Wohnen wie im Baumhaus
Leben in der grünen Krone der StadtWas den neuen Wohnpark am Saarbrücker Triller auf dem Gelände des früheren Röchlingsparks heute auszeichnet, brachte im Vorhinein einige Herausforderungen mit sich. Eine Lösung dafür war unter anderem die massive Bauweise aus vorkonfektionierten Kalksandsteinen im Großformat, die zur Vereinfachung von Planung, Baustellenlogistik und Ausführung beitrug.
Über den Dächern Saarbrückens liegt der Wohnpark am Triller. Zurückhaltend und mit Respekt gegenüber der Vergangenheit gliedert er sich in den bestehenden Kontext ein
© palladium.de/Oliver Schuh
Insgesamt entstanden mit dem neuen Wohnpark sieben Mehrfamilienhäuser und bisher zwei von vier Villen. Für die Planung und Realisierung wurde das in Saarlouis ansässige Büro BHK Architekten beauftragt. Keines der Gebäude besitzt rechte Winkel oder gleicht dem anderen. „Auf diese Weise konnten wir flexibler auf den Baumbestand reagieren und die historische Parklandschaft erhalten“, erklärt Simon Kosiol, Architekt und Partner bei BHK Architekten, die Hintergründe.
Um trotz verschiedener Formen funktionsfähige Grundrisse zu bieten, kam im Inneren ein orthogonales System zum Einsatz. Sämtliche Schlaf- und Nebenräume sind nach Norden ausgerichtet, die Wohnräume öffnen sich mit Panoramafenstern und Terrassen zur Stadt. Der umgebende Grünraum des einstigen Parkgeländes, der sich durch und um die Bebauung schlängelt, ist immer präsent. „Wenn man rausschaut, entsteht der Eindruck, als sei man in einem Baumhaus“, beschreibt Kosiol die Aussicht.
Umsetzung in sensibler Umgebung
Aus welchem Fenster man auch blickt: Die umgebende Parklandschaft ist allgegenwärtig
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Der Baumbestand war während der Errichtung explizit zu schützen. Dies brachte klare Ausgrenzungen mit sich, auf denen während der gesamten Bauphase nichts stehen oder gelagert werden durfte. Weiter erschwert wurden die Grundstückserschließung und Baustellenlogistik durch die starke Topografie und die umliegenden engen Straßen der Altstadt. Ein Verkehrskonzept definierte daher zunächst Kranpositionen, Anfahrtsrouten, Wartestellen sowie Lagerplätze für Materialien. Das Gelände teilte man in vier Baufelder. Der Spatenstich erfolgte auf Baufeld 2, das gleichzeitig auch ein Pilot für das Projektteam war, um die Umsetzung gemeinsam mit Ordnungsamt und direkter Anwohnerschaft zu prüfen. Im Anschluss folgten die übrigen Baufelder, für die das Büro Amy Plan GmbH die Bauleitung übernahm.
Vorfertigung auf Maß für individuelle Formen
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Eine weitere anspruchsvolle Aufgabe lag in der Grundrissplanung: Für die variierenden Gebäudeformen musste jedes Detail individuell angepasst werden. „Das galt natürlich auch für die Vorkonfektionierung“, so Kosiol. Das Projektteam entschied sich aus diesem Grund für das KS-Plus Bausystem von KS-Original. Es basiert auf 998 x 498 Millimeter großen Kalksandstein-Elementen – im Falle des Triller Wohnparks mit einer Wanddicke von 240 Millimetern für die Außen- und 200 Millimetern für die Innenwände. Diese Regelelemente werden um sogenannte Passelemente ergänzt, die bereits im Werk entsprechend den Wandplanungen zugeschnitten werden. Somit ist die Planung weder an Rastermaße gebunden, noch ist auf der Baustelle ein aufwendiges und lautes Zuschneiden der Kalksandsteine notwendig. Einfach bedienbare Versetzgeräte wie ein Minikran sorgen für eine ergonomische Verarbeitung durch Teams mit ein bis zwei Fachkräften.
Digital elementiert, „just in sequence“ geliefert
Das architektonische Konzept von BHK Architekten verbindet historische Elemente, wie die die schmiedeeiserne Zaun- und Toranlage (r.), das Teehäuschen (u. l.) oder die denkmalgeschützte Umfassungsmauer (u. r.) mit einer zeitgenössischen Gestaltung
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Die Werksplanung ging zunächst an die Isocom GmbH, ein Ingenieurbüro für Systemplanung. Dort wurden die Mauerwerkswände digital entsprechend des gewünschten Steinformats elementiert und für die Ausführung und Fertigung durch das nahegelegene Kalksandsteinwerk optimiert. Auch die Stoßkanten wurden berücksichtigt, um die benötigten Winkel der polygonalen Grundrisse zu realisieren.
Auf Paletten und nach Wänden vorsortiert wurden die Steine dem Baufortschritt entsprechend auf die Baustelle geliefert. So konnten sie direkt verarbeitet werden und nahmen nur wenig der rar gesäten Lagerfläche in Anspruch. „Die Steine waren formgenau und präzise vorbereitet, sodass der Rohbauer, die Peter Görgen Bauunternehmung GmbH, kaum nacharbeiten musste und schnell vermauern konnte“, blickt Simon Kosiol zurück. „Dieser ausgefeilte Prozess hat den Ablauf deutlich vereinfacht.“
Glitzernde Fassade, schmiedeeisernes Tor
Neben den individuellen Vorfertigungsmöglichkeiten des KS-Plus Bausystems kam der Baustoff Kalksandstein auch wegen seiner hohen Rohdichte zum Einsatz, die eine hohe Speichermasse sowie hohes Maß an Schallschutz mit sich bringt
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Auf das KS-Mauerwerk folgte eine 160 Millimeter dicke mineralische Dämmschicht, die im Falle der Wohnungsbauten mit einem hellen, abgetönten Putz verkleidet wurde. Glaseinstreuungen bringen ihn im Sonnenlicht zum Glitzern. Kombiniert wurde die Putzfassade mit bodentiefen, champagnerfarbenen Aluminiumfenstern sowie -verkleidungen im Sockelbereich. Die Villen setzen sich mit einer beigefarbenen Klinkerfassade im Langformat ab, ohne dabei die Farbwelt zu wechseln. Hintergrund ist der Wunsch nach einer möglichst unauffälligen Einbindung in die Umgebung und den Grünraum. Letzterer hält auch heute einige Details aus der Vergangenheit bereit: Die repräsentative Auffahrt ebenso wie die schmiedeeiserne Zaun- und Toranlage konnten erhalten, die denkmalgeschützte Umfassungsmauer und ein historischer Pavillon in die Freiraumplanung eingebunden werden.
KS-Original GmbH
www.ks-original.de
Besondere Herausforderungen für den Bauablauf waren die Hanglage und der zu schützende Baumbestand
© Peter Görgen Bauunternehmung GmbH/KS-ORIGINAL GMBH
