„Ein sehr nachhaltiges Thema“

Gebäudelösungen für jeden Bedarf

THIS im Gespräch mit Silvia Matschke, Mitinhaberin und Mitglied der Geschäfts-leitung der Fagsi Vertriebs- und Vermietungs-GmbH, zu den Produktlinien, den

Gestaltungsmöglichkeiten mit Containern und nachhaltigen Gebäudemodellen.

THIS: Fagsi ist einer der führenden Anbieter für Containergebäude. Welcher Grundgedanke liegt hinter der Containerbauweise?

Silvia Matschke: Das Konzept zeigt sich sehr gut an dem Projekt Munich International School, das mit Fagsi-Containern realisiert wurde. Ursprünglich wurden die Container für die Messe bauma in München gebaut – sie waren dort unser Messestand. Nun stehen sie, frisch aufbereitet und für ihren neuen Einsatz ausgerüstet, als zweigeschossige Schulbibliothek in Starnberg.

Man kann die Elemente nicht nur für einen Einsatz, nicht nur für eine Aufgabe verwenden. Nach einem abgeschlossenen Einsatz holen wir die Container zurück, arbeiten sie auf und nutzen sie weiter.

THIS: Dann spielt das Thema Nachhaltigkeit in Ihrer Unternehmensphilosophie eine große Rolle?

Silvia Matschke: Definitiv. Die Container aus unserem Mietpark werden ja nur für einen beschränkten Zeitraum vermietet. Braucht der Kunde sie nicht mehr, holen wir sie in eine unserer Niederlassungen zurück. Dort werden sie für ihre nächste Aufgabe vorbereitet und etwa als Schule, Kindergarten oder Büro eingesetzt.

Containerbau ist natürlich ein sehr nachhaltiges Konzept, da die Elemente immer wieder eingesetzt werden können. Wir haben 25.000 Container im Einsatz, die fast alle miteinander kompatibel sind. Das macht dieses System auch aus.

THIS: Was ist das größte Projekt, welches Sie bislang betreut haben?

Silvia Matschke: Wir haben einige große Projekte, zum Beispiel die Hochschule Ruhr West in Mülheim an der Ruhr. Aufgrund des drastischen Anstiegs der Studentenzahlen musste Vieles ausgelagert werden. In nur zehn Wochen Bauzeit stellten wir vier neue Hörsäle, eine Mensa mit voll funktionsfähiger Küche, eine Bibliothek sowie Seminar-, Büro- und Besprechungsräume fertig – so schnell lässt sich das mit anderen Bauweisen nicht realisieren. Außerdem liefern wir viele große Gebäude für Airbus. Dort gibt es immer wieder zeitlich begrenzte Projekte, wenn etwa ein neues Flugzeugmodell in der Entwicklung ist. Für diesen Zeitraum stellt Airbus Mitarbeiter ein, für die wir mit unseren hochwertigen temporären Bürogebäuden eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen.

THIS: Sie haben nicht nur Kunden aus dem öffentlichen Sektor?

Silvia Matschke: Nein. Zu unseren Kunden gehören auch viele großen Unternehmen, zum Beispiel Automobilfirmen, aber auch Unternehmen hier aus dem Nachbarort, die ein Büro angebaut haben. Wir bauen Büros, Kindergärten, Schulen und Wohneinheiten beispielweise für Studenten. Für die Bereitschaftspolizei in Dachau haben wir eine große Unterkunftsanlage mit Schulungsräumen fertiggestellt. Wir sind eben nicht von einer Branche abhängig, sondern können für jeden, der in irgendeiner Art und Weise Raum braucht, Lösungen anbieten.

THIS: Wie stellen Sie Ihre Mietcontainer her?

Silvia Matschke: Fagsi lässt in Deutschland produzieren. Unsere Schwesterfirma ProContain ist der Hersteller der Container. Ein Produktionsstandort ist in Lichtenberg, ein anderer in Sörnewitz bei Dresden.

THIS: ProContain ist also der Hersteller der Grundgerüste?

Silvia Matschke: Ja. Wenn wir für einen Großauftrag neu produzieren lassen, weil wir die benötigte Stückzahl auf der Lagerfläche nicht zur Verfügung haben, investieren wir in unseren Mietpark. Dann baut ProContain die Produkttypen, die aus unserer Erfahrung immer wieder eingesetzt werden. Diese kauft Fagsi. Wir geben sie in den Mietpark und stellen sie dann in den Niederlassungen für den nächsten Einsatz zusammen.

THIS: Sind Kunden in der Gestaltung der Containergebäude

eingeschränkt?

Silvia Matschke: Die Wirtschaftlichkeit unserer Containerbauweise beruht auf der Standardisierung. Dies bedeutet, dass wir im Standard bewährte Fassaden, Fenster und Materialien im Innenausbau einsetzen. Dennoch können wir auf Kundenwunsch und gegen Aufpreis jede Art von Fenster einbauen, jede Art von Bodenbelag, Wandbelag, Innenwände – all das, was man konventionell auch machen kann. Die Kunden müssen sich nur im Vorfeld entscheiden, wohin welches Zimmer, welcher Raum und welche Tür soll. Umso besser können wir planen, und umso besser ist die serielle Fertigung im Werk möglich.

Wir arbeiten nach dem Lego-Prinzip: Wir fertigen diese einzelnen „Bausteine“ vor und setzen sie vor Ort zusammen. Wir können auch fast beliebige Grundrisse erzielen.

Unsere Kunden haben direkt eine trockene und geschlossene Baustelle – also eine geschlossene Hülle. Das bedeutet für die Subunternehmer an der Baustelle ein bequemes Arbeiten in geschlossener und warmer Umgebung.

THIS: Sie sprechen von den Handwerkern im Innenausbau?

Silvia Matschke: Bei Einzelcontainern als geschlossenen Einheiten wird alles im Werk komplett eingebaut. In der Regel erstellen wir aber ja ganze Gebäude, bei denen sich Räume über mehrere Container erstrecken können. Daher wird beispielsweise für ein Großraumbüro der Boden vor Ort verlegt, denn sonst gäbe es unschöne Übergänge zum nächsten Container. Dann ist ein großer Vorteil, dass man alle Arbeiten zeit- und kostengünstig von den herrschenden Wetterbedingungen entkoppelt durchführen kann.

THIS: Worin liegt der Unterschied zur Modulbauweise?

Silvia Matschke: Im Gegensatz zum dauerhaften Modulbau, der eine Alternative zum Massivbau darstellt, ist der Containerbau auf eine temporäre Nutzung ausgelegt – auch wenn diese durchaus mehrere Jahre umfassen kann.

Rein optisch erkennt man Container daran, dass sie im Standard eine sichtbare Stahlrahmenkonstruktion mit einer Blechfassade haben. Bei Containern, die für einen längeren Zeitraum stehen sollen, spielen optische Aspekte eine größere Rolle. Dann können wir die Container typenabhängig beispielsweise durch eine individuelle Farbgestaltung oder Kassettenfassade optisch aufwerten. Container besitzen immer dieselben Abmessungen, sodass wir sie immer wieder miteinander kombinieren können, da sie, wenn sie nach einem Einsatz zu uns zurück kommen, entkernt, renoviert und für den Einsatz in einem neuen Gebäude aufbereitet werden.

THIS: Ein geschlossener Kreislauf also. Wie unterscheiden sich Ihre einzelnen Produktsparten?

Silvia Matschke: Wir haben verschiedene Produktreihen. Zum einen den Basic-Container, den wir bereits seit 40 Jahren im Umlauf haben. Das ist ein normaler Standardcontainer, aus dem große Baubüros, aber auch Interimsschulen und -kitas erstellt werden können.

Darüber hinaus haben wir mit dem ProLife und ProEnergy auch noch hochwertigere Linien. Die haben zwar auch einen sichtbaren Rahmen und Blechfassade, aber eben keinen Baucontainercharakter. Und sie erfüllen eben andere Energievorgaben, so dass diese Container auch für längere Einsatzzeiten geeignet sind.

THIS: Wie sieht es mit Vorgaben zu den Bereichen

Brandschutz, Schallschutz und Wärme aus?

Silvia Matschke: Die gelten natürlich auch für uns. Wir müssen sie genauso einhalten wie der konventionelle Baubereich.

THIS: Gilt das auch für befristete Mietobjekte?

Silvia Matschke: Ja, dafür haben wir die verschiedenen Produkt-reihen. Der Standard hat natürlich eine andere Ausstattung als ein Energy-Gebäude. Das richtet sich immer danach, wie lange die Kunden unsere Container nutzen wollen.

THIS: Wie flexibel sind Kunden mit Mietcontainern?

Silvia Matschke: Sie sind flexibler als bei anderen Bauverfahren. Unsere Kunden haben den Vorteil, dass sie bei Bedarf die Gebäude wieder auseinandernehmen, versetzen oder ganz zurückbauen können. Sollte die vorhin angesprochene Bereitschaftspolizei ihr Gebäude nicht mehr in Dachau benötigen, dann könnte sie es auch beispielsweise in München oder in Augsburg aufstellen.

THIS: Wieder nach dem Lego-Prinzip?

Silvia Matschke: Ja, genau. Es müssten natürlich wieder kleinere Anschlussarbeiten gemacht werden, wie zum Beispiel den Fußboden aufschneiden und neu verlegen. Im Prinzip kann man die Container wieder auf einen Lkw stellen, abtransportieren und an einem anderen Ort erneut aufstellen. Außerdem kann man die Zahl der Container verkleinern oder noch aufstocken, je nachdem, wie der Bedarf ist und was gebraucht wird. Oder der Produktkreislauf schließt sich und die Container kehren zu uns in den Mietpark zurück, um an anderer Stelle wieder in Umlauf zu kommen.

Fagsi Vertriebs- und Vermietungs-GmbH

www.fagsi.com

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