VFG macht Dampf in der Grundstücksentwässerung

Erweiterte DIBt-Zulassung für das lineTEC ProFlex-System

Der Markt der Sanierungstechniken für die Grundstücksentwässerung ist um eine interessante Variante reicher. Die Vereinigte Filzfabriken AG (VFG), Giengen, stellen jetzt ihr lineTEC ProFlex-Linersystem in einer Variante mit Dampfhärtung vor. Am 12. Oktober 2009 bestand dieses Verfahren erfolgreich die Insitu-Prüfung im Zuge des DIBt-Zulassungsverfahrens durch das deutsche Institut für Bautechnik Berlin.

Ziel des aktuellen Verfahrens ist eine Erweiterung der bereits bestehenden DIBt-Zulassung für ProFlex auf die Dampfhärte-Technik. Mit dieser Zulassung wäre die VFG AG der bis dato einzige Anbieter, der die schnelle und sichere Dampfhärtungstechnik auch beim Schlauchlining von Hausanschluss- und Grundleitung anbieten kann.

Härtungstechnik – der Schlüssel zum Erfolg

Zeit ist Geld – kaum irgendwo hat diese Weisheit so viel Berechtigung wie bei der Sanierung von Hausanschlussleitungen auf privaten Liegenschaften. Für die Wirtschaftlichkeit einer Sanierungskolonne ist es ein erheblicher Unterschied, ob man einen, zwei oder gar mehrere Liner pro Tag einbauen kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei prinzipiell die Härtungstechnik, wobei Verfahrensänderungen stets das Ziel berücksichtigen müssen, dass die Qualität des Sanierungsergebnisses selbstverständlich nicht unter einer Verfahrensbeschleunigung leiden darf. Das war auch klare Zielvorgabe einer Neuentwicklung, welche die Vereinigte Filzfabriken AG, Giengen, derzeit für eine erweiterte DIBt-Zulassung prüfen lässt.

Das von der VFG vertriebene, auf dem Werkstoff Nadelfilz basierende Linersystem lineTEC ProFlex verfügt in Verbindung mit dem Epoxidharzsystem Biresin lineTEC EP 40 schon seit Jahren über die für den Einsatz auf privaten Grundstücken obligatorische DIBt-Zulassung. Bisher erfolgte die Härtung der Liner durch Heißwasser. Hier sahen die VFG-Entwickler Potential für eine Beschleunigung des Prozesses bei gleichzeitiger Verbesserung des Ergebnisses: In der neuen Verfahrensvariante übernimmt Heißdampf die Rolle des Härtungs-Initiators. Wie dies funktioniert, wurde bei der Insitu-Prüfung im Rahmen der DIBt-Zulassungsprüfung demonstriert, die am 12.Oktober in Hohenrain/Schweiz abgenommen wurde. Ausführendes Unternehmen war die KRT AG, Sempach, die eine 17,35 m lange Liegenschaftsleitung DN 150 mit dem dampfhärtenden lineTEC ProFlex-System sanierte.

Nachdem die Leitung einsatzfertig gereinigt und nochmals TV-inspiziert war, wurde um 9 Uhr mit dem eigentlichen Einbauvorgang begonnen. Im ersten Arbeitsgang wurde der auf passende Länge zugeschnittene ProFlex-Liner mit dem Biresin lineTEC EP 40 Harz gefüllt. Im Durchlauf des harzgefüllten und unter 0,3 bar Vakuum gesetzten Liners durch eine Walzenanlage wurde gewährleistet, dass das Nadelfilz-Schlauchmaterial sich ohne Lufteinschlüsse mit dem Harz füllte. Nachdem man den Liner in einer Wanne zum Installationsschacht getragen hatte, wurde er dort in eine mobile Inversionseinheit eingespannt, das den Schlauch im Umkehrverfahren pneumatisch in die Leitung einstülpt. Die Inversionstechnik reduziert Materialbelastungen des Liners beim Einbau auf ein Minimum, da Zug- und Reibungskräfte entfallen.

Der mit 0,3 bis 0,5 bar Druck formschlüssig ins Rohr inversierte Liner wurde anschließend exakt eine Stunde lang mit genau 70° C heißem Dampf gefüllt. Für den Sanierungserfolg, also eine in ganzer Länge gleichmäßige und ausreichende Härtung, ist eine genaue Steuerung dieser Prozessparameter essentiell. Die Dampftemperatur wird deshalb genau kontrolliert und aufgezeichnet. Sie muss im Härtungszeitraum an End- und Startpunkt der Haltung weitestgehend identisch sein. Präzise kontrolliert wird auch der Abkühlprozess. Durch Zugabe kalter Luft zum Dampf wird der Liner binnen 20 Minuten auf 30° C herunter gekühlt. Genau zweieinhalb Stunden nach Start des Sanierungsvorgangs konnte der fertig ausgehärtete Liner in Hohenrain in den Schächten aufgeschnitten und wieder in Betrieb genommen werden.

Von dem neuen Härtungssystem verspricht man sich bei VFG nicht nur eine Verfahrensbeschleunigung, sondern auch eine signifikante Verbesserung des Ergebnisses: Während die exotherme Reaktion des EP-Harzes bei Wasserfüllung durch die Wärmeaufnahmekapazität des Wassers systematisch gedämpft wird, wird sie durch Dampf in keiner Weise ausgebremst, sondern trägt zusätzlich zur gründlichen Aushärtung des Liners bei. Die labortechnischen Ergebnisse, die an einem Probestück der Insitu-Prüfung im Sachverständigenbüro für Kunststoffe Dr. Sebastian, St. Wendel, durchgeführt wurden, bestätigten das: Sämtliche in der DIBt-Zulassung geforderten Prüfparameter wurden weit übertroffen:

Nur ganz am Rande ist zu erwähnen, dass der dampfgehärtete ProFlex-Liner ansonsten alle physikalischen Eigenschaften besitzt, die den Liner in der Praxis schon bisher auszeichnen: Nicht zuletzt gehört dazu die Bogengängigkeit des Systems bis 90°. n

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