„Bleibt alles anders“

Steigende Nachfrage nach Ingenieurleistung

Anfang des Jahres löste Fabian Sell Johann Zillner als Head of Engineering der Deutschen Doka ab, der sich nach mehr als 45 Jahren bei Doka in den Ruhestand verabschiedete. Im Interview erklärt der neue Leiter, warum Engineering immer wichtiger wird und wie Doka sich hier aufstellt.

THIS: Herr Sell, Sie sind direkt nach Ihrem Ingenieursstudium bei Doka eingestiegen. Das ist nun über 20 Jahre her. Was hat sich bei Doka geändert, was ist gleich geblieben?

Dipl.-Ing. Fabian Sell, Head of Engineering der Deutschen Doka
© Doka

Dipl.-Ing. Fabian Sell, Head of Engineering der Deutschen Doka
© Doka
Fabian Sell: Ich würde sagen, das, wofür Doka steht, gilt heute wie damals bei der Gründung der Deutschen Doka Anfang der 1960er. Lösungen aus Leidenschaft, hohe Qualität und ein erhebliches Maß an Kreativität, sowohl was die Projektlösung als auch die Produktentwicklung betrifft. Geändert hat sich aus meiner Sicht die Gewichtung unserer Ingenieurleistungen, sprich, dass diese immer wichtiger werden und gefragter sind.

Wir sind nicht nur Schalungslieferant, sondern verstärkt auch externes Ingenieurbüro. Das ist ein Service, ein Mehrwert, den wir bieten. Egal ob prüffähige Statik, hohe Sicherheitsanforderungen, schnelles Reagieren auf Änderungen im Bauablauf, wenn es zeitlich sportlich oder schalungstechnisch kompliziert wird – Kunden wollen und können sich auf uns verlassen.

THIS: Woran liegt die gestiegene Nachfrage nach Ingenieurleistungen von Doka?

Fabian Sell: Das hat zwei Gründe. Zum einen sind die Anforderungen an die Arbeitssicherheit gestiegen, der Fokus auf die Standsicherheit von Baubehelfen ist ­größer, und auch der Bedarf, digitale Dienstleistungen zu integrieren und zu kombinieren, wächst. Zum anderen haben viele Baufirmen ihre Kapazitäten für Arbeitsvorbereitung abgebaut. Das fangen wir in einem gewissen Maß auf, mit zunehmender Tendenz. Schalungsplanung ist ein Bereich im Bau, der spezielles Wissen erfordert, weshalb wir zur Unterstützung hinzugezogen werden. Dafür gibt es uns ja als Schalungsprofis. Unser Anteil an Ingenieuren ist deshalb über die Jahre auch kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile haben wir bundesweit, an unseren 17 Standorten, weit mehr als 200 Bauingenieurinnen und Bauingenieure beschäftigt.

THIS: Und das trotz Fachkräftemangel? Was machen Sie anders als andere?

Fabian Sell: Jeder spürt den Fachkräftemangel. Darum wollen wir begeistern, nach innen und nach außen. Wir investieren viel in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beispielsweise bilden wir Mitarbeitende zum Bauzeichner aus, mit der Möglichkeit, danach eine Ausbildung zum Techniker oder ein Ingenieurstudium anzuhängen. Mir und uns ist ein guter Teamgeist sehr wichtig und wir legen viel Wert auf einen wertschätzenden Umgang untereinander. Da darf, nein soll sich ein Junior Engineer genauso einbringen wie ein Senior.

Außerdem schätzen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die mit jedem Projekt wechselnden neuen Herausforderungen, die sehr vielfältig sind. Selbst bei ähnlichen Aufgabenstellungen gleicht kein Projekt dem anderen. Und wir fördern den Austausch mit den Bauunternehmen. Viele unserer Ingenieure beraten und betreuen aktiv unsere Kunden bei der Schalungsplanung und Bedarfsanalyse, gehen auf Baustellen, unterstützen in der Submissionsphase, können kreativ werden. Ich glaube, dieses aktive „Mitmischen“, die Abwechslung und der direkte Kontakt zur Baustelle, das gefällt ihnen ganz gut.

THIS: Wie ist Doka denn in Sachen Digitalisierung aufgestellt?

Fabian Sell: Ich kann Ihnen sagen, was wir von unseren Kunden gespiegelt bekommen. Nämlich, dass wir in Sachen Digitalisierung wirklich sehr gut aufgestellt sind. Das fängt bei den zahlreichen Digital Services wie dem Betonmonitoring-System Concremote, dem Materialmanagementportal myDoka oder der Baustellen- und Baumanagement-Software Sitelife an, aber worauf Ihre Frage abzielt, ist vermutlich das Thema BIM. Das ist für uns die Zukunft des Bauens, denn die ganzen Treiber der Baubranche – Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Effizienz, KI usw. – haben direkt damit zu tun.

Wir können unser Repertoire oft noch gar nicht ganz ausspielen, weil der BIM-Prozess noch nicht durchgängig ist. Grundgedanke von BIM ist ja, dass alle im gleichen Modell arbeiten, im Moment ist das leider noch zu selten der Fall. Papierlose Baustelle, digitaler Zwilling, 4D-Simulation – machen wir alles schon. Aber das, wohin man mit BIM mal möchte, dass das mal Standard wird, das wird noch dauern.

THIS: Die Vorteile von BIM sind ja schon weithin bekannt. Warum ist die Durchdringung dennoch noch nicht flächendeckend?

Fabian Sell: Ein Grund ist aus meiner Sicht, dass die Baukonjunktur in den letzten Jahren sehr „hochtourig“ gefahren ist. In so einer Phase kann sich nicht jeder parallel auch noch mit neuen Themen wie BIM beschäftigen, deren Implementierung entsprechende zusätzliche Kapazitäten bindet. Ein weiterer Grund ist, dass es in Deutschland noch keine einheitlichen Standards zu BIM gibt. Das hemmt natürlich die Durchdringung, wenn jeder mit anderen Lösungen arbeitet, die nicht immer kompatibel miteinander sind. Und dann gibt es da noch die Frage, wie dringlich das Thema BIM für den einen oder anderen ist.

In Sachen Benefits sehe ich in Deutschland vor allem Vorteile wie Produktivitätssteigerung, Fehlervermeidung, Kostensicherheit usw. Da kann man sich bis zu einem gewissen Grad noch mit anderen Mitteln behelfen. Benefits wie Nachhaltigkeit hingegen stehen noch nicht im Fokus. Betonung auf „noch nicht“.

Ein Blick in andere EU-Länder zeigt, wo es hingehen könnte, z.B. in Dänemark. Als erstes nordisches Land hat die Regierung dort Grenzwerte für CO2-Anteile in Bauvorschriften aufgenommen. Bei allen Neubauten müssen damit die CO2-Emissionen für den gesamten Lebenszyklus bilanziert werden, gleichzeitig gelten für größere Gebäude bestimmte Grenzwerte. Wir haben ja als erster Schalungsanbieter den CO2-Fußabdruck all unserer Produkte berechnet, das könnte man z.B. ins BIM-Modell einfließen lassen, als Beitrag zur Bilanzierung des Nachhaltigkeitsfaktors. Die ist natürlich nur ein Aspekt von vielen, aber ein zunehmend wichtiger.

THIS: Ein Versprechen der Digitalisierung von Abläufen ist ja mehr Transparenz. Wo käme diese noch zum Tragen?

Fabian Sell: Das kann für uns schon in der Submissionsphase oder noch davor beginnen. Digital kann man ja alle Bauabläufe und Eventualitäten schon einmal durchspielen. Außerdem können Bauunternehmen so auch im Detail die angebotenen Leistungsinhalte besser vergleichen. Wir wollen ja eine realistische Kalkulation für unsere Ingenieursleistung abgeben. Das gibt dem Bauunternehmen auch Sicherheit. Planungssicherheit, Terminsicherheit und Kostensicherheit.

Man könnte die Machbarkeit von Schalungslösungen besser prüfen, und durch die höhere Kostensicherheit auch das leidige Thema Nachträge minimieren. Zudem sind bei einem guten Angebot gewisse Risiken schon mitgedacht und in wessen Verantwortungsbereich diese fallen. Liefert also allen Seiten größtmögliche Transparenz!

Übrigens, wo wir gerade über Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Transparenz sprechen, fällt mir ganz spontan Concremote als ein digitales Tool ein, das all diese Faktoren in sich vereint. Mit Concremote kann man nicht nur Betonrezepturen optimieren sowie Ausschalzeiten und Nachbehandlungsfristen verkürzen, sondern auch zukünftige Trends im Bausektor aufgreifen. Es kommen ja zunehmend CO2-reduzierte Betone zum Einsatz, bei denen etwa der Klinkeranteil im Zement verringert ist. Dadurch ist aber der Aushärtungsprozess ein anderer, das heißt bisherige Erfahrungswerte sind so nicht mehr ohne weiteres anwendbar. Genau hier unterstützt Concremote mit seinen Sensoren zur Temperatur- und Festigkeitsentwicklung der Betone, um etwa die Ausschalfristen punktgenau zu berechnen. 

THIS: Kommt mit dem technischen Fortschritt und dem Generationenwechsel auch ein Richtungswechsel bei der Deutschen Doka?

Fabian Sell: Ich würde das gar nicht an meiner Person festmachen oder sagen, dass das eine Sache des Alters ist. Mein Vorgänger hat beispielsweise die Implementierung von BIM bei Doka von Anfang an stark gefördert und unterstützt, auch personell. Ich möchte das fortführen und die Digitalisierung weiter vorantreiben. Nicht nur BIM, sondern auch die Integration anderer digitaler Services. Wo es möglich ist, wollen wir Prozesse mehr automatisieren, um uns stärker auf kreative Lösungen sowie auf die Kundenbetreuung fokussieren zu können. Es ist also kein Richtungswechsel, sondern die konsequente Weiterentwicklung hinsichtlich Ingenieurleistungen und Digitalisierung.

Deutsche Doka Schalungstechnik GmbH

www.doka.de

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