Ingenieurbau

Partner unter zwei Flaggen

Messe und Forum

Wenn man den Namen econstra erwähnt, darf man sich der Aufmerksamkeit in der Ingenieurbaubranche sicher sein. In Freiburg startet die erste spezialisierte Messe für die Entscheider im Ingenieurbau. Die Veranstaltung ist Messe und Fachforum zugleich. Braucht die Bauwelt ein spezialisiertes Event für die Profiplaner im Ingenieurbau?
Von Thomas Dieterle, der lange Zeit mit der Vorbereitung der econstra verbrachte, bekommt man als Fragesteller ein entschiedenes „Ja“.

Dieterle, mittlerweile treibende Kraft für Marketing und Vertrieb der econstra, nimmt man diese Überzeugung unbedingt ab. „Alle unsere Beobachtungen deuten auf einen Bedarf für einen Branchentreff für Bauingenieure hin“, sagt er. Sein Hauptbüro befindet sich übrigens nicht weit entfernt vom Messestandort Freiburg. tHIS befragte Thomas Dieterle exklusiv über die Branche, die Messe und seine Erwartungen an die Besucher.


tHIS: Der Ingenieurbau (IB) taucht sowohl im Hochbau als auch im Tiefbau auf. Wie lautet die Definition für den Ingenieurbau? Welche Baumaßnahmen bzw. Gebäude sind davon betroffen?


Es gibt keine festgelegte Definition für Ingenieurbau. Im allgemeinen Sprachgebrauch unterscheidet man noch immer den klassischen Hochbau (Einfamilienhäuser, Industriehallen....), den Tiefbau (Erdbau, Baugruben, Rohrgräben...) und den Ingenieurbau.

Unter Ingenieurbau wird allgemein alles bezeichnet was den besonderen ingenieurtechnischen Anspruch bei der Konstruktion, Erstellung und auch beim Betrieb erfordert. Dies sind insbesondere Anlagen der technischen Infrastruktur wie Autobahnen, Brücken, Tunnel, Klärwerke, Wasserbehälter, Energieanlagen, Staudämme etc. Insbesondere auch Bauwerke der erneuerbaren Energien (Windkrafträder, Wasserkraftwerke, Pumpkraftwerke, Geothermie usw.). Pipelines, Gas-, Wasser-, Energieversorgung und Abwasserentsorgung (Leitungsbau und Anlagen). Aber auch Tragwerke bei Hallen, Fassaden bei Hochhäusern etc. Ein eigener Bereich ist der vorbeugende und bautechnische Brandschutz. Zur Erstellung dieser Bauwerke benötigt man Ingenieurbüros, entsprechende Geräte und natürlich auch Materialien (Befestigungstechnik, spezielle Betone, Stahl- und Holzsorten......) mit entsprechenden Prüfungen und Zulassungen, so dass dies alles zum Bereich des Ingenieurbaus gezählt werden kann. Es bestehen im öffentlichen Bereich zusätzliche Vorschriften ( z.B. ZTV-Ing. = Zusätzliche technische Vorschriften für den Ingenieurbau des Bundes und der Länder) welche die Planung, Herstellung aber auch Wartung, Prüfung und Instandhaltung regeln.

Hierfür sind spezielle Qualifikationen (z.B. Nach DIN 1076) wie auch Analysen und Prüfverfahren erforderlich. 


tHIS: Muss ich um Leistungen im Ingenieurbau anzubieten selber Bauingenieur sein, oder reicht die Rechtsform einer Bauunternehmung.


Es reicht die Rechtsform Bauunternehmung, allerdings benötig man für die einzelnen Bereiche  jeweils entsprechende Zulassungen und Prüfungen. Hierzu gehören beispielsweise Zulassungen zur Herstellung von Leimhölzern, Eignungsnachweise zur Verarbeitung von Betonen der Überwachungsklasse II, zur Herstellung spezieller Anker und Befestigungen (z.B. HILTI-HIT), zur Instandsetzung von Bauwerken (z.B. SIVV-Schein), spezielle Schweissnachweise, Brandschutzzulassungen u.a. Einige Hochschulen und Institute haben sich hierauf spezialisiert ( z.B. MPA Karlsruhe). Auch die planenden Ingenieurbüros benötigen diese und andere Nachweise. Deren Anzahl ließe sich noch lange ausdehnen. Materialien für den Ingenieurbau benötigen spezielle Zulassungen z.B. Von der BAST (Bundesanstalt für Straßenwesen), BAM (Bundesanstalt für Materialprüfung), BAW (Bundesanstalt für Wasserbau), DAfSt Deutscher Ausschuss für Stahlbeton), Gütegemeinschaft Kanalbau u.v.a. Diese Institutionen sind weitgehend auch Partner der econstra.


tHIS: Die Einteilung nach IB und Hoch- und Tiefbau gibt es für Bauunternehmer seit 2008 nicht mehr. Wie segmentieren Sie die Betriebe in diesem Bereich? Wie viele IB-Büros gibt es? Wie viele Bauunternehmer spezialisieren sich auf diesem Gebiet.


Genaue Zahlen kenne ich hier leider nicht, es gibt jedoch in Deutschland mehre Zehntausend Ingenieurbüros und einige tausend Unternehmen, welche sich mit dem Ingenieurbau und der Instandsetzung von Ingenieurbauwerke befassen. Die Partner der econstra vertreten mehr als sechzigtausend Büros und Unternehmen aus den verschiedenen Bereichen des Ingenieurbaus.


tHIS: Wie behandelt die Auftraggeberseite den Ingenieurbau, gibt es dort signifikante Unterschiede gegenüber dem klassischen Hoch- und Tiefbau?


Die Auftraggeberseite fordert gerade auch im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit Ihrer Bauwerke die Einhaltung der speziellen Zulassungen und Nachweise für Materialien ebenso wie bei der Herstellung. Das Bewusstsein hierfür ist durch die Erfahrungen in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Viele Bauwerke der 70er bis 90er Jahre sind in schlechtem bis sehr schlechtem Zustand. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass hier mit fehlender Qualität gebaut wurde. Schuld daran sind oft fehlende Erfahrungen im Bereich der noch jungen Baustoffe (Kunststoffe z.B. Beschichtungen, Betone z.B. Fehlende Eignung gegen chemische Angriffe, Klebstoffe z.B. im ....), der Einsatz von ungeeignetem Personal durch den massierten Einsatz von Subunternehmen, aber auch die fehlende Qualifikation von Auftraggebern und Planern. Auch Umwelteinflüsse und Verkehrsbelastungen haben erheblich zugenommen. 

Das Bewusstsein hierfür hat sich in den letzten 15-20 Jahren verändert. Deshalb wird verstärkt in die Erhaltung und Regelmäßige Überprüfung von Bauwerken investiert. Gerade öffentliche Auftraggeber fordern verstärkt die Eignung der Planer und ausführenden Unternehmen, sowie die Dokumentation bei der Erstellung und Instandsetzung z.B. Nach DIN 1076. Auch Wartungsverträge werden verstärkt gefordert und abgeschlossen. Hieraus ergibt sich die Chance neuer Geschäftsbereiche für Hersteller, Ingenieurbüros und ausführende Unternehmen.

Dies im öffentlichen wie auch im privaten Bereich.


Ist der Ingenieurbau für die Wertschöpfung eher ein Gewinn- oder Verlustbringer?

Viele Bauunternehmen generieren im Bereich des Ingenieurbaus und hier vor allem In der Instandsetzung einen erheblichen Teil ihrer Gewinne. National wie international. Dies vor allen Dingen, da hier meist nicht alleine der Preis im Vordergrund steht, sondern Lösungen nachgefragt werden, welche den Betrieb und die Dauerhaftigkeit der Bauwerke gewährleisten. Die ingenieurtechnischen Vorleistungen, welche Unternehmen hier zur Erarbeitung von Angeboten und Sondervorschlägen erbringen sind natürlich wesentlich höher als im einfachen Hoch- und Tiefbau. 


tHIS: Was muss ich als Bauunternehmer beachten, wenn ich stärker im Segment Ingenieurbau reinkommen bzw. wachsen möchte?


Kapitalstarkes, spezialisiertes Bauunternehmen mit eigenem Ingenieurbüro, welches die Bauherren von Anfang an berät und Vorschläge zur Durchführung und Erhaltung ausarbeitet. Dieses arbeitet bei Ausschreibungen Sondervorschläge aus, welche dem Bauherrn Qualitäts-, Termin- oder finanzielle Vorteile bietet. Das Unternehmen profitiert hiermit in der Regel von besseren Margen, da keine vergleichbaren Leistungen angeboten werden. Patentierte Ausführungen können gemäß VOB (Verdingungsordnung von Bauleistungen) freihändig vergeben werden.

Die Baustellenplanung und Überwachung  erfolgt mit eigenen Ingenieuren mit Erfahrung in den Verfahren und mit den Produkten des Ingenieurbaus. Die Hauptarbeiten ( z.B. Betonarbeiten, Holzbau, Stahlbau....) werden mit eigenen qualifizierten Fachkräften ausgeführt. Spezialleistungen (Beschichtungen, Verankerungen, Abdichtungen, Fremdüberwachungen....) werden von hochqualifizierten Fachunternehmen hinzugekauft. Ein wichtiger Bestandteil ist die Überwachung der Qualität und Bauausführung. Nachtragsmanager überwachen die Kosten und erarbeiten während der Ausführung ständig weitere Angebote und Verbesserungsvorschläge zur Ausführung und Wartung.

Zu einem Grundstamm von Geräten (Kräne, Bagger, Baustelleneinrichtungen, Kleingeräte) werden in der Regel entsprechende Spezialgeräte zugemietet. Viele Unternehmen mieten zwischenzeitlich alle Geräte von entsprechenden Dienstleistern, welche dann auch für die Instandhaltung und bei Ausfall entsprechenden Ersatz verantwortlich sind. Mit und ohne Bedienung.

Die Unternehmensstruktur geht von der One-Man-Show bei kleinen Bauvorhaben und Instandhaltungen bis zum Unternehmen mit tausenden von Mitarbeitern. Alle Größen deutschen Bauunternehmen haben eigene Abteilungen für den Ingenieurbau. Viele auch für den Spezialtiefbau, welcher auch zum Ingenieurbau zählt.

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