Höhere Margen trotz schlechter Rahmenbedingungen

Bilanzen der Bauindustrie, Teil 2

Die sechs führenden deutschen Bauunternehmen konnten in 2010 ihre Rentabilität steigern. Dies gelang, obwohl die Umstände ungünstig waren. Die Wintertemperaturen lähmten die Bauaktivitäten im ersten Quartal und im Dezember. Außerdem hinkte die Baukonjunktur dem Aufschwung im Verarbeitenden Gewerbe hinterher: der Umsatz im Hauptbaugewerbe stagnierte lediglich.

Im laufenden Jahr hat sich das Klima deutlich aufgehellt. Im ersten Trimester stieg die Leistung der Baufirmen gegenüber dem niedrigen Vorjahresniveau bei schönem Wetter teils um 20 bis 30 % und für 2011 hat der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ein beachtliches Umsatzwachstum von 4,5 % vorhergesagt. Die Großen der Branche werden besonders am erwarteten Anstieg von 7 % im Wirtschaftsbau  partizipieren. Straßenbauer wie Strabag werden allerdings mit einem Rückgang um 2 % im öffentlichen Bau leben müssen.

In Teil I der Bilanzen wandten wir uns im vorigen Heft Hochtief und Bilfinger Berger zu. Bei beiden waren eher außerbilanzielle Ereignisse wichtig: Hochtief kämpfte vergeblich um seine Unabhängigkeit gegen den Spanier ACS und Bilfinger Berger gelang, durch den Verkauf von Valemus in Australien, die weitere Hinwendung zum Dienstleistungskonzern. Bei den in Teil II der Bilanzen heute beleuchteten vier Unternehmen Strabag, Züblin, Bauer und Max Bögl, war 2010 weniger turbulent. Die Spezialtiefbaufirma Bauer konnte sich nach dem schweren Einbruch in 2009 konsolidieren, die Erholung gelang aber noch nicht. Bauer ist der einzige Große, dessen Ergebnis 2010 noch einmal sank. Bei Strabag und Züblin hingegen, den beiden Töchtern der Strabag SE in Wien, stieg das Ergebnis vor Steuern wie bereits in 2009 an. In 2009 hatte es bei Strabag ein Plus von 45 % gegeben, Züblin gelang in 2010 ein Sprung von 69 % nach oben (siehe Tabelle). Seit 2005 hat sich das Vorsteuerergebnis von Hochtief mehr als verdoppelt, bei Bilfinger Berger verdreifachte es sich fast, Strabag vervierfachte sich, Züblin und Bauer verdoppelten sich nahezu. Fazit: mittelfristig gelang der Gewinnanstieg der Großen.

 

Strabag diversifiziert in Europa

Vorstand Dr. Thomas Birtel, der auch im Vorstand der Mutter sitzt, hatte auf der Bilanz-Pressekonferenz in Köln-Deutz keinen Grund zur Klage. Zwar ist die Leistung der Gruppe in 2010 um 3 % auf 3,94 Mrd. Euro gesunken. „In Anbetracht der klimatischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen ist 2010 insgesamt gut verlaufen“, sagte er. Mit der „Ergebnisqualität und dem Auftragspolster“ sei er „sehr zufrieden“. Das Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) erreichte einen Rekord von 120 Mio. Euro (+18 %) und das Ergebnis vor Steuern klomm auf 110 Mio. (+17 %). Dabei hatte Birtel ein Jahr zuvor für 2010 nur einen geringen Gewinnanstieg prognostiziert. Der Grund ist, dass Polen gut lief und der Verkauf von drei Hochbau-Projektentwicklungen im Bestand einen schönen Gewinn einbrachte. Dadurch wies das Segment Übrige Bausparten einen Anstieg von 27 Mio. Euro auf 21 Mio. aus. Das Segment Verkehrswegebau, das eigentliche Flagschiff der Gruppe, konnte das Ergebnis noch einmal von 62 Mio. Euro auf 64 Mio. anheben. Die BHB, in der die österreichische Beteiligung zusammengefasst ist, lieferte einen Gewinnbeitrag von 44 Mio. Euro (nach 42 Mio.). Wegen außerplanmäßigen Abschreibungen sank das Minus der Servicebetriebe auf 10 Mio. Euro (vorher -1 Mio.). Im letzten Jahr hat der größte Straßenbauer Deutschlands die Arrondierungen im Baustoffbereich fortgesetzt. Die aufgekaufte Gaul und die von der Mutter übernommenen Baustoffaktivitäten von Kirchhoff werden in 2011 eine Leistung von 200 Mio. Euro bringen. Strabag kaufte auch Nowotnik, der tagebaunahe Dienstleistungen durchführt. Die lahmende öffentliche Nachfrage in Deutschland beflügelt das Unternehmen in seiner Diversifikation in ÖPP-Vorhaben im benachbarten Ausland: in 2010 erhielt es so Aufträge von 108 Mio. Euro in Dänemark und 62 Mio. in den Niederlanden. 2011 wird wohl ein gutes Jahr. Im ersten Quartal stieg die Leistung, vor allem wegen der niedrigen Vorjahresbasis, um 33 %. Allerdings sank der Auftragseingang um 4 %. Für das Gesamtjahr erwartet Birtel mit gewohntem Understatement  „ein leicht steigendes Ergebnis“.

 

Züblin mit dem höchsten

Gewinnanstieg

Was Dr. Birtel bei Strabag passierte, er hatte den nennenswerten Gewinnanstieg nicht vorausgesehen, geschah auch Dr. Alexander Tesche, seinem Kollegen von Züblin. Letzterer hatte lediglich ein Ergebnis auf dem Niveau von 2009 erwartet. Tatsächlich legten die Stuttgarter den höchsten Gewinnanstieg unter den großen Bauunternehmen hin. Das Ebit schnellte in 2010 um 65 % auf 88 Mio. Euro in die Höhe, das Ergebnis vor Steuern sprang gar um 69 % auf 86 Mio. Tesche sprach auf der Bilanz-Pressekonferenz von einem „Rekordjahr“. 2010 sei eben „sehr erfolgreich“ verlaufen. Den Rückgang der Bauleistung um 4 % auf 2,42 Mrd. Euro in 2010 erklärte er, wie bereits Strabag, mit der extremen Witterung. Der Anteil des Schlüsselfertigbaus (Hochbau) stieg von 61 auf 65 %, während der Ingenieurbau von 28 auf 24 % sank; die Werke hielten unverändert 11 % an der Leistung. Die höhere Rentabilität in einem Bereich, in dem es angeblich nichts zu verdienen gibt, führt Tesche auf die Vorsicht bei Risikoprojekten und die hohe technische Kompetenz der Firma zurück.

Überhaupt ist Züblin aus den Negativschlagzeilen herausgekommen. Im Sommer 2010 legten die beiden Großaktionäre Haselsteiner (57 %) und Lenz (42 %) ihren langjährigen Streit bei. Die Eigenkapitalquote, die lange die Achillesferse von Züblin gewesen war, stieg sukzessive wieder an, von ungenügenden 13 % in 2008 auf 16 % in 2009 und 20 % in 2010. Tesche hat sich ein Ziel von 25 % gesetzt. Das könnte vielleicht bereits in 2011 erreicht werden. Züblin, der bereits die Strabag Benelux besitzt, strebt auch eine Expansion in die nordeuropäischen Märkte Dänemark und Finnland an. Im Überseegeschäft, insbesondere in Chile, macht die Gruppe etwa ein Zehntel ihrer Leistung. Im ersten Trimester 2011 stiegen Leistung und Auftragseingang der Gruppe um respektive 22 % und 27 %. Für das Gesamtjahr stellt sich Tesche auf eine Leistung von 2,7 Mrd. Euro ein (+12 %). Das Ergebnis, mehr lässt er sich nicht entlocken, soll „mindestens auf Vorjahreshöhe“ liegen.

 

Bauer schafft in 2011 den

„Turn Around“

Kein großes deutsches Bauunternehmen hat in der Wirtschaftskrise eine solche Achterbahnfahrt hingelegt wie Bauer aus Schrobenhausen. Seine traditionellen Stärken, das Gleichgewicht zwischen den Bau- und Maschinenbauaktivitäten, sowie die starke Auslandspräsenz, versagten, weil alle Märkte zur gleichen Zeit kollabierten. Prof. Thomas Bauer, der Vorstandsvorsitzende, sagte ganz mutig auf der Bilanz-Pressekonferenz im April, die Bauwirtschaft habe „als eine der letzten Branchen nach der Finanzmarktkrise wieder eine positive Entwicklung eingeschlagen und wir haben die Chancen auf den Weltmärkten gut genutzt“. In diesem Sinne, fuhr er fort, sei er „zufrieden mit Leistung und Ergebnis, die sich wie erwartet entwickelt haben“. Um Klartext zu reden: in 2010 erreichte Bauer lediglich eine Konsolidierung auf niedrigem Niveau. Nach einem Absturz von 16 % auf 1,28 Mrd. Euro in 2009, konnte die Konzernleistung nur um 2 % auf 1,3 Mrd. zulegen. Das Ebit stieg um 5 % auf 88,4 Mio. Euro. Dennoch sank das Ergebnis vor Steuern noch mal um 3 % auf 57,5 Mio., das Nachsteuerergebnis gab auf 40 Mio. (-5 %) nach. Bei der gut laufenden Baudivision stiegen die Leistung auf 615 Mio. Euro (+8 %) und das Ebit auf 29 Mio (+12 %). Das Segment Maschinen bekam auch in 2010 noch immer die „Investitionszurückhaltung der Kunden in neue Geräte“ zu spüren: daher sanken die Leistung auf 582 Mio. (-4 %) und das Ebit auf 48 Mio. (-6 %). Die neue Abteilung Resources, die z.B. Meerentsalzungsanlagen betreibt, sei „auf einem guten Weg, eine strategisch tragende Säule des Konzerns zu werden“. Hier erreichten Leistung 178 Mio. Euro (+2 %) und Ebit 8 Mio (+35 %). Da der Auftragseingang des Konzerns in 2010 um 27 % auf 1,4 Mrd. Euro stieg, sieht Bauer eine „spürbare Erholung der Märkte“. Die Konzernleistung und das Ebit legten im ersten Quartal 2011 jeweils um 18 % zu. Während beim Bau die Leistung sank, stieg sie im Maschinenbau um 41 %. Damit, so Bauer, habe das Segment Maschinen „die Talsohle hinter sich gelassen“. Für 2011 und 2012 sagte er einen Leistungsanstieg von jeweils 5 bis 6 % voraus. In diesem Jahr sollte die Leistung damit auf 1,4 Mrd. Euro steigen. Das ist aber noch nicht Vorkrisenniveau. Für 2011 kündigte Prof. Bauer ein höheres Nachsteuerergebnis von „gut 45 Mio. Euro“ an.

 

Max Bögl hält sich

Das Familienunternehmen aus der Oberpfalz hält den Kurs. In 2009 war es das einzige große Bauunternehmen, das einen Zuwachs erzielte. Der Jahresumsatz, der in 2008 um 30 % und in 2009 um 4 % gestiegen war, gewann in 2010 wieder 4 % auf nunmehr 1,4 Mrd. Euro. Als GmbH ist Max Bögl nicht publizitätspflichtig, aber man darf annehmen, dass die Ergebnisentwicklung zufriedenstellend ist.

Marcel Linden,

Bonn

Leistungssteigerung bis zu 30 % in den ersten 4 Monaten 2011

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