Münchner Flachbordstein

Schnelle bauliche Trennung im städtischen Raum

Der zunehmende Druck auf Städte, Verkehrswege neu aufzuteilen und mehr Menschen den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad zu erleichtern, erfordert neue, praxistaugliche Lösungen. Der Münchner Flachbordstein ist eine neue Form der baulichen Abgrenzung zwischen Radweg und Fahrbahn.

Der Münchner Flachbordstein ist eine neue Form der baulichen Abgrenzung zwischen Radweg und Fahrbahn. In München-Obergiesing hat die Stadt den Münchner Flachbordstein erstmals entlang der südlichen Tegernseer Land-straße eingebaut
© Rohrdorfer Unternehmensgruppe

Der Münchner Flachbordstein ist eine neue Form der baulichen Abgrenzung zwischen Radweg und Fahrbahn. In München-Obergiesing hat die Stadt den Münchner Flachbordstein erstmals entlang der südlichen Tegernseer Land-straße eingebaut
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Das Betonwerk Linden hat den Münchner Flachbordstein gemeinsam mit dem Baureferat für die Anforderungen der Stadt München zur Einsatzreife gebracht. Das Betonwerk entwickelte und erprobte dafür unter anderem die Klebetechnik und die dazugehörigen Komponenten. Der Straßenunterhalt erwartet, dass die Beton-Flachborde haltbarer und weniger unterhaltsintensiv sind als aufgesetzte Trennelemente aus Hartgummi oder Kunststoff. Gegenüber einer konventionellen Bauweise erwartet das Baureferat zudem deutliche Einsparungen bei Bauzeit und Kosten. Wie hoch diese im Einzelnen ausfallen, hängt vom jeweiligen Projekt ab.

Praxisfall München: erster Einsatz in Obergiesing

Der Münchner Flachbordbordstein fertig eingebaut, mit Asphaltverguss am Rand zur Straßen-Deckschicht
© Rohrdorfer Unternehmensgruppe

Der Münchner Flachbordbordstein fertig eingebaut, mit Asphaltverguss am Rand zur Straßen-Deckschicht
© Rohrdorfer Unternehmensgruppe
In München-Obergiesing hat die Stadt den Münchner Flachbordstein erstmals entlang der südlichen Tegernseer Landstraße eingebaut. Ziel war es, eine rund 300 Meter lange Lücke im Münchner Radwegenetz zwischen Grünwalder Straße und Otkerstraße zu schließen. Die neue Radverkehrsanlage trennt den Radweg baulich vom Kfz-Verkehr. Die abgeschrägten Bord­steine sind flacher als klassische Bordsteine. Dadurch sinkt das Risiko, dass Radfahrerinnen und Radfahrer mit den Pedalen daran hängen bleiben. Die Flachbordsteine sind grundsätzlich überfahrbar, Einsatzfahrzeuge können die bauliche Trennung daher bei Bedarf queren. Die Anforderungen von Feuerwehr und Rettungsdiensten werden bei jedem Projekt gesondert geprüft.

Christian Zechmeister von der Oberbauleitung Tiefbau im Baureferat München erklärt: „Der Straßenunterhalt erwartet, dass die Flachbordsteine haltbarer und weniger unterhaltsintensiv sind als Trenn­elemente aus Hartgummi oder Kunststoff. Unter geeigneten örtlichen Bedingungen lassen sie sich deutlich schneller einbauen als klassische Bordsteinlösungen. Im Vergleich zu einer konventionellen Ausführung mit Granitborden erwarten wir außerdem geringere Baukosten. Wie sich die Flachbordsteine langfristig bewähren, wird nun der Einsatz im öffentlichen Straßenraum zeigen.“

Der nächste Einsatz ist bereits vorgesehen: Auch in der nördlichen Candidstraße vor der Brudermühl­brücke sollen die neuen Münchner Flachbordsteine eingebaut werden.

Klebeverbindung sorgt für Stabilität

Der Münchner Flachbordstein besteht aus Beton. Bei der Herstellung kann ein Recyclingbetonanteil von bis zu 30 Prozent eingesetzt werden. Normalsteine sowie Anfangs- und Endsteine haben ähnliche Abmessungen. Ein Normalstein ist 25 Zentimeter breit, 12 Zentimeter hoch und 100 Zentimeter lang und wiegt rund 60 Kilogramm. Die Bauteile bilden eine durchgehende Grenze zwischen Kfz- und Radverkehr. Gleichzeitig sind sie niedriger als klassische Bordsteine. Die Elemente werden mit einer speziell entwickelten Verbindung auf dem Asphalt verklebt. Dadurch sind keine Bohrungen, Dübel oder Schrauben erforderlich. Das Betonwerk Linden entwickelte und erprobte die Klebetechnik und die dazugehörigen Komponenten innerhalb der Rohrdorfer Gruppe. Bordstein und Klebeschicht können aufgrund der Materialähnlichkeit gemeinsam als Betonbruch recycelt und wiederverwendet werden.

Werkversuche bestätigen die Eignung

Die Fahrbahntrennung mit dem Münchner Flachbordsteinsystem kann auch breiter, mit einer „Schmuckplatte“, erfolgen. Die breite Bauweise entschärft in diesem Fall die Gefahrensituation beim Öffnen der Autotüren, hin zum Radweg
© Rohrdorfer Unternehmensgruppe

Die Fahrbahntrennung mit dem Münchner Flachbordsteinsystem kann auch breiter, mit einer „Schmuckplatte“, erfolgen. Die breite Bauweise entschärft in diesem Fall die Gefahrensituation beim Öffnen der Autotüren, hin zum Radweg
© Rohrdorfer Unternehmensgruppe
Die Flachbordsteine wurden im Werk Berglern nahe München, einem Produktionsstandort des Betonwerks Linden, erprobt. Auf einer Teststrecke untersuchte das Unternehmen verschiedene Klebeverfahren. Die Verbindungen wurden durch Kernbohrungen beprobt und im Labor geprüft. Die Teststrecke wurde dem Real-betrieb nachempfunden und teilweise sogar höherer Beanspruchung ausgesetzt. Über rund ein Jahr waren die Bauteile der Witterung sowie Überfahrten durch Lkw und Radlader ausgesetzt. Zudem wurden sie unter anderem auf Hitze, Frost und Tausalzeinwirkung getestet. Die Werkversuche bestätigten die Eignung des Systems.

Mit dem erstmaligen Einbau in Obergiesing beginnt nun die Erprobung unter realen Bedingungen im öffentlichen Straßenraum. Wie sich das System im regulären Winterdienst bewährt und ob bei einem breiteren Einsatz angepasste Fahrzeuge erforderlich sind, wird die weitere Erprobung zeigen.

Zeitersparnis durch einfaches Verlegen

In München kamen für den Einbau ein Asphaltfräser für die 50 Zentimeter breite Verlege-Schneise, ein Mini­bagger sowie manuelle Versetzhilfen zum Einsatz. Spezialgeräte sind nicht nötig. Die einfache Verleg­weise reduziert den Zeitaufwand sowie den notwendigen Straßenumbau signifikant und verkürzt Bauzeiten spürbar. Vergleichbare Projekte können damit in einem Bruchteil der bisherigen Zeit und Kosten umgesetzt werden.

Verkehrsführung und Entwässerung werden projektbezogen geplant

Die Flachbordsteine werden am Gefälle und am Verlauf der Straße ausgerichtet. Bei Ein- und Ausfahrten sowie Kreuzungen bleiben die erforderlichen Öffnungen frei. Sie sichern die Erreichbarkeit und ermöglichen den Abfluss des Regenwassers.

Ausblick

Zusammengefasst bietet der Münchner Flachbordstein eine marktgerechte, innovative Lösung zur Abtrennung von Rad- und Fahrzeugverkehr auf stark befahrenen Straßen. Er ergänzt die bestehenden Möglichkeiten für den Bau von Radwegen. Er kann sich besonders dort eignen, wo ein Radweg auf Fahrbahnniveau entstehen soll und vorhandene Fahrbahnränder sowie die Entwässerung weitgehend erhalten bleiben können.  Moderne Klebetechniken, stabiler Beton, flexible Formen und eine einfache Bauweise bieten eine günstige und haltbare Option für die Trennung vom Kfz-Verkehr. Insbesondere für kommunale Anwendungen sind seine Robustheit gegen Temperaturwechsel, Frost und Tausalze sowie die Überfahrbarkeit durch schwere Fahrzeuge von zentralem Interesse. Die Recyclingfähigkeit macht die Flachbordsteine zudem zu einer besonders umweltfreundlichen Lösung. Die ausgiebigen Tests haben gezeigt, dass diese Bauweise bedeutende Vorteile gegenüber den bisher angewendeten Methoden besitzt.

 

Rohrdorfer Unternehmensgruppe
www.rohrdorfer.eu

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