Schneller bauen mit Fertigteilen

Eisenbahnüberführung bei Steinfurt

Um den Bahnverkehr so wenig wie möglich zu stören, setzten die Ingenieure beim Ersatzneubau der Eisenbahnüberführung nahe des Haltepunktes Grottenkamp in Steinfurt-Borghorst auf Rahmenfertigteile aus Stahlbeton.

Auf der Bahnlinie Münster-Enschede verkehren Züge der DB-Regio. Das Anlagen- und Projektmanagement der DB Netz AG entschied, die Bahnüberführung bei Steinfurt im Nordwesten von NRW komplett zu erneuern. Ein Planungsansatz sah es vor, die neuen Stahlbeton-Halbrahmen örtlich herzustellen und mit Hilfe eines Querverschubs von der Seitenlage in die spätere Endlage zu versetzen. Hierfür wären mehrere Sperrpausen erforderlich gewesen: Zuerst hätte ein Verbau errichtet werden müssen. Danach wäre die Gleisanlage demontiert und eine Hilfsbrücke errichtet worden. Schließlich hätte man den vor Ort gebauten Halbrahmen eingeschoben und die Hilfsbrücke wieder abgebaut.

Eine statt drei Sperrpausen

Um den Bahnverkehr so wenig wie möglich zu stören, sind die Sperrzeiten, so gering wie möglich zu halten. Bei der herkömmlichen Bauweise werden die Bauteile vor Ort betoniert und verschoben. Die Projektingenieure suchten daher nach praktikablen Lösungsalternativen, die die Bauzeit reduzieren.

Jan Reiker von der DB Netz AG über das Projekt: „Die ausführende Baufirma hat uns eine Alternativlösung vorgeschlagen, bei der wir über die gesamte Bauzeit mit nur einer Sperrpause ausgekommen sind.“ Demnach wurde das komplette Bauwerk in nur zehn Stunden als Bausatz aus Fertigteilen auf die Baustelle geliefert und zusammengebaut. Insgesamt 17 Bauteile der Firma Kleihues Betonbauteile GmbH & Co. KG mit einer maximalen Breite von 4,80 Meter und einer maximalen Länge von 8,25 Meter sowie einem Einzelgewicht von bis zu 50 Tonnen wurden mit einem schweren Mobilkran an Ort und Stelle versetzt. Nach dem Versetzen wurden die Profile mit einem 2-Komponenten-Epoxidharzmörtel verklebt, miteinander verspannt und kraftschlüssig für den Endzustand eingebaut. Die Verspannung der Fertigteile erfolgte hierbei durch ein Stabspannsystem 32 WR im Verbund.

Verzicht auf Hilfsbrücken und Verbaue

Jan Reiker fährt fort: „Ein großer Vorteil dieser Bauweise besteht darin, dass wir die Fertigteile unmittelbar nach dem Einbau wieder hinterfüllen und die Gleise wieder draufsetzen konnten. Aufwändige Hilfsbrücken und Verbaue benötigten wir nicht.“

Reduktion möglicher Fehlerquellen

Dipl. Ing. Paul-Martin Großkopff, Geschäftsführer Kleihues, erwähnt einen weiteren Vorteil: „Fertigteile werden unter kontrollierten Bedingungen und laufenden Qualitätskontrollen im Werk produziert. Man erreicht damit eine oft bessere Betonqualität, die auch optische Vorteile bietet. Ebenso führt die Reduktion der Arbeitsschritte zu einer Vereinfachung des gesamten Vorhabens und zu einer Reduktion möglicher Fehlerquellen.“

Kleihues Betonbauteile GmbH & Co. KG

www.kleihues-beton.de

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