Schallschutz an der Bahntrasse
Ein neues Quartier trotzt des LärmsEin altes, versiegeltes Gewerbegelände, untermalt vom Lärm einer Bahnstrecke, war die Ausgangslage für die Planung des Geländes in Hannover-Burg. Aus den komplexen Rahmenbedingungen ist das neue Wohnquartier Gretelriede entstanden, dessen Freiraum eine hohe Aufenthaltsqualität bietet.
Ein neues Stück Stadt mit bezahlbarem Wohnraum zu schaffen und dieses an einen Freiraum anzubinden, der mehr ist als nur dekoratives Grün – mit dieser Zielsetzung ging die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen an die Entwicklung des Grundstücks in Hannover-Burg. In einem Prozess, der sich über zehn Jahre zog, schufen Architekt Julius Blencke und sein Team von pk nord aus Hannover hier ein Wohnquartier mit 136 Wohneinheiten, die sich auf fünf Baukörper verteilen.
Planen im Spannungsfeld
In dem neu zu schaffenden Quartier in Hannover-Burg trafen mehrere erschwerende Rahmenbedingungen zusammen: Das Areal liegt eingekeilt zwischen einer stark frequentierten Bahntrasse und einer heterogenen Nachbarschaft auf einem dreieckigen Baufeld. Zudem musste das Grundstück vor dem Bau des neuen Wohnviertels von Altlasten befreit werden. Übrig blieb ein stark versiegelter Boden mit hohem Grundwasserspiegel. Hinzu kam eine erhebliche Schallbelastung durch den benachbarten Bahnverkehr.
Auf den Lärm des Bahnverkehrs reagierte pk nord mit einen mehrgeschossigen Wohnriegel, der parallel zu den Schienen verläuft und den Lärm – wie eine schützende Kante – vom restlichen Quartier abschirmt. Auch die Planung der Wohnungen innerhalb des Riegels wurde den örtlichen Gegebenheiten angepasst: So sind die Aufenthaltsräume in den Wohnungen der oberen drei Geschosse zum Quartiersinneren hin angeordnet, während sich Bad, Küche und Flur auf der Seite der Bahntrasse befinden. Aufgrund der bestehenden Schallschutzwand an der Bahnstrecke konnten das Erd- und das erste Obergeschoss freier gestaltet werden. Das Ergebnis: Maisonette-Wohnungen mit einer großen privaten Außenfläche.
Freiraum als Mittelpunkt
Möglich wurde dies durch den kreativen Umgang mit den herausfordernden Bedingungen. Eine Tiefgarage und Unterkellerung wären aufgrund des hohen Grundwasserspiegels aufwendig und kostenintensiv gewesen. Aus diesem Grund wurde eine erdgeschossige Garage geschaffen, deren Dach einen begrünten Innenhof ausbildet und gleichzeitig Raum für die Terrassen der Maisonette-Wohnungen im ersten Obergeschoss bietet.
Neben dem Wohnriegel befinden sich drei weitere Solitärbauten sowie eine Reihenhauszeile, die sich um einen zentralen Freiraum gruppieren. Die privaten Außenräume der meisten Wohnungen und Häuser sind dabei so angeordnet, dass sie einen direkten Ausblick auf diesen Freiraum eröffnen. „Das ist ein Faktor, der den Außenraum belebt, an dem man mit Nachbar:innen in Kontakt kommt“, betont Blencke.
Wohnen um eine gemeinsame Mitte
Getragen wird dieser bauliche Ansatz von dem Freiraum, der aus den verschiedenen Bauten ein zusammenhängendes Quartier entstehen lässt. Für die Umsetzung musste der Boden entsiegelt und neu bepflanzt werden. Sitzgelegenheiten, Spielplätze und Sportgeräte machen die Mitte zum sozialen Ankerpunkt für das Quartier und die umliegende Nachbarschaft. Abgerundet wird dieses Angebot durch den Quartierstreff, den die Anwohner:innen gegen eine kleine Gebühr für Treffen oder Feiern nutzen können.
Eine massive Bauweise als konstruktive Strategie
Konstruktiv setzte pk nord auf eine massive Bauweise mit Kalksandstein. Entscheidend bei der Auswahl dieses Baustoffs waren der Schallschutz, die Langlebigkeit des Materials und die bauphysikalischen Vorteile des weißen Wandbildners im Wohnungsbau. „Der massive Aufbau hilft uns beim Schallschutz – der war hier ein entscheidendes Thema“, wie Architekt Blencke betont. Durch seine hohe Rohdichte und Steindruckfestigkeit ermöglicht Kalksandstein von KS-Original schlanke und statisch hochbelastbare Wandkonstruktionen mit hervorragenden Schallschutzeigenschaften, die in diesem Quartier an der Bahntrasse unabdingbar sind.
Kalksandstein besteht zudem ausschließlich aus den natürlichen Materialien Kalk, Sand und Wasser. Somit ist der Baustoff schadstofffrei und trägt zu einem angenehmen und gesunden Raumklima bei, was besonders beim mehrgeschossigen Wohnungsbau bedeutend ist.
Da die Bauherrin des Bauvorhabens Gretelriede eine Wohnungsgenossenschaft ist, spielte neben den funktionalen und qualitativen Anforderungen insbesondere auch die Wirtschaftlichkeit eine zentrale Rolle. Vor diesem Hintergrund fiel die Wahl auf das Bausystem KS-Plus. Die Kalksandsteine werden im Werk vorgefertigt, vorkonfektioniert und als Großformate an die Baustelle geliefert. Sägearbeiten auf der Baustelle entfallen, wodurch auch Staub sowie unnötiger Abfall vermieden werden. Wandabwicklungspläne ermöglichen die einfache Zuordnung der maßgefertigte Wandbausätze, die bedarfsgerecht „just-in-sequence“ auf die Baustelle geliefert und vor Ort mit einem einfach zu bedienenden Versetzgerät verarbeitet werden.
Energie, Ökologie und Dauerhaftigkeit
Auch in anderen Bereichen setzte das Architekturbüro auf ökologische Vorteile: Das Quartier erfüllt den KfW-55-Standard und ist ans Fernwärmenetz angeschlossen. PV-Anlagen unterstützen die Stromversorgung. Durch die robuste Materialwahl, die massive Bauweise und eine bewusst reduzierte Gebäudetechnik entstand eine langlebige, wartungsarme und wirtschaftliche Konstruktion.
Die intensive Planung berücksichtigte die örtlichen Gegebenheiten und entwickelte daraus eine qualitätsvolle, durchdachte architektonische Lösung – mit differenzierten Gebäudetypologien und der bewussten Gestaltung des Freiraums. Exemplarisch steht das Quartier „Gretelriede“ für einen Wohnungsbau, der auf belastbare und dauerhaft tragfähige Lösungen im städtischen Kontext setzt.
KS-Original GmbH
www.ks-original.de
