Wenn Oberflächen länger leben
Beliebtes Parkhaus in Heidelberg instandgesetztDie Universitätsstadt Heidelberg am Neckar lockt mit Altstadt und Schlossruine Besucher aus aller Welt. Das Parkhaus „P8 – Am Kongresshaus“ nahe der Fußgängerzone ist bei Pkw-Reisenden beliebt. Nach zehnmonatiger Sanierung ist es seit September 2025 weitgehend wieder nutzbar.
Das in der Heidelberger Altstadt gelegene Parkhaus P8 verfügt auf einer Fläche von rund 7.700 Quadratmetern über 340 Stellplätze und ist stark frequentiert, da man von dort fast direkt in der Fußgängerzone ist. Über die Jahre hat das im Winter durch die Fahrzeuge eingebrachte, mit Tausalz beaufschlagte Wasser deutliche Spuren hinterlassen. Es zeigten sich tiefe Risse in allen drei Parkebenen, die teilweise bis auf die Bewehrung führten. Eine zeitaufwändige Sanierung mit langem Nutzungsausfall schien unvermeidlich.
Bei einer in der Nähe befindlichen Tiefgarage machte der dortige Bauherr bereits sehr gute Erfahrungen mit dem Oberflächenschutzsystem Sikafloor Traffic. Deshalb erarbeiteten Peter Markert vom mit der Sanierungsplanung beauftragten Ingenieurbüro PM-Bau-Consult und Uwe Schneider, Key Account Manager Parkbauten von Sika, gemeinsam Lösungen für eine schnelle und kostengünstige Instandsetzung.
Logistische Herausforderung
Das Parkhaus liegt mitten in der engen Altstadt zwischen Neckar und Fußgängerzone. Die Einfahrt erfolgt über eine Rampe in das mittlere Untergeschoss U2 sowie in das darunterliegende Untergeschoss U3. Die Ausfahrt ist nur über das oberste Untergeschoss U1 in die Untere Neckarstraße möglich. Alle Ebenen sind innerhalb des Parkhauses durch eine von U3 nach U1 führende Spindel miteinander verbunden. Da die Bodenplatte der Ebene U3 etwa 1,50 Meter unterhalb des Grundwasserspiegels liegt, war es notwendig, den Beton wegen der starken Chloridkontamination vollflächig abzutragen und eine neue Bewehrung einzubauen. Anschließend erfolgte die Verankerung mit der vorhandenen Betonplatte und der Einbau von neuem Beton. All das erforderte eine detaillierte Planung der notwendigen Instandsetzungsarbeiten. Um das Parkhaus möglichst schnell wieder nutzen zu können, startete die mit der Durchführung beauftragte AZ-Bautenschutz GmbH mit der Sanierung der beiden oberen Ebenen U1 und U2. Dabei erfolgte die Anlieferung aller Baustoffe inklusive des Betons für die unterste Ebene U3 über die Ebene U1. Wegen des hohen Sanierungsaufwands in U3 endeten die Arbeiten hier einen Monat später.
Bestandsaufnahme
In den Ebenen U1 und U2 wiesen rund 15 Prozent der Bodenflächen lokale Schäden des Betons bis zur obersten Bewehrungslage auf. Diese Bereiche mussten mit dem Hochdruckwasserstrahl bearbeitet, die Bewehrung ersetzt und mit Beton wieder verschlossen werden. Die gesamte Fläche zeigte Risse, und alle Bauwerksfugen mit Metallprofilen waren derart beschädigt, dass sie ersetzt werden mussten. Zwar hatte das Tausalzwasser die erste Bewehrungslage noch nicht großflächig angegriffen, die fortgeschrittene Karbonatisierung hatte sich jedoch bereits bis in die Risse vorgearbeitet.
In der untersten Ebene U3 wies die Bodenplatte noch größere Schäden auf – die gesamte obere Stahlbewehrung war korrodiert. Deshalb mussten die Experten die Bodenplatte aufwändig mit dem Hochdruckwasserstrahl bearbeiten und die oberste Bewehrungslage austauschen.
Schnelles Oberflächenschutzsystem
Zum Einsatz kam das schnelle Oberflächenschutzsystem OS 11b Sikafloor Traffic 2239 mit Sikafloor P 622 und Sikalastic M 689 von Sika. Das hochreaktive Polyurea-System ist nach wenigen Sekunden fest, nach kürzester Zeit ausgehärtet und sowohl begeh- als auch überarbeitbar. Nach der Grundierung brachten die Verarbeiter das Polyurea in zwei Arbeitsgängen auf, wobei der zweite als „Overspray“ bezeichnet wird. Durch horizontales Sprühen mit der Lanze verteilt sich das Material wie ein Nebel über die Abdichtungsebene und ist verschleißfest. Die dynamische Rissüberbrückung beträgt bis zu 3,5 Millimeter und die statische Rissüberbrückung liegt bei > 50,0 Millimetern. Zudem ist das System beständig gegen Druckwasser bis zu 15 Meter Wassersäule bei einer Rissbreite von bis zu 0,5 Millimetern.
Einsatz des Korrosionsinhibitors Sikagard
In den beiden oberen Ebenen war der Sanierungsablauf ähnlich. Die Risse in der Betondecke tränkte man zuerst mit dem neuartigen Korrosionsinhibitor Sikagard-8500 CI und brachte anschließend das Oberflächenschutzsystem OS 11b Sikafloor Traffic 2239 auf.
Sikagard-8500 CI ist eine gebrauchsfertige, 1-komponentige, niedrigviskose und farblose Flüssigkeit. Durch Migration entwickelt dieses Material einen zusätzlichen Schutz direkt am Bewehrungsstahl. Der Einsatz bringt zahlreiche Vorteile mit sich:
Deutliche Verringerung der chloridinduzierten Korrosion von Stahlbewehrungen im Beton
Weiteres Eindringen von Wasser und Chloriden wird durch Bildung einer wasserabweisenden Oberfläche verhindert
Reduzierung der Korrosion in bereits karbonatisiertem Stahlbeton
Wirkung auf molekularer Ebene, um Makrozellenkorrosion (Stab zu Stab) und Mikrozellenkorrosion (auf einem Stab) wirksam zu verhindern
Bekommt der Beton Risse, setzt die nachgelagerte Korrosionsinhibition ein
Das Material geht eine chemische Verbindung mit Stahl, Zementpaste und anderen siliziumhaltigen Materialien ein und wird bei Nass-Trocken-Zyklen nicht ausgewaschen oder ausgelaugt, sodass eine lange Lebensdauer gewährleistet ist
Auch in feuchter Umgebung wirksam
Einfach und unkompliziert in der Handhabung
Keine Veränderung von Farbe oder Aussehen des Betons
Wirksam auf neuem und altem Beton
Luft- und dampfdurchlässige Behandlung
100 Prozent wirksame Bestandteile ohne Verdünnungsmittel oder Füllstoffe
Monitoring der benachbarten Tiefgarage
Die Entscheidung zur Verwendung des Korrosionsinhibitors Sikagard-8500 CI mit dem schnellen Oberflächenschutzsystem OS 11b Sikafloor Traffic 2239 trafen Bauherr und Fachplaner aufgrund der guten Erfahrungen bei der Sanierung der nahegelegenen Tiefgarage. Hier führt die Ingenieurgruppe Bauen aus Mannheim mit Unterstützung von Professor Dr.-Ing. Christoph Dauberschmidt von der Fachhochschule München seit 2023 ein zehn Jahre dauerndes Pilotprojekt mit Monitoring der sanierten Flächen durch. Dabei wird die Wirksamkeit des Korrosionsinhibitors und des aufgebrachten Oberflächenschutzsystems beobachtet und ausgewertet. Bereits nach dieser kurzen Zeit lässt sich feststellen, dass sich die aktive Korrosion stoppen lässt.
Austausch der Bauwerksfugen
Insbesondere die etwa 2,5 Zentimeter breiten Bauwerksfugen mit Metallprofil waren durch die Tausalzwasserbeanspruchung stark geschädigt. Hier erfolgte eine brandschutztechnische Instandsetzung mit einer Ausbildung als nicht mehr sichtbare Fugen. Nach der Entfernung des beschädigten Restmaterials baute der Verarbeiter das Hinterfüllprofil Sika Rundschnur-PE ein, auf das die Sikafloor-Grundierung und der Verguss mit Sikalastic M 686 folgte. Auf die Fuge brachte man eine vier Zentimeter breite PE-Trennlage zur Entkopplung auf. Beidseits davon brachten die Sanierungsspezialisten die Sikafloor Grundierung und eine lose Abstreuung aus Quarzsand (0,3 bis 0,8 Millimeter) auf, gefolgt von einer circa vier Millimeter dicken Schicht Sikalastic M 689. Lässt sich die Fugenbandage nicht in einem Arbeitsgang ausführen, ist gegebenenfalls der Haftvermittler Sikalastic P 691 aufzutragen. Final erfolgte der ganzflächige Systemaufbau mit Sikafloor Traffic 2239, sodass die Fuge nicht mehr sichtbar ist.
Sanierung der Ebene U3
Die Bodenplatte der untersten Parkebene U3 wies vollflächig umfangreiche Tausalzwasserschäden auf. Hier war die erste Bewehrungslage bereits derart geschädigt, dass der Abtrag der befallenen Bereiche mit dem Hochdruckwasserstrahl erfolgen musste. Dafür ersetzte man die obere Lage des Bewehrungsstahls und baute den Beton wieder ein. Nach 28 Tagen brachte der Verarbeiter schließlich ebenfalls das Oberflächenschutzsystem Sikafloor Traffic 2239 auf.
Die Schäden im Sockelbereich der Wände und Stützen erforderten den Abtrag der Betonschicht und die Reprofilierung mit dem sulfatbeständigen, langsam erhärtenden Vergussbeton SikaGrout 580.
Fazit
Durch die Verwendung des Polyurea Systems Sikafloor Traffic 2239 waren die Arbeiten mit dem Hochdruckwasserstrahl auf den Ebenen U1 und U2 nur lokal und auf der untersten Parkebene vollflächig notwendig. Das hochreaktive System ist bereits nach wenigen Sekunden fest, nach kürzester Zeit ausgehärtet, begeh- und überarbeitbar. Stillstandzeiten im Parkhaus konnten so sehr kurzgehalten werden, sodass die Einnahmenausfälle gering ausfielen. Nach nur kurzer Bauzeit erstrahlt das nahe der Fußgängerzone gelegene Parkhaus P8 in neuem Glanz.
Sika Deutschland CH AG & Co KG
www.sika.de
