Volle Auftragsbücher – und trotzdem Geldsorgen?

So entkommen Bauunternehmen der Zahlungsfalle

Selbst bei vollen Auftragsbüchern kann es zu Liquiditätsengpässen kommen – etwa durch hohe Fixkosten, gebundenes Kapital oder verspätete Zahlungen. Unerwartete Ausgaben wie Reparaturen oder Steuernachzahlungen verschärfen die Situation zusätzlich.

Was oft übersehen wird: Schlechte Liquidität hat nicht nur externe Ursachen – auch ineffiziente interne Abläufe spielen eine zentrale Rolle. Schwachstellen in Prozessen lassen sich durch gezielte Digitalisierung intern beheben – und so Liquiditätsprobleme wirksam vermeiden.

 

Barometer weist Negativtrend auf

Laut dem Atradius-Zahlungsmoralbarometer 2025 berichten 60 Prozent der befragten Bauunternehmen von einer Verschlechterung der Zahlungsmoral. Zwei Drittel ihrer offenen B2B-Rechnungen seien überfällig – nicht, weil Kunden zahlungsunwillig sind, sondern weil die Abrechnungen zu spät erfolgen.

Frank Liebold, Deutschland-Chef von Atradius, bringt es auf den Punkt: „Die Zahlungsprobleme in der Bauwirtschaft sind nicht allein ein Problem der Liquidität, sondern auch ein Problem der späten Buchhaltung.“

In vielen Fällen liegt die Ursache also nicht am fehlenden Geld der Kunden, sondern an internen Schwächen: Rechnungen werden verspätet oder gar nicht gestellt. Zeitmangel, unklare Prozesse und Medienbrüche zwischen Baustelle und Büro führen dazu, dass finanzielle Mittel nicht rechtzeitig fließen. Angesichts steigender Zinsen, sinkender Margen und wachsender regulatorischer Anforderungen – etwa durch ESG-Vorgaben oder die EU-Taxonomie – entsteht ein gefährlicher Liquiditätsdruck.

Verspätete Zahlungen

„Das Problem ist häufig hausgemacht und liegt zwischen Baustelle und Buchhaltung“:

Hohe Zinsen und verspätete Zahlungseingänge setzen die Baubranche unter Druck. Doch oft ist die größte Gefahr für die eigene Liquidität hausgemacht. Fabian Haasis, CFO bei dem Bausoftware-Anbieter Nevaris, erklärt im Gespräch die unterschätzten Risiken im eigenen Unternehmen und wie digitale Prozesse finanzielle Stabilität schaffen.

 

Herr Haasis, die Zahlungsmoral auf dem Bau gilt als schlecht. Ist das die größte Gefahr für die

Liquidität der Unternehmen?

Wir sehen eindeutig, dass Zahlungsziele ausgereizt und oft überreizt werden. Das ist ein enormes externes Risiko, besonders heute, wo Kredite teuer sind. Liquiditätsmanagement ist daher ein absolut strategisches Thema geworden. Die eigentliche Schwachstelle, auf die Unternehmen aber direkten Einfluss haben, befindet sich oft an einem früheren Zeitpunkt im Prozess.

 

Sie sagen, das Problem ist oft hausgemacht.

Wo genau liegt diese Schwachstelle?

Das größte Problem liegt im Graubereich zwischen der Leistungserbringung auf der Baustelle und der Rechnungsstellung in der Buchhaltung. Im Bau muss vieles zusammenkommen, bevor eine Rechnung geschrieben werden kann: Aufmaße, Teilabnahmen, Dokumentationen. Diese Informationen wandern oft noch per Zettel, Excel-Tabelle oder WhatsApp-Foto von der Baustelle ins Büro. Das ist langsam und fehleranfällig. Diese Verzögerung ist die Zeit, in der das Unternehmen eine Leistung erbracht hat, aber noch kein Geld dafür fordern kann. Das ist pures, selbst finanziertes Risiko.

Welche Folgen hat diese interne Verzögerung?

Sie ist fatal. Jedes Unternehmen hat laufende Verbindlichkeiten. Wenn man wochenlang in Vorleistung geht, weil die internen Prozesse die Rechnungsstellung ausbremsen, muss dieses Geld teuer finanziert werden. Dazu kommt der Dominoeffekt: Wenn das eigene Geld fehlt, können Subunternehmer nicht bezahlt, Material nicht bestellt und Löhne nicht pünktlich überwiesen werden. Im schlimmsten Fall gefährdet eine langsame interne Abwicklung den Baufortschritt und führt in die Zahlungsunfähigkeit – noch bevor der Kunde überhaupt in Verzug geraten ist.

 

Wie können Unternehmen gegensteuern und

ihre Prozesse zukunftssicher machen?

Der wichtigste Schritt ist, vom Reagieren ins Agieren zu kommen. Unternehmen müssen ihre Prozesse verschlanken und digitalisieren. Die Lösung ist eine digitale Brücke zwischen Baustelle und Büro. Die Leistung wird vor Ort mobil erfasst, zum Beispiel mit 123erfasst, und die Daten fließen ohne Zeitverlust direkt in die kaufmännische Software, wie Nevaris Build, wo sie sofort für die Rechnungsstellung bereitstehen. So wird die kritische Zeitspanne auf ein Minimum reduziert.

 

Was wäre Ihr wichtigster Tipp für den Start?

Gehen Sie mit Augenmaß vor und digitalisieren Sie Stück für Stück. Der erste Schritt ist immer die Datengrundlage. Wenn Sie bereits gute Daten haben, fangen Sie an, diese zu nutzen und auszuwerten. Wenn nicht, arbeiten Sie zuerst an der Datenqualität. Ein kleiner, sauberer digitaler Prozess ist wertvoller als ein großes, unvollendetes Projekt. Es geht darum, die Kontrolle über die eigenen Finanzen zurückzugewinnen, und das beginnt mit sauberen, schnellen internen Abläufen.

 

Nevaris Bausoftware GmbH

www.nevaris.com

Vier Tipps für eine verbesserte Liquidität

Baustelle & Büro vernetzen, um Rechnungen zügig zu stellen

Stoppen Sie den Datenstau! Viele Verzögerungen entstehen, weil wichtige Infos (Aufmaße, Abnahmen, Nachträge) zwischen Baustelle und Buchhaltung verloren gehen oder zu langsam ankommen. Schaffen Sie einen direkten, digitalen Kanal. So können Rechnungen sofort erstellt werden, statt auf Zettel oder Fotos zu warten.

Schluss mit der Zettelwirtschaft

Weg von Excel-Listen, WhatsApp-Fotos und Notizzetteln! Manuelle Schritte sind Zeitfresser und Fehlerquellen. Nutzen Sie mobile Apps, um Daten direkt auf der Baustelle zu erfassen und nahtlos ins kaufmännische System zu übergeben. Das strafft Abläufe, minimiert Fehler und bringt Ihr Geld schneller aufs Konto.

Liquidität aktiv steuern

Blindflug war gestern. Nur mit präzisen Daten erkennen Sie Risiken frühzeitig. Beginnen Sie damit, die Qualität Ihrer erfassten Informationen zu sichern. Sobald die Basis stimmt, nutzen Sie Schlüsselkennzahlen wie die Forderungslaufzeit (DSO), um Ihre Liquidität vorausschauend zu planen und gezielt zu optimieren.

Kleine Schritte, große Wirkung

Sie müssen nicht alles auf einmal umkrempeln. Wählen Sie einen Bereich, der den größten Schmerzpunkt behebt oder schnell sichtbare Erfolge bringt. Digitalisieren Sie schrittweise. Ein einzelner, reibungsloser digitaler Prozess ist wertvoller als ein halbfertiges Großprojekt. So bauen Sie Vertrauen auf und sichern nachhaltig Ihre Finanzen.

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