Rohbau in Rekordzeit

Komplexe Geometrien erfolgreich umgesetzt

Schräge Außenwände, Hohlkörper zur Reduktion des Betonverbrauchs und besonders hohe Taktungen: Der nachhaltig konzipierte Neubau von Häfele in Nagold stellte hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Dank der flexiblen und belastbaren Schalungslösungen der Ulma Construction GmbH, Rödermark, konnte die Ed. Züblin AG, Stuttgart, den Rohbau dennoch in Rekordzeit fertigstellen.

Der multifunktionale Gebäudekomplex am Schwarzwälder Stammsitz von Häfele, einem Spezialisten für Möbel- und Baubeschläge sowie Beleuchtung, vereint moderne Logistik, Ausstellungsflächen und Gemeinschaftsbereiche. Ein besonders markantes Merkmal des Neubaus ist der rund 50 Meter hohe Turm, der über stark geneigte Außenwände mit einem Neigungswinkel von 70 Grad verfügt.

Flexibilität und Arbeitssicherheit im Einklang

Für die Herstellung der geneigten Wände des Turms kamen die konfigurierbare Kletterkonsole BMK und die einseitig zu verankernde Rahmenschalung Batek zum Einsatz – eine optimale Kombination, um die für die außergewöhnliche Architektur notwendige Flexibilität mit maximaler Arbeitssicherheit zu verbinden. „Aufgrund der einseitig von innen bedienbaren Anker musste im Außenbereich niemand auf die Schließschalung zugreifen. Das Klettersystem BMK ist speziell für geneigte und gekrümmte Wände konzipiert und lässt sich flexibel an die Gegebenheiten anpassen“, betont Ulma-Projektleiter Max Hannawiya.

Technisch anspruchsvoll war das Herausziehen der Schalung über die insgesamt rund 1.500 Quadratmeter geneigten Wände. Besonders knifflig war zudem die Herstellung einer runden Stütze in der Tief-garage, die in die schräge Wand eingebettet wurde. Oberpolier Andreas Schnaible von der Ed. Züblin AG erklärt: „Die runde Stütze tritt unten etwa 50 Zentimeter senkrecht aus der schrägen Wand hervor. Zunächst wurde die Stütze errichtet und anschließend die schräge Wand dagegengesetzt. Ulma fertigte dafür eine CAD-basierte Sonderschalung in elliptischer Form.“

Auch die Geschossdecken wurden individuell geplant und mit Deckentischen MK hergestellt. Jede Decke erforderte einen eigenen Einsatzplan, um die Sonderanforderungen zu erfüllen.

„Wie ein Uhrwerk“

Ursprünglich waren zwischen elf und 14 Tage pro Stockwerk vorgesehen. Dank optimierter Prozesse konnte die Bauzeit jedoch auf fünf bis sieben Tage reduziert werden. Bauleiter Fabian Hartmann von der Ed. Züblin AG: „Alles hat funktioniert wie ein Uhrwerk. Das Konzept ist voll aufgegangen. Durch den Lerneffekt konnten wir in den oberen Etagen sogar eine Fertigungszeit von unter einer Woche erreichen.“

In allen Geschossdecken des Turms wurden Hohlkörper zur Reduktion des Betonverbrauchs integriert, wodurch rund 160 Kubikmeter Beton eingespart wurden. Die exakte Positionierung der Einbauteile erforderte eine besonders präzise Schalungsplanung.

Hohe Taktung von 9,30 Meter

Auch bei den Logistikbereichen konnte die Ed. Züblin AG die Bauzeiten optimieren. Anstelle von fünf Takten mit jeweils 5 bis 6 Meter Höhe stellten die Mitarbeiter die Kernschalung mit Orma in den Treppenhäusern auf drei Takte à circa 9,30 Meter Höhe um. Möglich wurde dies durch die hochtragfähige Ulma-Schachtbühne KSP, die zeitweise Lasten von bis zu 7,5 Tonne trug. Die geschossübergreifende Betonage reduzierte Rüstzeiten und verbesserte gleichzeitig das Fugenbild, das den Sichtbetonstandard SB 3 erfüllt.

Ähnliche Effekte erzielte der Bau des Turms durch den Einsatz der Rahmenschalung Batek, die mit weniger Ankerstellen auskommt und somit die Betonoberflächenqualität erhöht.

Eine Besonderheit gab es an den Außenwänden der Tiefgarage: Die Wände wurden gestockt – nicht manuell, sondern mit einem Stockroboter. Dafür war ein exakt geplantes Fugenbild erforderlich. Nach Fertigstellung der Rohbauten waren sich alle Beteiligten einig: „Das war keine alltägliche Baustelle, aber alles hat reibungslos funktioniert.“

 

Ulma Construction GmbH
www.ulmaconstruction.de

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