnietz, Geschäftsführer des Interpares-Mobau-Zentrallager-Rheinland. Es sei sehr schnell klar gewesen, dass die Räume so nicht genutzt werden konnten.
Die vorhandene Dachkonstruktion – ein klassisches Satteldach mit geringer Dämmqualität und kleinteiligen Öffnungen – entsprach weder funktional noch bauphysikalisch den aktuellen Anforderungen. Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung, das Dachgeschoss vollständig zurückzubauen und auf der bestehenden Rohdecke neu zu errichten. Nach der Entkernung erfolgte der vollständige Abtrag des Dachaufbaus, sodass temporär ein offener Zustand bis auf die oberste Geschossdecke entstand.
Zunächst wurde seitens des Bauherrn eine Aufstockung in Stahlleichtbauweise in Betracht gezogen. Realisiert wurde die neue Etage jedoch schließlich in Holzrahmenbauweise. Ausschlaggebend für diese Bauweise waren insbesondere das geringe Eigengewicht sowie die konstruktiven Vorteile im Bestand. Die Vorfertigung stellte ein weiteres wirtschaftliches Argument dar. Die Maßnahme konnte so in relativ kurzer Bauzeit bei geringem Baulärm durchgeführt werden. Denn ein schneller Baufortschritt war nicht nur aus Kostengründen geboten: In den unteren Etagen des Gebäudes wurde während der gesamten Dauer der Maßnahme weiter gearbeitet. Für die Mitarbeitenden bedeutete dies, dass sie sich mit den Nebeneffekten einer Großbaustelle arrangieren mussten.
Vorfertigung
Sämtliche Holztafelelemente wurden unter idealen Bedingungen in den Werkstätten der Adams Holzbau-Fertigbau GmbH in Niederzissen vorgefertigt. Die fertiggestellten Elemente kamen bauabschnittweise punktgenau per Tieflader zur Baustelle, so dass sie sofort montiert werden konnten. Durch die genaue Vorplanung und den hohen Vorfertigungsgrad war eine schnelle und reibungslose Abwicklung auf der Baustelle gewährleistet. Ein speziell für die Gegebenheiten vor Ort entwickeltes Markierungssystem erleichterte dabei die Zuordnung der einzelnen Elemente und vereinfachte die Montage zusätzlich.
Die Oberflächen sind pflegeleicht, witterungsbeständig und mit einer lichtechten Farbbeschichtung versehen, so dass langlebige und nachhaltige Lösungen realisiert werden können
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Der Bau entspricht der Gebäudeklasse 5. Während die innere Rauaufteilung mit Gipsplatten ausgeführt wird, kamen für die brandschutztechnisch wirksame Bekleidung der Holzkonstruktion fermacell Gipsfaser-Platten zum Einsatz. Die Platten des Herstellers James Hardie passen gut zu den ökologischen Qualitäten der Holzbauweise. Sie werden in einem umweltfreundlichen Verfahren auf Basis von natürlichen Materialien (recycelte Papierfasern, Gips und Wasser) und ohne Leimzusätze hergestellt. Daher enthalten sie keine gesundheitsgefährdenden Stoffe wie z. B. Formaldehyd und sind nachgewiesenermaßen nahezu emissionsfrei.
Aufgrund ihrer hohen Stabilität dürfen fermacell Gipsfaser-Platten außerdem im Holzbau sowohl tragend als auch aussteifend verwendet und zur Beplankung und Bekleidung von Bauteilen eingesetzt werden (Nutzungsklasse 1 und 2 gemäß DIN EN 1995-1, s. DIN EN 1995-1-1:2010-10- Eurocode 5, Bemessung und Konstruktion von Holzbauten; Teil 1-1, Allgemeines) und sind damit nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht ein möglicher Ersatz für beispielsweise Holzwerkstoffplatten.
Zudem gewährleisten die Gipsfaser-Platten je nach Konstruktion einen Brandschutz bis zur Feuerschutzklassifizierung F120 und sind gemäß der DIN EN 13501 als nichtbrennbarer Baustoff der Baustoffklasse A2 definiert, wobei die fermacell Gipsfaserplatten zudem zahlreiche Lösungen für den Holzbau in der Gebäudeklasse 5 und damit einhergehend den Anforderungen an abweichend feuerbeständigen Konstruktionen, bieten. Darüber hinaus weisen sie einen guten Schallschutz auf: Normgerecht geprüfte fermacell Holzständerwände erzielten mit einlagiger Beplankung Schalldämmwerte bis Rw‚ 57 dB, zweilagig beplankt bis Rw‚ 68 dB.
Modernes Design – eigenständige Optik
Die Aufstockung des aus den 1980er Jahren stammenden Bürogebäudes zeigt exemplarisch, wie durch gezielte Eingriffe in den Bestand unter Berücksichtigung aktueller technischer, energetischer und gestalterischer Anforderungen zukunftstaugliche Lösungen für gewerblich genutzte Immobilien entstehen können
© James Hardie Europe GmbH
Aufgrund der Einordnung des Gebäudes in die Gebäudeklasse 5 waren für die Außenwandbekleidung nicht brennbare Baustoffe vorgeschrieben. In diesem Kontext fiel die Entscheidung für eine hinterlüftete Fassadenlösung mit Faserzementtafeln. „Wir haben hier verschiedene Baumaterialien geprüft und uns letztlich für Hardie Panel Fassadenbekleidungen aus Faserzement entschieden, unter anderem, da diese nicht brennbar sind“, erklärt Marcel Schnietz. Als Baustoff der Baustoffklasse A2-s1, d0 können die großformatigen Hardie Panels (3048 mm x 1220 mm) für Fassaden in allen Gebäudeklassen eingesetzt werden. Ihre Oberflächen sind witterungsbeständig und mit einer lichtechten Farbbeschichtung versehen, so dass langlebige und nachhaltige Lösungen realisiert werden können. Darüber hinaus ermöglichen geringe Wartungskosten über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes eine hohe Wirtschaftlichkeit.
Zum Einsatz kamen bei der Aufstockung Hardie Panel Fassadentafeln mit glatter Oberfläche in anthrazitfarbener Ausführung. Die Montage erfolgte auf einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Holz-Unterkonstruktion. Die Befestigung der Fassadentafeln wurde sichtbar verschraubt ausgeführt. Die Montage erwies sich als unkompliziert und zügig, was den gesamten Prozess effizient machte.
Neben den technischen Anforderungen spielten auch gestalterische Aspekte eine Rolle. Mit einer klaren, reduzierten Fassadensprache hebt sich der aufgestockte Baukörper bewusst vom klinkergeprägten Bestand ab und formuliert einen eigenständigen architektonischen Abschluss. Gleichzeitig greift er die vorhandene Rhythmik der Bestandsfassade auf. Die Materialwahl und die präzise Ausführung verleihen dem Gebäude ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, das die Transformation nach außen sichtbar macht, ohne die gestalterische Einheit zu beeinträchtigen.
Fazit
Die Aufstockung des aus den 1980er Jahren stammenden Bürogebäudes zeigt exemplarisch, wie durch gezielte Eingriffe in den Bestand unter Berücksichtigung aktueller technischer, energetischer und gestalterischer Anforderungen zukunftstaugliche Lösungen für gewerblich genutzte Immobilien entstehen können.
James Hardie Europe GmbH
www.jameshardie.de
