Solitär mit Ministerauge

Neues Finanzministerium in Potsdam

Der Neubau des brandenburgischen Finanzministeriums ist das erste Öffentlich-Private-Partnerschafts (ÖPP)-Projekt im Bundesland Brandenburg. Schon während der Bauphase erwies sich das Pilotprojekt in jeder Hinsicht als erfolgreich und gilt als Vorbild für zukünftige ÖPP-Projekte. Allein der Rohbau wurde rekordverdächtig schnell in nur fünf Monaten erstellt. Dies gelang u.a. auch durch den Einsatz rationeller Verarbeitungstechnik beim Errichten der Gebäudehülle aus rund 1.000 m³ massivem Poroton-Ziegelmauerwerk.

Solitär mit ruhiger Oase

Im Rahmen der angestrebten Konzentration der brandenburgischen Landesregierung auf zwei innerstädtische Standorte in der Landeshauptstadt Potsdam wurden in den vergangenen Jahren auf dem Grundstück an der Heinrich-Mann-Allee die bestehenden Gebäude saniert und ein Neubau für das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport errichtet. Der jüngst fertig gestellte Neubau für das Ministerium der Finanzen bildet den Abschluss der baulichen Verdichtung dieser Liegenschaft. Zugleich wird mit dem Bau des Ministerialgebäudes der Eingangsbereich des Verwaltungscampus am Regierungsstandort Heinrich-Mann-Allee neu definiert.

Der Entwurf für das Gebäude stammt vom Architekturbüro Gössler Kinz Kreienbaum (Hamburg/Berlin). Der solitäre Baukörper in U-Form orientiert sich nach Süden mit dem Haupteingang zur zentralen Erschließungsachse des Regierungsstandortes rund um die Staatskanzlei und fügt sich gut in die Gesamtanlage ein. Durch die Platzierung des Baukörpers wird der Charakter eines offenen Parks erhalten. Der Innenhof dagegen wurde als ruhige Oase gestaltet. Hier werden feuchtigkeitsverträgliche Pflanzen das Niederschlagswasser aufnehmen. An der nördlichen Grundstücksgrenze befindet sich das zweigeschossige Parkdeck für 212 Fahrzeuge. Es ist mit einer separaten Zufahrt erschlossen und bildet den „Rücken“ für das Ministerialgebäude. Das neue Finanzministerium verfügt über 214 Räume, davon 187 Büro- und fünf Beratungsräume auf fünf Etagen mit einer Gesamtnutzfläche von 4.446 m². Zwei großzügige Öffnungen in der Fassade stellen Verbindungen zum Außenraum und zur Öffentlichkeit her. Das sind der Haupteingang sowie das „Ministerauge“ zum Park. Die Fassaden wurden als geputzte Lochfassaden ausgeführt und bilden so eine Referenz zu den bestehenden Gebäuden, welche Fassaden mit mineralischer Oberfläche (Stein / Putz) besitzen.

 

ÖPP-Projekt mit Mehrwert

Der Neubau des Finanzministeriums ist das erste Hochbauverfahren, das das Land Brandenburg im Wege einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) realisierte. Bei dieser Form des ÖPP-Verfahrens erfolgen Planung, Bau und Betrieb über einen Zeitraum von 30 Jahren aus einer Hand durch einen privaten Investor. Für diese Aufgabe hat die Strabag Real Estate GmbH (früher Züblin Development GmbH) den Zuschlag erhalten. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 15 Millionen Euro. Die gemeinsame Vergabe der Leistungen verringert das Risiko für das Land als Auftraggeber und soll zu wirtschaftlichen Gesamtlösungen bei hoher Qualität und einer höheren Kostensicherheit beitragen.

Bereits in anderen Bundesländern realisierte ÖPP-Projekte haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Lebenszyklusansatz mit der ganzheitlichen Betrachtung der Projekte, von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb,  Einzug in öffentliche Baumaßnahmen gehalten hat.

 

Auf Nachhaltigkeit hin optimiert

So wurde beim Neubau des Finanzministeriums im Rahmen des gemeinsamen Vergabeverfahrens u.a. darüber diskutiert, ob und wie die verschiedenen Bauteile im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ökologie optimiert werden können. Als Folge führte man die Gebäudehülle nicht mit dem ursprünglich geplanten WDV-System aus, sondern wählte eine einschalige massive Außenwandkonstruktion aus Poroton-Ziegel. Zwar mussten die Architekten dafür noch einmal umplanen, jedoch: „Der Aufwand war relativ gering, da das monolithische Mauerwerk mit dem Poroton-Planziegel-T 16 in 49,0 cm Wanddicke unkompliziert und flexibel planbar war“, resümiert Architekt Christopher Eckett.

 

Zügiger Rohbau

Die Zusammenarbeit zwischen dem Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB) und der für Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb zuständigen Strabag Real Estate GmbH verlief vorbildlich. „Wir kommen sehr schnell voran und liegen mit dem Neubau des Ministeriums im Zeitplan“, zeigte sich Norbert John, Technischer Geschäftsführer der BLB, während des Richtfests äußerst zufrieden mit dem Projektverlauf. Unterstützend für den zügigen Baufortschritt sorgte die rationelle Verarbeitungstechnik beim Errichten der Gebäudehülle aus rund 1.000 m³ massivem Poroton-Ziegelmauerwerk. Mit kräfteschonender Versetztechnik, bestehend aus Minikran und Steingreifer, können gleichzeitig vier Ziegel von der Palette aufgenommen und versetzt werden. Das innovative Bausystem hat sich bereits bei der Verarbeitung von großformatigen Planelementen bewährt. Im Unterschied dazu sind hier spezielle Versetzbacken am Steingreifer angebracht, mit denen Poroton-Planziegel aufgenommen werden können. Gegenüber herkömmlicher Handverarbeitung können so bei relativ gering gegliedertem Mauerwerk bis zu 15 Prozent Verarbeitungszeit eingespart werden.

In Potsdam wurden die Poroton-Plan-T 16 mit 49,0 cm Wandstärke mit Dünnbettmörtel im bewährten Nut- und Federsystem verlegt. Damit wird das präzise Verarbeiten unterstützt und ein schneller Baufortschritt garantiert. Die zulässige Mauerwerksdruckspannung  des T 16 beträgt 1,8 MN/m² und garantiert Wände, die hohen statischen Belastungen standhalten. Durch plangeschliffene Lagerflächen, mörtelfreie Stoßfugenverzahnung und Dünnbett-Mörtelfugen entsteht ein sauberes, homogenes und vor allem wärmebrückenoptimiertes Mauerwerk. Zudem sorgen Ziegel als diffusionsoffenes Baumaterial für eine optimale Feuchteregulierung und Wärmespeicherung.

 

Rationelle Versetztechnik

Ein Baustoffsystem wie das Poroton-Ziegelsystem mit einer breiten Palette von Ergänzungsbauteilen ist besonders effektiv; es ermöglicht flexibles und rationelles Bauen durch einfaches und schnelles Verarbeiten. Noch kürzere Verarbeitungszeiten werden erreicht, indem vier Ziegel, das entspricht 0,25 m² Mauerwerk, gleichzeitig versetzt werden. Versetzbacken greifen dabei an vier Stellen direkt in die Lochung der Ziegel. Beim Hochfahren des Steingreifers werden die Ziegel automatisch geklemmt. Das Greifen über die Außenflächen der Ziegel ist nicht zulässig. Die Zeitersparnis gegenüber Handverarbeitung beträgt ca. 10 bis 15 Prozent. Die spezielle Versetztechnik besteht aus:

n Lissmac Minikran LMK 300 oder LMK 400

n Lissmac Variosteingreifer VSG 510 oder VSG 840

n 4 Stück Versetzbacken VWB F2 (Tragfähigkeit = 100 kg, Greifbereich 230 bis 625 mm, Greifmenge flexibel 2 bis 4 Ziegel)

n Anwendungsbereiche: Gewerbebau, Geschossbau, Versorgungsmärkte

n Geeignet für Planziegel T10 bis T18 mit Wanddicken von 17,5 bis 49,0 cm

Vorbild für zukünftige ÖPP-Projekte

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