Mitten im Leben

Generationenzentrum Kornhasen

Die Baumaßnahme ist alles andere als einfach gewesen. Das Gebiet namens „Kornhasen“ in Stuttgart-Wangen ist ein zentrumsnahes und attraktiv gelegenes Gelände – allerdings mit extrem starken Gefälle. Hier soll ein Generationenzentrum mit Pflegeheim, Kindergarten, Stadtteilraum und angegliederter Seniorenwohnanlage barrierefrei errichtet werden. Ein Paradoxon?

Bauherrenwünsche

Die Wünsche der Bauherrn sind vielfältig und nicht ohne Weiteres mit den besonderen Gegebenheiten des an einem sehr steilen Hang liegenden Grundstücks vereinbar. Die einzelnen Funktionseinheiten waren barrierefrei miteinander zu verbinden und zu einem funktionierenden Ensemble zusammenzuführen. Außerdem galt es, die für den Ortsteil Wangen wichtige Frischluftschneise zu erhalten, damit die frische Luft vom Hang ungehindert ins Tal strömen kann. Auch Fragen des Landschaftschutzes, Nachbarschaftseinsprüche, Überfahrtsrechte, Baulasten etc. waren zu klären.

Deshalb wurde ein Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, aus dem das Architekturbüro Lanz, Gruber, Schwager, Konstanz, als Sieger hervor ging. Bauherren für diese ungewöhnliche Baumaßnahme waren:

n für die Seniorenwohnanlage das Stuttgarter Siedlungswerk, gemeinnützige Gesellschaft für Wohnungs- und Städtebau mbH,

n für das Altenpflegeheim, den Stadtteilraum sowie die Kindergarten der Eigenbetrieb Leben & Wohnen, Stuttgart.

 

„Unter einem Dach“

Es ist den Architekten gelungen, die gemeinsamen Lebens- und Begegnungsräume für Jung und Alt unter dem gemeinsamen Dach des Generationszentrums Kornhasen zu integrieren. Es wird eine variantenreiche, architektonische Vielfalt innerhalb eines durchdachten Gebäudekonzeptes deutlich, die die schwierige Topografie des Grundstücks berücksichtigt – sie sogar zu nutzen weiß. Das Zentrum besteht aus drei unterschiedlichen Gebäuden, die durch einen lichtdurchfluteten, verglasten Foyerbereich barrierefrei und ebenerdig miteinander verbunden sind. Das Pflegeheim und die drei quer zum Hang hin gestellten Spangen der Seniorenwohnanlage, deren Solitärstellung die Frischluftzufuhr sichert, sowie der Kindergarten gruppieren sich – ähnlich einer kleinen Stadt – um einen gemeinsamen Platz. Dieser wiederum öffnet sich großzügig ins Tal und wird zu einem „Ort der Begegnung“. Der Stadtteilraum tritt als Volumen nicht in Erscheinung. „Insgesamt bildet die Anlage eine in sich abgeschlossene, städtebauliche Figur mit maßstäblicher Wirkung“, so Architekt Nicolas Schwager.

 

Pflege

Die zweigeschossige Pflegeeinrichtung „Willy-Körner-Haus“ beinhaltet auf einer Nutzfläche von 2.074 m2 50 Pflegeplätze für Senioren. Es ist ein dreigeschossiger, dreibündiger kompakter Baukörper, der parallel zum Hang platziert worden ist. Die Eingangsebene beherbergt alle Funktionsbereiche, die nicht unmittelbar zum Pflegebereich gehören, wie Tagesbetreuung und -pflege, Küche und Büros. Die Ebenen 1 und 2 bilden die eigentlichen Pflegegeschosse. Jedes Zimmer hat einen eigenen Sanitärbereich. Im südlichen Teil lassen sich zwei Einzelzimmer zu einer Pflegewohnung zusammenfassen. Die Hanglage wird sehr schön genutzt, indem die Bewohner von der ersten Ebene zu einem geschützten Freibereich gelangen können.

 

Stadtteilraum

Der Stadtteilraum „der Erna-Beck-Saal“ liegt zwischen Pflegeheim und Seniorenwohnanlage. Als architektonisches Element bleibt er aber im Hintergrund. Mit seinen 126 m2 kann er von weiteren Personenkreisen – zum Beispiel Vereinen – genutzt werden. Auf diese Weise ist ein kommunikatives Miteinander zwischen den Nutzern der Anlage und denen des Stadtteils möglich. Falls eine größere Feier ansteht, kann der Saal mit dem Gemeinschaftsraum der Seniorenwohnanlage zu einer großen Halle verbunden werden.

 

Kindergarten

Bei der 414 m2 großen Tageseinrichtung für 40 Kinder handelt es sich um einen zweigruppigen Kindergarten mit einer kleinen Küche und Nebenräumen. Er liegt als freistehender Kubus vis-á-vis dem Pflegeheim an der nördlichen Seite des gemeinsamen Platzes. Allein schon durch diese ausgesuchte Lage werden Kontakte zwischen Jung und Alt gefördert, die sich in regelmäßigen Besuchen der Kinder in der Pflegeeinrichtung und Seniorenwohnanlage festigen. Der Kindergarten besteht aus zwei nahezu identischen Ebenen, die durch einen Aufzug rollstuhlgerecht verbunden sind. Großzügige Lufträume verbinden die Geschosse. Sie sorgen dafür, dass auch die schwierig zu belichtenden Aufenthaltsräume über teilweise verglaste Innenwände von der transparenten Eingangsfassade und dem Oberlicht profitieren. Über einen Balkon im Obergeschoss können die Kinder direkt ins Freie gelangen.

 

Seniorenwohnen

Die 3.474 m2 große Seniorenwohnanlage umfasst zwanzig 58 m2 bis 80 m2 große Eigentumswohnungen und 21 seniorengerechte Mietwohnungen, deren Größen zwischen 51 m2 bis 64 m2 liegen. Das Quar-
tier bietet betreutes Wohnen und ist ganz auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Über Aufzüge mit rollstuhlgerechter Ausstattung und temperierte Flure können alle Wohnungen mühelos erreicht werden. Zu jeder Wohnung gehört ein Balkon mit einem ebenen Ausgang. Architektonisch versprüht die Anlage Un-
abhängigkeit, Selbstbestimmung, Lebenslust und Wohnkultur. Sie bietet älteren Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben.

 

Bautechnik

Konstruktiv setzten die Architekten auf nachhaltige Bautechniken sowie -materialien. Ökonomische, ökologische und soziokulturelle Qualitäten standen im Mittelpunkt. So sind alle Häuser in Massiv-
bauweise aus Kalksandstein von KS-Original erstellt worden. Die solide Kalksandstein-Konstruktion (KS-Funktionswand) gewährleistet erhöhten Schallschutz, hohe Wärmespeicherfähigkeit und somit ein ange-
nehmes Raumklima. Unter dem ökolo-
gischen Gesichtspunkt bietet Kalksandstein ganzheitliche Sicherheit. Zum Beispiel wird er als umweltfreundlicher Wandbaustoff für alle Außen- und Innenwände seit mehr als einhundert Jahren ausschließlich aus den natürlichen Rohstoffen Kalk, Sand und Wasser hergestellt, nach einem alten und einfachen Rezept und frei von chemischen Zusätzen.


Fassaden

Die Fassaden sind vollflächig als Wärmedämmverbundsystem auf Kalksandsteinmauerwerk, System KS Plus, ausgeführt. Sie wurden teils verputzt und teils farbig gestrichen. Das farbige Wechselspiel verleiht der Anlage ein ganz besonderes Ambiente. Es vitalisiert die sowieso schon dynamische Architektur und sorgt für eine lebendige Ausstrahlung, die vom Gebäudekomplex angenehm nach außen verbreitet wird.

 

Energiesparen

Energiesparen und das Vermeiden von Treibhausgasen sind weitere zentrale Themen der Nachhaltigkeit. Mit ihrer flexiblen Dämmung, die das ganze Haus umhüllt, trägt die KS-Funktionswand diesem Kriterium Rechnung. Sie erfüllt problemlos alle Anforderungen an einen zukunftssicheren Wärmeschutz, bis hin zum Passivhausniveau. Wärmebrücken werden mit einfachen Detaillösungen sicher  reduziert.  Wärmeverluste sind auf ein absolutes Minimum begrenzt.


Funktionswand

Ein weiteres energetisches Kriterium der KS-Funktionswand ist ihre hohe Wärmespeicherfähigkeit. Die Vorteile sind insbesondere im Zusammenhang mit dem winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz und der zeitlichen Phasenverschiebung Wärmeaufnahme-Wärmeabgabe zu sehen. Kalksandsteine, die als Innen- und Außenmauerwerk verwendet wurden, nutzen mit ihrer hohen Wärmespeicherfähigkeit die passiv vorhandene Wärme. Der Raumluft wird überschüssige Wärme entzogen, indem sie in den KS-Wänden gespeichert wird. Erst am Abend, bei sinkenden Temperaturen und sich abkühlenden Räumen, wird die gespeicherte Wärme von den Kalksandsteinwänden wieder abgegeben und die Räume werden ohne Heizung „beheizt“.


Bautechnik

Im Sommer sind die Zimmer durch diesen Effekt angenehm kühl. Heizzeiten werden verkürzt und solare Wärmegewinne sinnvoll genutzt. Das spart Kosten und wertvolle Energie, ohne dass sich die Bewohner einschränken müssen. Im Gegenteil. Die von der Kalksandsteinwand abgegebene Strahlungswärme schafft ein konstant behagliches Raumklima in den Gebäuden.

 

Thema Schallschutz

Generationsübergreifendes Wohnen und Leben hat den großen Vorteil einer abwechslungsreichen Freizeitgestaltung und einer aktiven Teilnahme am Leben. Allerdings kann es ohne entsprechende Schallschutzmaßnahmen auch zu Lärmbeläs-
tigungen führen. Kalksandsteine besitzen durch ihre hohen Rohdichten den bekannten Premium-Schallschutz für Ruhe und entspanntes Wohnen – ohne Lärmbelästigungen von Straße oder Nachbarn.

[www.ks-original.de]


Dipl.- Ing. Bernd Niebuhr,

Fachjournalist,

Hannover

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 05/2010

Endlich Frühling am Bau

Liebe Leserin, lieber Leser, für die Ihnen heute vorliegende Mai-Ausgabe von baumarkt+bauwirtschaft haben wir versucht, einen bunten und interessanten Frühlingsstrauß von Themen und Artikeln zu...

mehr
Ausgabe 04/2017

Dannstadt hat den Bogen raus

Innenhof von Senioren-Wohnstift anspruchsvoll gestaltet

Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl pflegebedürftiger Menschen von heute etwa 2,2 Millionen bis zum Jahre 2050 auf insgesamt 4,6 Millionen Menschen ansteigen wird. Für deren Unterbringung...

mehr
Ausgabe 08/2020

Optisch und technisch überzeugend

Neuer Rathausplatz in Remchingen
F?r die befahrenen Fl?chen rund um das neue Rathaus in Remchingen verwendeten die Planer das Pflastersystem Combistabil Natura.

Das neue Rathaus wurde auf einem exponierten Grundstück zwischen der Bundesstraße B10 und dem Grünraum von Schlossbad und Pfinz als neue Mitte für Begegnung und Kommunikation konzipiert. Seine...

mehr